Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Es handelt sich um eine neurologische Erkrankung, die die Lebensqualität massiv beeinträchtigen und zu sozialem Rückzug, Arbeitsausfällen und psychischer Erschöpfung führen kann. Glücklicherweise gibt es verschiedene Behandlungsansätze, darunter die Migräneprophylaxe mit Botulinumtoxin Typ A (OnabotulinumtoxinA), besser bekannt als Botox®.
Was ist chronische Migräne?
Laut Definition der International Headache Society (IHS) liegt eine chronische Migräne vor, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:
- ≥ 15 Kopfschmerztage pro Monat
- davon ≥ 8 Tage mit migräneartigen Symptomen
- über mindestens 3 Monate hinweg
Chronische Migräne geht häufig mit Begleiterkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Schlafstörungen einher.
Wie wirkt Botox bei Migräne?
Botulinumtoxin Typ A (Handelsname z. B. Botox®) wirkt nicht nur muskelentspannend, sondern beeinflusst auch die Schmerzweiterleitung. Es hemmt die Freisetzung von schmerzvermittelnden Botenstoffen wie CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) und Glutamat an den Nervenendigungen und reduziert so die Übererregbarkeit des trigemino-vaskulären Systems - ein zentraler Mechanismus bei Migräne. Das Ergebnis: Weniger Migräneanfälle, abgeschwächte Schmerzintensität und mehr Lebensqualität.
Anerkanntes Verfahren laut Leitlinie
Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) empfiehlt in ihrer Leitlinie von 2018 (ergänzt 2019) Botulinumtoxin ausdrücklich zur Prophylaxe der chronischen Migräne, insbesondere wenn andere Prophylaxe-Medikamente nicht ausreichend wirken oder nicht vertragen werden.
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Was sagen Studien?
Die Wirkung von Botulinumtoxin bei chronischer Migräne wurde in zwei großen, internationalen Studien eindeutig nachgewiesen: PREEMPT 1 und 2 (Phase-III-Studien). Beide Studien zeigten, dass OnabotulinumtoxinA die Anzahl der Kopfschmerztage signifikant reduziert und die Lebensqualität verbessert.
Ablauf der Behandlung
Die Behandlung erfolgt ambulant nach einem ausführlichen Gespräch und neurologisch-psychiatrischer Einschätzung.
Injektion nach standardisiertem Schema:
Botulinumtoxin wird in definierte Muskelareale im Kopf- und Nackenbereich injiziert (nach dem PREEMPT-Protokoll). Die Erstbehandlung erfolgt dabei regelmäßig mit 155 AE, verteilt über die folgenden 7 Zonen und insgesamt 31 Injektionspunkte für die Migränespritze. Sollte sich nach der Erstbehandlung mit der Standarddosis kein Erfolg einstellen, so sollte in einer zweiten Sitzung die Erhöhung auf 195 E erwogen werden. Die zusätzlichen Einheiten werden dann auf die Zonen verteilt, in denen der Patient das intensivste Schmerzempfinden verspürt. (Follow the Pain)
Behandlungsdauer:
ca. 15-20 Minuten
Wirkungseintritt:
In der Regel kann eine Besserung der Migräne-Symptome oft schon nach einer Woche nach der Behandlung festgestellt werden. Die volle Wirkung entfaltet sich meist innerhalb von fünf bis sechs Wochen nach der ersten Behandlung, kann aber individuell unterschiedlich sein. Bei manchen Menschen tritt die volle Wirkung erst nach der zweiten oder der dritten Behandlung ein. Daher ist es wichtig, von Beginn an drei Behandlungstermine einzuplanen, jeweils im Abstand von 12 Wochen, da die Wirkung mit der Zeit zunimmt.
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Wirkdauer:
ca. 12 Wochen - dann ist eine erneute Injektion möglich. Üblicherweise erfolgt die Behandlung alle 3 Monate. Im 2. Behandlungsjahr kann bei anhaltendem Therapieerfolg versucht werden, das Intervall auf 4 Monate zu verlängern. Alternativ besteht auch die Möglichkeit, den 3-Monatszeitraum beizubehalten, aber die Dosierung zu verringern. Es kann auch versucht werden, die Behandlung auszusetzen und erst bei erneut einsetzenden Beschwerden wieder aufzunehmen.
Typische Injektionsstellen
Stirn, Zornesfalte, Krähenfüße, Schläfen/Temporalregion und Nacken sind typische Stellen, in denen das Botox® injiziert wird. Insgesamt gibt es bei der Migränebehandlung durch Botox 31 Punkte an Stirn, Schläfe, Nacken und Schultern, an denen das Botox gespritzt werden kann, um die Migräneschmerzen zu lindern. Der behandelnde Arzt ermittelt im individuellen Beratungsgespräch die Schmerzpunkte der Migräne, um dort Botox zu injizieren.
Vorteile der Migränebehandlung mit Botox
- Reduktion der Migränetage pro Monat
- Besserung von Begleitsymptomen (Lichtempfindlichkeit, Übelkeit etc.)
- Keine tägliche Medikamenteneinnahme notwendig
- Gut verträglich, auch bei psychischen Begleiterkrankungen
- In Kombination mit psychotherapeutischer Begleitung besonders effektiv
- Ein positiver Nebeneffekt der Botoxbehandlung von Migräne können teilweise geliftete Gesichtszüge sein, da das injizierte Botox im Muskel zu einem Anheben führt.
Nebenwirkungen und Sicherheit
Die Behandlung gilt als sehr sicher und gut verträglich.
