Hörprobleme durch Gehirntumor: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Hörprobleme können vielfältige Ursachen haben, von altersbedingten Veränderungen bis hin zu Lärmbelästigung. In seltenen Fällen können sie jedoch auch durch ernsthafte Erkrankungen wie einen Gehirntumor verursacht werden. Ein solcher Tumor, der das Gehör beeinträchtigen kann, ist das Akustikusneurinom, auch Vestibularis Schwannom genannt. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Hörproblemen im Zusammenhang mit Gehirntumoren, insbesondere dem Akustikusneurinom, sowie Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten.

Was ist ein Akustikusneurinom?

Ein Akustikusneurinom (auch Vestibularis Schwannom genannt) ist ein seltener, meist gutartiger Tumor, der am Hör- und Gleichgewichtsnerv (Nervus vestibulocochlearis) entsteht. Dieser Nerv verbindet das Innenohr mit dem Gehirn und ist für die Übertragung von Hörinformationen und die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts verantwortlich. Akustikusneurinome sind in der Regel langsam wachsend und streuen nicht in andere Körperteile. Sie machen etwa acht Prozent der Tumore im Schädelinneren aus. Schätzungen zufolge kommen auf eine Million Menschen in Deutschland jährlich etwa acht bis zehn Neuerkrankungen, meist Menschen mittleren Lebensalters.

Ursachen für ein Akustikusneurinom

Die genauen Ursachen für die Entstehung eines Akustikusneurinoms sind noch nicht vollständig geklärt. Wie bei anderen Hirntumoren auch, gibt es mehrere Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit eines Tumors erhöhen können. In den meisten Fällen tritt das Akustikusneurinom einseitig auf. Allerdings lässt sich beobachten, dass das Risiko mit zunehmendem Alter anwächst.

In etwa 7 % der Fälle ist eine seltene genetische Störung namens Neurofibromatose Typ 2 (NF2) die Ursache. Diese Erkrankung verursacht in der Regel Akustikusneurinome, die beide Ohren gleichzeitig betreffen. Im Rahmen dieser Erkrankung können gutartige Tumore im Gehirn und dem Rückenmark entstehen. Sofern sich Akustikusneurinome auf beiden Kopfseiten im Bereich der Hör- und Gleichgewichtsnerven bilden, kann die Ursache sehr stark auf die Neurofibromatose Typ 2 hindeuten.

Neben genetischen Faktoren werden auch Umwelteinflüsse wie starke Lärmbelastung als mögliche Risikofaktoren diskutiert, obwohl die genauen Zusammenhänge noch erforscht werden.

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Symptome eines Akustikusneurinoms

Ein Akustikusneurinom verursacht erst dann Beschwerden, wenn es sich deutlich vergrößert und andere Strukturen in seiner Nähe verdrängt. Da der Tumor aber sehr langsam wächst, vergehen meistens Jahre, bevor ein Akustikusneurinom Symptome verursacht. Die Symptome eines Akustikusneurinoms können je nach Größe und Position des Tumors variieren. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Hörverlust: Ein schleichender, einseitiger Hörverlust ist oft das erste Anzeichen eines Akustikusneurinoms. Der Hörverlust betrifft meist den Hochtonbereich.
  • Tinnitus: Ohrgeräusche, wie Klingeln oder Zischen, können ebenfalls auftreten.
  • Gleichgewichtsstörungen: Schwindelgefühle, Unsicherheit beim Gehen und Koordinationsprobleme können auftreten, da der Tumor auf den Gleichgewichtsnerv drückt.
  • Druckgefühl im Ohr: Ein Völlegefühl oder Druck im betroffenen Ohr kann auftreten.
  • Kopfschmerzen: Häufige oder anhaltende Kopfschmerzen können ein Symptom sein, insbesondere bei größeren Tumoren.
  • Gesichtslähmung oder Taubheit: In seltenen Fällen kann der Tumor auf den Gesichtsnerv drücken und zu Gesichtslähmungen oder Taubheitsgefühlen im Gesicht führen.
  • Sehstörungen: Bei sehr großen Tumoren kann es zu Sehstörungen kommen.

Da die Symptome unspezifisch sein können und auch auf andere Erkrankungen hindeuten können, wird ein Akustikusneurinom oft erst spät erkannt.

Diagnose eines Akustikusneurinoms

Die Diagnose eines Akustikusneurinoms erfordert eine umfassende Untersuchung durch einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO-Arzt) oder einen Neurologen. Folgende Diagnoseverfahren werden in der Regel eingesetzt:

  • Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte des Patienten und erfasst die Symptome.
  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht das Ohr und das Nervensystem des Patienten.
  • Hörtest (Audiogramm): Ein Audiogramm misst die Hörfähigkeit des Patienten und kann einen Hörverlust aufzeigen. In der Regel ist ein Audiogramm der erste spezifische Test zur Diagnose eines Akustikusneurinoms, mit dem festgestellt wird, wie gut die Patienten Geräusche und Sprache hören können.
  • Gleichgewichtstest (Elektronystagmographie oder ENG): Eine ENG zeichnet die elektrische Aktivität auf und dient dazu, die Reaktion des Gehirns, der Augen und des Innenohrs auf Gewichtsverlagerungen und Gleichgewichtsübungen zu messen.
  • Hirnstammaudiometrie: Mit einer Hirnstammaudiometrie prüft er zusätzlich die Funktion des Hörnervs.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Eine MRT ist das wichtigste bildgebende Verfahren zur Diagnose eines Akustikusneurinoms. Sie ermöglicht es, den Tumor sichtbar zu machen, seine Größe und Lage zu bestimmen und andere mögliche Ursachen für die Beschwerden auszuschließen.
  • Computertomographie (CT): In einigen Fällen kann eine CT-Untersuchung als Alternative zur MRT durchgeführt werden.

