Hirntumore stellen eine seltene, aber wichtige onkologische Herausforderung dar. Sie werden in primäre Hirntumore, die direkt im Gehirn entstehen, und sekundäre Hirntumore (Hirnmetastasen), die von Krebszellen anderer Organe abstammen, unterteilt. Von den über 100 verschiedenen primären Hirntumorarten sind etwa zwei Drittel gutartig und ein Drittel bösartig. Gutartige Hirntumore wachsen in der Regel langsam, können aber dennoch Schaden anrichten, wenn sie sich zum Beispiel nur schlecht oder gar nicht operativ entfernen lassen.
Wie häufig sind Hirntumore?
Hirntumore machen etwa 2 % aller Krebserkrankungen aus. Bei Erwachsenen liegt das mittlere Erkrankungsalter bei 66 (Frauen) bzw. 63 Jahren (Männer). Bei Kindern sind Hirntumore die zweithäufigste Krebserkrankung nach Leukämie und machen etwa ein Viertel aller Krebsfälle im Kindesalter aus.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Ursachen für die Entstehung von Hirntumoren sind weitgehend unbekannt. Experten vermuten, dass sie hauptsächlich zufällig (sporadisch) entstehen, beispielsweise durch Fehler in der Zellteilung. Auch die Risikofaktoren für die Entstehung von Hirntumoren sind bisher weitestgehend unklar. Einige Faktoren können das Risiko jedoch geringfügig erhöhen:
- Genetische Vorbelastung (Verwandte ersten Grades sind an einem Hirntumor erkrankt)
- Bestimmte erbliche Krankheitsbilder (Tumor-Syndrome wie das Lynch- oder Li-Fraumeni-Syndrom, Neurofibromatose oder Tuberöse Sklerose)
- Therapeutische Kopfbestrahlung in der Kindheit oder Jugend
Es gibt keine eindeutigen Beweise dafür, dass Lebensgewohnheiten wie Rauchen, Alkoholkonsum oder die Nutzung von Mobiltelefonen das Risiko für Hirntumore erhöhen.
Früherkennung
Da Hirntumore selten sind und mitunter sehr schnell wachsen können, gibt es derzeit keine gesetzlichen Früherkennungsmaßnahmen. Eine Ausnahme bilden Menschen mit einem erblichen Tumorsyndrom, bei denen regelmäßige Kontrolltermine mit bildgebenden Verfahren durchgeführt werden.
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Symptome
Nicht immer verursachen Hirntumore sofort Beschwerden. Treten Symptome auf, können sie sehr unterschiedlich sein, da sie von der Lage des Tumors abhängen. Mögliche Symptome sind:
- Kopfschmerzen (besonders stärker werdende und nicht auf Schmerzmittel ansprechende Schmerzen)
- Probleme beim Sehen, Sprechen oder Hören
- Bewusstseins-, Konzentrations- oder Koordinationsstörungen
- Epileptische Krampfanfälle (besonders neu auftretende Anfälle)
- Taubheitsgefühl oder Lähmung
- Schwindel
- Übelkeit oder Erbrechen
- Persönlichkeitsveränderungen (höhere Reizbarkeit, geringere Frustrationsgrenze)
- Hormonelle Störungen
Kopfschmerzen können, müssen aber nicht, ein Hinweis auf einen Hirntumor sein.
Diagnose
Besteht ein Verdacht auf einen Hirntumor, wird zunächst die Krankengeschichte erhoben (Anamnese). Danach folgt eine klinisch-neurologische Untersuchung, bei der Störungen in der Sinneswahrnehmung oder Probleme mit der Aufmerksamkeit oder dem Gedächtnis festgestellt werden können. Anschließend werden bildgebende Untersuchungen durchgeführt, in der Regel mittels Magnetresonanztomographie (MRT). Ergänzend können eine Elektroenzephalographie (EEG) oder eine Liquoruntersuchung durchgeführt werden.
Um die Diagnose abzusichern und die Eigenschaften des Tumors zu bestimmen, wird in der Regel eine Biopsie durchgeführt. Dabei wird eine Gewebeprobe entnommen und unter dem Mikroskop untersucht. Anhand der Gewebeprobe wird festgestellt, ob der Tumor gut- oder bösartig ist und in welchem Stadium er sich befindet (Klassifikation). Die Klassifikation richtet sich dabei nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO).
