Hirnwasserproblematik: Ursachen und neurologische Ausfälle

Der Hydrozephalus, oft auch als "Wasserkopf" bezeichnet, ist eine neurologische Erkrankung, bei der sich überschüssige Flüssigkeit im Gehirn ansammelt. Diese Flüssigkeit, auch Liquor cerebrospinalis oder Hirnwasser genannt, umspült normalerweise das Gehirn und das Rückenmark, ernährt das Gehirn und schützt es vor Verletzungen. Bei einem Hydrozephalus kommt es zu einer Störung des Gleichgewichts zwischen Produktion und Absorption des Liquors, was zu einem Anstieg des Liquors führt und einen erhöhten Druck auf das Gehirn ausübt. Dieser erhöhte Druck kann, unbehandelt, das Gehirn schädigen und schwere neurologische Beeinträchtigungen verursachen.

Was ist Hirnwasser und seine Funktion?

Gehirn und Rückenmark schwimmen in Hirnwasser, auch Liquor cerebrospinalis oder Zerebrospinalflüssigkeit genannt. Es ernährt das Gehirn und schützt es vor Verletzungen. Das Hirnwasser wird von spezialisierten Zellen an der Wand von natürlichen Hohlräumen des Gehirns gebildet, den sogenannten Ventrikeln. Von den Ventrikeln strömt das Hirnwasser in den Spalt zwischen Hirn und Schädelknochen und in den Rückenmarkskanal.

Ursachen des Hydrozephalus

Die Ursachen für einen Hydrozephalus sind vielfältig und reichen von angeborenen Fehlbildungen über Infektionen bis hin zu Verletzungen oder Tumoren. Die Hauptursache eines Hydrocephalus ist eine Störung in der Zirkulation des Liquors im Gehirn. Diese Störung kann angeboren sein, wodurch Babys bereits mit dieser Erkrankung zur Welt kommen. Sie kann aber auch im Laufe des Lebens durch bestimmte Ereignisse erworben werden.

Spezifische Gründe für Hydrocephalus können sein:

  • Angeborene Fehlbildungen (kongenitaler Hydrozephalus): Diese entstehen bei Fehlbildungen (Malformationen) des Hirns, Rückenmarks oder des Übergangs dazwischen, wie z.B. Neuralrohrdefekte oder genetische Veränderungen. Bei angeborenem Hydrozephalus liegt in der Regel eine Fehlbildung vor, die den normalen Fluss des Liquors beeinträchtigt. Etwa 1 von 1.000 Neugeborenen kommt mit einem Hydrozephalus auf die Welt.
  • Erworbene Ursachen (extrinsischer Hydrozephalus): Hindernisse, die den Fluss oder die Aufnahme des Hirnwassers stören, aber noch nicht bei der Geburt vorliegen.
  • Infektionen: Wie Meningitis oder Enzephalitis. Komplikation einer Infektion im Mutterleib.
  • Blutungen im Hirn: Besonders bei Frühgeborenen oder im Rahmen einer Subarachnoidalblutung. Hirnblutungen bei Frühgeborenen (Geburt vor der 32. SSW, Geburtsgewicht unter 1000g) können ebenfalls zu einem Hydrozephalus führen.
  • Tumore im Gehirn oder im Rückenmark: Die die Liquorpassage behindern. Hirntumoren bei Kindern. Manche ZNS-Tumoren können, abhängig von ihrer Größe und Lage (zum Beispiel hintere Schädelgrube, Hirnkammern) den Abfluss des Nervenwassers (Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit) behindern.
  • Kopfverletzungen: Die den normalen Fluss von Liquor stören.
  • Spinale Zysten oder andere Anomalien.
  • Erhöhte Liquorproduktion (Hydrocephalus hypersecretorius): Nur selten ist die Ursache eine erhöhte Liquorproduktion.
  • Erhöhter Eiweißgehalt im Liquor.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Die Hauptursachen für die übermäßige Ansammlung von Liquor im Gehirn sind:

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  • Unzureichende Absorption von Liquor: Nachdem der Liquor das Gehirn umspült hat, wird er in das venöse Blutsystem aufgenommen. Ist dieser Prozess gestört, etwa durch Entzündungen oder Blutungen, kann sich Nervenwasser ansammeln. Dies ist die häufigste Ursache.
  • Behinderung des Liquorabflusses: Eine Blockade kann verhindern, dass Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit aus den Hirnkammern abfließen kann. Eine solche Blockade kann durch Tumore, Blutgerinnsel, Membranen (Gewebebrücken) oder Narbengewebe verursacht werden. Störungen der Liquorzirkulation durch Passagebehinderungen (Zysten, Tumoren, Blutungen) = obstruktiver (Verschluss-) Hydrocephalus.
  • Kommunikationsstörung: Nicht selten fließt der Liquor normal durch die Hirnkammern, kann aber im Subarachnoidalraum nicht richtig zirkulieren, was zu einer Ansammlung führt.
  • Verstärkte Produktion von Liquor: In sehr seltenen Fällen wird zu viel Liquor im Gehirn produziert.