Behandlungsmöglichkeiten bei einem Akustikusneurinom

Die Behandlung eines Akustikusneurinoms hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Größe des Tumors, dem Wachstum des Tumors, dem Alter und Gesundheitszustand des Patienten sowie den vorhandenen Symptomen. Es gibt drei Hauptbehandlungsoptionen:

  • Beobachtung (Watchful Waiting): Bei kleinen Tumoren, die keine oder nur geringe Beschwerden verursachen und langsam wachsen, kann eine Beobachtung ausreichend sein. Der Tumor wird regelmäßig mittels MRT kontrolliert, um sein Wachstum zu überwachen.
  • Operation: Eine Operation ist die häufigste Behandlungsmethode bei größeren Tumoren oder bei Tumoren, die schnell wachsen und Beschwerden verursachen. Ziel der Operation ist es, den Tumor vollständig zu entfernen, wobei die umliegenden Nerven und Hirnstrukturen bestmöglich geschont werden sollen. Zu diesem Zweck nutzen die behandelnden Neuro- und HNO-Chirurgen unter anderem Operationsmikroskope und -endoskope und überwachen während der Operation ständig die Nervenfunktionen. Der Eingriff dauert etwa fünf bis acht Stunden und gelingt in der Regel am besten bei kleinen Tumoren, die nicht mit den umliegenden Nerven verwachsen sind.
  • Strahlentherapie: Die Strahlentherapie kann eingesetzt werden, um das Wachstum des Tumors zu verlangsamen oder zu stoppen. Sie kommt vor allem bei kleineren Tumoren oder bei Patienten in Frage, bei denen eine Operation nicht möglich ist oder ein zu hohes Risiko darstellt. Eine Behandlung mit ionisierender Strahlung kann das Tumorwachstum verlangsamen oder gar stoppen. Diese Therapie schont die umliegenden Nerven und Hirnstrukturen und erfordert keine Operation: Entsprechend bietet sie sich vor allem für ältere Menschen oder bei hohem Operationsrisiko an. Auch hier gilt: Die Chance auf eine erfolgreiche Behandlung ist für Sie umso größer, je kleiner der Tumor zu Beginn der Behandlung ist.

Welche Behandlungsmethode die geeignetste ist, muss individuell mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.

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Weitere Ursachen für Hörprobleme im Zusammenhang mit Krebserkrankungen

Neben dem Akustikusneurinom können auch andere Krebserkrankungen oder deren Behandlungen zu Hörproblemen führen. So kann beispielsweise eine Chemotherapie mit Cisplatin ototoxisch wirken und das Innenohr schädigen.

Cisplatin-induzierte Ototoxizität

Cisplatin ist ein häufig verwendetes Chemotherapeutikum zur Behandlung verschiedener Krebsarten, darunter Lungen-, Harnblasen-, Hoden-, Gebärmutterhals- und Eierstockkrebs sowie Kopf-Hals-Tumoren. Eine häufige Nebenwirkung von Cisplatin ist die Ototoxizität, also die Schädigung des Innenohrs.

Wirkmechanismus: Cisplatin schädigt die Haarzellen in der Cochlea, insbesondere die äußeren Haarzellen, die für die Wahrnehmung hoher Tonfrequenzen (4.000 bis 8.000 Hertz) verantwortlich sind.

Symptome: Die Ototoxizität kann sich in Form von Schwerhörigkeit, Ohrgeräuschen (Tinnitus) und Gleichgewichtsstörungen mit Schwindel und erhöhtem Sturzrisiko äußern.

Diagnose: Hörstörungen können mittels Audiometrie objektiv festgestellt werden, bevor Betroffene selbst (subjektiv) einen Hörverlust bemerken.

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Prävention und Behandlung:

  • Audiometrische Kontrollen: Vor Beginn einer Cisplatin-Therapie sowie vor jedem neuen Chemotherapie-Zyklus sollten sorgfältige audiometrische Kontrollen durchgeführt werden.
  • Beeinflussbare Faktoren: Betroffene können ihre Hörfähigkeit beeinflussen, indem sie sich vor Lärm schützen, Hörgeräte tragen, einen gesunden Lebensstil einhalten und andere ototoxische Substanzen möglichst vermeiden.
  • Otoprotektive Medikamente: Für erwachsene Krebspatienten stehen derzeit keine zugelassenen otoprotektiven Medikamente zur Verfügung. Es wird jedoch an verschiedenen Strategien geforscht, um einen Cisplatin-induzierten Hörverlust zu vermeiden oder zu behandeln.

Leben mit einem Akustikusneurinom oder Hörverlust durch Krebs

Das Leben mit einem Akustikusneurinom oder einem Hörverlust durch Krebs kann eine Herausforderung darstellen. Die Symptome können sich auf den Alltag auswirken und die Lebensqualität beeinträchtigen. Es gibt jedoch verschiedene Möglichkeiten, mit den Beschwerden umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern:

  • Hörgeräte: Hörgeräte können helfen, den Hörverlust auszugleichen und die Kommunikation zu erleichtern.
  • Tinnitus-Therapie: Es gibt verschiedene Therapieansätze, um Tinnitus zu behandeln und die Belastung durch die Ohrgeräusche zu reduzieren.
  • Gleichgewichtstraining: Physiotherapie und Gleichgewichtstraining können helfen, Gleichgewichtsstörungen zu reduzieren und die Koordination zu verbessern.
  • Psychologische Unterstützung: Eine psychologische Beratung oder Therapie kann helfen, mit den emotionalen Belastungen umzugehen, die mit einem Akustikusneurinom oder einem Hörverlust einhergehen können.
  • Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann eine wertvolle Unterstützung sein.

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