Hirnleistungstraining bei Demenz: Übungen und Ansätze zur Förderung kognitiver Fähigkeiten

Für Menschen mit und ohne Demenz ist es von Bedeutung, den Geist täglich zu fordern. Regelmäßiges Gedächtnistraining kann den Abbau der kognitiven Leistungsfähigkeit bei Demenz hinauszögern und vorhandene Kompetenzen stärken. Im Folgenden werden verschiedene Aspekte und Übungen des Hirnleistungstrainings bei Demenz erläutert, um Betroffenen und ihren Angehörigen einen umfassenden Überblick zu bieten.

Was ist Hirnleistungstraining?

Das Hirnleistungstraining, auch bekannt als neurologische Therapie, kognitives Training, zerebrales Training oder Gedächtnistraining, ist eine neurologische Behandlung, die darauf abzielt, die Gehirnleistung zu verbessern. Dabei werden Störungen der Hirnleistung verschiedenster Ursache behandelt. Der Fokus liegt auf einem ganzheitlichen Ansatz, der individuell auf den Klienten abgestimmt ist. Während der Therapie werden die verschiedenen Bereiche des Gehirns trainiert, um den individuellen Bedürfnissen des Klienten gerecht zu werden.

Ziele des Gedächtnistrainings bei Demenz

Gedächtnistraining für Demenzerkrankte umfasst kleine Übungen, die darauf abzielen, die kognitive Leistung zu erhalten. Es fordert die Gehirnleistung und aktiviert das Gehirn aus dem Ruhemodus. Das Gedächtnistraining bei Demenz hat zum Ziel, die Konzentrationsfähigkeit der Betroffenen zu steigern und den Gedächtnisverlust, der mit der Erkrankung einhergeht, zu verlangsamen.

Ein ganzheitliches Gedächtnistraining bei Demenz sollte sich nicht auf eine einzelne Fähigkeit konzentrieren. Vielmehr sollen die Sinne, der Geist und der Körper angesprochen werden. Dies gelingt, indem die Sinneswahrnehmungen gestärkt, das Langzeitgedächtnis aktiviert und Bewegung gefordert wird.

Grundlagen des Gedächtnistrainings für Demenzerkrankte

Wichtige Aspekte

  • Erfolg & Selbstwert: Passen Sie die Schwierigkeit der Übungen an die geistigen Fähigkeiten der demenzerkrankten Person an.
  • Spaß: Finden Sie heraus, welche Übungen und Rätsel der demenzerkrankten Person Spaß machen.
  • Langzeitgedächtnis: Aktivieren Sie das Wissen, das im Langzeitgedächtnis abgelegt ist. Vermeiden Sie aktuelle Bezüge zu Politik und Tagesgeschehen, da sich die betroffene Person diese Informationen aufgrund der Demenzerkrankung möglicherweise nicht merken kann.
  • Kurze Einheiten: Auch wenn Sie die Konzentrationsfähigkeit trainieren, können sich demenzerkrankte Menschen meist nur für kurze Zeit konzentrieren. Schieben Sie, wenn möglich, lieber mehrere kleine Einheiten am Tag ein.
  • Vorhandenes stärken: Wenn Sie die Defizite durch Übungen aufholen möchten, werden Sie schnell auf Frust und Überforderung stoßen.
  • Klare Kommunikation: Kommunizieren Sie klar und deutlich. Seien Sie empathisch und beobachten Sie die Reaktionen und Gefühle Ihres Gegenübers genau.

Die 10-Minuten-Aktivierung

Die 10-Minuten-Aktivierung zielt darauf ab, die Sinne anzuregen sowie Körper und Geist zu aktivieren. Auch wenn mit dieser Aktivierung eher professionelle Betreuungskräfte in den Altenheimen angesprochen sind, können Sie diese Aktivierung genauso gut als pflegender Angehöriger zu Hause durchführen.