Es ist zu beachten, dass die genauen Auslöser des Hydrocephalus in vielen Fällen nicht eindeutig bestimmt werden können, oft wirken auch mehrere Faktoren zusammen.

Verschiedene Arten von Hydrozephalus

Es gibt verschiedene Arten von Hydrozephalus, die sich in ihren Ursachen und Auswirkungen unterscheiden:

  • Kommunizierender Hydrocephalus (Hydrocephalus communicans): Der Liquorfluss zwischen den Hirnkammern und dem Subarachnoidalraum ist nicht blockiert. Das Problem liegt meist in der unzureichenden Aufnahme des Liquors. Auslöser können etwa Entzündungen, Blutungen oder Infektionen sein. Keine Verlegung der Liquorwege, Resorptionsstörungen.
  • Normaldruckhydrocephalus (NPH, Normal Pressure Hydrocephalus; Sonderform des kommunizierenden Hydrocephalus): Wie der Name schon sagt, ist bei dieser Art der Druck im Schädelinneren normal. Die genaue Ursache des NPH ist oft unbekannt. Hauptsymptome sind Gangunsicherheit, Gedächtnisstörungen oder Inkontinenz.
  • Nichtkommunizierender Hydrocephalus (Hydrocephalus occlusus oder obstruktiver Hydrocephalus): Der Liquorfluss ist zwischen den Hirnkammern durch eine Blockade oder Verengung gestört. Dies kann beispielsweise durch einen Tumor, eine Fehlbildung oder durch Entzündungsgewebe verursacht werden. Verschluss der Liquorwege. Störungen der Liquorzirkulation durch Passagebehinderungen (Zysten, Tumoren, Blutungen) = obstruktiver (Verschluss-) Hydrocephalus.
  • Hydrocephalus e vacuo: Hierbei handelt es sich nicht um einen Hydrocephalus im eigentlichen Sinne, sondern um die Folgen einer Hirnatrophie, also der Abnahme des Hirnvolumens. Atrophie (Masseabbau des Hirns).

Weitere Begriffe für unterschiedliche Hydrocephalus-Formen:

  • H. hypersecretorius: Überproduktion von Hirnwasser.
  • H. malresorptivus: Resorptionsstörungen des Hirnwassers.
  • H. internus: Erweiterung der inneren Liquorräume.
  • H. externus: Erweiterung der äußeren Liquorräume.
  • Aktiver H.: Hydrocephalus mit Drucksteigerung.

Symptome des Hydrozephalus

Hydrocephalus-Symptome können je nach Alter, Schweregrad und den betroffenen Gehirnregionen variieren. Die Symptome sind von der Form des Hydrozephalus abhängig. So kommen beim Verschlusshydrozephalus (zum Beispiel Aquäduktstenose) Kopfschmerzen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Müdigkeit, Schwindel und Übelkeit als Symptome vor. Durch den dauerhaft erhöhten Hirndruck kann es zu Sehbeeinträchtigungen kommen.

Bei Säuglingen und Kindern unter 2 Jahren:

  • Häufig übermäßig schnelles Kopfwachstum (Makrozephalie). Dies fällt meist schon bei der Geburt auf. Bei kleinen Kindern bis zu einem Jahr wirkt sich der erhöhte Liquor-Druck auf das Schädelwachstum (Größenzunahme des Kopfes) aus, da die Schädelknochen auseinander gedrängt werden.
  • Die Fontanelle, die bindegewebige Lücke zwischen den Schädelknochen, wölbt sich vor.
  • Die Venen an der Stirn und den Schläfen zeichnen sich deutlich ab.
  • Das Kind kann unruhig, appetitlos und leicht reizbar sein.
  • Es wird geräuschempfindlich und erbricht immer wieder.
  • Einige Kinder leiden unter epileptischen Anfällen.
  • Häufig kommt es auch zu Entwicklungsverzögerungen.
  • In manchen Fällen sind Iris und Pupille teilweise durch das Unterlid verdeckt (Sonnenuntergangsphänomen). Augenmotilitätsstörungen (Schielen, “Sonnenuntergangsphänomen“, Gesichtsfeldausfälle).

