Hirntumor-Diagnose mittels EEG: Möglichkeiten und Grenzen

Das Elektroenzephalogramm (EEG), oft auch als Hirnstrommessung bezeichnet, ist ein wichtiges diagnostisches Verfahren in der Neurologie. Es dient dazu, die elektrische Aktivität des Gehirns aufzuzeichnen und grafisch darzustellen. Die Messung erfolgt über Elektroden, die an der Kopfhaut befestigt werden und die Summe der elektrischen Potenziale der Nervenzellen erfassen. Das EEG wird in verschiedenen Bereichen der Medizin eingesetzt, insbesondere bei neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen. Früher spielte es auch eine Rolle bei der Diagnose von Schlaganfällen und Hirntumoren.

Grundlagen des EEGs

Wie funktioniert ein EEG?

Beim EEG werden Elektroden nach einem standardisierten Schema auf der Kopfhaut des Patienten platziert. Diese Elektroden sind meist in einer Art Haube eingearbeitet, was die Platzierung erleichtert. Vor der Untersuchung werden die Elektroden mit einem Kontaktgel bestrichen, um die Leitfähigkeit zu verbessern. Die Elektroden sind über Kabel mit einem EEG-Gerät verbunden, das die elektrischen Signale verstärkt und aufzeichnet.

Die Anordnung der Elektroden erfolgt nach dem sogenannten 10-20-System, um eine standardisierte Platzierung zu gewährleisten. Die Elektroden sind spezifisch benannt, um die Lokalisation im Gehirn anzuzeigen: „O“ steht für den okzipitalen Bereich, „F“ für den frontalen, „P“ für den parietalen, “C” für den zentralen, “T” für den temporalen und „pF“ für den frontalen Pol. Ungerade Zahlen stehen für die linke Hemisphäre des Gehirns, gerade hingegen für die rechte.

Durchführung der EEG-Messung

Während der Messung sollte der Patient möglichst entspannt und ruhig sein und die Augen geschlossen halten. Der betreuende Arzt gibt hin und wieder kurze Anweisungen, zum Beispiel die Augen zu öffnen oder eine einfache Rechenaufgabe zu lösen. Dies führt zu einer Änderung der Hirnaktivität und wird im EEG aufgezeichnet. Die ganze Messung dauert in der Regel nicht länger als 20 bis 30 Minuten.

Es gibt verschiedene Arten von EEG-Messungen:

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  • Routine-EEG: Hierbei werden bis zu 21 Elektroden verwendet, um die Hirnaktivität in Ruhe zu messen.
  • Schlaf-EEG: Dieses EEG wird meist in einem Schlaflabor durchgeführt, um die Hirnaktivität während des Schlafs zu erfassen. Dabei werden auch Augenbewegungen, Muskelaktivität und Herzfrequenz aufgezeichnet.
  • Langzeit-EEG: Hierbei wird die Hirnaktivität über 24 oder 48 Stunden gemessen. Der Patient erhält einen tragbaren Rekorder und protokolliert alle Vorkommnisse, damit der Arzt sie mit Veränderungen der Hirnaktivität in Zusammenhang bringen kann.
  • Provokations-EEG: Hierbei wird ein epileptischer Anfall provoziert, um epilepsietypische Hirnstromkurven zu erfassen. Dazu werden Methoden wie Hyperventilation (Mehratmung), Photostimulation (helle Lichtblitze) und Schlafentzug eingesetzt.

Auswertung und Befundung

Der Neurologe beurteilt das EEG nach Form, Frequenz und Amplitude der aufgezeichneten Hirnwellen. Je nach Wachheitsgrad unterscheidet man verschiedene Muster (Graphoelemente) im Elektroenzephalogramm, die keinen Krankheitswert haben:

  • Alpha-Wellen (acht bis zwölf Hertz): wacher, entspannter Erwachsener mit geschlossenen Augen
  • Beta-Wellen (13 bis 30 Hertz): wacher Erwachsener mit geöffneten Augen und bei geistiger Tätigkeit
  • Theta-Wellen (vier bis sieben Hertz): starke Müdigkeit, beim Einschlafen
  • Delta-Wellen (0,5 bis drei Hertz): Tiefschlaf

Öffnet der Patient die Augen oder konzentriert sich auf eine Aufgabe, findet ein Wechsel vom Alpha-EEG zum Beta-EEG statt. Dies wird als Berger-Effekt oder auch Arousal-Reaktion bezeichnet.

