Hüftschmerzen können in jedem Lebensalter auftreten, besonders häufig jedoch bei älteren Menschen. Verschleißerscheinungen des Gelenkknorpels am Hüftgelenk (Arthrose) sind eine häufige Ursache. Doch es gibt auch viele andere mögliche Ursachen für Hüftschmerzen, die akut oder chronisch auftreten können. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte von Hüftproblemen im Zusammenhang mit der Parkinson-Behandlung und bietet einen umfassenden Überblick über Ursachen, Diagnosemethoden und Therapieansätze.
Die Hüfte im Laufe des Lebens
In jungen Jahren machen die Hüften viel mit: Tanzen, Fußball, Joggen - alles kein Problem. Im Alter sieht das oft anders aus. Wenn die Hüften plötzlich bei jedem Schritt schmerzen, kann das ein Anzeichen für eine Abnutzung im Hüftgelenk sein. Die Hüftgelenke sind die zweitgrößten Gelenke im Körper und verbinden Oberschenkel und Becken miteinander. Im Laufe der Zeit kann das Knorpelgewebe zwischen Oberschenkelkopf und Hüftpfanne verschleißen, was zu schmerzhafter Reibung führt, oft verbunden mit Schmerzen in der Leistengegend.
Hüftarthrose (Coxarthrose): Ein Überblick
Bei der Hüftarthrose, medizinisch Coxarthrose genannt, handelt es sich um einen Gelenkverschleiß am Hüftgelenk, der mit zunehmendem Lebensalter Männer wie Frauen gleichermaßen betrifft.
Ursachen und Vorbeugung
Einer Coxarthrose kann man mit verschiedenen Maßnahmen vorbeugen, wie einer ausgewogenen Ernährung, speziellen Übungen oder auch Sport, da diese Maßnahmen Ursachen dieser Erkrankung entgegenwirken. Heilen lässt sich die Hüftarthrose selbst allerdings nicht.
Diagnose der Hüftarthrose
Vor der Therapie steht die gründliche Diagnostik. Im Rahmen einer ambulanten Vorstellung wird geprüft, ob eine Arthrose im Hüftgelenk vorliegt. In einem ausführlichen Gespräch wird die Krankengeschichte erhoben und alle Symptome erfasst. Bei der anschließenden körperlichen Untersuchung werden Körperhaltung und Gang begutachtet und die Beweglichkeit des Hüftgelenks untersucht. Als bildgebendes Verfahren sind Röntgenbilder vom Hüftgelenk zumeist ausreichend. Hierauf sehen Arthrose-Experten anhand der Formveränderungen des Gelenks das Ausmaß des Verschleißes. Für eine möglichst genaue Diagnose können weitere Untersuchungen notwendig werden.
Lesen Sie auch: Parkinson-Medikamente: Was Sie beachten müssen
Konservative Behandlungsmöglichkeiten
Anfangs helfen schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente, Physiotherapie (Krankengymnastik), manuelle Therapie sowie physikalische Therapie gegen die Schmerzen und die zunehmende Unbeweglichkeit, die mit einer Hüftgelenksarthrose in Verbindung stehen. Injektionen in das betroffene Hüftgelenk sowie Röntgenbestrahlung können in manchen Fällen die Beschwerden lindern.
Operative Behandlungsmöglichkeiten
Wenn konservative Behandlungen der Hüftarthrose nicht mehr genügen, um ausreichende schmerzfreie Beweglichkeit zu verschaffen, kann eine Gelenkersatzoperation zur Therapie bei fortgeschrittener Arthrose sinnvoll sein. Hüftpfanne und Hüftkopf werden dann durch ein künstliches Hüftgelenk (Hüft-Totalendoprothese / Hüft-TEP) ersetzt. Ziel der Implantation einer Hüft-Totalendoprothese ist die Beseitigung der Schmerzen und Bewegungseinschränkungen und somit eine Verbesserung der Beweglichkeit und Mobilität.
Vor jeder Hüft-OP werden die Patienten sorgfältig über die Operation und die verschiedenen Prothesensysteme aufgeklärt. Es werden langjährig bewährte Implantate und hochwertige Gleitpaarungen (Keramik) eingesetzt. In den meisten Fällen kann die Hüftendoprothese zementfrei verankert werden, wobei der Knochen auf der Oberfläche des künstlichen Gelenkes anwächst. Bei älteren Patienten kann es aber auch sein, dass die Prothese einzementiert werden muss.
