Der Zusammenhang zwischen Bandscheibenvorfall, Nerven und Zähnen: Ursachen, Symptome und Behandlung

Ein Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule (HWS) kann vielfältige Beschwerden verursachen, die oft über den Nackenbereich hinausgehen. Taube Finger, Nackenschmerzen und sogar Kieferprobleme können in Verbindung stehen. Dieser Artikel beleuchtet den Zusammenhang zwischen Bandscheibenvorfällen, Nerven, Zähnen und Kiefergelenksproblemen, um ein umfassendes Verständnis der Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten zu ermöglichen.

Einführung in den Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule

Die Halswirbelsäule (HWS) besteht aus sieben Wirbeln, die durch Bandscheiben voneinander getrennt sind. Diese Bandscheiben fungieren als Stoßdämpfer und ermöglichen die Beweglichkeit des Kopfes. Ein Bandscheibenvorfall tritt auf, wenn der weiche Kern einer Bandscheibe austritt und auf die umliegenden Nerven oder das Rückenmark drückt.

Ursachen eines Bandscheibenvorfalls in der HWS

Ein Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden:

  • Alterungsprozess: Mit zunehmendem Alter verlieren die Bandscheiben an Elastizität und werden anfälliger für Schäden.
  • Überlastung: Einseitige Belastungen, schweres Heben oder falsches Sitzen können die Wirbelsäule überlasten.
  • Fehlhaltungen: Dauerhafte Fehlhaltungen, insbesondere bei sitzenden Tätigkeiten, können den Druck auf die Halswirbelsäule erhöhen.
  • Unfälle und Verletzungen: Ein heftiger Stoß oder eine abrupte Bewegung, wie sie beispielsweise bei einem Autounfall oder Sportverletzungen auftreten können, kann zu einem Bandscheibenvorfall führen.
  • Übergewicht: Übergewicht belastet die Wirbelsäule zusätzlich und erhöht das Risiko eines Bandscheibenvorfalls.
  • Rauchen: Rauchen beeinträchtigt die Durchblutung der Bandscheiben und kann deren Degeneration beschleunigen.
  • Zahn- und Kieferprobleme: Zahnfehlstellungen, Kiefergelenksprobleme und Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) können Verspannungen im Kiefer- und Nackenbereich verursachen, die die Halswirbelsäule belasten.

Symptome eines Bandscheibenvorfalls in der HWS

Die Symptome eines Bandscheibenvorfalls in der Halswirbelsäule können vielfältig sein und hängen davon ab, welche Nervenwurzeln betroffen sind. Häufige Symptome sind:

  • Nackenschmerzen: Schmerzen im Nackenbereich, die bis in die Schultern, Arme und Hände ausstrahlen können.
  • Taubheitsgefühle und Kribbeln: Taubheitsgefühle, Kribbeln oder ein "Ameisenlaufen" in den Fingern, Händen oder Armen.
  • Kraftverlust: Schwäche in den Armen oder Händen, die sich beispielsweise beim Greifen von Gegenständen bemerkbar macht.
  • Bewegungseinschränkungen: Eingeschränkte Beweglichkeit des Nackens.
  • Kopfschmerzen: Kopfschmerzen, die vom Nacken ausgehen.
  • Schwindel: Schwindelgefühl.
  • Kieferprobleme: Schmerzen im Kiefergelenk, Knacken beim Kauen oder Zähneknirschen.

Der Zusammenhang zwischen Bandscheibenvorfall, Nerven und Zähnen

Ein Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule kann direkt oder indirekt mit Problemen im Kieferbereich zusammenhängen.

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Direkte Auswirkungen

Ein Bandscheibenvorfall kann durch die Kompression von Nervenwurzeln zu direkten neurologischen Symptomen führen, die sich in den Armen und Händen manifestieren. Beispielsweise kann ein Bandscheibenvorfall in Höhe der HWK C6/7 Schmerzen und Taubheitsgefühle im Versorgungsgebiet der Nervenwurzel C7 verursachen, was sich im Zeige- bis zum Ringfinger bemerkbar macht. Ein Bandscheibenvorfall C7/Th1 kann den Kleinfinger und Teile der Hand betreffen.

Indirekte Auswirkungen

Zahn- und Kieferprobleme können indirekt zu einem Bandscheibenvorfall beitragen. Eine Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD), die durch ein fehlerhaftes Zusammenspiel von Ober- und Unterkiefer gekennzeichnet ist, kann zu Verspannungen der Kaumuskulatur und einer Fehlhaltung des Kopfes führen. Diese Fehlhaltung belastet die Halswirbelsäule und kann auf Dauer einen Bandscheibenvorfall begünstigen.

Die Wechselwirkungen zwischen Kiefergelenk und Wirbelsäule:

Der Kiefer ist über Muskeln, Nerven und die Körperstatik eng mit der Halswirbelsäule verbunden. Fehlstellungen im Kiefer können zu einer Schiefstellung des Kiefers führen, die durch die Halswirbelsäule kompensiert werden muss. Diese Kompensationsmechanismen können zu Verspannungen, Fehlbelastungen und schließlich zu einem Bandscheibenvorfall führen.