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Schulungen und Pflegekurse

Wenn Sie mehr zum Umgang mit Demenzerkrankten erfahren möchten, können Sie sich kostenlos schulen lassen. In Pflegekursen oder -schulungen geben Ihnen Pflege-Experten wertvolle Tipps für die Pflege und Beschäftigung bei Demenz an die Hand - auch individuell auf Ihre Pflege-Situation zugeschnitten. Von Tipps zum Umgang bis zur Entlastung für Angehörige. Lernen Sie mehr über Alzheimer & Demenz - in Ihrem Tempo und wann es Ihnen passt.

Praktische Übungen für das Gedächtnistraining

Die speziellen Gedächtnisübungen bei Demenz sollten sich immer nach der Schwere der Demenzerkrankung richten. Über- oder unterfordern Sie Ihr Gegenüber nicht! Weil mit fortschreitender Demenz die Fähigkeit des abstrakten Denkens verloren geht, sollte das Material für das Demenz-Gedächtnistraining konkret sein. Nutzen Sie handfeste Hilfsmittel wie Buchstabenplättchen, Fundstücke aus dem Wald oder Gegenstände des Alltags für die Demenz-Trainingseinheiten.

Sinneswahrnehmung stärken

  • Sehen: Schärfen Sie gemeinsam das Sehen im Alltag, indem Sie die Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Farbe oder ein Muster lenken. Dafür eignen sich beispielsweise bunte Farben sowie einfache Muster wie Linien, Kreise oder Dreiecke.
  • Hören: „Geräusche erkennen“ können Sie schnell und einfach mit Alltagsgegenständen umsetzen. Ihr Spielpartner soll dabei erraten, welches Geräusch Sie machen. Das kann zum Beispiel das Rascheln von Laub, das Klingen von Glas, das Kratzen eines Kugelschreibers auf Papier oder das Zischen einer Wasserflasche sein.
  • Fühlen: Den Tastsinn können Sie spielerisch leicht mit der Übung „Gegenstände erfühlen“ aktivieren. Wenn er mag, schließt Ihr Spielpartner die Augen. Sie können beispielsweise Erinnerungen zur Natur wachrütteln, indem Sie Fundstücke aus dem Wald mitbringen, etwa Kiefernzapfen, Blätter, Steine, Holz und Moos. Oder aber Sie lassen zum Beispiel Steine und Holzstücke vergleichen. Was ist härter, was weicher?
  • Riechen: Geben Sie Ihrem Angehörigen zum Beispiel ein wohlduftendes Stück Seife oder ein frisches Lavendelkissen.

Weitere Übungen

  • Wortfindung trainieren: Menschen mit Demenz sind oftmals auf der Suche nach bestimmten Wörtern.
  • Erinnerungen wachrufen: Auch vertraute Bilder von früher oder Gegenstände des Alltags können Assoziationen wecken. Oder Sie spielen „Lieder erraten“. Für diese Übungsidee braucht es einen Bezug aus der Vergangenheit, auf die Ihr Gegenüber zurückgreifen kann. Spielen Sie ein bekanntes Lied von früher ab und lassen Sie den Interpreten und/oder den Liedtitel erraten.
  • Konzentration fördern: Puzzles oder Memory-Spiele, beides im größeren Format, fordern und fördern die Konzentrationsleistung.

Händegymnastik

Wenn wir Finger und Hände durch Gymnastik bewegen, wirkt sich das positiv auf unsere kognitiven Leistungen aus. Händegymnastik erfordert die sogenannte Auge-Hand-Koordination, die sich mit etwas Übung verbessern lässt.

  • Mit der rechten Hand werden nacheinander alle Finger der linken Hand einzeln von unten nach oben ausgestrichen und an der jeweiligen Fingerkuppe sanft nach oben gezogen. Begonnen wird am Daumen.
  • Die Finger beider Hände spielen auf dem Tisch auf einem imaginären Klavier.
  • Variation: Die Hände werden vom Tisch gehoben und die Finger spielen in der Luft Klavier.

