Arbeit im Garten: Wie Gartenarbeit Ihr Gehirn und Ihre Gesundheit fördert

Die Verbindung zwischen Mensch und Natur ist tief verwurzelt. Gartenarbeit, die Praxis der Pflanzenpflege und der Genuss der natürlichen Schönheit, bietet zahlreiche Vorteile für die psychische Gesundheit und das allgemeine Wohlbefinden. Studien belegen immer wieder die positiven Auswirkungen der Gartenarbeit auf die psychische Gesundheit.

Die Wissenschaft hinter dem Gartenglück

Ein Forschungsteam der University of Edinburgh in Schottland untersuchte den Zusammenhang zwischen Gartenarbeit und geistigen Veränderungen bei älteren Erwachsenen. Die Ergebnisse, die im Journal of Environmental Psychology veröffentlicht wurden, zeigen eine deutliche Kluft zwischen Gärtnern und Nicht-Gärtnern. Im Durchschnitt waren die 280 Männer und Frauen, die häufig oder manchmal gärtnerten, im hohen Alter sogar geistig fitter als sie es mit 11 Jahren gewesen waren. Die 187 Personen, die nie oder nur selten im Garten anzutreffen waren, wiesen in der Regel niedrigere Testwerte auf als bei ihrer Untersuchung im Kindesalter.

Nach Bereinigung der Daten um Faktoren wie Bildung, den sozioökonomischen Status, allgemeine Gesundheitsfaktoren und körperliche Aktivität, blieben die förderlichen Auswirkungen von Gartenarbeit auf die Gehirnfunktionen weiterhin bestehen.

Die Vorteile der Gartenarbeit für das Gehirn

Gartenarbeit ist nicht nur eine angenehme Freizeitbeschäftigung, sondern auch ein wirksames Mittel zur Förderung der kognitiven Gesundheit. Hier sind einige der wichtigsten Vorteile der Gartenarbeit für das Gehirn:

  • Stressabbau und Entspannung: Eine im Journal of Health Psychology veröffentlichte Studie ergab, dass Gartenarbeit Stressgefühle reduzieren und die Stimmung verbessern kann. Die sensorische Stimulation durch das Berühren und Fühlen von Erde und Pflanzen kann die Freisetzung von Serotonin im Gehirn auslösen. Das rhythmische, repetitive Arbeiten, wie Unkrautjäten oder Pflanzenwässern, kann meditativ wirken und hilft dabei, den Geist zu beruhigen.

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  • Verbesserung der kognitiven Funktionen: Gartenarbeit erfordert Planung, Problemlösung und Entscheidungsfindung - Fähigkeiten, die die kognitiven Funktionen verbessern können. Studien haben gezeigt, dass regelmäßige Gartenarbeit das Risiko kognitiver Beeinträchtigungen und Demenz bei älteren Erwachsenen verringern kann.

  • Stimmungsaufhellung: Der Aufenthalt im Freien und der Kontakt mit der Natur haben nachweislich eine stimmungsaufhellende Wirkung. Das Sonnenlicht, das beim Gärtnern aufgenommen wird, fördert die Produktion von Vitamin D, was wiederum die Serotoninspiegel im Gehirn erhöht und zur Verbesserung der Stimmung beiträgt. Zudem kann die Pflege von Pflanzen und das Erleben ihres Wachstums und ihrer Blüte ein Gefühl der Erfüllung und Zufriedenheit vermitteln.

  • Stärkung des Immunsystems: Der Kontakt mit der Erde und den Mikroorganismen im Boden kann die Immunfunktion verbessern. Studien haben gezeigt, dass bestimmte Bakterien im Boden, wie Mycobacterium vaccae, die Produktion von Serotonin anregen und so nicht nur die Stimmung heben, sondern auch das Immunsystem stärken können. Zusätzlich dazu trägt die körperliche Aktivität, die mit der Gartenarbeit verbunden ist, ebenfalls zur Stärkung des Immunsystems bei.

Die Vorteile der Gartenarbeit für die allgemeine Gesundheit

Neben den Vorteilen für das Gehirn bietet Gartenarbeit auch eine Reihe von Vorteilen für die allgemeine Gesundheit:

  • Körperliche Aktivität: Gartenarbeit ist eine ausgezeichnete Möglichkeit, körperlich aktiv zu bleiben, ohne das Gefühl zu haben, Sport zu treiben. Das Heben, Graben, Pflanzen und Jäten bietet ein umfassendes Training, das die Muskeln stärkt, die Ausdauer erhöht und die Beweglichkeit fördert. Die körperliche Aktivität, die mit der Gartenarbeit verbunden ist, kann auch zur Gewichtskontrolle beitragen und das Risiko chronischer Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Bluthochdruck verringern. Einer 2019 im „British Journal of Sports Medicine“ veröffentlichten Studie zufolge senken bereits zweieinhalb Stunden moderate körperliche Aktivität - wie Gartenarbeit - pro Woche (oder 21,4 Minuten pro Tag) das Risiko durch eine Herzerkrakung zu sterben um 37 Prozent.

