Glioblastom-Rezidiv: Definition, Symptome und Behandlung

Das Glioblastom ist ein aggressiver Hirntumor, der eine besondere Herausforderung für Patienten und Ärzte darstellt. Ein Rezidiv, das Wiederauftreten des Tumors nach einer initialen Behandlung, ist eine häufige und belastende Situation. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Definition, Symptome und Behandlungsoptionen eines Glioblastom-Rezidivs, um Betroffenen und ihren Angehörigen eine fundierte Grundlage für ihre Entscheidungen zu geben.

Was ist ein Glioblastom?

Das Glioblastom, früher als Glioblastoma multiforme bekannt, ist ein bösartiger Hirntumor, der zur Gruppe der Gliome gehört. Gliome sind Tumoren, die in der Regel nur im Gehirn entstehen. Glioblastome werden als Grad 4 Gliome eingestuft, was die höchste WHO-Klassifikation darstellt. Es wird vermutet, dass diese Tumoren aus den Gliazellen, dem Stützgewebe des Gehirns, entstehen, obwohl dies nicht vollständig gesichert ist. Die Zellen teilen sich meist sehr rasch, was zu einem schnellen und aggressiven Wachstum führen kann.

Bei der Diagnosestellung können Glioblastome an einer einzelnen Stelle im Gehirn oder an mehreren Lokalisationen sichtbar sein. Das Wachstum ist diffus und infiltrativ, d. h. die Tumorzellen wachsen unkontrolliert in das gesunde Gehirngewebe hinein. Es wird davon ausgegangen, dass es immer auch Tumorzellen gibt, die für den Arzt nicht sichtbar sind.

Definition des Glioblastom-Rezidivs

Ein Glioblastom-Rezidiv liegt vor, wenn der Tumor nach einer initialen Behandlung, die in der Regel aus Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie besteht, wieder auftritt oder zu wachsen beginnt. Das Rezidiv kann lokal, d. h. am ursprünglichen Ort des Tumors, oder an einer anderen Stelle im Gehirn auftreten.

Nach der Operation und Strahlentherapie werden in der Regel alle drei Monate MRT-Kontrollen durchgeführt, um den Zustand zu überwachen. Hierbei werden auch spezielle Sequenzen verwendet, da nach einer Strahlentherapie Veränderungen im MRT sichtbar sein können. Es kann schwierig sein, einzuschätzen, ob es sich um nachgewachsenen Tumor oder nur um strahlentherapiebedingte Veränderungen handelt.

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Symptome eines Glioblastom-Rezidivs

Die Symptome eines Glioblastom-Rezidivs können vielfältig sein und hängen von der Lage und Größe des Tumors sowie von der Geschwindigkeit seines Wachstums ab. Einige häufige Symptome sind:

  • Neurologische Ausfälle: Lähmungen, Sprachstörungen (Aphasien), Sehstörungen, Koordinationsprobleme
  • Epileptische Anfälle: Plötzliche, unkontrollierte Anfälle
  • Kopfschmerzen: Anhaltende oder sich verschlimmernde Kopfschmerzen, oft begleitet von Übelkeit und Erbrechen
  • Veränderungen der Persönlichkeit oder des Verhaltens: Reizbarkeit, Depressionen, Gedächtnisprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten
  • Erhöhter Hirndruck: Übelkeit, Erbrechen, Bewusstseinsstörungen

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Symptome auch durch andere Erkrankungen verursacht werden können. Bei Verdacht auf ein Glioblastom-Rezidiv sollte jedoch umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

Es kann auch sein, dass die Tumoren nach einer längeren Zeit der Erkrankung sogenannte Satelliten Tumore entwickeln. Das kann man sich so ein bisschen vorstellen wie Metastasen, also die Absiedelungen des Tumors, die aber im Gehirn stattfinden und auch ein ganzes Stück weg sein können.

Diagnostik des Glioblastom-Rezidivs

Die Diagnose eines Glioblastom-Rezidivs basiert in der Regel auf bildgebenden Verfahren, insbesondere der Magnetresonanztomographie (MRT). Die MRT kann Veränderungen in der Größe oder Form des Tumors sowie das Auftreten neuer Tumoren aufzeigen.

Die Differenzierung zwischen residualem Tumorgewebe und posttherapeutischen Effekten nach Resektion, Strahlentherapie oder medikamentöser Therapie ist mittels MRT nicht immer eindeutig. Eine Untersuchung des Tumormetabolismus mittels Aminosäuren-PET oder mit MR-Spektroskopie und die MR-Perfusion können zusätzliche, klinisch relevante Informationen liefern.