Rehabilitation nach Hüft-OP
Erste Schritte nach der Operation erfolgen fast immer unter Vollbelastung bereits am Operationstag. Wenn Patienten selbstständig in den täglichen Aktivitäten sind (Körperhygiene, An- und Auskleiden) und die zurückgelegte Gehstrecke ausreichend ist, kann die Rehabilitationsmaßnahme starten. Die Rehabilitation kann in einer stationären/ambulanten Einrichtung oder durch niedergelassene Physiotherapeuten erfolgen. Eine nahtlose Fortsetzung des begonnenen Programms ist somit optimal gewährleistet. Die begonnene Physiotherapie wird intensiviert und um physikalische Therapien, Gesundheitsberatung und weitere Bausteine ergänzt. Das Training können Patienten eigenständig nach der Entlassung aus der Rehabilitation fortführen.
Sport nach Hüft-OP
Wenn Patienten vor der Operation regelmäßig eine Sportart ausgeführt haben, liegt es in ihrem Ermessen, dies auch weiterhin in Maßen zu betreiben, mit dem Wissen, dass der Körper an die sportartspezifischen Bewegungsabläufe gewöhnt ist, das Gelenk dabei aber auch verstärkt belastet wird. Ratsam sind Sportarten mit gleichmäßigen, fließenden Bewegungen, zum Beispiel Schwimmen, Radfahren, Nordic-Walking, Skilanglauf und Gymnastik. Ungünstig sind alle Sportarten mit abrupten Bewegungsabläufen, Stoßbelastungen, Erschütterungen und Drehbewegungen.
Lesen Sie auch: Die Stadien der Parkinson-Krankheit erklärt
Hüftprobleme bei Parkinson: Eine zusätzliche Herausforderung
Morbus Parkinson (MP) ist die häufigste Ursache einer Behinderung beim älteren Patienten. Neben den bekannten neurologischen Symptomen kann diese Behinderung auch durch progrediente Wirbelsäulendeformitäten und pathologische Wirbelkörpereinbrüche verursacht bzw. verstärkt werden.
Wirbelsäulendeformitäten bei Parkinson
Deformitäten der Wirbelsäule treten bei etwa 7 % der Parkinsonpatienten auf. Konservative Therapien können die Progredienz dieser Deformitäten oft nicht aufhalten. Die Camptocormia („Bent spine“-Syndrom) wird als abnormale, schwere und nicht freiwillig bedingte Vorbeugung des Körpers definiert, die während des Stehens und Gehens manifest wird und sich zunächst in liegender Stellung bessert. Neben der Kyphose kann auch eine Skoliose auftreten, typischerweise ohne Ausgleichskrümmung. Zudem besteht eine signifikante Häufung von Osteoporose bei Parkinsonpatienten, was das Risiko von Wirbelfrakturen und Deformitäten erhöht.
Auswirkungen auf die Lebensqualität
In Kombination mit den MP-Gangstörungen und den übrigen neurologischen Problemen können diese Deformitäten die Lebensqualität massiv beeinträchtigen. Sie können schwere Rücken- und Kreuzschmerzen sowie radikuläre Ausfälle und schließlich eine vollständige Gehunfähigkeit erzeugen.
Therapie von Wirbelsäulendeformitäten bei Parkinson
Die konservative Behandlung ist praktisch wirkungslos und kann das Auftreten der Verkrümmungen nicht verhindern. Es gibt derzeit keine spezifische pharmakologische Therapie der primären axialen Myopathie. Die „deep brain stimulation“ wird kontroversiell diskutiert. Ein Übungsprogramm wird empfohlen, kann aber die Progredienz der Deformitäten nicht wirklich stoppen. Daher ist bei entsprechend schweren und eindeutig progredienten Fällen nur die operative Korrektur und Versteifung (sowie Dekompression, wenn notwendig) in der Lage, die Lebensqualität deutlich zu verbessern.
