Horrorfilme sind wie Achterbahnen für Erwachsene - ein Adrenalinkick, der uns das Fürchten lehrt. Doch was, wenn der Nervenkitzel zu weit geht? Dieser Artikel widmet sich Filmen, die unter die Haut gehen, verstören und im Gedächtnis bleiben. Es ist keine Schande, wenn man bloß neugierig ist und die Filme im Endeffekt doch besser nicht schaut.
Was macht einen Film verstörend?
Verstörende Filme sind nicht immer Horrorfilme im klassischen Sinne. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie den Zuschauer psychisch stark belasten oder ihm sogar körperlich Unbehagen bereiten. Was genau als verstörend empfunden wird, ist subjektiv, doch es gibt einige Gemeinsamkeiten:
- Psychische Belastung: Die Filme thematisieren oft Tabus, moralische Dilemmata oder extreme Gewalt, die den Zuschauer emotional aufwühlen.
- Realitätsnähe: Besonders verstörend sind Filme, die auf wahren Begebenheiten beruhen oder eine beängstigend realistische Darstellung von Gewalt und Leid zeigen.
- Subtile Grausamkeit: Nicht immer sind es explizite Gewaltdarstellungen, die verstören. Oft sind es die leisen Zwischentöne, die Andeutungen und die psychologische Manipulation, die den Zuschauer nachhaltig beeinflussen.
Eine Auswahl verstörender Filme
Die folgende Liste präsentiert eine Auswahl von Filmen, die für ihre verstörenden Inhalte bekannt sind. Achtung: Diese Filme sind nicht für schwache Nerven geeignet!
Psychologischer Horror und Familienabgründe
Funny Games (1997): Zwei junge Männer terrorisieren aus reiner Boshaftigkeit eine Familie in ihrem eigenen Haus. Besonders die Szenen mit dem kleinen Sohn sind schwer zu ertragen.
Hereditary - Das Vermächtnis (2018): Dieser Film wird als einer der besten Horrorfilme aller Zeiten gefeiert. Er traumatisiert den Zuschauer ohne viel Blut, sondern durch eine realistisch angelegte Familientragödie, in der Konflikte über Generationen hinweg reichen. Den übersinnlichen Grusel hätte es gar nicht gebraucht, um ‚Hereditary‘ zum Horror-Hit zu machen.
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The Lodge (2019): In diesem Film der Österreicher Veronika Franz und Severin Fiala wird der Terror subtiler als bei ‚Ich seh, ich seh‘ inszeniert. Die Mutter wird systematisch in den Wahnsinn getrieben, begleitet von einer permanenten Geräuschkulisse, die auch den Zuschauer psychisch zermürbt.
Ich seh, Ich seh (2014): Die Zwillinge Elias und Lukas erkennen ihre Mutter nach einer Schönheitsoperation nicht wieder und versuchen, die vermeintliche Doppelgängerin mit Gewalt zu entlarven. Der Film spielt mit der Urangst, dass sich die eigenen Kinder gegen die Mutter wenden könnten.
The Killing of A Sacred Deer (2017): Dieser Thriller verlegt die griechische Sage um Iphigenie in die kalte Realität. Ein Arzt muss sich entscheiden, wie weit er gehen würde, um seine Familie vor einem Fluch zu retten. Das überirdische Element wirkt dabei verstörend real.
Dogtooth (2009): Der griechische Regisseur Giorgos Lanthimos inszeniert ein verstörendes Experiment: Eltern isolieren ihre Kinder von der Außenwelt und manipulieren ihre Wahrnehmung. Verstörender als die abstrusen Lügengeschichten (die Katze hat den Sohn getötet) ist jedoch der banalisierte Inzest zwischen den Geschwistern.
Mother! (2017): Darren Aronofsky polarisiert mit diesem Film, in dem es darum geht, was wir unserer symbolischen Mutter Natur antun. Der Film ist biblisch angehaucht und vielleicht etwas übertrieben, aber es sind vor allem die leisen Zwischentöne, die ihn so verstörend machen.
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Gewalt, Missbrauch und moralische Abgründe
Requiem for a Dream (2000): Darren Aronofsky schuf mit diesem Film ein Meisterwerk über die verheerenden Folgen von Drogensucht. Weltberühmt ist auch der dramatische Soundtrack („Lux Aeterna“) von Clint Mansell.
