Die Hochtontherapie (HiToP-Therapie) ist eine Therapiemethode, die in der Neurologie zur Linderung von Neuropathien eingesetzt wird. Sie zielt darauf ab, die Nervenfunktion zu verbessern und Schmerzen zu reduzieren. Es handelt sich um eine nicht-invasive Behandlungsmethode, die oft in Kombination mit anderen Therapien angewendet wird.
Grundlagen der Hochtontherapie
Die Hochtonbehandlung (HiToP-Behandlung) bei Neuropathien basiert auf der Anwendung von hochfrequenten Schallwellen, die gezielt auf die betroffenen Nervenbereiche gerichtet werden. Diese Schallwellen sollen die Nervenstimulation verbessern, die Durchblutung fördern und die Regeneration der Nervenzellen anregen. Es handelt sich um eine nicht-invasive Behandlungsmethode, die in der Regel schmerzfrei und gut verträglich ist. Im Vergleich zur klassischen Elektrotherapie kommen bei der Hochtontherapie höhere Frequenzen zwischen 4.000 und 32.000 Hertz zum Einsatz. Stromstärke und Frequenz der Schwingungen sind individuell anpassbar.
Funktionsweise der Hochtontherapie
Bei der Hochtontherapie wird dem Körper elektrische Energie in Form von variierenden Wechselströmen mit sehr hohen Frequenzen zwischen 4096 und 32768 Hertz (Hochtonfrequenzbereich über 3 Oktaven) zugeführt. Diese Energie dringt tief ins Gewebe ein und entfaltet dort ihre heilende Wirkung. Die unterschiedlichen Frequenzen regen Strukturen unterschiedlicher Größe an, wodurch Körper-Gewebszellen unterschiedlicher Größe in Schwingungen versetzt und zu vermehrtem Stoffwechsel angeregt werden.
Anwendungsgebiete der Hochtontherapie
Zu den häufigsten Anwendungsgebieten zählt die Polyneuropathie, eine Erkrankung der Nerven, die häufig bei Diabetikern auftritt. Mit Medikamenten ist die Polyneuropathie häufig schwer zu behandeln. Andere Krankheitsbilder, bei denen eine Hochtontherapie sinnvoll sein kann, sind beispielsweise Kniearthrose, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Sportverletzungen, Gewebsschwellungen wie beim Tennisarm, Durchblutungsstörungen sowie bei Asthma und psychischen, psychosomatischen und psychiatrischen Erkrankungen.
Polyneuropathie: Ein Überblick
Polyneuropathie ist eine Erkrankung, die mehrere periphere Nerven betrifft und oft bei Diabetikern auftritt. Die Behandlung mit Medikamenten kann schwierig sein, was alternative Therapieansätze wie die Hochtontherapie in den Fokus rückt.
Lesen Sie auch: Anwendung der Hochtontherapie
Hochtontherapie in der Praxis
Die Behandlung findet in entspannter Liegeposition statt. Über Elektroden, die an verschiedenen Stellen des Oberschenkels schmerzfrei angebracht werden, wird dem Körper elektrische Energie zugeführt. Patienten spüren dabei ein leichtes Kribbeln im Bereich der Elektroden und deutliche, aber keineswegs unangenehme Muskelkontraktionen.
Hochton Elektrischen Muskelstimulation (HTEMS®)
Der Hochton Elektrischen Muskelstimulation (HTEMS®) liegt die Überzeugung zugrunde, dass nicht nur aktive Bewegung - also Sport - den Stoffwechsel verbessert, sondern auch „passive“ in Form der externen elektrischen Muskelstimulation. Dabei wirkt die HTEMS® - anders als die klassische Elektrotherapie (TENS) - in der Tiefe direkt auf den Muskel ein und erzeugt angenehme, aber intensive und damit wirksame Kontraktionen. In den Studien kam es für Diabetiker zu einer Verbesserung der Insulinempfindlichkeit, außerdem zu einer moderaten Gewichtsabnahme von ca.
Anwendung bei Sportlern
Neuerdings setzen viele Leistungssportler auf die Hochtontherapie. Denn damit können die Zellen optimal aktiviert und der Körper vitalisiert werden. Auch Freizeitsportler können von dieser Therapie profitieren.
