Ein Hirntumor ist eine Geschwulst im Kopf, die entsteht, wenn sich Zellen im Gehirn unkontrolliert vermehren. Diese können direkt im Gehirn entstehen oder von anderen Körperstellen ins Gehirn streuen. Hirntumoren gehören zu den seltenen onkologischen Erkrankungen bei erwachsenen Menschen. Bei Kindern sind sie jedoch die zweithäufigste Krebsart. Dabei sind ihre Ursachen weitgehend unbekannt.
Wie entstehen Hirntumoren?
Die Ursachen für die Entstehung verschiedener Hirntumoren sind weitgehend unklar. Trotz intensiver Forschungsanstrengungen sind die Ursachen für die Entstehung von primären Tumoren des Nervensystems nach wie vor weitgehend unbekannt. Experten vermuten daher, dass Hirntumoren überwiegend zufällig entstehen, aufgrund von Fehlern bei der Zellteilung einzelner Zellen im Gehirn. Bei den meisten Patienten treten diese Tumoren auf, ohne dass sich auslösende Faktoren finden lassen. Der Arzt spricht in diesem Fall von sporadischen Tumoren und unterscheidet diese von den erblichen Tumoren. Unter den Patienten mit einem primären Gehirn- oder Rückenmarktumor liegt allerdings nur zu einem geringen Prozentsatz ein Erbleiden vor, das die Entstehung von Tumoren im Nervensystem fördert.
Primäre und sekundäre Hirntumoren
Gehirntumoren werden in primäre und sekundäre Tumoren eingeteilt. Primäre Hirntumoren entstehen aus Zellen des ZNS. Als primär werden Hirntumoren bezeichnet, die sich direkt aus den Zellen des Zentralnervensystems entwickeln. Warum das geschieht, ist bislang nicht abschließend geklärt. Sekundäre Hirntumoren entstehen, wenn Krebszellen aus anderen Organen ins Gehirn streuen und dort eine Tochtergeschwulst bilden. Diese Tumoren entstehen, wenn Krebszellen aus anderen Organen ins Gehirn streuen und dort eine Tochtergeschwulst bilden. Häufig geschieht das beispielsweise bei Lungen-, Brust-, Haut-, Nieren- und Blutkrebs. Die Metastasen betreffen entweder das Hirngewebe oder die Hirnhaut. Zum Teil bleiben sie auf eine Gehirnregion begrenzt.
Gutartige und bösartige Hirntumoren
Ein Hirntumor kann eine gutartige (benigne) oder bösartige (maligne) Geschwulst im Gehirn sein. Wie bei anderen Tumoren unterscheidet man bei Hirntumoren gutartige („benigne“) von bösartigen („malignen“) Wucherungen. Ein bösartiger Tumor wird als Krebs bezeichnet. Bösartige Tumoren wachsen schneller als gutartige und können metastasieren, d.h. Teile des Krebses können sich vom Ursprungstumor trennen und an anderer Stelle Tochtertumoren, sogenannte Metastasen, bilden.
Klassifikation von Hirntumoren
Primäre Tumoren des Gehirns und Rückenmarks umfassen eine große Vielfalt verschiedener Tumorarten, die ihren Ursprung von unterschiedlichen Zellen des Nervensystems nehmen und sich im Hinblick auf ihr Wachstumsverhalten, das Ansprechen auf Behandlung und die Prognose erheblich unterscheiden. Die genaue Einstufung (Klassifikation) der unterschiedlichen Tumorarten sowie die Einschätzung ihrer biologischen Wertigkeit, d.h. die Unterscheidung zwischen gut- oder bösartig (Gradierung), erfolgt anhand von feingeweblichen Merkmalen, die an Schnittpräparaten des Tumorgewebes unter dem Mikroskop bestimmt werden. Da die exakte Klassifikation die wichtigste Vorraussetzung für die Abschätzung der Prognose und die weitere Behandlungsplanung bildet, sollte das Tumorgewebe immer von einem erfahrenen Neuropathologen, d.h. einem speziell für die feingewebliche Diagnose von Erkrankungen des Nervensystems ausgebildeten Spezialisten, untersucht werden. Gemäß dieser WHO-Klassifikation wird jedem Tumor zusätzlich zur Artdiagnose ein WHO-"Grad" zugeordnet. Man unterscheidet insgesamt vier WHO-Grade. Der WHO-Grad I entspricht einem gutartigen, langsam wachsenden Tumor mit günstiger Prognose und guter Heilungschance durch eine operative Tumorentfernung. Die WHO-Gradierung spielt nicht nur zur Beurteilung der individuellen Prognose eine wichtige Rolle, sondern dient auch als Richtschnur für die weitere Behandlung. Während Tumoren der WHO-Grade I und II oft durch eine alleinige Operation behandelt werden, erfolgt bei Tumoren der WHO-Grade III und IV nach der Operation eine zusätzliche Bestrahlung oder Chemotherapie. Das Ansprechen auf diese zusätzliche Therapie kann dabei von Tumor zu Tumor sehr unterschiedlich sein. Bestimmte Tumorarten, wie z.B. die anaplastischen Oligodendrogliome, lassen sich durch eine Behandlung sehr gut und langfristig kontrollieren, während andere, wie z.B. die Glioblastome, eine Tendenz haben, auch nach einer aggressiven Therapie wieder zu wachsen.
