Prof. Dr. Andreas Fischer ist ein anerkannter Experte auf dem Gebiet der Alzheimer-Forschung. Seine Arbeit konzentriert sich auf die Aufklärung der molekularen und zellulären Ursachen dieser neurodegenerativen Erkrankung mit dem Ziel, neue und gezielte Therapieansätze zu entwickeln. Dabei spielen insbesondere die Einflüsse von Genetik und Umwelt eine zentrale Rolle.
Akademische Laufbahn und Karriere
Andreas Fischer absolvierte sein Postdoc am Massachusetts Institute of Technology (MIT), Picower Center for Learning and Memory, in Cambridge, USA (2003-2006) sowie an der Harvard Medical School, Pathology Dep. in Boston, USA (2002-2003) und am Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin in Göttingen, Deutschland (2002-2003).
Seit 2015 ist er Direktor der Abteilung Systemmedizin und Epigenetik in neurodegenerativen Erkrankungen am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE). Seit 2011 ist er Sprecher des DZNE-Standorts Göttingen und W3-Professor für Epigenetische Mechanismen bei Hirnerkrankungen an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Göttingen. Im Jahr 2011 erhielt er einen Ruf als W3-Professor an die Ludwig-Maximilians-Universität München, den er jedoch ablehnte. Von 2007 bis 2011 war er unabhängiger Gruppenleiter.
Forschungsschwerpunkte und Ziele
Fischers Forschung zielt darauf ab, die zellulären und molekularen Mechanismen zu verstehen, die Hirnerkrankungen zugrunde liegen, und neuroprotektive sowie neurodegenerative Therapieansätze zu entwickeln. Ein zentraler Aspekt seiner Arbeit ist die Erkenntnis, dass Gesundheit und Krankheit auf individueller Ebene maßgeblich von der Interaktion zwischen Genen und Umwelt abhängen. Epigenetische Mechanismen wie Histonmodifikation, DNA-Methylierung und nicht-kodierende RNA-vermittelte Prozesse spielen dabei eine Schlüsselrolle bei der Regulation von Gen-Umwelt-Interaktionen.
Seine aktuelle Hypothese ist, dass eine Deregulierung von Genom-Umwelt-Interaktionen, insbesondere über epigenetische Genexpression, ein Hauptmerkmal von neurodegenerativen Erkrankungen wie der Alzheimer-Krankheit darstellt. Das langfristige Ziel seiner Forschung ist es, spezifische Risikofaktoren für Alzheimer zu identifizieren und daraus gezielte Behandlungsstrategien sowie hilfreiche Krankheitsmarker abzuleiten.
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Fischer und sein Team definieren kombinatorische Karten von epigenetischen Modifikationen während des Fortschreitens der Erkrankung und der therapeutischen Intervention. Diese Daten werden mit der Analyse der dazugehörigen Schlüsselenzyme der epigenetischen Genexpression zusammengeführt.
Bedeutung epigenetischer Mechanismen
Epigenetische Mechanismen sind von entscheidender Bedeutung für die Pathogenese neurodegenerativer und psychiatrischer Erkrankungen. Die Kombination aus genetischen und umwelteinflussbedingten Faktoren ist von großer Relevanz für die Pathogenese komplexer neurodegenerativer Erkrankungen, speziell für die Alzheimer-Erkrankung.
Ausgewählte Publikationen
Fischers Forschung hat zu zahlreichen Publikationen in renommierten Fachzeitschriften geführt, darunter:
- Stilling R, et al. Fischer A (2014) K-Lysine acetlytransferase 2A regualtes a hippocampal gene-expression network linked to memory formation.
- Kerimoglu C, et al. Fischer A. Histone-methyltransferase MLL2 (kmt2b) is required for memory formation in mice.
- Govindarajan N., et al. Fischer A. Reducing HDAC6 ameliorates cognitive deficits in a mouse model for Alzheimer?s disease. EMBO Molecular Medicine, 2013 do10.1002/emmm.201201923.