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  • Soziale Interaktion: Gartenarbeit kann ein soziales Erlebnis sein, besonders in Gemeinschaftsgärten, in denen Menschen zusammenarbeiten, um einen gemeinsamen Raum zu pflegen. Diese sozialen Interaktionen können das Gefühl der Zugehörigkeit stärken und Einsamkeit reduzieren. Gemeinschaftsgärten bieten eine Plattform für den Austausch von Wissen und Fähigkeiten. Erfahrene Gärtner können ihr Wissen an Anfänger weitergeben, und alle Beteiligten können voneinander lernen.

  • Gesündere Ernährung: Wer auch noch Obst oder Gemüse anpflanzt, der kann die Zutaten für ein gesundes Essen ohne chemische Spritzmittel selbst auf den Teller bringen. Der heimische Obst- und Gemüseanbau ist für die Ernährung der ganzen Familie förderlich. Denn man weiß ganz genau woher die Setzlinge, Samen und Co. stammen, auf welchem Boden sie wachsen und dass sie keinen Pestiziden ausgesetzt waren.

  • Mehr Wertschätzung für Lebensmittel: Wer sich dazu entscheidet, im eigenen Garten, Hof oder auf dem Balkon Obst, Gemüse, Kräuter oder Blumen anzupflanzen, muss sich zwangsläufig mit Wasserversorgung, Platzierung oder der Qualität der Erde auseinandersetzen. Das Gärtnern fordert gewisse Einsatzbereitschaft und sorgt in einer Gesellschaft, die sich von so grundlegenden Dingen wie der Herkunft von Lebensmitteln entfernt hat, dafür, dass sich die Perspektive ändert: Man freut sich über jede Frucht, die abgeerntet werden kann und erfährt eine neue Wertschätzung für die Produkte.

Gartentherapie: Die heilende Kraft der Natur

Gartentherapie, auch Horticultural Therapy genannt, ist eine Praxis, bei der Gartenarbeit als therapeutisches Mittel verwendet wird, um die psychische, körperliche und soziale Gesundheit zu fördern. Diese Form der Therapie wird in verschiedenen Einrichtungen wie Krankenhäusern, Pflegeheimen und Rehabilitationseinrichtungen eingesetzt, um Patienten bei der Genesung zu unterstützen.

Die Therapie kann Aktivitäten wie das Pflanzen und Pflegen von Blumen und Gemüse, die Gestaltung von Gartenbeeten oder die Pflege von Kräutergärten umfassen.

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Tipps für den Einstieg in die Gartenarbeit

  • Starten Sie klein: Beginnen Sie mit einem kleinen Garten oder ein paar Töpfen, wenn Sie neu in der Gartenarbeit sind. Ein großer Garten kann zusätzlichen Stress verursachen. Legen Sie lieber mit einer überschaubaren Fläche wie einem (Hoch-)Beet oder einigen Kübeln los, dann feiern Sie schneller Erfolge.
  • Wählen Sie die richtigen Pflanzen: Entscheiden Sie sich für Pflanzen, die in Ihrer Region gut gedeihen und pflegeleicht sind.
  • Machen Sie es sich bequem: Investieren Sie in ergonomische Gartengeräte und sorgen Sie für bequeme Arbeitsbedingungen.
  • Seien Sie geduldig: Gartenarbeit erfordert Geduld. Pflanzen brauchen Zeit zum Wachsen, und nicht alles wird immer nach Plan verlaufen.
  • Finden Sie Gemeinschaft: Schließen Sie sich einer Garten-Community an oder besuchen Sie Gartenausstellungen und Workshops. Wer nicht alleine auf dem eigenen Grundstück (oder in der Wohnung) pflanzt und werkelt, sondern die Gartenarbeit in Gemeinschaft verrichtet, stärkt seine mentale Verfassung.
  • Achten Sie auf Nachhaltigkeit: Verwenden Sie nachhaltige Praktiken wie Kompostierung, Regenwassernutzung und den Einsatz von biologischen Pflanzenschutzmitteln.

Gartenarbeit im Alter

Die Pflege von Senioren umfasst nicht nur ihre körperlichen Bedürfnisse, sondern auch ihr emotionales und geistiges Wohlbefinden. Ein Ansatz zur Verbesserung ihrer psychischen Gesundheit besteht darin, sie in die Gartenarbeit im Haus einzuführen. Terrarien, das sind geschlossene Glasbehälter mit Erde und Pflanzen, können eine gute Option sein. Die Ergebnisse der Studie der University of Edinburgh bestätigen, dass Gartenarbeit bei älteren Menschen mit besseren Gehirnfunktionen einhergeht. Es kann neurodegenerative Prozesse verlangsamen und helfen, das Gehirn länger fit zu halten.

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