Einführung
Der kraniozervikale Übergang, bestehend aus dem Schädelbasisbereich (Clivus, Okziput, Foramen magnum) und den ersten beiden Halswirbeln (Atlas C1 und Axis C2), stellt eine anatomisch komplexe Region dar. Hier verlaufen nicht nur lebenswichtige Nervenbahnen zwischen Gehirn und Rückenmark, sondern auch große Blutgefäße, die das Gehirn versorgen. Störungen in diesem Bereich können weitreichende gesundheitliche Folgen haben.
Anatomie des kraniozervikalen Übergangs
Der kraniozervikale Übergang (engl. Cranio Cervical Junction) ist der Übergangsbereich zwischen Kopf und Hals. Hier verlaufen lebenswichtige Nervenbahnen zwischen Gehirn und Rückenmark. Die knöcherne Schädelbasis (Clivus, Okziput, Foramen magnum) und die ersten beiden Halswirbel C1 (Atlas) und C2 (Axis) werden im engeren Sinne zum kranio-zervikalen Übergang gezählt.
Atlas (C1)
Der Atlas, der erste Halswirbel, unterscheidet sich von den übrigen Wirbeln. Er besteht im Wesentlichen aus einem Knochenring, der den Kopf trägt. In der griechischen Mythologie trägt der Titan Atlas das Himmelsgewölbe auf seinen Schultern. Beim menschlichen Körper übernimmt der 1. Halswirbel, Atlas genannt, eine ähnliche Aufgabe: Auf ihm lastet unser Kopf mit einem durchschnittlichen Gewicht von fünf bis sechs Kilo. Der Atlaswirbel stellt die Verbindung zwischen Schädel und Wirbelsäule her. Zusammen mit dem 2. Halswirbel bildet er die sogenannten Kopfgelenke. Er artikuliert mit dem Hinterhauptbein (Okziput) und dem Axis (C2). Er besitzt keinen Wirbelkörper und keinen Dornfortsatz.
Axis (C2)
Der Axis, der zweite Halswirbel, zeichnet sich durch den Dens axis aus, einen zapfenartigen Fortsatz, der nach kranial ragt und mit dem Atlas artikuliert. Der Dens axis (lat. für „Zahn“) ist ein Fortsatz, der wie ein Zahn auf der Oberseite des 2. Halswirbels (Axis) sitzt. Die beiden Kopfgelenke, Articulatio atlantooccipitalis (zwischen Okziput und Atlas) und Articulatio atlantoaxialis (zwischen Atlas und Axis), ermöglichen ein breites Spektrum an Kopfbewegungen.
Kopfgelenke
Die Kopfgelenke, bestehend aus dem Atlanto-Okzipital-Gelenk und dem Atlanto-Axial-Gelenk, ermöglichen die Bewegung des Kopfes. Das erste Kopfgelenk heißt Articulatio atlantooccipitalis oder auch Atlanto-okzipital-Gelenk (da es den Occiput, also den Hinterkopf, mit dem ersten Halswirbel, dem Atlas, verbindet). Das zweite Kopfgelenk heißt Articulatio atlantoaxialis oder auch Atlanto-axial-Gelenk und sitzt zwischen Atlas und dem zweiten Halswirbel, dem Axis. Atlas und Axis bilden ein Team und verschaffen dem Kopf ein beträchtliches Bewegungsausmaß. Zwischen diesen beiden Wirbeln findet die größte Bewegung der gesamten Wirbelsäule statt - durchschnittlich 36° nach rechts und links. Das sind 50% der gesamten HWS-Rotation, und das in nächster Nähe zum Hirnstamm, wo die Atmung gesteuert, der Blutkreislauf reguliert und wichtige Reflexe ausgelöst werden.