Ergotherapeutisches Hirnleistungstraining

Ein ergotherapeutisches Hirnleistungstraining ist eine spezialisierte Therapieform innerhalb der Ergotherapie. Ziel ist es, die Hirnleistung gezielt zu trainieren, um Einschränkungen im Alltag auszugleichen.

Ablauf des Trainings

In der Therapie werden kognitive Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Konzentration, Gedächtnis und Handlungsplanung geübt. Das Training wird von einer erfahrenen Ergotherapeutin oder einem Ergotherapeuten durchgeführt.

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Wer verordnet das Training?

In der Regel wird das Training ärztlich verordnet, z. B. nach einem Schlaganfall, bei Demenz oder anderen neurologischen Erkrankungen.

Langfristige Vorteile

Durch das gezielte Fördern kognitiver Funktionen und das kontinuierliche Üben stellt sich bei vielen Patienten eine Verbesserung der Fähigkeiten ein.

Apraxie

Apraxie bezeichnet eine Störung der Handlungsplanung, z.B. nach einem Schlaganfall oder einer Hirnblutung. Es bedeutet, dass der Patient Schwierigkeiten dabei hat, eine Tätigkeit in notwendige kleine Abläufe aufzuteilen und in der richtigen Reihenfolge durchzuführen. Formen der Apraxie können sich in verschiedenen Schweregraden äußern. Der Ergotherapeut passt die Behandlung auf den Schweregrad der Erkrankung an.

Alltagsrelevante Tätigkeiten, vom Anziehen bis zum Zähneputzen, werden von den Ergotherapeuten mit den Klienten erarbeitet. Auch aufmerksamkeits-, merkfähigkeits- und konzentrationsfördernde Übungen sind ein wichtiger Bestandteil des Trainings. Hirnleistungstraining kann mit Training an Geräten verglichen werden.

