Holundersaft und Neuropathie: Erfahrungen und Wissenswertes

Einführung

Holunder, insbesondere der Schwarze Holunder, ist in Europa, Asien und Nordafrika weit verbreitet und bekannt für seine vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten, von schmackhaften Getränken wie Holundersaft und -sirup bis hin zu traditionellen Heilmitteln. Die Pflanze, die eine Höhe von drei bis sieben Metern erreichen kann, blüht von Mai bis Juni und trägt ab August schwarz gefärbte Steinfrüchte. Sowohl die Blüten als auch die Beeren des Holunders finden Verwendung, wobei jedoch Vorsicht geboten ist: Rohe Holunderbeeren enthalten das cyanogene Glykosid Sambunigrin, das im Körper zu Blausäure umgewandelt werden kann und somit Übelkeit, Erbrechen und Durchfall verursachen kann.

Dieser Artikel beleuchtet die potenziellen gesundheitlichen Vorteile von Holunder, insbesondere im Hinblick auf seine antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften, und geht auf die Erfahrungen im Zusammenhang mit Neuropathie ein. Dabei werden sowohl die positiven Aspekte als auch mögliche Risiken und Nebenwirkungen berücksichtigt.

Was ist Holunder?

Holunder (Sambucus) ist eine Pflanzengattung, die etwa 20 Arten umfasst. In Deutschland sind vor allem der Schwarze Holunder (Sambucus nigra), der essbare Rote Holunder und der giftige Zwergholunder verbreitet. Der Schwarze Holunder wird traditionell als Heilpflanze genutzt, während der Zwergholunder aufgrund seiner Giftigkeit gemieden werden sollte.

Inhaltsstoffe und Wirkungen

Holunderbeeren sind reich an Vitaminen und Mineralstoffen wie Magnesium, Kalium, Phosphor und Eisen. Besonders hervorzuheben sind die sekundären Pflanzenstoffe, insbesondere Polyphenole und Anthocyane. Diese Stoffe wirken:

  • Antiviral: Sie können die Vermehrung von Viren hemmen.
  • Immunstärkend: Sie unterstützen das Immunsystem bei der Abwehr von Krankheitserregern.
  • Entzündungshemmend: Sie können Entzündungsprozesse im Körper reduzieren.
  • Antioxidativ: Anthocyane schützen die Zellen vor schädlichen Oxidationsprozessen.

Holunder in der traditionellen Medizin

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hat Holunderblüten als traditionelles Arzneimittel zur Linderung der frühen Symptome einer Erkältung anerkannt. Holunderblüten sind auch Bestandteil eines klinisch gut untersuchten Arzneimittels gegen Nasennebenhöhlenentzündung. Traditionell wird Holunderblütentee empfohlen, zubereitet aus zwei bis fünf Gramm frischer oder getrockneter Blüten in 150 Milliliter kochendem Wasser, der fünf bis zehn Minuten ziehen sollte.

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Holunder und Neuropathie: Eine Betrachtung

Neuropathie, insbesondere die periphere Neuropathie, ist durch Schädigungen der Nerven gekennzeichnet, die zu Missempfindungen, Schmerzen und Funktionsstörungen führen können. Die Inzidenz peripherer Neuropathien steigt mit dem Alter, wobei etwa 8 % der älteren Menschen betroffen sind. Die Ursachen sind vielfältig, und die Therapieoptionen sind oft begrenzt.

Antioxidative Wirkung und Nervengesundheit

Die antioxidativen Eigenschaften der im Holunder enthaltenen Anthocyane könnten potenziell eine Rolle bei der Unterstützung der Nervengesundheit spielen. Oxidativer Stress, verursacht durch freie Radikale, kann Nervenzellen schädigen und zur Entstehung von Neuropathie beitragen. Antioxidantien wie Anthocyane können freie Radikale neutralisieren und somit die Nervenzellen schützen.

Entzündungshemmende Wirkung und Schmerzlinderung

Entzündungen können ebenfalls eine Rolle bei Neuropathie spielen. Die entzündungshemmenden Eigenschaften von Holunder könnten dazu beitragen, Entzündungsprozesse im Nervensystem zu reduzieren und somit Schmerzen zu lindern.

Erfahrungen und Studien

Obwohl Holunderbeeren zellbiologisch intensiv erforscht sind, existieren nur wenige klinische Studien, die die Wirkung von Holunder bei Neuropathie untersuchen. Eine Studie aus dem Jahr 2016 mit Flugreisenden zeigte, dass die Einnahme von Holunderextrakt-Kapseln vor, während und nach der Reise die Dauer und Schwere von Erkältungssymptomen reduzieren konnte. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Studie nicht speziell auf Neuropathie ausgerichtet war.