Die WHO-Klassifikation von Hirntumoren unterscheidet vier Grade:
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- Grad I: gutartig, langsames Wachstum, sehr gute Prognose
- Grad II: Übergang in bösartigen Tumor möglich, erhöhtes Risiko für Rezidive
- Grad III: bösartig, Operation gefolgt von Strahlen- und/oder Chemotherapie notwendig
- Grad IV: sehr bösartig, schnelles Wachstum, schlechte Prognose, Operation gefolgt von Strahlen- und/oder Chemotherapie notwendig
Neben der Klassifikation wird auch der Tumortyp bestimmt. Beispiele für eher gutartige Hirntumore sind:
- Meningeome aus den Hirnhautzellen
- Neurinome/Schwannome aus den Hirnnerven-umhüllenden Zellen
- Hypophysenadenome
Beispiele für eher bösartige Hirntumore sind:
- Medulloblastome aus unreifen Kleinhirnzellen
- Glioblastome aus Gliazellen
Therapie und Behandlung
Die Behandlung von Hirntumoren hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Eigenschaften des Tumors (Ursprungsgewebe, Mutationen, Stadium und Wachstumsgeschwindigkeit), seine Lage sowie das Alter, der Gesundheitszustand und eventuelle Begleiterkrankungen des Patienten.
Die wichtigsten Therapieoptionen sind:
- Operation: Ziel ist es, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen, ohne umliegende Hirnregionen zu beschädigen.
- Strahlentherapie: Hochenergetische Röntgenstrahlen schädigen das Erbgut der Tumorzellen und verhindern so das weitere Wachstum.
- Chemotherapie: Medikamente (Zytostatika) schädigen das Erbgut der Tumorzellen oder stören ihren Stoffwechsel.
- Zielgerichtete Therapien: Medikamente greifen spezifische Eigenschaften des Tumors an.
- Klinische Studien: Teilnahme an Studien zur Erprobung neuer Therapieansätze.
Die Entscheidung über den Behandlungsablauf wird in der Regel in einer Tumorkonferenz gemeinsam mit anderen Fachdisziplinen (Strahlentherapie, Onkologie) besprochen und festgelegt. Je nach Art des Tumors wird festgelegt, in welcher Reihenfolge oder Kombination die Behandlungen nötig sind oder ob auf eine Methode verzichtet werden kann.
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Bei gutartigen Tumoren ist das Ziel der chirurgischen Intervention die Heilung durch komplette Tumorentfernung. Ist dies nicht möglich, dann die Besserung neurologischer Defizite, Druckentlastung, Wiederherstellung der Liquor Zirkulation und die Gewinnung von Gewebeproben für die histologische Untersuchung.
Nebenwirkungen der Therapie
Die Therapie von Hirntumoren kann verschiedene Nebenwirkungen haben. Bei der Strahlentherapie können Rötungen, trockene Schuppung sowie Haarausfall an der bestrahlten Stelle auftreten. Manchmal kann es auch zu Kopfschmerzen, Schluckbeschwerden oder Übelkeit und Erbrechen kommen. Bei der Chemotherapie können Übelkeit und Erbrechen, Entzündung der Mundschleimhaut und ein verändertes Blutbild auftreten. Haarausfall ist bei den bei Hirntumoren eingesetzten Zytostatika eher selten.
Um Nebenwirkungen vorzubeugen oder zu lindern, werden unterstützende Maßnahmen (supportive Therapie) eingesetzt. Dazu gehören Medikamente gegen Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, sowie Maßnahmen zur Behandlung epileptischer Anfälle oder einer Hirnschwellung.
Nachsorge
Nach der Therapie sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen wichtig, um ein Wiederauftreten des Tumors (Rezidiv) frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Die Abstände zwischen den Untersuchungen sind individuell und hängen vom Rückfallrisiko ab. Die Nachsorge umfasst in der Regel körperliche Untersuchungen und regelmäßige MRT-Untersuchungen.
Zusätzlich können soziale oder seelische Belange besprochen werden. Bei Bedarf kann psychoonkologische Hilfe vermittelt werden. Auch die Teilnahme an einer medizinischen Rehabilitationsmaßnahme kann sinnvoll sein, um die Rückkehr in den Alltag zu erleichtern.