Bei den diesjährigen Olympischen Winterspielen in Südkorea setzte Dr. Mitja Bračič, Sportmediziner aus Slowenien, eine besondere Therapie ein, damit die slowenischen Sportler Höchstleistungen erbringen: die Hochtontherapie.
Hauptziel der Hochtontherapie: Energie in den Körper einschleusen, damit die Zellen aktiviert und der Körper vitalisiert wird. Das zweite Hauptziel: Resonanzen erzeugen, um die Zellen und Gewebestrukturen in Schwingungen zu versetzen. So wird der Stoffwechsel angeregt und die Muskeln können sich schneller regenerieren.
Lesen Sie auch: Umfassende Informationen zur Hochtontherapie bei Polyneuropathie
Um zu überprüfen, welchen genauen Anteil die Hochtontherapie an dem Erfolg hat, führt Dr. Mitja Bračič Untersuchungen durch: „Dabei zeigte sich, dass die Muskelaktivität nach der Anwendung der HiToP-Therapie um 20 bis 25 Prozent höher ist als bei der Vergleichsgruppe.“
Wissenschaftliche Studien zur Hochtontherapie
Es gibt einige Studien, die die Wirksamkeit der Hochtontherapie untersuchen.
Studie am Deutschen Diabetes Zentrum (DDZ) in Düsseldorf
Eine randomisierte, kontrollierte klinische Studie am DDZ (Deutsches Diabetes Zentrum) in Düsseldorf zeigte, dass sich bei 80 Prozent der mit Hochtontherapie behandelten Polyneuropathie-Patienten (schmerzhafte und schmerzlose Polyneuropathie) die Beschwerden deutlich besserten. Die TENS-Behandlung (als Kontrolltherapie) war nur bei 33 Prozent der Patienten erfolgreich.
Studie zur Gewichtsreduktion und Verbesserung des HbA1c-Wertes
Eine weitere Studie zeigte eine Reduzierung des Gewichts und eine Verbesserung des HbA1c Wertes nach HiToP® Behandlung. Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft prämierte die Studie aufgrund ihrer Bedeutung mit dem Förderpreis für „Präventionsmodelle in Klinik und Praxis“.
Risiken und Nebenwirkungen
Nebenwirkungen sind bislang nicht bekannt und die Behandlung ist nicht unangenehm. Vorsicht ist geboten bei Patienten mit Herzschrittmachern. Diese sollten zunächst mit ihrem Kardiologen abklären, ob eine Hochtontherapie möglich ist. Des Weiteren sollte bei Fieber oder akuter Infektion von einer Hochtontherapie-Sitzung abgesehen werden. Zuweilen führt die Stoffwechselanregung zu vermehrter Urinproduktion. Diabetiker beobachten möglicherweise einen reduzierten Insulinbedarf.
Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei alkoholischer Polyneuropathie
Erstattung durch Krankenkassen
Eine schulmedizinische Akzeptanz der Hochtontherapie liegt nicht vor, da die Studien teilweise mit einer kleinen Anzahl von Teilnehmern oder über eine kurze Beobachtungsdauer oder ohne Kontrollgruppe durchgeführt wurden. Die Verwendung von Strom als Therapie ist in der Schulmedizin dennoch allgemein bekannt und gilt dort grundsätzlich als sicher.
Hochtontherapie wird gemäß §12 des Sozialgesetzbuches nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, ist aber als individuelle Gesundheitsleistung (IGEL) dennoch bezahlbar. Eine Behandlungssitzung kostet bei Ansetzen der GOÄ-Analogziffer 555aa (1,8-facher Satz) 12,59 €. Es sind etwa 10 Sitzungen zu je 30 min.
Gesetzliche Krankenversicherung (GKV)
Die Erstattung von Behandlungskosten für die HiToP-Behandlung kann je Versicherungsstauts und individuellem Fall variieren. Es ist ratsam, sich direkt an Ihre Krankenversicherung oder Ihren Versicherungsanbieter zu wenden, um Informationen über die Deckung dieser spezifischen Behandlung zu erhalten. Einige Versicherungen können die Kosten für die HiToP-Behandlung teilweise oder vollständig übernehmen, während andere möglicherweise keine Deckung bieten. In diesen Fällen verlangt der Arzt eine angemessene und faire Vergütung vom Patienten.