Bei älteren Kindern und Erwachsenen:

  • Kopfschmerzen, Nackenschmerzen (anfangs meist morgens).
  • Übelkeit, Erbrechen (anfangs morgendliches Nüchternerbrechen).
  • Sehstörungen (Stauungspapillen, Doppelbilder).
  • Ein beeinträchtigtes Bewusstsein.
  • Die Denkleistung sinkt, beispielsweise kann sich das Gedächtnis verschlechtern. Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Müdigkeit, Schwindel und Übelkeit als Symptome vor.
  • Morgendliche Übelkeit und schwallartiges Erbrechen trotz Nüchternheit sind möglich.
  • Zusätzlich kann sich eine Epilepsie entwickeln.
  • Manche Betroffenen können die Augen nicht mehr zu Seite bewegen (Abduzensparese).
  • Die Beschwerden nehmen immer weiter zu.
  • Müdigkeit, Bewusstseinsstörungen, Krämpfe.
  • Parkinsonsymptomatik.
  • Sehschärfenminderung bis zur Erblindung.
  • Probleme der Auge-Hand-Koordination mit Feinmotorikstörungen.
  • Schwindel, Leistungsknick, Konzentrationsstörungen.
  • Entwicklung von Lernschwäche bei Kindern.
  • Änderungen der Persönlichkeit, Verhaltensauffälligkeiten (Unruhe, Unlust, Ungeduld), Lärmüberempfindlichkeit.
  • Atmungs-, Sprach- und Schluckbeschwerden.
  • Endokrinologische (Stoffwechsel-) Störungen, frühzeitige Pubertät vor dem 8. Lebensjahr (sehr selten).

Normaldruckhydrozephalus (NPH):

In einigen Fällen - besonders im höheren Alter - geht der Hydrozephalus nicht mit einer Druckerhöhung einher (Normaldruckhydrozephalus). Die Betroffenen leiden unter deutlich anderen Symptomen. Der Normaldruckhydrocephalus (NPH) oder auch Altershydrocephalus genannt ist eine spezielle Form des Hydrocephalus, die vor allem ältere Menschen betrifft und durch eine abnorme Ansammlung von Gehirnflüssigkeit (Liquor) in den Hirnventrikeln gekennzeichnet ist, ohne dass der intrakranielle Druck stark erhöht ist. Zu den klassischen Symptomen gehören:

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  • Gangunsicherheiten (kleinschrittig, breitbasig, “wie auf Watte“).
  • Demenz und Wesensveränderungen (Vergesslichkeit, Verlangsamung, verstärkter Reizbarkeit).
  • Blasen- und Stuhlinkontinenz.

Dieser Symptomkomplex wird auch als Hakim Trias bezeichnet.

Hirndruckzeichen

  • Kopfschmerzen, Nackenschmerzen (anfangs meist morgens).
  • Übelkeit, Erbrechen (anfangs morgendliches Nüchternerbrechen).
  • Sehstörungen (Stauungspapillen, Doppelbilder).
  • Müdigkeit, Bewusstseinsstörungen, Krämpfe.
  • Beim Säugling: Unruhe, verändertes Trinkverhalten, ausdauernd schrilles Schreien, gespannte Fontanellen.

Diagnose des Hydrozephalus

Zum Erkennen eines Hydrocephalus (Gehirnwassersucht) sind eine sorgfältige medizinische Untersuchung und spezifische bildgebende Verfahren erforderlich. Die Diagnose basiert auf den Anzeichen der Betroffenen, der Anamnese und den Ergebnissen der bildgebenden Diagnostik. Ein Arzt/eine Ärztin wird zunächst die klinischen Symptome und die medizinische Vorgeschichte der Betroffenen bewerten.