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In einigen Fällen kann eine Biopsie erforderlich sein, um die Diagnose zu bestätigen und das Tumorgewebe auf molekulare Veränderungen zu untersuchen.

Behandlungsoptionen beim Glioblastom-Rezidiv

Bei einem erneuten Tumorwachstum (Rezidiv) gibt es kein komplett standardisiertes Vorgehen. Oft gibt es verschiedene zu diskutierende Optionen. Dies hängt von der Tumorlokalisation, Größe und Ausdehnung, dem Zustand der Patienten, der Verträglichkeit bisheriger Therapien und dem grundsätzlichen Patientenwunsch ab.

Die Behandlungsoptionen für ein Glioblastom-Rezidiv hängen von verschiedenen Faktoren ab, darunter:

  • Lage und Größe des Tumors: Kann der Tumor operativ entfernt werden?
  • Zeitspanne seit der Erstbehandlung: Wie lange ist es her, dass der Tumor das erste Mal behandelt wurde?
  • Vorherige Behandlungen: Welche Behandlungen wurden bereits durchgeführt und wie gut haben sie angeschlagen?
  • Allgemeinzustand des Patienten: Wie fit ist der Patient und welche Begleiterkrankungen liegen vor?
  • Patientenwunsch: Welche Ziele hat der Patient für die Behandlung?

Zu den möglichen Behandlungsoptionen gehören:

  • Erneute Operation: Eine erneute Operation kann in Erwägung gezogen werden, um den Tumor so weit wie möglich zu entfernen.
  • Zweite Strahlentherapie: Eine zweite Strahlentherapie kann in einigen Fällen durchgeführt werden, in der Regel jedoch nur, wenn seit der ersten Strahlentherapie mindestens sechs Monate vergangen sind.
  • (Erneute) Chemotherapie: Eine Chemotherapie kann mit verschiedenen Medikamenten durchgeführt werden, darunter Temozolomid oder Lomustin (CCNU).
  • Weiterführung der TTFields-Therapie: Die TTFields-Therapie kann bei einem Rezidiv fortgesetzt werden.
  • Medikamentöse Therapie mit Bevacizumab: Bevacizumab ist ein Angiogenesehemmer, der in Deutschland nur bei Strahlennekrose zugelassen ist.
  • Experimentelle Therapie mit neueren verfügbaren Substanzen: Im Rahmen von klinischen Studien können neue Medikamente oder Therapieansätze eingesetzt werden.
  • Rein palliative Versorgung: Bei einem schlechten Zustand des Patienten kann eine rein palliative Versorgung mit optimaler Versorgung der Symptome eine sinnvolle Möglichkeit sein.

Es ist wichtig zu beachten, dass es kein Patentrezept für die Behandlung eines Glioblastom-Rezidivs gibt. Die beste Behandlungsstrategie sollte in enger Absprache mit dem behandelnden Arzt oder dem neuroonkologischen Zentrum festgelegt werden.

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Klinische Studien

In vielen neuroonkologischen Zentren werden klinische Studien angeboten. In Studien können Patienten unter jeweils bestimmten Voraussetzungen eingeschlossen werden und somit frühzeitig Zugang zu innovativen Behandlungsverfahren erhalten. Damit sollen neue Medikamente, neue Therapieansätze oder neue diagnostische Verfahren untersucht werden in der Hoffnung, dadurch den Krankheitsverlauf, die Lebensqualität und die Prognose der Erkrankten verbessern zu können. Dies erfolgt nur mit dem Einverständnis der Patienten nach streng vorgegebenen Studienprotokollen. Die Sicherheit der Teilnehmer muss zu jedem Zeitpunkt gewährleistet sein.

Mögliche Vorteile können der Zugang zu neuen Medikamenten oder Behandlungsverfahren und eine noch engmaschigere Betreuung sein. Nachteile können zusätzliche Nebenwirkungen und weitere Vorstellungstermine oder Behandlungen ohne Mehrwert sein, aber auch die Anreise zu Studienzentren in weiter Entfernung bedeuten.

Informieren können Sie sich über mögliche Studienteilnahmen bei Ihrem behandelnden Arzt in Ihrem Zentrum. Auch auf den Internetseiten der neuroonkologischen Zentren sowie einiger Selbsthilfegruppen und Organisationen sind Hinweise zu Studien zu finden, die Sie bei Interesse im Gespräch thematisieren können.

