Hirntumoren stellen eine vielschichtige Gruppe von Erkrankungen dar, die sowohl primär im Gehirn entstehen als auch als Metastasen anderer Krebserkrankungen auftreten können. Die Diagnose von Hirntumoren ist ein komplexer Prozess, bei dem verschiedene bildgebende Verfahren eine entscheidende Rolle spielen. Zu den wichtigsten Methoden gehören die Computertomographie (CT) und die Magnetresonanztomographie (MRT). Dieser Artikel beleuchtet die Unterschiede zwischen diesen beiden Verfahren und ihre Bedeutung für die Diagnose und Verlaufskontrolle von Hirntumoren.
Einführung in Hirntumoren
Hirntumoren können direkt im Gehirngewebe entstehen (primäre Hirntumoren) oder von einem Tumor außerhalb des Gehirns abstammen (Hirnmetastasen). Die Symptome eines Hirntumors hängen von der Größe und Lage des Tumors ab und können vielfältig sein. Die Behandlung umfasst in der Regel Operation, Strahlentherapie und/oder Chemotherapie, wobei in bestimmten Fällen auch zielgerichtete Medikamente oder neue Therapien im Rahmen klinischer Studien eingesetzt werden können.
Häufige Arten von Hirntumoren
Primäre Hirntumoren entstehen direkt im Gehirn und können sich aus verschiedenen Zelltypen entwickeln. Die häufigsten sind Gliome, die aus den Stützzellen des Gehirns, den Gliazellen, entstehen. Zu den Gliomen gehören Astrozytome, Oligodendrogliome und Ependymome. Das Glioblastom ist eine besonders aggressive Form des Astrozytoms. Weitere häufige Hirntumoren sind Meningeome (aus den Hirnhäuten), Neurinome/Schwannome (aus den Zellen, die die Hirnnerven umhüllen) und Medulloblastome (aus unreifen Zellen im Kleinhirn). Sekundäre Hirntumoren, auch Hirnmetastasen genannt, entstehen durch die Ausbreitung von Krebszellen aus anderen Körperregionen ins Gehirn.
Bildgebende Verfahren in der Hirntumordiagnostik
Die bildgebende Diagnostik spielt eine zentrale Rolle bei der Erkennung, Charakterisierung und Verlaufskontrolle von Hirntumoren. MRT und CT sind die am häufigsten eingesetzten Verfahren, wobei die MRT in vielen Fällen als Methode der Wahl gilt.
Magnetresonanztomographie (MRT)
Die Magnetresonanztomographie (MRT), auch Kernspintomographie genannt, ist eine Standardmethode zur Identifizierung von Tumoren. Sie erzeugt Bilder des Körpers mithilfe von Magnetfeldern und Radiowellen. Dabei werden vor allem die Muskulatur, die Bauchorgane und das Gehirn sehr gut abgebildet. Die MRT bietet eine hohe Detailgenauigkeit und ist besonders gut geeignet zur Darstellung von Weichteilgewebe. Sie ermöglicht eine bessere Untersuchung des Rückenmarkkanals und ist schonender als die CT, da sie keine Strahlenbelastung verursacht.
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Vorteile der MRT:
- Hohe Detailgenauigkeit und gute Darstellung von Weichteilgewebe
- Keine Strahlenbelastung
- Bessere Untersuchung des Rückenmarkkanals
- Einsatz von offenen Geräten für klaustrophobische Patienten möglich
- Verbesserung der Ergebnisse durch Kontrastmittel und Berücksichtigung des Menstruationszyklus bei Brust-MRT
Nachteile der MRT:
- Schwierigkeiten bei der Erkennung von Tumoren unter fünf bis zehn Millimetern Größe
- Herausforderungen bei der Interpretation von Ganzkörper-MRTs zur Vorsorge
- Kontraindikationen bei Patienten mit bestimmten Herzschrittmachern oder Metallimplantaten
- Eingeschränkte Überwachung von schwer kranken Patienten im Gerät
- Geringere Erkennbarkeit von Verkalkungen im Vergleich zur CT
Computertomographie (CT)
Die Computertomographie (CT) basiert auf Röntgenstrahlen, die aus verschiedenen Richtungen aufgenommen und computergestützt zu einem dreidimensionalen Bild des Körpers zusammengesetzt werden. Sie wird häufig bei Knochenbrüchen, Kopfverletzungen oder Rupturen von Organen eingesetzt. Bei der Tumorerkennung kann die CT die Größe und Lage des Tumors relativ schnell und sicher bestimmen. Sie ist auch besser geeignet, Metastasen in den umliegenden Organen sichtbar zu machen.