Die diagnostischen Verfahren umfassen:

  • Anamnese und körperliche Untersuchung: Zunächst führt die Sie behandelnde Ärztin oder der Arzt ein ausführliches Gespräch mit Ihnen, in dem Sie Ihre Krankengeschichte und Ihre Symptome besprechen.
  • Bildgebende Verfahren:
    • Computertomografie (CT): Plumpes erweitertes Hirnkammersystem, frontal (vorn) betonte Dichteminderung in Ventrikelnähe = “Druckkappen“, verstrichene Hirnfurchen.
    • Magnetresonanztomografie (MRT): Eine MRT bietet noch detailliertere Bilder und zeigt mögliche Ursachen wie Tumoren, Septierungen, Zysten, Verengungen oder Verschlüsse.
    • Ultraschall: Bei Kindern durch die Fontanellen oder dünnen Schädelknochen gut zu bewerkstelligen, günstig, da keine Belastung mit Röntgenstrahlen, Aussagen zur Ventrikelweite und Verlaufskontrollen sehr gut möglich, Ursachen des Hydrocephalus können dargestellt werden.
  • Lumbalpunktion (LP): Bei dieser Prozedur wird eine kleine Menge Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit aus dem Wirbelsäulenkanal entnommen, um den Liquordruck zu messen und den Liquor auf Anomalien zu untersuchen. Bei Verdacht auf einen chronischen Hydrozephalus erhalten Sie eine Überweisung an die Neurologie. Bei Verdacht auf Normaldruckhydrocephalus können unsere Expert:innen eine Lumbalpunktion durchführen, bei der sie Hirnwasser aus dem Rückenmarkskanal entnehmen.
  • Hirndruckmessung: Messung des Drucks im Hirn durch Sonden. Auch eine Messung des Hirndrucks ist möglich.
  • TAP-Test = Liquorablasstest: Über eine Lumbalpunktion = Entnahme von 30-50 ml Nervenwasser aus dem Wirbelkanal, anschließend wird der Pat. neurologisch untersucht, insbesondere das Gangbild wird getestet. Dieser Test simuliert die Implantation eines Shuntsystems, indem über einen Zugang zum Wirbelsäulenkanal ca. 50ml Hirnwasser abgelassen werden.
  • Infusionstest: Durch Änderung des Volumens durch Zugabe von Flüssigkeit von außen in das Liquorsystem wird Anpassungsfähigkeit des Systems an veränderte Volumina und Drücke getestet.
  • Neuropsychologische Tests: Um das Ausmaß der Wahrnehmungsstörungen zu bewerten, können neuropsychologische Tests hilfreich sein.
  • Augenuntersuchung: Bei Bedarf können die Augen untersucht werden. Der Augenarzt wird die Sehschärfe prüfen und den Augenhintergrund mit der Spaltlampe spiegeln, um sicherzustellen, dass der Sehnerv intakt ist.

In einigen Fällen können zusätzliche Tests durchgeführt werden, um den Liquorfluss zu beurteilen oder die Reaktion des Gehirns auf temporäre Veränderungen im Liquordruck zu bewerten.

Behandlung des Hydrozephalus

Die Behandlung des Hydrozephalus hängt von der Schwere der Erkrankung, der zugrunde liegenden Ursache und dem Alter des Patienten ab. In den meisten Fällen erfordert der Hydrozephalus eine medizinische Intervention, um den überschüssigen Liquor abzuleiten und den Druck auf das Gehirn zu reduzieren. Unbehandelt führt der Hydrocephalus zu schweren Funktionsdefiziten infolge der irreversiblen Nervenzellschädigung. Wenn es möglich ist, wird die Ursache eines Hydrocephalus (z. B. ein Hirntumor) operativ beseitigt.

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Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten der operativen Therapie:

  • Endoskopische Ventrikulostomie (ETV): Hier wird der Boden des III. Ventrikels mit Hilfe eines Endoskopes und eines Katheters eröffnet, um einen Umgehungskreislauf für den Liquor innerhalb des Ventrikelsystems zu schaffen. Eine Indikation zu diesem Operationsverfahren ergibt sich beim Verschlusshydrocephalus. Bei einer Aquäduktstenose wird eine Ventrikulozisternostomie durchgeführt. Mit Hilfe eines sehr kleinen Endoskops kann präzise die Ursache der Liquorflussbehinderung beseitigt werden.
  • Implantation eines Shunt-Systems: Ein Shunt besteht aus einem Katheter (Schlauch), der ins Hirnkammersystem eingeführt wird. Verbunden ist dieser Katheter mit einem Ventil, das den Liquorabfluss reguliert. Es folgt dann ein weiterer Katheter, der im Bauchraum unter dem Peritoneum (Bauchfell) oder im rechten Herzvorhof endet und das Hirnwasser ableitet. Dieses Verfahren findet Anwendung beim kommunizierenden Hydrocephalus (Störungen der Liquorresorption). Führt die Ventrikulozisternostomie nicht zum Erfolg, wird ein Shunt angelegt. Die Shuntoperation ist die derzeitige Standardtherapie beim kommunizierenden Hydrocephalus einschließlich des NPH.

