Hirntumore bei Kindern: Statistik und Behandlung in Deutschland

Hirntumore stellen eine ernstzunehmende Erkrankung dar, die insbesondere bei Kindern eine besondere Beachtung verdient. Während sie bei Erwachsenen zu den eher seltenen onkologischen Erkrankungen zählen, sind sie bei Kindern die zweithäufigste Krebsart. Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Aspekte von Hirntumoren bei Kindern in Deutschland, von der Häufigkeit über Ursachen und Symptome bis hin zu Diagnose, Therapie und Nachsorge.

Wie häufig sind Hirntumore bei Kindern?

Hirntumore gehören zu den Tumoren des zentralen Nervensystems (ZNS), wobei sie etwa 95 Prozent aller Krebserkrankungen des ZNS ausmachen. In Deutschland erkranken pro Jahr über 7.000 Menschen an einem bösartigen Hirntumor. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 66 Jahren für Frauen und 63 Jahren für Männer. Bei Kindern sind Hirntumore jedoch eine der häufigeren Krebserkrankungen und machen etwa ein Viertel aller Krebsfälle im Kindesalter aus. Damit sind sie nach der Leukämie die zweithäufigste Tumorart bei Kindern. Die Gründe für diese Unterschiede in der Häufigkeit zwischen Erwachsenen und Kindern sind bisher nicht bekannt.

Zwischen 1998 und 2007 erkrankten in Deutschland 4140 Kinder unter 15 Jahren an einem ZNS-Tumor. Jährlich erkranken etwa 380 Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren an einem Hirntumor. Das Spektrum der Hirntumoren unterscheidet sich dabei erheblich von dem erwachsener Patienten.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen für die Entstehung von Hirntumoren sind bisher weitgehend unbekannt. Experten vermuten, dass sie hauptsächlich zufällig (sporadisch) entstehen, beispielsweise durch Fehler in der Zellteilung. Auch die Risikofaktoren für die Entstehung von Hirntumoren sind bisher weitestgehend unklar. Folgende Faktoren können das Risiko jedoch geringfügig erhöhen:

  • Genetische Vorbelastung: Wenn Verwandte ersten Grades an einem Hirntumor erkrankt sind, kann dies das Risiko erhöhen.
  • Erbliche Tumorsyndrome: Bestimmte erbliche Erkrankungen, wie das Li-Fraumeni-Syndrom oder das Turcot-Syndrom, können das Risiko für Hirntumore erhöhen.
  • Vorherige Strahlentherapie: Eine Strahlentherapie des Schädels im Kindesalter (z.B. bei akuter Leukämie oder Retinoblastom) kann das Risiko für einen späteren Hirntumor erhöhen.
  • Bestimmte Erkrankungen: Neurofibromatose oder Tuberöse Sklerose.
  • Computertomografie (CT) im Kindesalter: Untersuchungen der Kopf-Hals-Region können das Risiko geringfügig erhöhen.

Lebens- und Ernährungsgewohnheiten, die für andere Krebserkrankungen von Bedeutung sind, spielen für die Entwicklung von primären Tumoren des Gehirns und Rückenmarks keine Rolle. Ebenso wenig gibt es überzeugende Beweise dafür, dass Stress oder ungewöhnliche seelische Belastungen diese Tumoren auslösen.

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Früherkennung

Da Hirntumore im Allgemeinen selten sind und schnell wachsen können, gibt es derzeit keine systematischen Früherkennungsmaßnahmen. Eine Magnetresonanztomographie (MRT) kann zwar Hirntumore erkennen, ist aber aufwendig und teuer und daher als regelmäßige Screening-Maßnahme nicht geeignet. Eine Ausnahme bilden Menschen mit einem erblichen Tumorsyndrom, bei denen regelmäßige Kontrolluntersuchungen mit bildgebenden Verfahren durchgeführt werden können. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) empfiehlt Personen, bei denen der Verdacht auf ein erbliches Tumorsyndrom besteht, zunächst eine humangenetische Beratung und gegebenenfalls eine genetische Testung.