Antichrist (2009): Eigentlich könnte man hier jeden Film von Lars von Trier auflisten, denn der dänische Skandalregisseur provoziert immer wieder mit verstörenden Inhalten. Da wäre Kindesmissbrauch, Mord, (Selbst-)Verstümmelung und Willem Dafoes Gesicht, das nicht weniger gruselig ist als der düstere Tann drumherum.
Die Passion Christi (2004): Mel Gibson gibt uns einen knallharten Einblick in die letzten zwölf Stunden im Leben Jesu Christi: Vom Verrat im Garten Gethsemane über die Kreuzigung auf dem Berg von Golgatha bis zur Auferstehung.
Deliver us from Evil (2009): Was passiert, wenn in einem kleinen, ausländerfeindlichen Kaff einem Fremden ein Mord angehängt wird? Richtig, es gibt einen Lynchmob mit Mistgabeln und Schlimmerem.
An American Crime (2007): Dieser Film greift auf wahre Begebenheiten zurück: Im Jahr 1965 „adoptiert“ die jähzornige Gertrude Baniszewski die Schwestern Sylvia Marie und Jenny Likens. Eine davon macht sie kurzerhand zum schwarzen Schaf der ganzen Familie. Insgesamt ist der Ketchum-Film näher an der Realität dran und damit NOCH verstörender als die „Light“-Version von Regisseur Tommy O’Haver.
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Nocturnal Animals (2016): Die Ebenen der erzählten Welt sind vielschichtig und verworren. Es gibt viel Gewalt, Mord und Totschlag, aber am Schlimmsten ist die Vergewaltigungsszene in der Mitte des Films. Die Hilflosigkeit der Opfer ist hier so greifbar, als wäre man live dabei.
Irreversibel (2002): Alles beginnt damit, dass einem Unbekannten der Schädel mit einem Feuerlöscher eingeschlagen wird. Eine intensive, lange, scheinbar endlosen Vergewaltigungsszene liegt ihre Figur psychisch zerstört. Die Szene ist allzu realistisch und man fühlt sich beim Zuschauen fast wie ein Komplize.
Hard Candy (2005): In diesem Film mausert sich Page jedoch vom vermeintlichen Opfer zur Täterin. Das Katz-und-Maus-Spiel zwischen der Rächerin für sexuelle Missbrauchsopfer und ihrem pädophilen Widersacher ist sowohl spannend als auch verstörend. Denn irgendwie geht sie dann doch zu weit. Oder doch nicht?
Clockwork Orange (1971): Die Gewaltexszesse des Films sind unnachahmlich. Trotzdem kam es sogar zu Nachahmungsmorden. In Großbritannien stand ‚Clockwork Orange‘ daher sogar 27 Jahre lang auf dem Index. Verstörender als Beethovens 9.
Die Haut, in der ich wohne (2011): Pedro Almodóvar macht Filme, die so mächtig wie ein Stück Sahnetorte sind und schwer verdaulich im Magen liegen. ‚Die Haut, in der ich wohne‘ ist ein exzellentes Beispiel dafür. Er ist aber auch extrem verstörend. Die titelgebende Haut, an der der Chirurg Robert in seiner Villa bastelt, gehört zu einer mysteriösen Frau, die er scheinbar bei sich zuhause gefangen hält.
Oldboy (2003): Verstörender als die Folterszenen oder das Herunterwürgen eines lebenden Tintenfischs ist jedoch das Inzest-Ende in ‚Oldboy‘.
Wahre Begebenheiten und gesellschaftliche Abgründe
Utøya 22. Juli (2018): Dieser Film erzählt von dem Massaker am 22. Juli 2011 auf der norwegischen Insel Utøya. Natürlich kann ein Film dem Schrecken eines echten Amoklaufs nie gerecht werden. ‚Utøya 22. Juli‘ kommt dem aber recht nahe. Das nervenzerfetzende Warten und Bangen wird hier zumindest greifbarer als bei actiongetriebenen Amokfilmen.
Spurlos (1993): Was beide Streifen so schlimm macht, ist die Vorstellung des Unvorstellbaren. Jeff und Diane machen Rast an einer Tankstelle, woraufhin Diane plötzlich spurlos verschwunden ist. Jeff sucht jahrelang nach ihr, bis sich ihm der vermeintliche Entführer stellt.
Filme, die bei Zuschauern für Aufruhr sorgten
The Substance: Die Mischung aus Schockbildern und schonungsloser Brutalität zwang zahlreiche Zuschauer*innen dazu, das Kino zu verlassen. Die meisten hielten nicht einmal bis zur Mitte durch, obwohl das Finale noch einmal ein Vielfaches an grotesker Eskalation bereithält.