Dabei sind die gängigsten Behandlungsmethoden die Implantation eines Shunt-Systems oder eine endoskopische dritte Ventrikulostomie.

Shunt-System

Ein Shunt ist ein implantierter Schlauch, der überschüssigen Liquor aus dem Gehirn ableitet und in einen anderen Körperbereich, wie den Bauchraum oder das Herz, transportiert, wo er resorbiert werden kann. Dieses Verfahren ermöglicht eine kontinuierliche Ableitung des Liquors und hilft, den Druck im Gehirn zu kontrollieren. Dabei sind die gängigsten Ableitungsarten:

  • Ventrikuloperitoneal (VP): Ableitung aus den Hirnventrikeln (Kopf) in das Peritoneum (Bauchhöhle). Dies ist das übliche Verfahren. Dabei schafft der Arzt oder die Ärztin einen Abfluss innerhalb des Körpers. Der Shunt ist ein Schlauch, der unter der Haut verläuft und meistens in den Bauchraum führt (Ventrikuloperitonealer Shunt). Seit der Einführung der Hydrocephalus-Shunt-Therapie in den 1950er Jahren war die Ableitung von Hirnflüssigkeit aus den Hirnventrikeln in den Bauchraum (VP-Shunt/VPS) das am häufigsten verwendete Verfahren.
  • Ventrikuloatrial (VA): Ableitung aus den Hirnventrikeln (Kopf) in den rechten Vorhof des Herzens. Seltener endet er in anderen Regionen, wie im rechten Vorhof des Herzens (Ventrikuloatrialer Shunt) oder im Brustkorb.
  • Lumboperitoneal (LP): Ableitung aus dem lumbalen Spinalkanal in das Peritoneum (Bauchhöhle). In den letzten 20 Jahren hat sich der Einsatz von LP-Shunts jedoch insbesondere in Japan deutlich erhöht und sowohl die Sicherheit als auch die Effizienz konnten mit Studien belegt werden.

Die VP- und LP-Shunts können hinsichtlich Leistung und Sicherheit als grundsätzlich gleichwertig betrachtet werden.

Endoskopische dritte Ventrikulostomie (ETV)

Bei dieser minimalinvasiven chirurgischen Technik wird ein kleiner Schnitt in der Nähe des Gehirns gemacht, um einen Zugang zu den Ventrikeln zu schaffen. Durch diesen Zugang wird eine Öffnung in den Ventrikeln geschaffen, um den Liquorfluss zu erleichtern und den Druck im Gehirn zu reduzieren.

Weitere Behandlungsmethoden

  • Externe Ventrikeldrainage (EVD): Im Akutfall lässt man Hirnwasser ab. Anschließend wird ein Schlauch (Katheter) eingelegt, durch den weiterhin Liquor abfließen kann. Der Katheter wird spätestens nach etwa 3 Wochen wieder entfernt. Externe Ventrikel- oder Lumbaldrainage kommen nur als vorübergehende Behandlungsmethode zum Einsatz bei plötzlichen Zirkulationsstörungen insbesondere als Folge von Einblutungen in das Hirnwassersystem zur Anwendung.
  • Serielle Liquorpunktion: Es wird wiederholt eine geringe Menge Liquor abgelassen. Falls es zu einer Verschlechterung der Sehschärfe kommt, die jedoch nicht rasch voranschreitet, kann neben den bereits genannten Maßnahmen eine therapeutische Liquorpunktion helfen, den Hirndruck unmittelbar zu senken.
  • Operative Behandlung der Grunderkrankung: Je nach Ursache kann z. B. ein Hirntumor entfernt werden.

Medikamentöse Behandlung

Selten kann man auf eine Operation verzichten. Dies ist nur der Fall bei speziellen Tumoren oder einigen milden Krankheitsverläufen. Beispielsweise kann das Medikament Acetazolamid verwendet werden. Es senkt die Liquorproduktion um bis zu 50 %. Bei bestimmten Tumoren kann man Wirkstoffe einsetzen, die den Dopamin-2-Rezeptor anregen (z. B. Cabergolin). Zusätzlich können Medikamente wie Acetazolamid oder Topiramat zur Reduzierung der Liquorproduktion eingesetzt werden. Gegebenenfalls wird ergänzend Furosemid als Diuretikum verabreicht, um Körperwasser auszuscheiden.