EEG bei Hirntumoren

Bedeutung des EEGs in der Hirntumordiagnostik

Früher spielte das EEG eine wichtige Rolle bei der Diagnose von Hirntumoren. Heutzutage wird es jedoch hauptsächlich als ergänzende Untersuchung eingesetzt. Ein EEG kann Hinweise auf eine durch das Tumorwachstum bedingte Funktionsstörung des Hirngewebes liefern. Es kann auch zur groben Lokalisation eines Hirntumors beitragen und die Anfallsgefährdung ermitteln, da epileptische Anfälle ein Symptom von Hirntumoren sein können.

Ein sogenannter Herdbefund, also eine örtlich begrenzte Veränderung der Hirnaktivität, kann auf einen Tumor hinweisen. Allerdings ist das EEG nicht spezifisch für Hirntumoren, da solche Herdbefunde auch bei anderen Hirnschädigungen auftreten können, wie zum Beispiel Verletzungen (Schädel-Hirn-Trauma) oder Entzündungen. Ein normales EEG schließt einen Hirntumor nicht aus, insbesondere wenn der Tumor tief im Gehirn liegt oder nur geringe Auswirkungen auf die Hirnaktivität hat.

Grenzen des EEGs in der Hirntumordiagnostik

Im Vergleich zu modernen bildgebenden Verfahren wie der Magnetresonanztomographie (MRT) und der Computertomographie (CT) hat das EEG in der Hirntumordiagnostik an Bedeutung verloren. Diese Verfahren ermöglichen eine detaillierte Darstellung des Gehirns und können Tumoren präzise lokalisieren und in ihrer Größe und Ausdehnung beurteilen.

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Eine genaue Bestimmung der Tumorart und die Einschätzung, ob ein gut- oder bösartiger Tumor vorliegt, ist mit dem EEG nicht möglich. Hierfür sind bildgebende Verfahren und eine Gewebeprobe (Biopsie) erforderlich.

Ergänzende diagnostische Verfahren

Bei Verdacht auf einen Hirntumor werden in der Regel folgende diagnostische Verfahren eingesetzt:

  • Anamnese und neurologische Untersuchung: Der Arzt befragt den Patienten nach seiner Krankengeschichte und führt eine klinisch-neurologische Untersuchung durch, um Störungen in der Sinneswahrnehmung, Aufmerksamkeit oder dem Gedächtnis festzustellen.
  • Bildgebende Verfahren: MRT und CT sind die wichtigsten bildgebenden Verfahren zur Diagnose von Hirntumoren. Sie ermöglichen eine detaillierte Darstellung des Gehirns und können Tumoren präzise lokalisieren.
  • Elektroenzephalographie (EEG): Das EEG kann als ergänzende Untersuchung Hinweise auf eine durch den Tumor verursachte Funktionsstörung des Hirngewebes liefern.
  • Liquoruntersuchung: Die Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) kann in manchen Fällen zum Ausschluss einer entzündlichen Erkrankung des Nervensystems dienen oder eine fortgeschrittene Tumoraussaat im Nervensystem (Meningeosis carcinomatosa) feststellen.
  • Biopsie: Durch die Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie) kann die Diagnose eines Hirntumors abgesichert und die Eigenschaften des Tumors bestimmt werden. Anhand des Biopsats wird festgestellt, ob der Tumor gut- oder bösartig ist und in welchem Stadium er sich befindet (Klassifikation nach WHO-Kriterien).

Hirntumoren: Überblick

Was sind Hirntumore?

Der Begriff Hirntumor ist ein Sammelbegriff für verschiedene Erkrankungen, denen eine unkontrollierte Zellteilung im Gehirn gemeinsam ist. Die verschiedenen Arten können in gut- und bösartig unterschieden werden, je nachdem, wie sie sich im Gehirn verbreiten und wachsen. Hirntumore gehören zu den Tumoren des zentralen Nervensystems (ZNS). Dazu zählen auch Tumore des Rückenmarks, der Hirn- und Rückenmarkshäute und der Hirnnerven. Jedoch machen Hirntumore ungefähr 95 Prozent aller Krebserkrankungen des ZNS aus. Die häufigsten Tumore gehen aus den Stützzellen im Gehirn, den sogenannten Gliazellen, hervor. Diese Neubildungen werden Gliome genannt.