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Risikofaktoren für Hirntumoren
Wie die Ursachen sind auch die Risikofaktoren von Gehirntumoren noch weitgehend unbekannt. Auch die Risikofaktoren für eine Entstehung von Hirntumoren sind bisher weitestgehend unklar.
Genetische Vorbelastung und erbliche Erkrankungen
Bei der Neurofibromatose vom Typ 1 (Morbus Recklinghausen) treten neben anderen Tumoren auch Gliome, insbesondere pilozytische Astrozytome auf, welche häufig (beidseitig) am Sehnerv liegen. Charakteristisch für den Neurofibromatose-Typ-2 sind beidseitig gelegene Akustikusneurinome, Tumoren des Rückenmarks oder multiple Meningeome. Das Turcot-Syndrom kann bei Kindern zu Medulloblastomen, bei Erwachsenen zum Glioblastom führen. Die Verwandten ersten Grades von jung erkrankten Patienten haben ein leicht erhöhtes Risiko, an einem Hirntumor zu erkranken.
Radioaktive Bestrahlung
Lediglich die direkte radioaktive Bestrahlung des Nervensystems, wie sie gelegentlich zur Behandlung anderer lebensbedrohender Erkrankungen, z.B. der akuten Leukämie, notwendig ist, geht mit einem leicht erhöhten Risiko für Tumoren des Gehirns und der Hirnhäute einher. Radioaktive Bestrahlung ist nur bei einem Bruchteil der Patienten mit zentralnervösen Tumoren als auslösender Faktor von Bedeutung. Bei Erwachsenen und insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, die eine Bestrahlung des Schädels oder im Kopf-Hals-Bereich erhalten haben, ist das Risiko für einen Hirntumor erhöht. Die Hirntumoren treten meist aber erst viele Jahre nach der Bestrahlung auf.
Umweltfaktoren und Lebensstil
Nach derzeitigem Wissensstand führen weder Umweltfaktoren, Ernährungsgewohnheiten, seelische Belastungen, Stress noch elektromagnetische Felder im Frequenzbereich des Mobilfunks zu einem höheren Hirntumor-Risiko. Lebens- und Ernährungsgewohnheiten, die für das Auftreten von anderen Krebserkrankungen von großer Bedeutung sind, wie z.B. Rauchen oder übermäßiger Alkoholkonsum, spielen für die Entwicklung von primären Tumoren des Gehirns und Rückenmarks keine Rolle. Ebenso wenig gibt es überzeugende Beweise dafür, dass Stress oder ungewöhnliche seelische Belastungen diese Tumoren auslösen. Für die in jüngerer Zeit aufgeworfene Vermutung, dass bestimmte Umwelteinflüsse, wie z.B. eine verstärkte Belastung des Gehirns mit elektromagnetischen Feldern im Bereich von Hochspannungsleitungen oder die übermäßige Nutzung von Mobiltelefonen, zu einer Zunahme von Gehirntumoren führt, gibt es bislang ebenfalls keine Belege.
Computertomografie (CT) im Kindesalter
Bei einer solchen Untersuchung der Kopf-Hals-Region kann sich das Risiko für Hirntumoren geringfügig erhöhen.
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Diagnose von Hirntumoren
Bei der Diagnostik von Hirntumoren spielen vor allem bildgebende Verfahren wie die Computertomografie (CT) oder die Magnetresonanztomografie (MRT) eine Rolle.
Symptome von Hirntumoren
Einige Gehirntumoren lösen schon wenige Tage bis Wochen nach ihrer Entstehung Symptome aus, andere erst nach Monaten oder Jahren. Wann sich erste Anzeichen bemerkbar machen, richtet sich danach, wie schnell der Krebs voranschreitet und wie schwerwiegend er ist. Die Beschwerden resultieren daraus, dass sich die Geschwulst im Gehirn ausbreitet und dabei Nervenstrukturen einengt oder zerstört. Die meisten Symptome von Gehirntumoren sind sehr unspezifisch und kommen auch bei unterschiedlichsten anderen Erkrankungen vor. Die Symptome von Hirntumoren sind individuell unterschiedlich und vielfältig: Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Sehstörungen, Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühle, epileptische Anfälle, Sprachstörungen, Schluckstörungen, Schwindel, Schwerhörigkeit, Hormonstörungen, Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit, Depression, Persönlichkeitsveränderungen.
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