Tipps für die Durchführung von Gedächtnistraining

Rahmenbedingungen schaffen

  • Klarheit: Menschen mit Demenz mögen Klarheit.
  • Ruhige Atmosphäre: Schaffen Sie eine ruhige Atmosphäre.
  • Beobachtung: Beobachten Sie einmal, wie es Ihrem Angehörigen nach dem Training geht.
  • Einfache Erklärungen: Erklären Sie die Aufgabenstellung in einfachen Worten.
  • Transparenz: Machen Sie transparent, wofür die Übung gut ist. Geht es um die Konzentration, die Schnelligkeit oder um die Merkfähigkeit.
  • Verständnis prüfen: Vergewissern Sie sich, dass die Übung von dem Betroffenen verstanden wurde.
  • Individuelle Anpassung: Beobachten Sie, welche Übungen Ihrem Angehörigen Spaß machen und welche ihn eher frustrieren.
  • Schwierigkeitsgrad anpassen: Aufgaben, die zu leicht sind, erscheinen möglicherweise „kindisch“ und beleidigen eher, als sie motivieren. Aufgaben, die zu schwer sind, können Stress auslösen. Brechen Sie ab, wenn der Schwierigkeitsgrad zu hoch ist.
  • Entschleunigung: In so einem Fall ist es das Beste, einen Gang herunterzuschalten.
  • Kontinuierliche Anpassung: Im Laufe der Zeit werden Sie die Übungen immer wieder anpassen müssen. Denn es kann sein, Ihr Angehöriger hat so viel Freude an den Übungen, dass Sie das Level leicht anheben können.
  • Entspannter Ansatz: Egal, wie alt jemand ist, wenn Stresshormone ausgeschüttet werden, schaltet der Körper in den Flucht- oder Kampfmodus. Daher plädiere ich für einen entspannten spielerischen Ansatz. Nach dem Motto: „Also ich weiß auch nicht, wie das hier richtig ist."
  • Erfolge feiern: Freuen Sie sich gemeinsam über die Erfolge. Damit stärken Sie das Selbstwertgefühl Ihres Gegenübers. Wir singen manchmal „So sehen die Sieger aus!". Eine andere Möglichkeit, die wir gern nutzen, ist, sich für die Erfolge auf die Schulter zu klopfen.
  • Lösungsorientierung: Im lösungsorientierten Coaching sagen wir: „Wenn etwas nicht funktioniert, probiere etwas anderes."
  • Stärken fokussieren: Es geht nicht darum, Defizite zu beheben. Auch mit den ausgefeiltesten Übungen werden Sie das Kurzzeitgedächtnis nicht reparieren können. Darum geht es nicht. Es geht um den soliden Versuch, den Status Quo so lange wie möglich zu erhalten. Freuen Sie sich über das, was gut funktioniert.
  • Gestaltung der Übungsblätter: Die Übungsblätter dürfen schön gestaltet sein. Wobei schön auch „klar“ heißen sollte. Aber wenn Sie den 99. Hier ist weniger mehr.
  • Stille: Auf einem der letzten Alzheimer Kongresse beeindruckte mich eine Musiktherapeutin, die über den Wert der Stille sprach.
  • Geräusche vermeiden: Ich hatte vor einigen Jahren ein Rummy-Spiel gekauft, dessen Spielsteine aus einem seltsam leichten Plastik waren und die beim Aneinanderstoßen und beim Ablegen furchtbare Klack-Geräusche machten.
  • Sinne nutzen: Wann immer es sich anbietet, können Sie auch diese Sinne nutzen.
  • Geeignete Materialien: Ich habe bei eBay ein scheinbar wunderbares altmodisches Frage-Antwort-Spiel erworben. Doch leider sind die Kärtchen so winzig klein, dass es eine Zumutung für Hand und Auge ist.
  • Gewohnheiten berücksichtigen: An dieser Stelle sende ich einen Gruß an Herrn R., der sich weigerte zur Kurzzeitpflege zu gehen, weil es für ihn da kein WLAN gab.
  • Technische Hilfsmittel: Für diese Menschen gibt es viele Apps, mit denen sie ihr Gedächtnis trainieren können. Für andere Menschen ist die Technik eine zusätzliche Hürde.
  • Regelmäßigkeit: Üben Sie regelmäßig, am besten jeden Tag. Schauen Sie, wo Sie im Alltag eine Übungseinheit einbauen können.
  • Tageszeit beachten: Überlegen Sie, zu welcher Tageszeit der Mensch mit Demenz seine beste Leistungsfähigkeit hat. Bei vielen Menschen ist das der späte Vormittag. Oder nutzen Sie die Übungen um die „blaue Stunde“ am Nachmittag, also eine Zeit wo der Betroffenen vielleicht etwas unruhiger ist, zu entspannen. Vermutlich können Sie am Vormittag schwierigere Aufgaben lösen als am Nachmittag.

Übungsideen und Ressourcen

  • Eigene Übungen: Vielleicht haben Sie keine Lust oder Zeit sich immer wieder selbst Übungen auszudenken. Ich persönlich liebe es, was Sie sicher bemerkt haben, wenn Sie den Adventskalender nutzen. Demnächst wird es auch einige Pdfs dazu geben.
  • Online-Ressourcen: Auch Übungen zum Gedächtnistraining gibt es massenweise (und in recht unterschiedlicher Qualität) im Netz.
  • Apps: Die Alzheimer Gesellschaft Niedersachsen hat mit Unterstützung der Techniker Krankenkasse die App Auguste entwickelt, die Sie kostenfrei in Ihrem App-Store herunterladen können. Leider gibt es keine Online- oder Desktop-Version. Wer etwas komplexer mag, probiert den kostenlosen Zugang zur App Neuronation.