Lesen Sie auch: Detaillierte Informationen zur Hirnstammblutung
Bänder
Die Kopfgelenke werden durch eine Reihe von Bändern stabilisiert, darunter die Ligamenta alaria (Flügelbänder) und das Ligamentum transversum atlantis. Das obere und das untere Kopfgelenk sind durch Bänder gesichert, um Bewegungen zu verhindern, die für das Rückenmark schädlich sein können. Ligamenta alaria (Flügelbänder) verbinden den Kopf mit dem Atlas und verhindern eine zu starke Drehung des Kopfes. Der Lateral-Shear-Test kann Hinweise auf defekte Ligg. Das Ligamentum transversum atlantis wiederum spaltet das Foramen vertebrale des Atlas (also das Loch, durch das das Rückenmark verläuft) in zwei Abschnitte. In Abschnitt eins (vorn) befindet sich der Dens axis (der Zahn des zweiten Halswirbels), in Abschnitt zwei das Rückenmark. Das Ligamentum transversum atlantis verhindert, dass der Dens axis bei Bewegung in das Rückenmark vordringt. Der Sharp-Purser-Test und der Transverse Ligament Test (Osmotherly et al. (2012) können Hinweise auf ein defektes Lig. transversum liefern, sind aber mit Vorsicht zu genießen. Ligamentum denticulatum: verläuft beidseitig entlang des Rückenmarks zwischen der Pia mater und der Dura mater.
Nervenbahnen und Blutgefäße
Im Bereich des kraniozervikalen Übergangs verlaufen wichtige Nervenbahnen und Blutgefäße. Die Nervenbahnen verlaufen eng gebündelt im Hirnstamm, welcher hier knöchern geschützt liegt. Die unteren (kaudalen) Hirnnerven gelangen von hier durch knöcherne Kanäle aus dem Schädel ins Gesicht. Auch die großen Halsschlagadern (Arteria carotis interna, Arteria vertebralis) liegen hier. Sie versorgen das Gehirn mit Blut, Sauerstoff und anderen notwendigen Stoffen (z.B. Glucose).
Die Arteria vertebralis durchzieht die Foramina transversaria (das sind kleine Öffnungen in den Querfortsätzen der Wirbelkörper) des ersten bis sechsten Halswirbels. Beide Vertebralarterien verbinden sich zur Arteria basilaris. So weit, so grob zur Blutversorgung des Gehirns.
Jeder Mensch besitzt zwölf Hirnnerven. Diese gesellen sich jedoch nicht zu den anderen peripheren Nerven ins Rückenmark, sondern entspringen im Bereich der Kopfgelenke direkt dem Hirn und innervieren den Kopf- und Halsbereich, den Brustkorb und den Bauch. N. N. N. N. N. N. N. N. N. N. N. N. Mit Ausnahme der ersten beiden Hirnnerven (I: N. olfactorius, II: N. opticus) gehören sie zum peripheren Nervensystem (obwohl Hirnnerv I und II letztendlich eben doch dazu gerechnet werden). Da viele Hirnnerven in Ganglien (Ansammlungen von Nervenzellkörpern) miteinander vernetzt sind, können bei einer durch eine Kopfgelenksinstabilität verursachten chronischen Reizung von Nervengewebe etliche scheinbar zusammenhanglose Symptome simultan auftreten und Mediziner vor ein Rätsel stellen. Beeinträchtigungen des N. oculomotorius, des N. abducens und des N. trochlearis führen beispielsweise zu einer gestörten Pupillen- und Augenbewegung. Doppelbilder, Augenflimmern, Schleier, Punkte oder partiell auftretende blinde Flecken sind neben Lichtempfindlichkeit und gestörtem Farbsehen nur einige von vielen möglichen Symptomausprägungen.
Hirnstamm
Der Hirnstamm ist die Übergangszone vom Rückenmark zum Gehirn. In ihm befinden sich viele Nervenbahnen, die ins Gehirn und in das periphere Nervensystem ausstrahlen. Die meisten der 12 Hirnnerven entspringen im Hirnstamm. Von besonderer Bedeutung für die Atlas-Curatio-Therapie sind im Hirnstamm die Nervenverbindungen zum Innenohr, zu Augenmuskeln, Kiefergelenke und zu den Mechanorezeptoren der Fußsohlen. „Durch eine Fehlschaltung dieser Nervenverbindungen kommt es zu einer Atlasstörung und umgekehrt. Die Behandlung bewirkt eine Art Zurückstellung der gestörten Verbindungen.
Lesen Sie auch: Ursachen und Behandlung der Hirnstamm Einklemmung
Klinische Relevanz
Atlasfehlstellung
Eine Atlasfehlstellung kann verschiedene Ursachen haben, darunter Traumata, Fehlhaltungen oder muskuläre Dysbalancen. Dabei wird einem spätestens, wenn man sich die Anatomie der Kopfgelenke (erster und zweiter Halswirbel) ansieht klar, dass eine Atlasfehlstellung nicht förderlich für die Durchblutung, Innervierung, die Haltung sowie für den Tonus (Spannungszustand) sein kann.