Hirntumore sind nicht zu verwechseln mit Hirnmetastasen. Hirntumore entstehen aus Zellen im Gehirn, wohingegen Hirnmetastasen Absiedlungen von Tumoren in anderen Körpergeweben sind.

Häufigkeit und Ursachen

Hirntumore gehören zu den seltenen onkologischen Erkrankungen bei erwachsenen Menschen. Bei Kindern sind sie jedoch die zweithäufigste Krebsart. Pro Jahr erkranken über 7.000 Menschen in Deutschland an einem bösartigen Hirntumor. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 66 (Frauen) bzw. 63 Jahren (Männer). Bei Kindern gehören Hirntumore zu den häufigeren Krebserkrankungen: Sie machen ungefähr ein Viertel aller Fälle aus und sind damit nach Blutkrebs (Leukämie) die zweithäufigste Tumorart.

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Die Ursachen für eine Krebserkrankung im Gehirn sind Stand der jetzigen Forschung weitgehend unbekannt. Expertinnen und Experten vermuten, dass sie hauptsächlich zufällig (sporadisch) entstehen - beispielsweise durch Fehler in der Zellteilung. Auch die Risikofaktoren für eine Entstehung von Hirntumoren sind bisher weitestgehend unklar. Die folgenden Faktoren können das Risiko jedoch geringfügig erhöhen:

  • Genetische Vorbelastung (Verwandte ersten Grades sind an einem Hirntumor erkrankt)
  • Erkrankungen wie z. B. Neurofibromatose, von Hippel-Lindau, Li-Fraumeni-Syndrom

Symptome

Nicht immer verursachen Hirntumore sofort Beschwerden, weswegen sie häufig nicht sofort bemerkt werden. Treten dann doch Symptome auf, können sie sehr unterschiedlich sein, da sie von der Lage des Tumors abhängig sind. Folgende Symptome sind möglich - allein oder in Kombination:

  • Kopfschmerzen (besonders stärker werdende und nicht auf Schmerzmittel ansprechende Schmerzen)
  • Probleme beim Sehen, Sprechen oder Hören
  • Bewusstseins-/Konzentrations-/Koordinationsstörungen
  • Epileptische Krampfanfälle (besonders neu auftretende Anfälle)
  • Taubheitsgefühl/Lähmung
  • Schwindel
  • Übelkeit/Erbrechen
  • Persönlichkeitsveränderungen (höhere Reizbarkeit, geringere Frustrationsgrenze)
  • Hormonale Störungen

Therapie

Welche Behandlung bei einem Hirntumor infrage kommt, ist abhängig von verschiedenen Faktoren. Dazu gehören neben den Eigenschaften des Tumors (Ursprungsgewebe, Mutationen, Stadium und Wachstumsgeschwindigkeit) auch seine Lage sowie das Alter, der Gesundheitszustand und eventuelle Begleiterkrankungen des Patienten. Folgende Therapieoptionen sind die wichtigsten bei Hirntumoren: Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie. Es können aber auch zielgerichtete Medikamente zum Einsatz kommen oder der Patient kann an einer klinischen Studie teilnehmen.

  • Operation: Eine Operation ist meist der erste Behandlungsschritt. Sie hat das Ziel, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen.
  • Strahlentherapie: Die Strahlentherapie ist nach der Operation die zweitwichtigste Therapiemöglichkeit bei Tumoren des ZNS.
  • Chemotherapie: Auch bei einer Chemotherapie schädigen die Medikamente das Erbgut der Tumorzellen oder stören ihren Stoffwechsel.
  • Zielgerichtete Therapien: Zielgerichtete Therapien kommen in der Regel zum Einsatz, wenn der Tumor nicht auf vorherige Behandlungen anspricht oder wiedergekehrt ist.
  • Klinische Studien: Zeigt keine bisherige Therapie den gewünschten Erfolg oder ist eine Mutation vorhanden, für die es bisher noch keine zugelassene Therapie gibt, ist die Teilnahme an einer klinischen Studie eine Option.

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