Gedächtnistraining mit der NeuroNation App

Im Internet gibt es zahlreiche Angebote mit Spielen, die eine Steigerung der kognitiven Fähigkeiten versprechen. Doch oftmals haben diese Spiele keinen weiteren Nutzen als ein gewisses Maß an Unterhaltung. Wichtig ist, dass die Erfolge wissenschaftlich messbar sind. NeuroNation hat aus diesem Zweck, zusammen mit der MHS Medical School Hamburg und der Universität Würzburg eine Studie in Auftrag gegeben. Mit ihr konnte bewiesen werden, dass die Gedächtnisübungen von NeuroNation einen messbaren Nutzen besitzen. Andere Studien zeigen, Gedächtnistraining hilft präventiv Demenz vorzubeugen. Aber auch Menschen mit Demenz können dem Gedächtnisabbau mit täglichem Training effektiv entgegenwirken.

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Beispielübungen mit NeuroNation

  • Drehmemory: Beim Drehmemory werden anfangs Symbole in einem von vier Feldern angezeigt. Danach werden sie verdeckt und verdreht. Anschließend wird die Position abgefragt. Durch diese Übung wird nicht nur das Gedächtnis, sondern auch die Konzentration, räumliches Denken, Logik und Aufmerksamkeit trainiert.
  • Blitzmerker: In Blitzmerker müssen Sie sich den richtigen Weg zur Flagge einprägen. Gleichzeitig liegen auf dem Weg unterschiedliche Symbole. Diese müssen sich ebenfalls gemerkt werden. Die Schwierigkeit kommt dadurch zustande, dass die einzelnen Symbole und Bestandteile des Weges nacheinander und in zufälliger Reihenfolge gezeigt werden.
  • Fokusmeister: Diese Übung trainiert sowohl das Gedächtnis, als auch die Aufmerksamkeit und die Geschwindigkeit des Gehirns. Während Sie einige Bilder auf der Suche nach einem ganz bestimmten Bild durchforsten, muss Ihr Gedächtnis das gesuchte Bild in Erinnerung behalten.
  • Platzmerker: Bei Platzmerker gibt es mehrere Felder, die jeweils Informationen enthalten. Nach der Merkphase werden diese untereinander vertauscht. Anschließend wird nach einem der Symbole gefragt. Ihr Gehirn wird herausgefordert, indem es seine Informationslage laufend und schnell anpassen muss.

Gedächtnistraining für Senioren

Gedächtnistraining für Senioren sind Übungen, mit denen die Gehirnleistung auch im höheren Alter gefördert werden kann. Damit Gedächtnistraining effektiv ist, muss es individuell auf die Person angepasst sein. Es gibt also kein pauschales Gedächtnistraining nur für Senioren, sondern sollte jeder Mensch, unabhängig vom Alter, einen eigens abgestimmten Trainingsplan erhalten. In der NeuroNation App geschieht das automatisch. Die App erkennt Ihre Stärken und Schwächen und kann so einen individuellen Trainingsplan für Sie erstellen.

Grundsätze für ein wirkungsvolles Gedächtnistraining 50plus

  • Abwechslung ist entscheidend: Ebenso wie es nicht reicht, nur den Bizeps zu trainieren, ist auch das tägliche Sudoku oder Kreuzworträtsel zu wenig. Ein effektives Gedächtnistraining 50plus sollte das Gehirn auf möglichst unterschiedliche Weise fordern.
  • Regelmäßigkeit zählt: Ähnlich wie bei körperlichem Training ist es besser, öfter und dafür kurz zu trainieren, um gute Effekte zu erzielen und Überforderung zu vermeiden.
  • Geeigneten Schwierigkeitsgrad wählen: Passen Sie das Training an Ihr momentanes Können an. Wenn Sie bemerken, dass Ihnen die Übungen immer leichter fallen, sollten Sie sich an kniffligeren Aufgaben versuchen.
  • Möglichst in der Gruppe trainieren: Sozialkontakte fordern an sich bereits das Gehirn und halten uns geistig fit. Gemeinsam mit anderen macht das Gedächtnistraining außerdem mehr Spaß.
  • Stress vermeiden: Gedächtnistraining sollte Freude bereiten und keine Stressgefühle auslösen. Es zählt das aktive Bemühen, nicht die tatsächlich erbrachte Leistung.