Molekulare Marker

Es wurden einige Biomarker identifiziert, die bei Prognose und klinischer Therapieentscheidung hilfreich sein können:

  • Mutationen im Gen für die Isocitratdehydrogenase (IDH): Das Vorhandensein von IDH-Mutationen bei GBM ist mit einem längeren Überleben verbunden.
  • 1p/19q-Kodeletion bei anaplastischen oligodendroglialen Tumoren: Wenn diese Tumorzellen einen Verlust an genetischem Material sowohl von Chromosom 1p als auch von Chromosom 19q aufweisen, ist die Prognose besser als bei Patienten, deren Tumor diese Abnormalität nicht aufweist. Und es scheint, dass das Ansprechen auf Chemotherapie und Strahlentherapie wahrscheinlicher ist.
  • MGMT-Promoter-Methylierung bei GBM: Patienten mit MGMT-methylierten Gliomen überleben wahrscheinlich länger als Patienten, deren Tumorzellen nicht methyliert sind. Die Kenntnis des Methylierungsstatus des Tumors kann die Wahl zwischen Chemotherapie und Strahlentherapie bestimmen. MGMT ist an der Reparatur von DNA beteiligt. Wenn es fehlt, können sich Tumorzellen nicht selbst reparieren, nachdem sie DNA-schädigenden Wirkstoffen wie Temozolomid ausgesetzt wurden.
  • Das Vorhandensein einer TERT-Mutation ist mit einer aggressiven Erkrankung verbunden und legt die Notwendigkeit einer genauen Überwachung und möglicherweise einer zusätzlichen Chemotherapie nach der chirurgischen Entfernung des Tumors nahe.

Supportivtherapie

Der Gehirntumor selbst oder Nebenwirkungen einer Therapie können Beschwerden auslösen. Ziel einer supportiven Therapie ist es, solche Beschwerden zu lindern. Sie kann Beschwerden, die durch die Krebserkrankung selbst und/oder die Behandlung entstehen, lindern oder vorbeugen.

Nachsorge und Rehabilitation

Eine Rehabilitation kann stationär oder ambulant sinnvoll sein, insbesondere wenn es darum geht, Symptome und Funktionen wie die muskuläre Beweglichkeit oder die Sprache zu verbessern. Erfahrungsgemäß ist es jedoch bei Hirntumorpatienten besonders wichtig, die familiäre und psychische Situation zu bedenken und diejenigen, die gern in ihrer häuslichen und familiären Umgebung sein möchten, nicht um jeden Preis in eine stationäre Rehabilitation ohne ihr Umfeld zu schicken. Oft ist eine Stabilisierung der Situation zu Hause erst einmal wichtiger. Darüber hinaus ist auch immer die Frage zu stellen, wo welches Defizit sinnvoll beübt und behandelt werden kann.

Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen helfen dabei, einen Rückfall der Krebserkrankung (Rezidiv) frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Die Untersuchungen dienen auch zur Tumorkontrolle - sowohl bei Betroffenen ohne als auch mit vorhandenem Resttumor: Wächst der Tumor wieder, müssen Betroffene und die behandelnden Ärzte über eine erneute Krebstherapie entscheiden. Das hängt unter anderem davon ab, wie schnell ein Tumor wächst, wie groß er ist und welche Symptome er macht. Beschwerden durch den Hirntumor oder aufgrund der Therapie können frühzeitig erkannt und behandelt werden. Das kann die Lebensqualität einer Patientin oder eines Patienten verbessern und sie bestmöglich erhalten. Betroffene können bei einem Nachsorgetermin auch seelische und soziale Probleme ansprechen. Die behandelnden Ärzte vermitteln bei Bedarf Fachleute für eine psychosoziale und psychoonkologische Unterstützung.

Leben mit dem Glioblastom

Die Diagnose eines Glioblastoms und insbesondere eines Rezidivs kann eine große Belastung für Patienten und ihre Angehörigen darstellen. Es ist wichtig, sich Unterstützung zu suchen, sei es durch Familie, Freunde, Selbsthilfegruppen oder professionelle Therapeuten.

Patienten, die an einem bösartigen Hirntumor leiden, erleben die Diagnose in der Regel als einen massiven Einschnitt in ihr Leben und als eine sehr starke Belastung. Häufig sind Verunsicherung, Angst und Ärger oder auch eine beeinträchtigte Stimmungslage die Folge. Hinzu kommen mehr oder minder stark ausgeprägte Einbußen der geistigen Funktionen, wie Konzentration und Gedächtnis. All diese Folgen führen oft zu einer Beeinträchtigung der Lebensqualität. Aber es sind nicht nur die Patienten selbst betroffen, häufig sind auch die Familienangehörigen belastet.

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