- Zovoilis A, et al. Fischer A. microRNA-34c is a novel target to treat dementias. EMBO J. 2011 Sep 23;30(20):4299-308.
- Agis-Balboa RC, et al. Fischer A. A hippocampal insulin-growth factor 2 pathway regulates the extinction of fear memories. EMBO J. 2011 Aug 26;30(19):4071-83.
- Peleg, S., et al. Fischer, A. Altered histone H4 lysine 12 acetylation is associated with age-dependent memory impairment in mice.
- Fischer A., Sananbenesi F., Wang X., Dobbin M., Tsai L.H. (2007) Recovery of learning and memory is associated with chromatin remodeling. Nature 447, 178-82.
Diese Arbeiten verdeutlichen Fischers Beitrag zum Verständnis der molekularen Grundlagen von Gedächtnisbildung und kognitiven Defiziten im Zusammenhang mit Alzheimer.
Kooperationen und Netzwerke
Andreas Fischer ist in zahlreiche nationale und internationale Kooperationen eingebunden. Er ist Sprecher des DZNE-Standorts Göttingen und koordiniert seit 2014 die Klinische Forschung am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), wo er sich insbesondere auf präventive Therapieansätze bei Alzheimer konzentriert. Er ist zudem in den Exzellenzcluster RESIST eingebunden, der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird.
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Gemeinsam mit LifeArc, einer britischen Organisation für medizinische Therapieforschung, arbeitet die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) an innovativen Alzheimer-Behandlungen. Eine Lizenzvereinbarung ermöglicht LifeArc den exklusiven Zugang zu Patentrechten der UMG, die auf einer Erfindung von Prof. Dr. Thomas Bayer beruhen.
Modernisierung des Interdisziplinären UMG-Labors
Unter der Leitung von Prof. Dr. Andreas Fischer wurde das Interdisziplinäre UMG-Labor der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) vollständig modernisiert. Die neuen Systeme und vollautomatisierten Prozesse ermöglichen ein breiteres, rund um die Uhr verfügbares Analysespektrum sowie eine effizientere Diagnostik zur schnelleren Versorgung der Patient*innen in Südniedersachsen. Die neue Laborstraße wurde am 27. Mai 2025 offiziell eingeweiht.
"Die Modernisierung des Interdisziplinären UMG-Labors erlaubt eine effiziente und qualitativ-hochwertige Probenanalyse auf höchstem technischen Niveau. Präzise und fundierte Laborwerte bilden die Grundlage für eine optimale Patientinnenversorgung. Da die UMG bereits seit vielen Jahren auch Proben von anderen Gesundheitseinrichtungen bearbeitet, profitieren nicht nur die Menschen bei uns im Haus von den neuen Systemen, sondern auch die Patientinnen in der gesamten Region", sagt Prof. Dr. Lorenz Trümper, Vorstand Krankversorgung der UMG.
"Unser Ziel ist es, unser Leistungsspektrum zum Wohle der Patient*innen kontinuierlich zu verbessern und weiterzuentwickeln. Die neue Laborstraße trägt wesentlich dazu bei."
Durch die hochmodernen Geräte und automatisierten Prozesse kann die Diagnostik in bestimmten Bereichen wesentlich beschleunigt werden. Zum Beispiel kann die Messung des Troponin-Wertes, dem wichtigsten Marker für den Nachweis eines Herzinfarktes, jetzt doppelt so schnell durchgeführt werden - in nur neun statt bisher 20 Minuten. Hiervon profitieren vor allem Patientinnen, die als Notfall in die UMG kommen und eine zeitnahe Diagnose zur weiteren Behandlung benötigen. Zudem können durch die vollautomatisierten Prozesse jetzt auch ein deutlich größeres Spektrum an Laborwerten an Wochenenden und Feiertagen analysiert werden, ohne zusätzliche personelle Ressourcen zu benötigen. Dadurch werden zugleich weitere Kapazitäten für die Bearbeitung größerer Probenmengen geschaffen und die Kolleginnen entlastet, da einige manuelle Arbeitsschritte jetzt vollständig entfallen.
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