Hundeausbildung für Menschen mit Parkinson: Therapie und Möglichkeiten

Die tiergestützte Therapie, insbesondere mit Hunden, gewinnt zunehmend an Bedeutung in der Behandlung verschiedener Erkrankungen. Auch bei Parkinson-Patienten kann der Einsatz von speziell ausgebildeten Hunden positive Effekte erzielen. Dieser Artikel beleuchtet die Möglichkeiten der Hundeausbildung für Menschen mit Parkinson und gibt einen Überblick über Therapieansätze sowie Ausbildungsmöglichkeiten.

Einleitung: Tiergestützte Therapie im Aufwind

Die tiergestützte Therapie erfreut sich wachsender Beliebtheit, und das aus gutem Grund. Hunde wirken beruhigend, vermitteln Sicherheit und bauen Brücken zu Menschen, die Schwierigkeiten haben, Beziehungen einzugehen. Sie kommunizieren offen und zugewandt, was es Patienten erleichtert, eine Bindung aufzubauen. Im Kontext von Parkinson kann ein Therapiehund nicht nur die Lebensqualität verbessern, sondern auch bei der Früherkennung der Krankheit helfen.

Therapiehund: Mehr als nur ein Haustier

Der Begriff "Therapiehund" ist ein Oberbegriff für alle Hunde, die in einer tiergestützten medizinischen Behandlung eingesetzt werden. Es ist wichtig zu beachten, dass der Begriff nicht geschützt ist, was bedeutet, dass jeder seinen Hund theoretisch als Therapiehund bezeichnen könnte. Allerdings ist eine fundierte Ausbildung unerlässlich, um den Hund verantwortungsvoll und effektiv in der Therapie einzusetzen.

Ein Therapiebegleithund unterstützt den Hundeführer, der in der Regel ein ausgebildeter Therapeut (z.B. Physiotherapeut, Ergotherapeut) oder Pädagoge ist, bei der Arbeit mit Menschen. Das Therapiebegleithund-Team verfolgt immer ein therapeutisches Ziel. Der Hund begegnet dem Patienten wertfrei und kann so zum Freund, Motivator oder "Eisbrecher" werden. Übungen fallen dem Patienten leichter, da sie spielerisch mit dem Hund durchgeführt werden.

Mögliche Einsatzbereiche von Therapiebegleithunden bei Parkinson

Therapiebegleithunde können bei Parkinson-Patienten in verschiedenen Bereichen eingesetzt werden:

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  • Verbesserung der Motorik: Gehtraining und motorische Übungen können mit dem Hund spielerisch gestaltet werden.
  • Psychische Aufhellung: Die Anwesenheit des Hundes kann die Stimmung heben, Ängste abbauen und die Lebensfreude steigern.
  • Früherkennung: Studien haben gezeigt, dass speziell trainierte Hunde Veränderungen im Geruch von Parkinson-Patienten erkennen können, was eine frühe Diagnose ermöglichen könnte.
  • Alltagsunterstützung: LPF-Assistenzhunde (körperliche und physische Funktionsassistenz) können Parkinson-Patienten im Alltag unterstützen, indem sie Gegenstände aufheben, Türen öffnen, beim An- und Ausziehen helfen oder das Gleichgewicht stabilisieren.

Die Ausbildung zum Therapiebegleithund-Team

Da es keine standardisierte Ausbildung zum Therapiebegleithund gibt, ist es wichtig, eine qualitativ hochwertige Ausbildungsmöglichkeit zu finden. Einige Aspekte, die bei der Auswahl berücksichtigt werden sollten:

  • Theoretisches Wissen: Die Ausbildung sollte fundiertes Wissen über Kynologie, Humanmedizin, gesetzliche Regelungen und Hygienebestimmungen vermitteln.
  • Praktische Übungen: Das Mensch-Hund-Team sollte gemeinsam trainieren und lernen, wie der Hund in verschiedenen Therapiesituationen eingesetzt werden kann.
  • Eignungstest: Vor Beginn der Ausbildung sollte ein Eignungstest durchgeführt werden, um sicherzustellen, dass der Hund die notwendigen Eigenschaften für den Einsatz als Therapiebegleithund mitbringt.
  • Zertifizierung: Am Ende der Ausbildung sollte ein Zertifikat ausgestellt werden, das die Qualifikation des Teams bestätigt.