Gemmotherapie und Holunder

Die Gemmotherapie, ein Bereich der Phytotherapie, nutzt die Heilkraft von Pflanzenknospen. In der Gemmotherapie wird die Knospe der schwarzen Johannisbeere (Ribes nigrum) zur Behandlung von Entzündungen und Allergien eingesetzt. Es wird angenommen, dass die Knospe antiallergische Eigenschaften hat und die Schadstoffausleitung unterstützt. Obwohl Holunder nicht im gleichen Maße in der Gemmotherapie verwendet wird wie die schwarze Johannisbeere, könnten die Prinzipien der Gemmotherapie auch auf Holunder angewendet werden, um seine potenziellen Vorteile bei Neuropathie zu untersuchen.

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Anwendung und Zubereitung von Holunder

Holunder kann auf verschiedene Arten konsumiert werden:

  • Holundersaft: Für einen Liter Holundersaft benötigt man etwa ein Kilogramm Holunderbeeren. Die Beeren sollten etwa 50 Minuten lang gekocht werden, um sie genießbar zu machen. Der Saft kann dann mit Zucker aufgekocht und in sterile Flaschen gefüllt werden.
  • Holundersirup: Holundersirup kann pur eingenommen oder mit Wasser aufgegossen werden.
  • Holunderblütentee: Holunderblütentee wird aus getrockneten Holunderblüten zubereitet und kann bei Erkältungssymptomen helfen.
  • Holunderextrakt: Holunderextrakt ist in Form von Granulat oder Kapseln erhältlich.

Risiken und Nebenwirkungen

Rohe Holunderbeeren, Blätter, Stängel und unreife Früchte enthalten Glykoside, die giftig sind und zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfall führen können. Daher sollten Holunderbeeren immer gekocht oder anderweitig verarbeitet werden, um die Glykoside abzubauen.

Nebenwirkungen von Holunder sind nicht bekannt, aber es gibt keine ausreichenden Daten zur Anwendung bei Kindern unter zwölf Jahren.

Sorbitintoleranz und Holunder

Sorbit ist ein Zuckeraustauschstoff, der in einigen Früchten, einschließlich Äpfeln und Weintrauben, vorkommt. Menschen mit Sorbitintoleranz können nach dem Verzehr von sorbitreichen Lebensmitteln Bauchbeschwerden entwickeln. Da Holunderbeeren nicht zu den sorbitreichen Früchten gehören, sollten sie in der Regel keine Probleme für Menschen mit Sorbitintoleranz verursachen. Es ist jedoch wichtig, auf die Zutatenliste von Holunderprodukten zu achten, da Sorbit als Feuchthaltemittel in einigen Fertigprodukten enthalten sein kann.

Weitere gesundheitliche Aspekte von Beeren

Neben Holunder gibt es viele andere Beerenarten, die gesundheitliche Vorteile bieten können. Wildbeeren, die in der freien Natur wachsen, enthalten oft höhere Konzentrationen an Nährstoffen und Antioxidantien als Kulturbeeren. Einige Beispiele für gesunde Beeren sind:

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  • Heidelbeeren: Sie enthalten Anthocyane, die antioxidativ wirken und die Gehirnfunktion unterstützen können.
  • Himbeeren: Sie enthalten entzündungshemmende Verbindungen und fördern die Verdauung.
  • Erdbeeren: Sie sind reich an Vitamin C und Mangan und stärken das Immunsystem.
  • Johannisbeeren: Sie sind reich an Vitamin C und Kalium und unterstützen die Herzgesundheit.
  • Brombeeren: Sie sind reich an Ballaststoffen und Antioxidantien und fördern die Verdauung.

Studien haben gezeigt, dass der regelmäßige Verzehr von Beeren die Nervenfunktion verbessern, Entzündungen reduzieren und das Wachstum von Krebszellen hemmen kann.

Ernährungsempfehlungen für Menschen mit Diabetes

Für Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes ist eine ausgewogene Ernährung besonders wichtig. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) empfiehlt eine tägliche Ballaststoffmenge von 40 Gramm. Da Früchte im Gegensatz zu Gemüse und Salat einen direkten Einfluss auf den Blutzuckerspiegel haben, sollte die Obstmenge angepasst werden.

Es wird empfohlen, frisches Obst gegenüber verarbeiteten Produkten wie Smoothies und Säften zu bevorzugen, da diese einen höheren Ballaststoffgehalt und eine niedrigere Kohlenhydratmenge aufweisen. Bei der Auswahl von Obstsorten sollten solche mit weniger als 10 Gramm Kohlenhydraten pro 100 Gramm bevorzugt werden, insbesondere Beerenobstsorten.

Komplementärmedizinische Ansätze bei chronischen Erkrankungen

Immer mehr Leitlinien bewerten komplementärmedizinische Ansätze positiv, basierend auf einer wachsenden wissenschaftlichen Evidenz. Bei chronischen Erkrankungen wie Neuropathie können komplementärmedizinische Verfahren wie Akupunktur, Physiotherapie und Phytotherapie eine wichtige Rolle spielen.

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