Komplikationen der Shunt-Therapie

Zu den häufigsten Komplikationen bei beiden Shunt-Arten gehören Infektionen, Okklusionen und Überdrainage. CSF-Leckagen, Herniationen und bestimmte Formen von Rückenschmerzen können hingegen spezifisch eher beim LPS auftreten. Die oben genannten Komplikationen sind vor allem in den ersten Jahren nach der Shuntanlage nicht selten. Ihre Häufigkeit nimmt zwar mit der Zeit ab, jedoch kann es durch eine Shunt-Fehlfunktion zu akuten Problemen beziehungsweise zu lebensgefährlichen Notfallsituationen kommen.

Prävention des Hydrozephalus

Die Prävention des Hydrozephalus hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab. Bei angeborenem Hydrozephalus gibt es oft keine präventiven Maßnahmen, da es sich um genetische Anomalien oder strukturelle Abweichungen handeln kann. In einigen Fällen kann eine pränatale Diagnose während der Schwangerschaft helfen, mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen und eine angemessene Betreuung zu gewährleisten. Bei erworbenem Hydrozephalus ist die Prävention eng mit der Prävention der zugrunde liegenden Ursache verbunden, wie z. B.

Dennoch gibt es präventive Maßnahmen, mit denen Sie das Risiko für die Entwicklung eines erworbenen Hydrocephalus reduzieren und bei bestehender Erkrankung Ihre Lebensqualität verbessern können:

  • Tragen Sie einen Helm: Beim Fahrradfahren, Skaten oder bei anderen risikoreichen Aktivitäten sollten Sie immer einen Helm tragen.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung, die reich an Omega-3-Fettsäuren ist, kann die Gehirngesundheit fördern.
  • Alkoholkonsum: Angesichts der verschiedenen Schäden, die Alkohol im Körper verursachen kann, sollte man ihn entweder ganz meiden oder den Konsum stark einschränken.
  • Drogen: Vermeiden Sie den Konsum von Drogen.

Prognose des Hydrozephalus

Die Prognose des Hydrozephalus hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich der Schwere des Hydrozephalus, der rechtzeitigen Diagnose und Behandlung sowie der zugrunde liegenden Ursache. In einigen Fällen kann der Hydrozephalus erfolgreich behandelt und kontrolliert werden, sodass die Patienten ein normales Leben führen können. Dabei ist es wichtig zu beachten, dass jeder Fall von Hydrozephalus einzigartig ist und die Prognose von individuellen Faktoren abhängt. Unbehandelt führt der Hydrocephalus zu schweren Funktionsdefiziten infolge der irreversiblen Nervenzellschädigung.

Leben mit einem Shunt

Nicht nur ehemalige ZNS-Tumorpatienten müssen lernen, mit einem drainagepflichtigen Hydrocephalus und einem Shuntsystem zu leben und wieder am Alltag teilzunehmen. Es gibt zahlreiche andere Erkrankungen, die mit einem drainagepflichtigen Hydrocephalus einhergehen. Entsprechend existieren in Deutschland Selbsthilfegruppen, in denen unterschiedlich Betroffene (das heißt, nicht nur durch eine ehemalige ZNS-Tumorerkrankung) mit Spezialisten viele Fragen dazu gemeinsam bearbeiten. Grundsätzlich hindert ein shuntversorgter Hydrocephalus ehemalige ZNS-Tumorpatientinnen nicht daran, schwanger zu werden oder gesunde Kinder zur Welt zu bringen.

Ehemalige ZNS-Tumorpatienten mit einem Shuntsystem sollten immer einen Ventilpass bei sich tragen. Dieser wird in der Regel vom Neurochirurgen ausgehändigt, der den Shunt implantiert hat. Prinzipiell sollte innerhalb der ersten zwölf Monate nach der Shuntimplantation mindestens alle drei bis sechs Monate eine körperliche, das heißt fachgerechte klinische Untersuchung, des Shuntverlaufs stattfinden (optimalerweise in der Klinik, in der der Shunt implantiert wurde). Nach dem ersten Jahr sollte eine entsprechende Untersuchung mindestens einmal jährlich erfolgen. Nach einer Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns, wie sie regelmäßig im Rahmen der ZNS-Tumornachsorge durchgeführt wird, kann sich die Einstellung mancher verstellbarer Ventile durch das Magnetfeld im MRT ungewollt umstellen. Um die Einstellung des Ventils zu überprüfen, ist daher nach einer MRT-Kontrolle eine seitliche Röntgenuntersuchung des Schädels erforderlich.

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