Einige Anbieter setzen voraus, dass der Hundeführer bereits eine therapeutische oder pädagogische Ausbildung hat. Dies ist sinnvoll, da der Hund den Therapeuten oder Pädagogen lediglich unterstützt und nicht selbst die Therapie durchführt.

Anforderungen an den Therapiehund

Nicht jeder Hund ist für den Einsatz als Therapiebegleithund geeignet. Wichtige Eigenschaften sind:

  • Freundliches und gutmütiges Wesen: Der Hund sollte geduldig und tolerant sein und sich gerne von fremden Menschen anfassen lassen.
  • Hohe Reizschwelle: Der Hund sollte sich nicht leicht aus der Ruhe bringen lassen und auch in stressigen Situationen gelassen bleiben.
  • Gehorsam: Der Hund sollte die Grundkommandos zuverlässig ausführen.
  • Sozialverträglichkeit: Der Hund sollte sich mit anderen Hunden und Menschen gut vertragen.

Assistenzhunde für Parkinson-Patienten (LPF-Assistenzhunde)

LPF-Assistenzhunde sind speziell ausgebildete Hunde, die Menschen mit körperlichen Einschränkungen im Alltag unterstützen. Sie können für Parkinson-Patienten eine wertvolle Hilfe sein, da sie Aufgaben übernehmen können, die den Patienten aufgrund ihrer Erkrankung schwerfallen.

Mögliche Aufgaben von LPF-Assistenzhunden für Parkinson-Patienten:

  • Aufheben von heruntergefallenen Gegenständen
  • Öffnen und Schließen von Türen, Schränken und Schubladen
  • An- und Ausziehen von Kleidung
  • Stützen beim Aufstehen
  • Bedienen von Lichtschaltern und Knöpfen
  • Tragen von Gegenständen
  • Holen der Geldbörse aus der Tasche
  • Ein- und Ausräumen der Waschmaschine
  • Begleiten am Rollstuhl

Ausbildungsmöglichkeiten im süddeutschen Raum

Die Informationen die im Internet zu finden sind sind leider veraltet. Es ist ratsam, sich bei Hundeschulen, Therapiezentren und Berufsverbänden in der Region nach aktuellen Angeboten zu erkundigen.

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Die Rolle des Hundepsychologen

In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, einen Hundepsychologen hinzuzuziehen, insbesondere wenn der Hund Verhaltensauffälligkeiten zeigt oder Schwierigkeiten in der Ausbildung hat. Ein Hundepsychologe kann die Ursachen für das Verhalten des Hundes analysieren und eine individuelle Therapie entwickeln.

Wann ist ein Hundepsychologe sinnvoll?

  • Bei Angstzuständen, Aggressionen oder anderen Verhaltensproblemen
  • Bei Schwierigkeiten in der Ausbildung
  • Bei Verdacht auf psychosomatische Erkrankungen
  • Bei älteren Hunden mit Demenz oder Parkinson

Rechtliche Aspekte

Es ist wichtig, sich über die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Einsatz von Therapiehunden und Assistenzhunden zu informieren. In Deutschland gibt es das Assistenzhundegesetz, das die Rechte von Menschen mit Behinderungen und ihren Assistenzhunden regelt.

Wichtige Aspekte:

  • Haftpflichtversicherung: Eine Haftpflichtversicherung für den Hund ist Pflicht.
  • Berufshaftpflichtversicherung: Therapeuten und Pädagogen, die einen Therapiehund einsetzen, benötigen eine Berufshaftpflichtversicherung.
  • Kennzeichnung: Assistenzhunde müssen als solche gekennzeichnet sein.
  • Zutrittsrecht: Assistenzhunde haben in der Regel Zutritt zu öffentlichen Orten, an denen Hunde normalerweise nicht erlaubt sind.

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