Das letzte Haus links: Der Film löste bei seinem Erscheinen einen Schock aus, der weit über den Kinosaal hinausreichte. Viele Zuschauerinnen verließen verstört die Vorstellungen, Kritikerinnen forderten Verbote. So drastisch war die Wirkung, dass die Macher den berüchtigten Werbespruch prägten, man solle sich während des Sehens immer wieder einreden, dass es wirklich nur ein Film sei.
Saw III: Am Abend der Premiere meldeten die Rettungsdienste eine Serie von Notfällen in den Kinos. Mehrere Menschen brauchten medizinische Hilfe. Ein Sprecher erklärte später, dass man in zwei Jahrzehnten Einsatzdienst nichts Vergleichbares erlebt habe.
The House That Jack Built: Die Premiere in Cannes löste genau die Reaktionen aus, die von Trier beabsichtigte. Empörung, Buh-Rufe und Massenfluchten aus dem Saal folgten. Verständlich, denn das Haus, das Jack am Ende aus Leichen errichtet, ist schon für sich allein schwer erträglich. Dorthin führt ein Weg voller Grausamkeit und Misshandlungen, inszeniert ohne Rücksicht auf Details.
Der Exorzist: Zuschauer*innen stürmten aus den Sälen, schrien nach göttlichem Beistand und erbrachen sich auf der Straße. Berichtet wird sogar von Herzinfarkten bei mehreren Männern und einer Fehlgeburt bei einer Frau im Publikum.
Terrifier 3: Schon die erste Szene, in der Art an Heiligabend eine vierköpfige Familie abschlachtet, brachte das Publikum sofort an seine Grenzen.
Crimes of the Future: Eine öffentliche Autopsie an einem Kind sorgte für eine Massenflucht aus dem Kino.
The Neon Demon: Bei der Premiere 2016 in Cannes verließen viele Zuschauer*innen den Saal und jene, die blieben, beschimpften die Leinwand und buhten.
Weitere erwähnenswerte Filme
Videodrome: Sich David Cronenbergs ‚Videodrome‘ am Stück anzuschauen, fühlt sich an wie ein Fiebertraum und erfordert ein gutes Stück Masochismus.
Eraserhead: Seit in ‚Eraserhead‘ (1977) dieses unselige Vogelkind geboren wurde, schafft er es immer wieder, seine Zuschauer zu traumatisieren.
Bird Box - Schließe deine Augen: In dem postapokalyptischen Film treibt ein Ungeheuer sein Unwesen, das Menschen dazu bringt, sich selbst umzubringen und das ganz einfach, indem man das es ansieht. In diesem Moment werden Menschen mit ihren größten Ängsten konfrontiert, was sie in den Wahnsinn treibt.
Ouija - Spiel nicht mit dem Teufel: In dem spanischen Horrorfilm machen sich die Mädchen an ihrer Schule aus dem Staub, während die Mitschüler eine Sonnenfinsternis beobachten. Während der Séance rufen Véronica und ihre Freundinnen den Geist von Verónicas verstorbenen Vater. Doch das Mädchen fällt in eine Trance und verliert sogar das Bewusstsein.
The Ritual: Bei diesem Horrorfilm aus dem Jahr 2017 sind vier Freunde in Schweden auf einem Wanderweg unterwegs, um dort ihres verstorbenen Freundes Robert zu gedenken, der nur wenige Monate zuvor bei einem Raubüberfall ums Leben kam. Bei der Wanderung geht es jedoch gruselig zu: Die Freunde finden einen ausgeweideten Elch und entdecken an Bäumen eingeritzte Runen. Die Freunde bemerken außerdem, dass eine merkwürdige Kreatur hinter ihnen her zu sein scheint…
Raw: In dem Film “Raw” geht die junge Frau Justine erstmals zur Uni, um dort Veterinärmedizin zu studieren. Die zuvor überzeugte Vegetarierin entwickelt nach den extremen Aufnahmeritualen der älteren Studenten eine unerklärliche Lust auf rohes Fleisch.
The Void - Es gibt eine Hölle: Eine Krankenschwester zieht sich nach und nach die Haut vom Gesicht ab und attackiert den Mann. Vor dem Krankenhaus versammeln sich Gestalten in weißen Roben, die mit Messern auf jeden losgehen, der das Gebäude verlassen will.
Jerusalem - Tage des Zorns: Unerklärliche Dinge geschehen und plötzlich befinden sich die jungen Menschen inmitten der biblischen Apokalypse.