Auswirkungen auf den Nervus Vagus
Eine Atlasstörung kann den Nervus Vagus beeinträchtigen. Eine Irritierung des Nervus Vagus beispielsweise kann den Körper in Dauerstress versetzen. „Sie liegen nah beieinander. Wenn der Atlas über längere Zeit fehlrotiert bleibt, dann verdichtet sich das Gewebe. Der Vagus steht unter Druck, die Durchblutung verschlechtert sich. Es kommt zur Reizung und Entzündung“, erklärt Dr. Ist der Vagus gereizt, spielt das Immunsystem verrückt. Die Darm-Hirn-Achse wird gestört. Eine Verbesserung der Symptomatik ist auch bei Patienten mit rheumatischen Erkrankungen und Autoimmunkrankheiten wie Schuppenflechte oder Hashimoto zu beobachten. Sobald der Vagus befreit ist, normalisiert sich die Immunantwort wieder,“ berichtet Dr. Durch die Beeinträchtigung des Vagus ist es nachvollziehbar, dass bei einer Atlasstörung die HRV verschlechtert ist.
Migräne
Erfahrungsgemäß haben viele meiner Klienten nach einer Atlaskorrektur wesentlich seltener und/oder weniger intensive Migräneattacken als vorher. Migräne ist ein anfallartiger halbseitiger Kopfschmerz, der von zusätzlichen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen und Licht‑, Geräusch- oder Geruchsempfindlichkeit begleitet sein kann. Ca. Aus dem Bereich Naturheilkunde machen einige auch gute Erfahrungen bzw.
Craniocervicale Instabilität (CCI) und Atlantoaxiale Instabilität (AAI)
Atlantoaxiale Instabilität (AAI): Dies bezieht sich auf eine übermäßige Bewegung zwischen Atlas und Axis aufgrund einer Schwächung der Bänder, die diese Wirbel stabilisieren. Craniocervicale Instabilität (CCI)/Atlanto-okzipitale Instabilität: Hierbei ist die Verbindung zwischen dem Occiput (Schädel-Hinterhaupt) und dem Atlas betroffen. Subaxiale Instabilität: Diese bezieht sich auf Instabilitäten, die unterhalb des Axis auftreten, also in den Bereichen C3 bis C7 der Halswirbelsäule. AARD bezieht sich speziell auf eine Fehlstellung zwischen Atlas und Axis in Bezug auf eine Rotation. AAI bezieht sich auf eine generelle übermäßige Beweglichkeit zwischen dem Atlas und dem Axis.
Genickbruch (Halswirbelbruch)
Ein Genickbruch bezeichnet einen Wirbelbruch der Halswirbelsäule. Nur 15 bis 20 Prozent aller Wirbelsäulenverletzungen betreffen die Halswirbelsäule. Weil der Wirbelsäulenkanal der Halswirbelsäule sehr eng ist, wird bei der Verletzung in 70 Prozent der Fälle zusätzlich auch das Rückenmark geschädigt.
Lesen Sie auch: Management von Hirnstammkavernomen
Je nach Lage der Verletzung wird der Genickbruch (Halswirbelbruch) in zwei Gruppen unterteilt:
- Genickbruch der oberen Halswirbelsäule: Hierbei sind Atlas und/oder Axis betroffen. Man unterscheidet Genickbruch der Okzipitalkondylen, Atlanto-okzipitale Dislokation sowie sonstige Verletzungen des Atlas oder des Axis.
- Genickbruch der unteren Halswirbelsäule: Verletzungen des dritten bis siebten Halswirbels
Genickbruch der Okzipitalkondylen
Die Okzipitalkondylen sind die Gelenkflächen für den ersten Halswirbel, die sich auf der Schädelbasis befinden. Ein Genickbruch der Okzipitalkondylen ist selten und tritt meist als Begleitverletzung auf.
Atlanto-okzipitale Dislokation
Bei der Atlanto-okzipitalen Dislokation wird die Schädelbasis von der Halswirbelsäule getrennt. Die beiden Teile sind gegeneinander verschoben (disloziert). Diese Form von Genickbruch ist selten und in der Regel tödlich oder wird nur wenige Stunden überlebt.