Vorteile der CT:
- Schnelle und sichere Bestimmung von Größe und Lage des Tumors
- Bessere Erkennung von Metastasen in den umliegenden Organen
- Bessere Darstellung von Knochen
- Kürzere Untersuchungsdauer und bessere Verträglichkeit für Patienten mit Platzangst
Nachteile der CT:
- Höhere Strahlenbelastung im Vergleich zur MRT
- Geringere Detailgenauigkeit und schlechtere Darstellung von Weichteilgewebe
- Schwierigkeiten bei der Erkennung von Tumoren unter fünf bis zehn Millimetern Größe
MRT vs. CT bei der Tumorerkennung
Beim direkten Vergleich von CT und MRT zur Tumorerkennung zeigt sich, dass die MRT in den meisten Fällen Vorteile bietet. Die Magnetresonanz ist bei den meisten Tumorarten genauer und hat aufgrund der fehlenden Strahlenbelastung keine Nebenwirkungen. Daher werden in den meisten Fällen Empfehlungen für die Tumorerkennung per MRT und nicht CT ausgesprochen. Bei Knochenuntersuchungen und der Suche nach Metastasen greifen Radiologen jedoch eher zur CT.
Die Rolle der Bildgebung im Verlauf der Hirntumortherapie
Bildgebende Untersuchungen spielen nicht nur bei der Erstdiagnose, sondern auch im Verlauf der Hirntumortherapie eine wichtige Rolle. Sie dienen dazu, das Ansprechen des Tumors auf die Behandlung zu kontrollieren, mögliche Nebenwirkungen zu erfassen und ein Wiederkehren des Tumors frühzeitig zu erkennen.
Bildgebung zur Erstdiagnose
Bei der Erstdiagnose soll die MRT eine vorläufige Einschätzung der Erkrankung ermöglichen und der Neurochirurgie wichtige Informationen für die Operationsplanung liefern.
Planung der Operation mithilfe der MRT
Spezielle MRT-Sequenzen ermöglichen die präzise Darstellung des Verlaufs der Faserbahnen, die wichtige Areale im Gehirn verbinden. Dadurch können diese während der Operation geschont werden.
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Kontrolle des Operationserfolgs
Der Erfolg der Operation wird ebenfalls bildgebend kontrolliert, entweder intraoperativ oder kurz nach der Operation. Dabei wird überprüft, ob der sichtbare Teil des Tumors vollständig entfernt werden konnte und ob es zu möglichen Folgen der Operation gekommen ist.
Bildgebende Verfahren während der weiteren Therapie
Während der Strahlen- und/oder Chemotherapie sowie im Rahmen der anschließenden Therapie erfolgen regelmäßige bildgebende Kontrollen, um das Ansprechen des Tumors auf die Behandlung zu kontrollieren, mögliche Nebenwirkungen zu erfassen und ein Wiederkehren des Tumors frühzeitig zu bemerken. Auch hierbei ist die MRT in der Regel das Verfahren der Wahl, allerdings kann es unter bestimmten Umständen sein, dass auch die CT eingesetzt wird.
Weitere diagnostische Verfahren
Neben CT und MRT gibt es weitere diagnostische Verfahren, die bei der Abklärung von Hirntumoren eingesetzt werden können:
- Angiographie: Röntgenuntersuchung der Hirngefäße bei gefäßreichen Hirntumoren
- Liquorpunktion: Untersuchung des Hirnwassers zur Gewinnung weiterer Hinweise auf einen Hirntumor
- Positronen-Emissions-Tomografie (PET): Informationen über den Stoffwechsel eines fraglichen Hirntumors zur Abgrenzung von gutartigen Veränderungen
- Biopsie: Entnahme einer Gewebeprobe zur Sicherung der Diagnose und Bestimmung des Tumortyps
Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit
Die Diagnose und Behandlung von Hirntumoren erfordert eine enge Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen, darunter Neurologie, Neurochirurgie, Radiologie, Onkologie und Neuropathologie. In interdisziplinären Tumorboards werden die Befunde und Therapieoptionen gemeinsam besprochen, um die bestmöglicheBehandlung für den Patienten zu gewährleisten.
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