Mögliche Nebenwirkungen:
- Vorübergehende Muskelschwäche oder Spannung im Nackenbereich
- Leichte Kopfschmerzen oder Rötung an den Injektionsstellen
- Hängende Augenbrauen (Ptosis)
- Schluckbeschwerden
- Hautschmerzen
- Kieferschmerzen
Ernsthafte Nebenwirkungen sind äußerst selten.
Kontraindikationen:
Es gibt einige Erkrankungen, bei denen Botox generell nicht angewendet werden sollte:
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- Neuromuskulären Erkrankungen
- bei Schluckstörungen oder chronischen Atembeschwerden.
- Das Bestehen akuter Infekte und Entzündungen der vorgesehenen Injektionsstellen.
- Die gleichzeitige Einnahme bestimmter Medikamente, die die muskuläre Transmission beeinflussen sowie bestimmter Antibiotika (Aminoglykosid-Antibiotika, Spectinomycin).
- Die nachgewiesene Überempfindlichkeit gegen einen der Bestandteile von BOTOX.
- Schwangerschaft und Stillzeit
Was ist vor und nach der Behandlung zu beachten?
Vor der Behandlung
- Sollten Sie BOTOX® selbst zu dem Termin mitbringen, denken Sie daran, das Medikament gekühlt (bei maximal 2 - 8 °C) zu transportieren.
- Bitte teilen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt mit, wo die Schmerzen besonders stark sind, um falls nötig weitere Behandlungspunkte festzulegen.
- Wenn Sie zum Zeitpunkt eines Behandlungstermins eine akute Migräneattacke haben, sollten Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen, ob der Termin verschoben werden sollte und ob es zeitnahe Alternativen gibt.
Nach der Behandlung
- Bleiben Sie noch ein paar Minuten in der Praxis, um sicherzugehen, dass Sie die Behandlung mit BOTOX® gut vertragen.
- Mögliche Schwellungen im behandelten Bereich bilden sich meist innerhalb von 30 Minuten von selbst wieder zurück.
- Vermeiden Sie es, den Bereich der Injektion zu reiben oder zu massieren.
- Wenden Sie keine Gesichtsmaske oder Peeling an.
- Lassen Sie keine Physiotherapie und Lymphdrainagen durchführen.
- Verzichten Sie auf einen Saunabesuch oder ein Sonnenbad.
- Mit diesen Maßnahmen können Sie einer Verteilung von BOTOX® an andere Stellen vorbeugen bzw. eine mögliche Verringerung der Wirkung verhindern.
- Führen Sie über die Zeit der Behandlung ein Migräne- und Kopfschmerztagebuch.
- Sie sollten den Kopf nach der Behandlung für einige Stunden aufrecht halten und auf Sport und Anstrengung für circa 2 Tage verzichten.
- Für ungefähr 14 Tage nach der Behandlung sollten Sie starke Sonneneinstrahlung meiden.
- Der Patient ist direkt nach der Behandlung wieder gesellschaftsfähig und kann nach circa zwei Tagen auch wieder Sport betreiben.
- Die Behandlungsstellen sollten nicht massiert werden.
Kosten und Kostenübernahme
Die Kosten für die Behandlung werden von den gesetzlichen Krankenkassen in der Regel nicht übernommen und müssten vom Patienten selbst getragen werden. Die Behandlung kann unter Umständen von der Krankenkasse übernommen werden. Botox bei chronischer Migräne wird von den gesetzlichen und den privaten Krankenkassen übernommen, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.
Voraussetzungen für die Kostenübernahme:
- Es muss eine chronische Migräne diagnostiziert werden nach den Kriterien der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft (International Headache Society), das bedeutet: Seit 3 Monaten oder länger bestehende Kopfschmerzen an mindestens 15 Tagen im Monat, davon 8 oder mehr Tage mit migränetypischen Symptomen.
- Eine in der Vergangenheit durchgeführte vorbeugende Behandlung der chronischen Migräne mit Medikamenten unter anderem aus der Gruppe der Blutdrucksenker, Antiepileptika, Antidepressiva oder CGRP-Antagonisten zeigten keine Wirkung oder wurden nicht vertragen.
Am besten ist es, Sie nehmen vor dem Beginn der Therapie mit BOTOX® gegen Migräne Kontakt zu Ihrer Krankenkasse auf und reichen dort einen Behandlungsplan ein, den Ihnen Ihre behandelnde Ärztin bzw. Ihr behandelnder Arzt erstellen und aushändigen kann.
Die Preise werden nach der GOÄ abgerechnet und sind als Richtpreise zu verstehen: Bei Aesthetify by DR. RICK & DR. NICK können Sie für Migränebotulinum - je nach Verbrauch - mit einem Preis ab 300,00 bis 1.500,00 € rechnen.
Alternativen zur Botox-Behandlung
Antikörper-Monatsspritze:Seit Ende 2018 stehen mit Erenumab, Fremanezumab, Galcanezumab und Eptinezumab neue Wirkstoffe zur Verfügung. Hier greift der Wirkstoff als Antikörper gezielt am CGRP-Rezeptor an, der an der Entstehung und Aufrechterhaltung von Migräne zentral beteiligt ist. CGRP ist ein sogenannter Neurotransmitter, ein Botenstoff, der bei Migräne vermehrt freigesetzt wird. Die in Studien erzielten Ergebnisse mit Erenumab waren teilweise vergleichbar zu BOTOX, teilweise blieben sie dahinter zurück.
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