Symptome

Nicht immer verursachen Hirntumore sofort Beschwerden, weswegen sie häufig nicht sofort bemerkt werden. Treten dann doch Symptome auf, können sie sehr unterschiedlich sein, da sie von der Lage des Tumors abhängig sind. Folgende Symptome sind möglich - allein oder in Kombination:

  • Kopfschmerzen (besonders stärker werdende und nicht auf Schmerzmittel ansprechende Schmerzen)
  • Probleme beim Sehen, Sprechen oder Hören
  • Bewusstseins-, Konzentrations- oder Koordinationsstörungen
  • Epileptische Krampfanfälle (besonders neu auftretende Anfälle)
  • Taubheitsgefühl oder Lähmung
  • Schwindel
  • Übelkeit oder Erbrechen
  • Persönlichkeitsveränderungen (höhere Reizbarkeit, geringere Frustrationsgrenze)
  • Hormonelle Störungen
  • Gangunsicherheit
  • Doppelbilder oder Schielen
  • Trinkschwäche und Müdigkeit

Es gibt auch Tumorerkrankungen im Gehirn, bei denen keine Kopfschmerzen auftreten. Bei entsprechenden Beschwerden ist es ratsam, so bald wie möglich einen Arzt zu konsultieren, um die Ursache zu klären.

Diagnose

Besteht ein Verdacht auf einen Hirntumor, wird zunächst die Krankengeschichte (Anamnese) erhoben und eine klinisch-neurologische Untersuchung durchgeführt. Dabei können Störungen in der Sinneswahrnehmung oder Probleme mit der Aufmerksamkeit oder dem Gedächtnis festgestellt werden.

Darauf folgen bildgebende Untersuchungen wie MRT, CT, Positronen-Emissions-Tomographie (PET) oder Angiographie. Die MRT spielt dabei die wichtigste Rolle. Ergänzend können eine Elektroenzephalographie (EEG) zur ungefähren Lokalisation des Tumors oder eine Liquoruntersuchung, mit der Entzündungen ausgeschlossen werden können, durchgeführt werden.

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Um die Diagnose abzusichern und die Eigenschaften des Tumors zu bestimmen, wird in der Regel eine Biopsie durchgeführt. Dabei wird entweder gezielt Gewebe entnommen (stereotaktische Biopsie) oder bereits möglichst viel vom Tumor entfernt (Tumoroperation). Anhand der Gewebeprobe wird festgestellt, ob der Tumor gut- oder bösartig ist und in welchem Stadium er sich befindet (Klassifikation). Die Klassifikation richtet sich dabei nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO):

  • Grad I: gutartig, langsames Wachstum, sehr gute Prognose
  • Grad II: Übergang in bösartigen Tumor möglich, erhöhtes Risiko für Rezidive
  • Grad III: bösartig, Operation gefolgt von Strahlen- und/oder Chemotherapie notwendig
  • Grad IV: sehr bösartig, schnelles Wachstum, schlechte Prognose, Operation gefolgt von Strahlen- und/oder Chemotherapie notwendig

Auch der Tumortyp kann so bestimmt werden. Neben den Gliomen gibt es weitere Typen, die sich in ihren Ursprungszellen unterscheiden:

  • Gutartige Hirntumore: Meningeome (aus den Hirnhautzellen), Neurinome/Schwannome (aus den Hirnnerven-umhüllenden Zellen)
  • Bösartige Hirntumore: Medulloblastome (aus unreifen Kleinhirnzellen), Glioblastome (aus Gliazellen)

Es ist wichtig, all diese Eigenschaften des Tumors zu kennen, um die Prognose und die erfolgversprechendste Therapie abschätzen zu können.

Therapie und Behandlung

Welche Behandlung infrage kommt, ist abhängig von verschiedenen Faktoren wie den Eigenschaften des Tumors (Ursprungsgewebe, Mutationen, Stadium und Wachstumsgeschwindigkeit), seiner Lage sowie dem Alter, dem Gesundheitszustand und eventuellen Begleiterkrankungen des Patienten.