Verletzungen des Atlas
Ein Genickbruch des 1. Halswirbels (Atlas) betrifft den vorderen und hinteren Atlasbogen oder den Dornfortsatz. Ein isolierter Bruch ist selten. Häufiger ist ein kombinierter Bruch des vorderen und hinteren Atlasbogens, wobei er einfach oder doppelt gebrochen sein kann. Dieser Genickbruch wird auch Jefferson-Fraktur genannt und ist sehr instabil. Bei 30 bis 70 Prozent aller Atlasfrakturen sind zusätzlich noch andere Abschnitte der Halswirbelsäule verletzt - oft ist der Axis (2. Halswirbel) mitbetroffen.
Verletzungen des Axis
Bei einem Genickbruch des 2. Halswirbels (Axis) handelt es sich meist um eine sogenannte Densfraktur - einen Bruch des Dens axis. Seltener ist eine Bogenwurzelfraktur.
Densfraktur
Der Dens axis ist ein Fortsatz, der wie ein Zahn auf der Oberseite des 2. Halswirbels (Axis) sitzt. Eine Fraktur dieses Fortsatzes (Densfraktur oder Dens-axis-Fraktur) macht etwa sieben bis 15 Prozent aller Halswirbelsäulen-Verletzungen bei Erwachsenen aus. Bei über 70-Jährigen stellt sie sogar den Großteil aller isolierten Halswirbelsäulenverletzungen dar. In der Hälfte der Fälle treten zusätzliche Brüche im weiteren Verlauf der Halswirbelsäule auf. Etwa 12 bis 42 Prozent der Betroffenen zeigen auch Nervenschäden und damit neurologische Ausfälle.
Typischer Verletzungsmechanismus bei der Densfraktur ist ein stark gestreckter oder gebeugter Kopf, der zusammen mit seitlichen Scherkräften frontal anstößt. Dabei kann eine Stirnprellmarke ein entscheidender Hinweis sein. Häufige Ursache bei alten Menschen ist ein Sturz auf das Gesicht.
Nach Anderson und D’Alonzo unterscheiden Mediziner drei Typen von Densfraktur:
- Typ I Densfraktur: Die Abrissfraktur der Densspitze (meist Schrägfraktur) ist selten. Es handelt sich dabei um einen stabilen Genickbruch.
- Typ II Densfraktur: Der häufigste Frakturtyp. Die Bruchlinie befindet sich oberhalb der Densbasis. Dies ist ein instabiler Genickbruch.
- Typ III Densfraktur: Die Fraktur verläuft unterhalb der Densbasis durch den spongiösen Teil des Wirbelkörpers. Dieser Halswirbelbruch ist stabil.
Bogenwurzelfraktur
Ein Genickbruch des 2. Halswirbels kann auch als Bogenwurzelbruch vorliegen, verursacht durch Überstreckung und Kompression. Eine doppelseitige Bogenfraktur wird als "Hangman-Fracture" bezeichnet, da sie oft bei erhängten Menschen vorzufinden ist. Der Hals wird dabei extrem überstreckt und auseinander gezogen, wodurch meist das verlängerte Rückenmark (Medulla oblongata) zerreißt.
Genickbruch der unteren Halswirbelsäule
Bei Verletzungen der unteren Halswirbelsäule unterscheidet man folgende Formen:
- rein knöcherne Verletzungen
- Verletzungen der Bandscheiben und Bandstrukturen (disko-ligamentäre Verletzungen)
- Kombinationsformen aus knöcherner, Band- und Bandscheiben-Verletzung
Bei allen Verletzungstypen der unteren Halswirbelsäule kann zusätzlich ein Zwischenwirbelgelenk (Facettengelenk) verrenkt sein. Die Verrenkung (Luxation) kann einseitig oder beidseitig, unvollständig oder vollständig sein.
Kompressionsfrakturen unterscheiden sich je nach Ausmaß der Gewalteinwirkung. Es können geringe Deformitäten bis zu vollständigen Berstungsfrakturen auftreten, bei denen die Frakturfragmente in den Wirbelkanal verlagert sind und diesen einengen.
Verletzungen der Bandscheibe und Bandstrukturen (disko-ligamentäre Verletzungen) werden leicht übersehen, wenn keine Verrenkung (Luxation) vorliegt. Wird der Kopf extrem gebeugt, reißen das vordere Längsband und die Bandscheibe. Da die hinteren Bandverbindungen erhalten sind, ist die Halswirbelsäule noch stabil. Wird der Kopf extrem gestreckt und verschoben, reißen auch die hinteren Bandverbindungen. Nur das vordere Längsband bleibt erhalten.