Diagnose eines Bandscheibenvorfalls in der HWS

Die Diagnose eines Bandscheibenvorfalls in der Halswirbelsäule umfasst in der Regel folgende Schritte:

  • Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und Beschreibung der Symptome.
  • Körperliche Untersuchung: Überprüfung der Beweglichkeit des Nackens, der Reflexe, der Sensibilität und der Muskelkraft in den Armen und Händen.
  • Bildgebende Verfahren:
    • Röntgen: Zum Ausschluss knöcherner Ursachen.
    • MRT (Kernspintomographie): Das geeignetste bildgebende Verfahren zur Darstellung von Bandscheibenvorfällen und Nervenkompressionen.
    • CT (Computertomographie): Kann in bestimmten Fällen zur detaillierteren Darstellung knöcherner Strukturen eingesetzt werden.
  • EMG (Elektromyographie): Messung der Nervenfunktion, um festzustellen, ob das Taubheitsgefühl in den Händen tatsächlich von der Wirbelsäule ausgeht oder auf eine Schädigung eines Nervs in der Peripherie zurückzuführen ist (z.B. Karpaltunnelsyndrom).
  • Wirbelsäulenvermessung: Darstellung des gesamten Verlaufs der Wirbelsäule und ihrer Symmetrie, um Fehlhaltungen aufzudecken.

Behandlung eines Bandscheibenvorfalls in der HWS

Die Behandlung eines Bandscheibenvorfalls in der Halswirbelsäule zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern, die Nervenkompression zu reduzieren und dieFunktion der Halswirbelsäule wiederherzustellen. In den meisten Fällen ist eine konservative Therapie ausreichend.

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Konservative Therapie

  • Schmerzmedikamente: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Diclofenac, Ibuprofen oder Naproxen zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung. In schweren Fällen können kurzzeitig Kortisonpräparate eingesetzt werden.
  • Physiotherapie: Übungen zur Entspannung und Lockerung der Muskulatur, Dehnübungen, Kräftigung der Nacken- und Rückenmuskulatur, Haltungsschulung.
  • Wärme- und Kälteanwendungen: Zur Linderung von Schmerzen und Muskelverspannungen.
  • Kortisoninjektionen: Gezielte Injektion von Kortison in den Bereich der betroffenen Nervenwurzel zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung.
  • Vitamin B-Präparate: Vitamin B12 zum Schutz und zur Regeneration der Nervenhülle (Myelinscheide) und Vitamin B1 zum Schutz der Nervenzellen vor oxidativem Stress.
  • Manuelle Therapie: Zur Lösung von Blockaden und Verspannungen in der Wirbelsäule und den umliegenden Gelenken.
  • Anpassung der Lebensweise: Vermeidung belastender Tätigkeiten, ergonomische Anpassung des Arbeitsplatzes, Stressabbau.
  • Zahnärztliche Behandlung: Bei Vorliegen einer CMD oder anderer Zahn- und Kieferprobleme ist eine zahnärztliche Behandlung erforderlich, um die Ursache der Beschwerden zu beheben. Dies kann beispielsweise die Anpassung einer Bissschiene, die Korrektur von Zahnfehlstellungen oder die Behandlung von Kiefergelenksproblemen umfassen.

Operative Therapie

Eine Operation ist in der Regel nur erforderlich, wenn die konservative Therapie nicht ausreichend wirksam ist oder wenn neurologische Ausfälle wie Lähmungen oder Sensibilitätsstörungen auftreten. Ziel der Operation ist es, den Druck auf die Nerven oder das Rückenmark zu beseitigen und die Wirbelsäule zu stabilisieren.

Was Sie jetzt machen sollten und bei welchen Symptomen man wachsam werden sollte

Bei Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule mit begleitenden Symptomen wie tauben Fingern, Nackenschmerzen oder Kieferproblemen sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen. Insbesondere bei folgenden Symptomen ist eine rasche Abklärung erforderlich:

  • Starke Schmerzen, die sich nicht durch Schmerzmittel lindern lassen.
  • Neurologische Ausfälle wie Lähmungen oder Sensibilitätsstörungen.
  • Einschränkung der Blasen- oder Darmfunktion.

Spezialisten für die Behandlung von Bandscheibenvorfällen

Für die Diagnose und Behandlung von Bandscheibenvorfällen in der Halswirbelsäule stehen verschiedene Spezialisten zur Verfügung:

  • Orthopäden: Spezialisten für Erkrankungen des Bewegungsapparates, einschließlich der Wirbelsäule.
  • Neurochirurgen: Spezialisten für Operationen an Nerven und Rückenmark.
  • Neurologen: Spezialisten für Erkrankungen des Nervensystems.
  • Zahnärzte und Kieferorthopäden: Spezialisten für Zahn- und Kieferprobleme, die im Zusammenhang mit einem Bandscheibenvorfall stehen können.
  • Physiotherapeuten: Spezialisten für die Rehabilitation und Wiederherstellung der Funktion der Halswirbelsäule.

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