Folgende Therapieoptionen sind die wichtigsten bei Hirntumoren:

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  • Operation: Ziel ist es, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen, ohne umliegende Hirnregionen zu beschädigen.
  • Strahlentherapie: Sie wirkt zielgenau auf die vom Tumor betroffenen Regionen und schädigt das Erbgut der Tumorzellen, um weiteres Wachstum zu verhindern. Es gibt verschiedene Arten der Strahlentherapie, wie die Lokalbehandlung, die Ganzhirnbestrahlung und die Bestrahlung des gesamten Liquorraums.
  • Chemotherapie: Medikamente schädigen das Erbgut der Tumorzellen oder stören ihren Stoffwechsel. Da Zytostatika jedoch im ganzen Körper wirken, können sie auch gesunde Zellen beeinträchtigen und Nebenwirkungen verursachen.
  • Zielgerichtete Therapien: Sie kommen in der Regel zum Einsatz, wenn der Tumor nicht auf vorherige Behandlungen anspricht oder wiedergekehrt ist. Es müssen bestimmte Eigenschaften beim Tumor vorliegen, gegen die sich eine zielgerichtete Therapie richten kann.
  • Klinische Studien: Wenn keine bisherige Therapie den gewünschten Erfolg zeigt oder eine Mutation vorhanden ist, für die es bisher noch keine zugelassene Therapie gibt, ist die Teilnahme an einer klinischen Studie eine Option.

Die Behandlung von Hirntumoren bei Kindern ist ein zentraler Therapieschwerpunkt der Pädiatrischen Neurochirurgie. Die Behandlung wird in der Regel in engster Zusammenarbeit mit den pädiatrischen Onkologen und Hämatologen auf eigenen Spezialstationen (Zentrum für Pädatrische Neuroonkologie) durchgeführt, welche den besonderen Erfordernissen Rechnung tragen.

Nebenwirkungen der Therapie

Die Therapie von Hirntumoren kann verschiedene Nebenwirkungen haben.

  • Strahlentherapie: An der bestrahlten Stelle können Rötungen und trockene Schuppung sowie Haarausfall auftreten. Manchmal kann es auch zu Kopfschmerzen, Schluckbeschwerden oder Übelkeit und Erbrechen kommen.
  • Chemotherapie: Die häufigsten Nebenwirkungen sind Übelkeit und Erbrechen, Entzündung der Mundschleimhaut und ein verändertes Blutbild. Haarausfall ist bei den bei Hirntumoren eingesetzten Zytostatika eher selten.

Eine supportive Therapie kann helfen, die Beschwerden zu lindern oder vorzubeugen. Dazu gehören Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, epileptische Anfälle oder eine Hirnschwellung.

Nachsorge

Nach der Therapie sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen wichtig, um ein Wiederauftreten des Tumors oder wachsende Tumorreste frühzeitig zu erkennen. Die Abstände der Untersuchungen sind individuell und hängen vom Rückfallrisiko ab. Zu den Nachsorgeuntersuchungen gehören körperliche Untersuchungen und regelmäßige MRT-Untersuchungen.

Sollten zwischen den Terminen Beschwerden auftreten, sollte man sich sofort an den behandelnden Arzt wenden. In den Nachsorgeterminen können auch soziale oder seelische Belange angesprochen werden. Bei Bedarf kann psychoonkologische Hilfe vermittelt werden. Auch die Teilnahme an einer medizinischen Rehabilitationsmaßnahme kann die Rückkehr in den Alltag erleichtern.

Forschung

Um neue Zielstrukturen für schonendere Behandlungen zu entdecken, setzen Krebsforscher auf die systematische Analyse aller Erbgutveränderungen der Tumoren. Das Internationale Krebsgenom-Konsortium (ICGC), ein Verbund von Wissenschaftlern aus 15 Ländern, hat zum Ziel, die charakteristischen Genom- und Epigenom-Veränderungen bei allen wichtigen Krebserkrankungen zu erfassen. Deutschland beteiligt sich mit „PedBrain-Tumor“, einem Projekt zur Analyse von kindlichen Hirntumoren.

Fazit

Hirntumore bei Kindern sind eine komplexe und belastende Erkrankung. DankFortschritten in der Diagnostik und Therapie haben sich die Überlebenschancen in den letzten Jahren verbessert. Wichtig sind eine frühzeitige Diagnose, eine individuelle Therapieplanung und eine umfassende Nachsorge, um die Lebensqualität der betroffenen Kinder bestmöglich zu erhalten.

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