Private Krankenversicherung (PKV)
Die Erstattung von alternativen Heilmethoden durch die private Krankenversicherung (PKV) ist möglich, jedoch stark abhängig von der vertraglichen Gestaltung und der medizinischen Notwendigkeit der Behandlung. Im Gegensatz zur gesetzlichen Krankenversicherung gibt es in der PKV keinen vorgeschriebenen Leistungskatalog. Hier zählt, was im Versicherungsvertrag der privaten Krankenversicherung steht. Das bietet den Vorteil, dass Versicherte selbst bestimmen können, welche Leistungen sie in welchem Umfang bei der PKV versichern möchten.
Heilpraktikerleistungen und alternative Therapien werden je nach Tarif der privaten Krankenversicherung unterschiedlich erstattet. Es ist ratsam für Versicherungsnehmer der PKV, vor Behandlungsbeginn eine Kostenübernahmeerklärung von der Versicherung einzuholen, um sicherzustellen, dass die Kosten für Heilpraktiker und alternative Therapien von der PKV übernommen werden. Patienten sollten vor Beginn einer alternativen Therapie oder Behandlung beim Heilpraktiker mit ihrer PKV klären, welche Kosten von der Versicherung übernommen werden. Die Erstattung alternativer Therapien wie Homöopathie, Akupunktur oder Osteopathie ist häufig vom jeweiligen Tarif der privaten Krankenversicherung abhängig.
Rechtliche Aspekte und Gerichtsurteile
Ein Urteil des Amtsgerichts Lemgo (AG Lemgo, Urteil vom 04. Mai 2021 - 18 C 164/20) zeigt, dass die Kosten für eine ärztlich verordnete Ergotherapie vollständig von der PKV übernommen werden müssen, wenn dies im Vertrag so festgelegt ist. Oft zahlt die private Krankenversicherung nicht wie gewünscht oder vertraglich vereinbart. Der Patient steht dann zwischen Arzt und Versicherer und muss sich gegebenenfalls mit beiden streiten. Eine frühzeitige Rechtsberatung kann helfen, die PKV zur Zahlung zu bewegen.
Aktuelle Urteile zur privaten Krankenversicherung und alternative Therapien betonen die Bedeutung klarer vertraglicher Vereinbarungen und die Notwendigkeit, medizinische Notwendigkeit gegenüber der privaten Krankenversicherung nachzuweisen.
Beispiele aus der Rechtspraxis
In dem Fall eines schwer an Krebs erkrankten Mandanten weigerte sich die private Krankenversicherung, die Kosten für eine alternative, noch nicht anerkannte Therapie zu erstatten. Diese konnte den Krebs zwar nicht heilen, es bestand aber die Chance einer Lebensverlängerung durch die Alternative Heiltherapie.
In einem weiteren Fall ging es um die Erstattung von Kosten für alternative Therapien wie Akupunktur und Homöopathie durch die private Krankenversicherung. Ein Versicherter hatte diese Behandlungen zur Linderung von Migräne vom Heilpraktiker erhalten, und die PKV wollte die Kosten nicht übernehmen.
Diese Fälle zeigen, dass es für Versicherte möglich ist, gegen Entscheidungen der PKV erfolgreich zu klagen, insbesondere wenn sie nachweisen können, dass die Maßnahmen der Versicherer fehlerhaft oder die Behandlungen medizinisch notwendig sind. Versicherte sollten nicht zu früh aufgeben oder den Konflikt scheuen. Unsere Erfahrung als Rechtsanwälte für Versicherungsrecht zeigt, dass sich Widerspruch oft lohnt und zumindest eine Teilerstattung durch die PKV erreicht werden kann. Ein Fachanwalt mit hoher Expertise im Versicherungsrecht kann die Ansprüche prüfen und deren Durchsetzung begleiten.
tags: #hochtontherapie #polyneuropathie #krankenkasse