Homöopathische Behandlung der Plexusparese: Ein umfassender Überblick

Die Plexusparese, auch bekannt als Plexuslähmung, ist eine Schädigung des Plexus brachialis - eines komplexen Nervengeflechts, das für die Steuerung des Arms und der Hand verantwortlich ist. Diese Verletzung kann zu erheblichen Bewegungseinschränkungen und einer Armlähmung führen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsansätze der Plexusparese, wobei ein besonderer Fokus auf die homöopathischen und konventionellen Therapieoptionen gelegt wird.

Was ist der Plexus brachialis?

Der Plexus brachialis ist ein Geflecht aus Nervenfasern, das die gesamte motorische und sensible Versorgung des Arms, der Schulter und der Hand steuert. Er ermöglicht Bewegungen von der Schulter bis zu den Fingern und übermittelt Gefühlswahrnehmungen wie Tastsinn, Temperatur- und Schmerzempfindungen von der Haut des Arms. Der Plexus brachialis wird aus den Nervenwurzeln C5 bis C8 und Th1 gebildet, die aus dem Rückenmark austreten.

Ursachen der Plexusparese

Eine Plexusparese entsteht durch eine Schädigung oder Verletzung des Plexus brachialis. Die Ursachen können vielfältig sein:

  1. Geburtstrauma: Bei schwierigen Geburten kann es durch eine starke Überdehnung oder einen zu starken Zug an der Schulter des Neugeborenen zu einer Plexusschädigung kommen. Diese Form wird als „Obstetric Brachial Plexus Palsy“ (OBPP) bezeichnet.
  2. Traumatische Verletzungen: Brachial Plexus Injuries (BPI) umfassen alle traumatischen Verletzungen des Plexus brachialis, zum Beispiel durch Stürze oder andere schwere Traumata.
  3. Andere Ursachen: Im Kindesalter auftretende Paresen haben die unterschiedlichsten Ursachen, z.B. (Geburts-)Traumata, Tumoren oder iatrogene Verletzungen.

Symptome der Plexusparese

Die Symptome einer Plexusparese variieren je nach Schwere und Lokalisation der Nervenverletzung. Die Auswirkungen reichen von leichten Bewegungseinschränkungen bis hin zu einer kompletten Armlähmung.

  • Motorische Einschränkungen: Schwäche oder Lähmung der Schulter-, Arm- oder Handmuskulatur.
  • Sensibilitätsstörungen: Taubheit, Kribbeln oder Schmerzen im Arm oder in der Hand.
  • Reflexveränderungen: Abgeschwächte oder fehlende Reflexe.

Diagnose der Plexusparese

Die Diagnose einer Plexusparese ist ein komplexer Prozess, der eine genaue Analyse der motorischen, sensorischen und reflektorischen Funktionen des betroffenen Arms erfordert.

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  1. Anamnese: Erhebung der Vorgeschichte (zum Beispiel eines Geburtstraumas, Unfallhergang, Symptome).
  2. Körperliche Untersuchung: Beurteilung der Muskelkraft, Sensibilität und Reflexe.
  3. Elektrophysiologische Untersuchungen: Elektromyogramm (EMG) zur Messung der elektrischen Aktivität der Muskeln und Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) zur Überprüfung der Nervenfunktion.
  4. Bildgebende Verfahren: In seltenen Fällen kann eine MRT-Untersuchung erforderlich sein, um die Nervenstrukturen darzustellen.

Konventionelle Behandlung der Plexusparese

Die Wahl der Therapie bei einer Plexusparese hängt von der Ursache, dem Schweregrad und der betroffenen Nervenregion ab.

  • Physiotherapie: Ziel ist, Muskelabbau zu verhindern und die Gelenkbeweglichkeit zu erhalten.
  • Ergotherapie: Unterstützung bei alltäglichen Aktivitäten und Anpassung an die Einschränkungen.
  • Schmerzmanagement: Anhaltende Schmerzen können mit Medikamenten behandelt werden.
  • Operation: Nervenrekonstruktion, bei der gesunde Nerven aus anderen Körperregionen mit den geschädigten Plexusnerven verbunden werden. Nerventransfers sind induziert, wenn keine spontane Reinnervation mehr stattfindet und die Läsionen noch nicht zur vollständigen Atrophie bzw. Kontraktur der Muskulatur geführt haben. Oft geht es vorrangig darum, Kennmuskeln, die man für Alltagsbewegungen braucht, wieder funktionsfähig zu machen. Mit Transfers lässt sich aber an den Händen auch eine Schutzsensibilität erreichen.
  • Handorthesen: Moderne Handorthesen können bei Funktionseinschränkungen durch eine Plexusparese eine wichtige Rolle spielen. Sie unterstützen Greif-, Halte- und Bewegungsfunktionen.

Homöopathische Behandlung der Plexusparese

Die homöopathische Behandlung der Plexusparese zielt darauf ab, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren und die Regeneration der geschädigten Nerven zu unterstützen. Die Wahl des homöopathischen Mittels erfolgt individuell nach den spezifischen Symptomen und der Krankheitsgeschichte des Patienten.

Wissenschaftliches Arbeiten in der homöopathischen Praxis

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Mögliche homöopathische Mittel

Obwohl es keine spezifischen homöopathischen Mittel gibt, die ausschließlich für die Behandlung der Plexusparese indiziert sind, können je nach Symptomatik verschiedene Mittel in Betracht gezogen werden:

  • Hypericum perforatum: Bei Nervenverletzungen mit stechenden, brennenden Schmerzen.
  • Arnica montana: Bei Verletzungen durch stumpfe Traumata.
  • Ruta graveolens: Bei Verletzungen von Sehnen und Bändern.
  • Causticum: Bei Lähmungen und Schwäche der Muskulatur.