Conjuring - Die Heimsuchung: Ein altes Farmhaus in Rhode Island, die Familie Perron zieht ein - und wird von unheimlichen Erscheinungen terrorisiert: Türen schlagen, Gegenstände bewegen sich von selbst. Paranormale Ermittler kommen hinzu - und geraten selbst in die Spirale des Unheimlichen.
Sinister: Ellison Oswalt ist Autor und stöbert über eine ganz besondere Filmesammlung stolpert. Welche Filme das sind und was es genau damit auf sich hat, verrät euch der Film auf nervenaufreibende Art und Weise. Wir versprechen euch: Ein Film ist verstörender als der andere und die Konsequenzen, die sie für die Familie des Autors mit sich bringen, sind verheerend. Die düstere Stimmung während der gesamten Laufzeit des Films ist beeindruckend!
Mama: Gezwungernermaßen nehmen sie dann jedoch die beiden verloren geglaubten Nichten von Lucas bei sich auf. Die Mädchen lebten zwölf Jahre lang komplett auf sich alleine gestellt in einer verlassenen Hütte im Wald, nachdem ihr Vater dort zuvor ihre Mutter tötete und anschließend selbst auf unerklärliche Weise starb.
The Texas Chainsaw Massacre: Auf einmal haben sie eine Autopanne und fragen daher in einem nahegelegenen Haus nach Hilfe. Doch die dort lebende Familie stellt sich schnell als besonders psychopathisch heraus. Ob das so eine kluge Entscheidung war und die beiden Paare das Haus wieder verlassen können?
Extrem verstörende Filme, die kaum jemand mehr als einmal schaut
Tusk: Justin Long spielt einen Podcaster, der nach Kanada reist, um einen mysteriösen und zurückgezogen lebenden Mann zu interviewen. Dieser ist von einem Walross aus seiner Vergangenheit besessen und bevor Longs Figur es auch nur ansatzweise bemerkt, ist er bereits Teil eines ekelhaften und makabren Plans des nicht ohne Grund isoliert lebenden Kanadiers.
A Serbian Film: Die Geschichte handelt von einem Pornostar, der an einem Punkt in seiner Karriere angelangt ist, an dem er nicht mehr profitabel ist. Um aus dem Geschäft auszubrechen, erklärt er sich bereit, in einem “Kunstfilm” mitzuwirken, nur um am Ende dann Teil eines Snuff-Films mit pädophilen und nekrophilen Elementen zu sein.
The House That Jack Built: Matt Dillon, Uma Thurman und Riley Keough spielen die Hauptrollen in diesem Film von Lars von Trier über einen Serienmörder, der vor hat, ein Haus aus menschlichen Körpern zu bauen. Deshalb beginnt er selbstverständlich Männer, Frauen und Kinder zu ermorden - damit er genügend “Baumaterial” für sein Meisterwerk hat.
Taxidermie: Die Handlung zeigt drei Generationen einer Familie in Ungarn, die eines verbindet … nämlich abstoßende Vorlieben. Einer sucht stets nach neuen Arten der Selbstbefriedigung, der Nächste ist extrem übergewichtig und nimmt wie besessen an Essens-Wettbewerben teil und der Letzte balsamiert beruflich Tiere ein - dieser Job nennt sich Taxidermist.
I Spit on Your Grave: Es ist die Geschichte einer Schriftstellerin, die in einer Hütte vergewaltigt wird und sich anschließend an ihren Angreifern rächt, die sie fälschlicherweise für tot hielten.
Jack Ketchum’s Evil: Inhaltlich geht es um ein Mädchen im Teenageralter, das nach einem Unfall in die Obhut ihrer Tante gegeben wird. Diese foltert und missbraucht sie dann, und zwar vor den Augen ihrer eigenen Kinder - und später sogar vor den Nachbarskindern. Das Drehbuch basiert auf dem Roman von Jack Ketchum, der wiederum auf einer wahren Geschichte aus den USA basiert. Das macht das Ganze unendlich viel schlimmer.
Human Centipede - Der menschliche Tausendfüßler: Er zeigt einen wahnsinnigen Wissenschaftler, der einen Tausendfüßler aus Menschen konstruieren möchte. Dafür verbindet er seine Opfer auf abscheulichste Weise miteinander.
Dogville: Der Film zeigt sehr anschaulich, wie grausam Menschen zu den Schwächsten sein können, sobald dich die Gelegenheit bietet. Es ist wirklich harter Tobak, nichts für schwache Nerven.
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