Weitere Tipps für das Gedächtnistraining mit Senioren

  • Nicht überfordern: Eine Aufgabe, die man nicht lösen kann, demotiviert und raubt einem die Lust am Weitermachen. Aus diesem Grund sollte Überforderung bei kostenlosen Übungen für das Gedächtnistraining vermieden werden. Wenn Sie trotzdem mal aus Versehen eine Übung gewählt haben, die zu schwer ist, dann verraten Sie nicht sofort die komplette Lösung. Geben Sie Hilfestellung und versuchen Sie den Lösungsweg gemeinsam mit den Teilnehmern zu gehen.
  • Interessante, biografiebezogene Themen: Es gibt wenig Männer im fortgeschrittenem Alter, die man mit dem Thema Putzen aus der Reserve locken kann. Umgekehrt ist es in der Seniorengeneration auch oft schwierig, Frauen mit Übungen rund um die Werkstatt zu begeistern. Die meisten Übungen lassen sich mit ein wenig Kreativität an die eigene Zielgruppe anpassen. Stellen Sie sich dafür die Frage, was den Menschen, mit denen Sie arbeiten, Spaß macht. Welche Themen finden sie interessant? Was hat sie in ihrem Leben beschäftigt?
  • Anfassen, angucken, riechen und schmecken: Schwierige Übungen für das Gedächtnistraining lassen sich leichter lösen, wenn diese mit realen Gegenständen durchgeführt werden. Beispiel: Ein Memory kann man nicht nur mit Bildern von Gegenständen spielen. Bringen Sie reale (kleine) Gegenstände mit und verstecken Sie diese unter Pappbechern. Das Memory-Spiel ist so viel greifbarer. Zweites Beispiel: Auch das Merken von Gegenständen ist einfacher, wenn Sie anstatt eine Liste vorzulesen reale Gegenstände unter einem Tuch verschwinden lassen.
  • Abwechslung: Das A und O eines gelungenen Gedächtnistrainings ist die Abwechslung.
  • Entspannung: Gedächtnistraining ist mehr als eine Aneinanderreihung von Übungen. Bei allen Zielgruppen, aber bei Menschen mit Demenz besonders, ist es wichtig, dass man auch Entspannungsmöglichkeiten in das Gedächtnistraining integriert.
  • Bewegung: Die Kombination von Gedächtnistraining und Bewegungsübungen hat sich als besonders wirkungsvoll herausgestellt. Aus diesem Grund kann auch ein kleiner Sitztanz oder eine kleine Gymnastikübung hervorragend in das Gedächtnistraining integriert werden. Doch auch Übungen, die zum Beispiel Konzentration und Bewegung miteinander kombinieren, sind sehr beliebt. Beispiel: Lies eine Geschichte vor, in der ein Name mehrmals vorkommt. Immer wenn der Name in der Geschichte vorkommt, klatschen die Teilnehmer. Bei einer solchen Übung müssen sich die Teilnehmenden auf der einen Seite konzentrieren um den Einsatz bzw. die Nennung des Namens nicht zu verpassen und müssen sich auf der anderen Seite bewegen bzw.
  • Biografie-Bezug: Bei der Zusammenstellung eines Gedächtnistrainings wird gerne mit Themen gearbeitet. In der Arbeit mit Menschen mit Demenz hat es sich bewährt, wenn sich diese Themen an der Biografie der Teilnehmenden orientieren. Während eine Dame, die ihr ganzes Leben lang Hausfrau war sich vielleicht über ein Thema wie „Einkochen und Haltbarmachen“ freut, lockt man einen ehemaligen Schreiner vielleicht mit einem Thema wie „Holz und Werken“ aus der Reserve.
  • Überforderung: Ein Gedächtnistraining sollte Erfolgserlebnisse ermöglichen und nicht frustrieren. Doch auch Unterforderung sollte vermieden werden. Es ist daher wichtig die Übungen im Schwierigkeitsgrad an die eigene Gruppe anzupassen. Niemand kennt deine Teilnehmer so gut wie du!
  • Orientierungshilfen: Gedächtnistraining kann sehr basaler Natur sein und muss nicht nur aus Übungen, Arbeitsblättern und Spielen bestehen. Gedächtnistraining kann auch bedeuten, dass man Orientierungshilfen für die Bewältigung des Alltags schafft. Die Kennzeichnung von verschiedenen Räumen oder die Beschriftung von Schubladen und Schränken kann eine große Hilfe sein. Auch das Üben von Wegen (wie zum Beispiel der Weg vom eigenen Zimmer in den Speiseraum, wenn der Mensch mit Demenz in ein Pflegeheim eingezogen ist) kann Teil eines Gedächtnistrainings sein.