Es ist wichtig zu betonen, dass die homöopathische Behandlung immer von einem erfahrenen Homöopathen durchgeführt werden sollte, der eine individuelle Anamnese erhebt und das passende Mittel auswählt.

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Fallbeispiele und Erfolge

  • Fall 1: Nach geburtstraumatischer oberer Plexusparese lässt sich bei einem Säugling keine Reinnervation der Wurzeln C5 und C6 feststellen. Die Exploration ergibt einen traumatischen Abriss von C6 und eine weitgehende Durchtrennung von C5. Interponate aus dem Plexus cervicalis in C5 sowie zwei weitere Transfers aus Fasern des N. ulnaris zum N. musculocutaneus sowie vom N. accessorius zum N. suprascapularis sorgen für eine fast seitengleiche Schulterfunktion nach einem Jahr.
  • Fall 2: Das neugeborene Mädchen zeigt auf beiden Seiten keine aktive Beugung der Ellenbogen. Im Alter von drei Monaten erhält es einen Transfer vom N. medianus zum N. musculocutaneus. Ein Jahr später kann das Kind die Ellenbogen aktiv beugen und dadurch auch eigenständig essen.
  • Fall 3: Mit einer Fallhand nach Radialisparese kam die 8-Jährige in die Klinik. Einer Sarkomresektion fielen N. femoralis und N. saphenus zum Opfer.

Diese Fallbeispiele zeigen, dass durch eine Kombination aus konventionellen und alternativen Behandlungsmethoden, wie z.B. Nerventransfers, eine deutliche Verbesserung der Funktion und Lebensqualität erreicht werden kann.

Die Rolle von Handorthesen

Moderne Handorthesen spielen eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Plexusparesen, insbesondere bei Funktionseinschränkungen. Sie können Greif-, Halte- und Bewegungsfunktionen unterstützen und erleichtern, die aufgrund der Nervenschädigung beeinträchtigt sind.

Unternehmen wie HKK Bionics entwickeln hochmoderne bionische Handorthesen, die Betroffenen mehr Selbstständigkeit im Alltag ermöglichen. Helmut, der nach einem schweren Motorradunfall eine Plexusläsion erlitt, konnte dank einer bionischen Handorthese wieder beidhändige Tätigkeiten ausführen und seinen Alltag selbstständig bewältigen.

Radialisparese als Sonderfall

Die Radialisparese ist eine spezielle Form der peripheren Nervenlähmung, die den Nervus radialis betrifft.

Ursachen der Radialisparese

Die Radialisparese kann auf unterschiedliche Weise entstehen. Meistens wird der Nerv im Arm eingeklemmt oder geschädigt, z.B. bei einer ungünstigen Schlafposition. An bestimmten anatomischen Lokalisationen ist das Risiko für eine Radialisschädigung erhöht:

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  • Axilla: Häufig bei Menschen, die Unterarm-Gehstützen benutzen, sich die Schulter ausgekugelt oder den Oberarm gebrochen haben.
  • Mittleres Drittel des Oberarms: Der Nerv liegt dem Knochen sehr eng an und ist besonders bei Knochenbrüchen gefährdet.
  • Schlaf- oder Parkbanklähmung: Tritt häufig im Tiefschlaf unter Alkoholeinwirkung auf, wenn Betroffene für längere Zeit auf dem Arm liegen oder ihn ungünstig auf der Bettkante auflegen.
  • Radialtunnel: Der Nerv überkreuzt das Ellenbogengelenk.
  • Unterarm und Handgelenk: Einklemmung durch zu enge Armbänder oder Handschellen (Arrestantenlähmung oder Fesselungslähmung).

Symptome der Radialisparese

Ein typisches Symptom ist die sog. Fallhand: Handgelenk und Finger können nicht mehr gestreckt werden. Bei Schädigungen, die weiter oben am Arm lokalisiert sind, kann auch der Trizeps gelähmt sein, sodass keine Ellenbogenstreckung mehr möglich ist. Darüber hinaus ist eine Störung der Gefühlswahrnehmung im seitlichen Ober- und Unterarm sowie dem Handrücken (Daumen bis Mittelfinger) möglich. Einige Reflexe am Arm können abgeschwächt sein.

Diagnose der Radialisparese

Die Diagnose wird in der Regel anhand der Krankengeschichte und einer einfachen Untersuchung gestellt. Manchmal ist die Diagnose dennoch schwierig, z. B. bei Schmerzen im Ellenbogen. In diesem Fall ist die Radialisparese nur schwer von einem Tennisarm zu unterscheiden. Bei Unsicherheit in Bezug auf die Diagnose oder bei einem schlechten Genesungsprozess ist möglicherweise eine MRT-Untersuchung des Arms zu empfehlen. In Ausnahmefällen können auch Messungen der Nervenleitgeschwindigkeit und der Muskelfunktion erforderlich sein.

Behandlung der Radialisparese

Die Radialisparese verschwindet normalerweise innerhalb weniger Wochen von selbst. Man bemerkt eine schrittweise Verbesserung der Funktion. In dieser Zeit kann das Tragen einer Schiene sinnvoll sein, die das Handgelenk leicht gestreckt hält, um die Anwendung der Hand zu erleichtern. In seltenen Fällen bleibt die Parese bestehen. Bei langanhaltenden Schmerzen, deren Ursache das Einklemmen des Nervs ist, z. B. im Bereich des Ellenbogens, kann ein operativer Eingriff nötig werden, um für eine Druckentlastung zu sorgen.

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