Operative Therapie: Eine retrospektive Untersuchung
Eine retrospektive Untersuchung der operativen Therapie von Deformitäten im Rahmen von MP zwischen 2008 und 2014 zeigte folgende Ergebnisse:
Lesen Sie auch: Überblick zur Dopamin-Erhöhung bei Parkinson
- 10 weibliche und 5 männliche Patienten im Alter von 73 (63-81) Jahren wurden wegen Deformitäten bei neurologisch verifiziertem MP operiert.
- OP-Indikationen waren Kyphose, Kyphoskoliose, Skoliose nach Fusionen und Kyphose nach Wirbelkörperkompressionsfraktur.
- Die Therapie bestand aus Pedikel-Subtraktionsosteotomien (PSO), langstreckigen Fusionen und anterioren Wirbelkörperresektionen.
- Die OP-Zeit betrug 245 (160-380) Minuten. Die Kyphose konnte bei Camptocormia durchschnittlich um 46° (15-84°) verbessert werden, nach osteoporotischen Wirbelfrakturen um 22° (12-40°), die Skoliosekorrektur betrug 15° (8-23°).
- Die subjektiven klinischen Ergebnisse waren bei 5 Patienten sehr gut, bei 5 gut, bei 3 mäßig und bei 1 schlecht. Der Schmerz nach visueller Analogskala betrug präoperativ 8,4 und bei der Nachuntersuchung 3.
- Die Rate der Komplikationen lag bei 9/15. 8/15 Patienten mussten innerhalb des ersten postoperativen Halbjahres reoperiert werden.
Diskussion der Ergebnisse
Camptocormia bei MP basiert auf neurogenen oder myogenen Veränderungen, aber nicht auf primären Wirbelsäulenveränderungen. Das EMG-Muster ist ähnlich den Veränderungen bei einer Myositis. Camptocormia tritt bei schwerer Verlaufsform des MP mit axialer Prädominanz, motorischen Fluktuationszeichen und dysautonomen Symptomen auf, häufig mit spondylarthrotischen Veränderungen und Schmerz.
Die konservative Behandlung der Camptocormia ist schwierig, da die Deformität nicht auf dopaminerge Medikamente reagiert und die Ergebnisse der stereotaktischen Stimulation im Allgemeinen als schlecht angesehen werden. Die Miederbehandlung einer fortschreitenden Deformierung verursacht einerseits einen deutlichen Verlust an Lebensqualität und kann andererseits die Progredienz auch nicht aufhalten.
Daher bleiben als einzige wirkungsvolle Therapie die operative Dekompression, Aufrichtung und Fusion, obwohl die operative Deformitätenbehandlung beim MP in praktisch der gesamten orthopädischen Literatur eine hohe Rate an technischen Komplikationen und Reoperationen aufweist.
Spezifische Aspekte der Hüft-TEP bei Parkinson-Patienten
Eine Parkinsonerkrankung ist kein Grund, einem Patienten die Hüft-TEP zu verweigern. Allerdings sollte man vor dem Eingriff die Medikation sorgfältig anpassen, damit es nicht zu gefährlichen Komplikationen kommt. Wenn die Wirkspiegel der Parkinsonmittel während der Operation zu stark abfallen, verschlechtert sich die motorische Situation des Patienten - bis hin zur hypokinetisch rigiden Krise. Das erschwert nicht nur die Extubation, sondern begünstigt auch postoperative Komplikationen wie Hypoxie, Thrombose und Pneumonie. Nach dem Eingriff fluten oral eingenommene Medikamente z.B. aufgrund einer autonomen Magenparese oft nur langsam an. Eine hinreichend lange Halbwertszeit, um eine Operation überbrücken zu können, haben von den oralen Antiparkinsonmitteln nur Cabergolin und retardiertes Ropinirol.
Die Rolle der Schön Kliniken
Die Schön Kliniken kombinieren bei der Behandlung von Hüftarthrose individuelle Physiotherapien mit schmerzstillenden Medikamenten. Zudem werden, wenn notwendig, schonende, auch operative minimalinvasive Verfahren angewendet, um den Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks so lange wie möglich hinauszuzögern. Die Schön Klinik Neustadt ist eine hoch spezialisierte Klinik mit ausgewiesener Expertise für die operative Behandlung der Hüftgelenksarthrose.