Beispiele für Übungen im Gedächtnistraining

  • Assoziationen zu Wolkenbildern: Nimm ein dunkles Stück Papier (am besten ist blaues Papier geeignet) und tupfe mit einem Schwamm oder mit einem Taschentuch fantasievolle Wolkengebilde auf das Papier. Du brauchst so viele Bilder mit „Wolken“ wie Du Teilnehmer im Gedächtnistraining hast. Verteile die Bilder und lass die Teilnehmer assoziieren, was sie in den Wolkenbildern erkennen können.
  • Rückwärts buchstabieren: Bitte die Teilnehmer, ihren Vornamen rückwärts zu buchstabieren. Wenn die Übung zu schwer erscheint, kann auch im Chor (das nimmt den Leistungsdruck vom einzelnen Teilnehmer weg) gemeinsam rückwärts gezählt werden. Oder Du schreibst ein Wort in Großbuchstaben an Tafel oder Flip-Chart und alle buchstabieren gemeinsam rückwärts bzw.
  • Kreisbilder: Verteile Arbeitsblätter, auf denen ein Kreis abgebildet ist (ein Kreis ist am einfachsten, es funktioniert natürlich auch ein Rechteck, ein Dreieck oder eine andere Form).
  • Sätze bilden: Gib, je nach Möglichkeit Deiner Teilnehmer, ein, zwei oder drei beliebige Wörter vor und bitte die Teilnehmer, aus den Wörtern einen Satz zu bilden.
  • Wörter in Buchstabenketten finden: Je nach Thema Deines Gedächtnistrainings, kannst Du ganz einfach eigene Arbeitsblätter mit Buchstabenketten erstellen und in der Schwierigkeit an deine Gruppe anpassen. Wähle dafür passende Wörter aus und schreibe sie mit einem Textverarbeitungsprogramm in der entsprechenden Größe auf. Verstecke die Wörter dann zwischen wahllos ausgewählten anderen Buchstaben.
  • Zahlenreihen ergänzen: Bereite einfache Zahlenreihen vor und lass die Teilnehmer ergänzen.
  • Dinge abdecken und erinnern: Lege Gegenstände auf den Tisch und sprich mit den Teilnehmern über die Gegenstände. Verstecke die Gegenstände dann unter einem Tuch und bitte die Teilnehmer aufzuzählen, welche Gegenstände unter dem Tuch sind.
  • Einkauf sortieren: Verteile Lebensmittel aus unterschiedlichen Produktgruppen (Beispiele: Milchprodukte, Obst, Gemüse, Nudeln, Reis) durcheinander auf dem Tisch. Bitte die Teilnehmer, die Produkte zu sortieren.
  • Stimmt das Sprichwort? Lies verschiedene (evtl. zum Thema passende) Sprichwörter vor und frage die Teilnehmer nach ihren persönlichen Erfahrungen. Stimmt die Aussage des Sprichwortes?
  • Fühlsäckchen: Nimm kleine Säckchen und fülle kleine Gegenstände hinein. Lass die Teilnehmer den Inhalt der Säckchen ertasten.
  • ABC-Sammlung: Eine der wohl bekanntesten Übungen im Gedächtnistraining ist das Sammeln von Begriffen mit den Anfangsbuchstaben des ABCs. Diese Übung lässt sich zu fast jedem Thema umsetzen.
  • Überschriften finden: Nenne Wörter bzw. Begriffe, die sich einer Überschrift bzw. einem Oberbegriff zuordnen lassen. Lass die Teilnehmer eine Überschrift suchen. Es muss nicht immer die Überschrift sein, die du im Kopf hattest, manchmal gibt es mehrere mögliche Lösungen. Beispiel: Hefezopf, Brot, Kuchen, Rosinenschnecke.