Bei einer Luxationsfraktur liegen gleichzeitig eine Verrenkung eines Facettengelenks und eine Bruchverletzung vor. Eine Verrenkung ohne Bogenfraktur ist sehr gefährlich. Durch die Verrenkung wird der Wirbelkanal stark eingeengt. Je nach Ausmaß der Verrenkung liegen neurologische Symptome bis hin zur Querschnittslähmung vor. Tritt jedoch gleichzeitig ein Bruch des Wirbelbogens auf, ist der Wirbelkanal erweitert. Dann ist die Gefahr, dass er eingeengt wird, weitaus geringer. Dieser Genickbruch wird auch als "rettender Bogenbruch" bezeichnet.
Quer- und Dornfortsatzfrakturen finden sich oft als Kombinationsverletzung mit den oben genannten Frakturen. Nur in seltenen Fällen liegen sie als isolierte Verletzung vor.
Schleudertrauma
Das Schleudertrauma ist eine reine Weichteilverletzung der Halswirbelsäule und eine häufige Verletzung bei Verkehrsunfällen, insbesondere bei Auffahrunfällen. Betroffene leiden oft unter langwierigen schmerzhaften Zuständen. Sichtbare Veränderungen wie Verletzungen der Bandscheiben oder Gelenkkapseln sowie gedehnte Bänder sind selten.
Diagnostik
Zur Diagnose von Störungen im Bereich des kraniozervikalen Übergangs stehen verschiedene bildgebende Verfahren zur Verfügung. Diese erfolgt routinemäßig mit CT und MRT. Je nach spezieller Fragestellung können Gefäßuntersuchungen (angio MR, angio CT, Doppler, zerebrale Angiografie,… ) oder andere Verfahren (z.B. PET) notwendig sein.
Bei Verdacht auf eine Verletzung der Halswirbelsäule sollte der Hals sofort in einer steifen Halsstütze (Stiff-Neck) ruhiggestellt werden. Der Spezialist für die weitere medizinische Versorgung ist ein Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Um herauszufinden, ob tatsächlich ein Genickbruch vorliegt, wird er zuerst die genaue Krankengeschichte erheben (Anamnese), dann den Patienten körperlich untersuchen und auch bildgebende Verfahren einsetzen.
Anamnese
Zur Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) wird der Arzt Ihnen verschiedene Fragen stellen, zum Beispiel:
- Wann genau ist der Unfall passiert?
- Können Sie sich an den Unfallhergang erinnern?
- Wie stark war der Aufprall?
- Beschreiben Sie die Richtung der Gewalteinwirkung genau.
- Haben Sie starke Schmerzen wie zum Beispiel Nackenschmerzen oder Kopfschmerzen?
Wichtig für die Diagnose ist die genaue Analyse des Unfallmechanismus: Mögliche Verletzungsmechanismen der Halswirbelsäule sind Überstreckung, Überbeugung, axiale Stauchung und Verschiebung.
Körperliche Untersuchung
Als nächstes folgt die körperliche Untersuchung. Der Arzt muss die Bewusstseinslage des Patienten einschätzen und die Halswirbelsäule begutachten. Dabei prüft er, ob sich ein Buckel gebildet hat oder die Dornfortsätze auseinanderweichen. Er achtet zudem auf Druck- beziehungsweise Schmerzpunkte sowie auf Stauchungs- und Ausstrahlungsschmerzen.
Die körperliche Untersuchung beinhaltet immer auch eine neurologische Untersuchung, um eine Querschnittslähmung auszuschließen. Der Untersucher prüft dabei einige Kennmuskeln und die Sensibilität der segmentalen Hautgebiete (Dermatome) - Hautareale, die von einzelnen Nervenfasern einer bestimmten Rückenmarkswurzel autonom versorgt werden. Fällt ein Muskel oder die Sensibilität eines Dermatoms aus, kann der Arzt abschätzen, in welcher Höhe der Wirbelsäule eine Verletzung vorliegt.