Präventive Maßnahmen und Lebensstil

Neben gezieltem Gedächtnistraining ist ein allgemein gesunder Lebensstil wichtig, um geistig fit zu bleiben. Vor allem körperliche Aktivität hält das Gehirn gesund.

Geistige Aktivitäten zur Vorbeugung von Alzheimer

  • Musik - hören oder machen
  • Lesen - Bücher, Zeitschriften, Zeitungen
  • Spiele - Kartenspiele, Gesellschaftsspiele, Puzzles, Computer- und Videospiele
  • Neues lernen - eine Fremdsprache, eine Sportart, ein Hobby

Dabei gilt: Je komplexer die Tätigkeit, desto anregender fürs Gehirn. Wer zum Beispiel tanzt, trainiert gleichzeitig Gedächtnis, Motorik und Koordination - und profitiert zudem vom sozialen Miteinander als Paar oder in der Gruppe.

Die Bedeutung von Musik

Es gibt wenige Dinge, die das Gehirn so anregen wie Musik. So regt Musik neue Verbindungen zwischen den Nervenzellen im Gehirn an und hilft so bei der Vorbeugung gegen Alzheimer. Ähnlich wie das Tanzen hat das Musizieren dabei einen der größten Trainingseffekte. Das Erlernen und Üben feinmotorischer Bewegungen, das Lesen von Noten und die Schulung des Gehörs stärken das Gehirn und tragen zur geistigen Fitness bis ins hohe Alter bei.

Fazit

Gedächtnistraining ist ein wichtiger Bestandteil der Betreuung von Menschen mit Demenz. Es kann helfen, die kognitiven Fähigkeiten zu erhalten, das Selbstwertgefühl zu stärken und die Lebensqualität zu verbessern. Durch die Anpassung der Übungen an die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten der Betroffenen kann ein effektives und motivierendes Training gestaltet werden. Es ist nie zu spät, mit dem Gedächtnistraining zu beginnen und die positiven Auswirkungen auf das Gehirn zu nutzen.

Empfohlene Literatur

  • Thomas Lotz (2020): Wer erinnert sich? Die fünfziger Jahre. Rätseln. Singen. Erzählen. Zurückblicken. Ausgabe mit CD.
  • Ulrich Baer (2020): Aktivierungskarten für Senioren. Spiele, Geschichten, Bilder, Lieder. Mit Online Material zum Download.
  • Birgit Henze (2016): Aktivieren mit Handgymnastik - Fingerspiele für Menschen mit und ohne Demenz, Band 1.
  • Natali Mallek (2017): Das große Praxisbuch - Gedächtnistraining für Senioren. Karlsruhe: SingLiesel GmbH.
  • Natali Mallek (2017): Gedächtnistraining nach Jahreszeiten für Senioren: Das große Praxisbuch. Karlsruhe: SingLiesel GmbH.

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