Anschließend testet der Arzt die wichtigen Regionen des Rückenmarks. Spürt der Betroffene zum Beispiel, dass er an der Schulter berührt wird, oder kann er die Schultern heben, ist das Rückenmark bis zum vierten Halswirbel intakt. Der vierte Halswirbel ist eine besondere Höhe, da von dort aus das Zwerchfell mit Nerven versorgt wird. Ein Trauma oberhalb des vierten Halswirbels beeinträchtigt die Atmung so weit, dass eine Beatmung über eine Intubation nötig wird.
Apparative Diagnostik
Wirbelsäulenverletzungen werden oft gar nicht oder zu spät erkannt. Deshalb ist eine korrekte Röntgenuntersuchung und - falls die Areale schlecht einsehbar sind - eine Computertomografie (CT) von großer Bedeutung.
Eine Röntgenübersichtsaufnahme von Atlas und Axis aus verschiedenen Richtungen gehören demnach zur Standarddiagnostik bei Genickbruch - sie wird von Medizinern oft als "Dens-Zielaufnahme" bezeichnet.
Kann ein Genickbruch nicht sicher ausgeschlossen werden, folgt eine Computertomografie (CT). Es wird dann ein sogenanntes Spiral-CT mit multiplanarer Rekonstruktion angefertigt, womit Wirbelbögen, Gelenkfrakturen sowie der Wirbelsäulenkanal exakt darstellbar sind. Die CT-Untersuchung ermöglicht es auch, den Genickbruch genau zu klassifizieren.
Bei neurologischen Ausfällen muss bereits im Rahmen der Notfalldiagnostik eine Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie, MRT) durchgeführt werden. Damit lassen sich die Weichteilstrukturen gut darstellen, und zwar ohne eine Strahlenbelastung, wie sie beim CT besteht.
Besonders bei Schleudertraumen ist eine gute Dokumentation wichtig, da später oft versicherungsrechtliche Fragen in diesem Zusammenhang beantwortet werden müssen. Bestehen die Beschwerden länger als fünf Tage, sollte eine Magnetresonanztomografie durchgeführt werden.
Behandlung
Die Behandlung von Störungen im Bereich des kraniozervikalen Übergangs richtet sich nach der Ursache und dem Ausmaß der Beschwerden. Die Behandlung kann konservativ oder chirurgisch erfolgen. Nach genauer diagnostischer Abklärung wird das am besten geeignete Verfahren angeboten.
Ob ein Genickbruch konservativ oder operativ behandelt wird, hängt von der Art der Verletzung und der neurologischen Symptome ab. Die Form der Verletzung bestimmt, wie stabil der Genickbruch ist. Eine rasche Erstversorgung sowie adäquate Behandlung auf der Notfallstation sind besonders wichtig.
Erstversorgung am Unfallort
Allgemein gilt: Ein bewusstloses Unfallopfer hat solange einen Genickbruch, bis das Gegenteil bewiesen ist. In 20 bis 45 Prozent der Fälle tritt der Genickbruch in Kombination mit einem Schädel-Hirn-Trauma auf.
Bevor der Patient bewegt wird, sollte er eine steife Halskrawatte (Philadelphiakrawatte) bekommen. Danach wird er mit einer ausreichenden Zahl an Helfern vorsichtig geborgen und gelagert. Zum Transport wird er anschließend auf einer Vakuummatratze gelagert und so stabilisiert, dass er erst wieder in der Klinik umgelagert werden muss.
Bei Genickbruch ist das Transportmittel der Wahl der Helikopter. Ist ein Helikoptertransport nicht möglich, sollte der Patient mit einem Notarztwagen und einem begleitenden Arzt möglichst rasch in ein Wirbelsäulenzentrum gebracht werden. Dort stehen rund um die Uhr alle nötigen diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten zur Verfügung.
Behandlung auf der Notfallstation
Oft geht ein Genickbruch mit Gehirnverletzungen oder lebensbedrohlichen inneren Verletzungen einher. Insbesondere wenn das Rückenmark verletzt ist, muss der Bruch ohne Zeitverlust wieder ausgerichtet werden, damit kein Druck auf das Rückenmark ausgeübt wird.
Der Genickbruch kann entweder geschlossen unter Röntgenkontrolle auf der Notfallstation ausgerichtet werden, um ihn anschließend äußerlich ruhig zu stellen. Besser ist jedoch das offene Ausrichten im Operationssaal, um den Genickbruch von innen zu stabilisieren.
Konservative Behandlung
Konservative Maßnahmen umfassen beispielsweise manuelle Therapie, Physiotherapie und die Verwendung von Halskrausen.