Bupropion, bekannt unter dem Handelsnamen Elontril, ist ein Antidepressivum, das sich von anderen Mitteln dieser Art durch seine Wirkung auf die Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin unterscheidet. Es wird zur Behandlung von Depressionen und zur Unterstützung der Raucherentwöhnung eingesetzt. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkungsweise, Anwendungsgebiete, Nebenwirkungen sowie Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Absetzen von Elontril.
Was ist Bupropion (Elontril)?
Bupropion ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Noradrenalin- und Dopamin-Wiederaufnahmehemmer (NDRI). Im Gegensatz zu vielen anderen Antidepressiva, die hauptsächlich die Serotoninkonzentration beeinflussen, hemmt Bupropion die Wiederaufnahme von Dopamin und Noradrenalin im Gehirn. Diese Wirkung kann zu einer Erhöhung der Konzentration dieser Neurotransmitter führen, was angeblich die Stimmung und Aktivitätsniveaus der Patienten verbessert.
Die Neurotransmitter-Hypothese
Die Theorie, dass Depressionen und Angststörungen durch ein Ungleichgewicht an Neurotransmittern wie Serotonin verursacht werden, ist weit verbreitet. Allerdings gibt es auch zahlreiche Untersuchungen, die zeigen, dass Menschen mit Depressionen oft keinen abnormalen Neurotransmitterspiegel aufweisen. Zudem gibt es immer lautere Zweifel an der Neurotransmitterhypothese, da Antidepressiva in vielen Fällen keinen Effekt über die Placebo-Wirkung hinaus zeigen. Der Nutzen von Antidepressiva scheint somit nur noch bei besonders schweren Depressionen sinnvoll zu sein und sollte deshalb hauptsächlich auf einen kurzfristigen, stimmungsaufhellenden Effekt beschränkt sein, um mögliche Abhängigkeiten zu vermeiden.
Anwendungsgebiete von Bupropion
Bupropion wird hauptsächlich in folgenden Bereichen eingesetzt:
- Behandlung von Depressionen: Bupropion kann bei Depressionen helfen, insbesondere wenn Antriebslosigkeit und Erschöpfung im Vordergrund stehen.
- Raucherentwöhnung: Bupropion kann die Rauchentwöhnung wirksam unterstützen. Für diese Indikation ist es in Deutschland unter dem Handelsnamen Zyban® zugelassen. In einer Metaanalyse von 31 Studien zeigte sich, dass in der mit Bupropion behandelten Gruppe 19 % über sechs Monate abstinent blieben, in der Placebogruppe waren es lediglich 10,3 %.
- Weitere Anwendungsgebiete: Vereinzelt wird Bupropion auch zur Behandlung von ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom) verschrieben, jedoch ohne entsprechende Zulassung (Off-Label-Use).
Wie wirkt Bupropion?
Bupropion beeinflusst die Signalübertragung im Gehirn, indem es die Wiederaufnahme der Neurotransmitter Noradrenalin und Dopamin hemmt. Dies führt zu einer erhöhten Konzentration dieser Botenstoffe im synaptischen Spalt, was die Stimmung und den Antrieb verbessern kann. Bupropion nimmt unter den Antidepressiva eine Sonderrolle ein, da es sich chemisch, pharmakologisch und bezüglich seiner Nebenwirkungen von den SSRI und SSNRI unterscheidet. Es hemmt nur minimal die Wiederaufnahme von Serotonin. Dieses Profil ist für ein Antidepressivum ungewöhnlich.
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Dosierung und Einnahme
Bupropion wird in Form von Retardtabletten verabreicht, die eine verzögerte Freisetzung des Wirkstoffs gewährleisten. Die Dosierung variiert je nach Anwendungsgebiet:
- Depression: Die übliche Anfangsdosis beträgt 150 mg einmal täglich. Bei Bedarf kann die Dosis nach einigen Wochen auf 300 mg täglich erhöht werden.
- Rauchentwöhnung: In der ersten Woche werden 150 mg täglich eingenommen, danach wird die Dosis auf 300 mg täglich erhöht, aufgeteilt in zwei Einnahmen (morgens und abends). Die Behandlung sollte sieben bis neun Wochen nicht überschreiten.
Die Tabletten sollten unzerkaut und ungeteilt mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen werden. Die Einnahme erfolgt in der Regel morgens.
Mögliche Nebenwirkungen von Bupropion
Bupropion kann, wie viele andere Antidepressiva, eine Reihe von mitunter schwerwiegenden Nebenwirkungen haben. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören:
- Sehr häufig: Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Übelkeit, Erbrechen.
- Häufig: Appetitlosigkeit, Juckreiz, Hautausschlag, Agitation, Angstzustände, Tremor, Schwindel, Konzentrationsstörungen, Sehstörungen, Tinnitus, erhöhter Blutdruck, Bauchschmerzen, Verstopfung, Schwitzen.
- Selten: Krampfanfälle, allergische Reaktionen, psychotische Symptome, Suizidgedanken.
- Herz-Kreislauf-Probleme: Bupropion kann auch auf das Herz-Kreislauf-System wirken. Einige Studien haben gezeigt, dass die Substanz den Blutdruck erhöhen und zu Herzrhythmusstörungen führen kann. Diese Effekte mögen kurzfristig geringfügig erscheinen, können jedoch bei langfristiger Anwendung ernsthafte Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen.
Krampfanfälle
Eines der gravierendsten Risiken bei der Einnahme von Bupropion ist das erhöhte Risiko für Krampfanfälle. Dieses Risiko ist höher als bei vielen anderen Antidepressiva und kann insbesondere dann zutage treten, wenn die empfohlene Höchstdosis überschritten wird oder wenn es in Verbindung mit anderen Medikamenten steht, die ebenfalls das Krampfrisiko erhöhen. Die Gefahr von Krampfanfällen ist nicht nur eine akute Bedrohung, sondern kann auch langfristige neurologische Schäden nach sich ziehen.
Psychische Nebenwirkungen
Auf psychischer Ebene können bei der Einnahme von Bupropion Nebenwirkungen wie Agitation, Schlafstörungen und bei prädisponierten Patienten auch eine Verschärfung von Angstsymptomen auftreten. Besonders problematisch ist, dass Bupropion in seltenen Fällen zu paradoxen Reaktionen wie dem Auftreten von Suizidgedanken führen kann, vor allem bei jüngeren Erwachsenen.
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Gewichtszunahme
Im Gegensatz zu vielen anderen Antidepressiva ist Bupropion im Allgemeinen nicht mit einer Gewichtszunahme assoziiert. In manchen Fällen kann es jedoch zu einem Gewichtsverlust führen. Der genaue Mechanismus dahinter ist nicht vollständig geklärt, es wird jedoch vermutet, dass der durch das Medikament durchgeschüttelt Haushalte von Dopamin und Noradrenalin eine Rolle spielen könnte, weil diese auch bei der Appetitkontrolle und dem Sättigungsgefühl eine Rolle spielen.
Gegenanzeigen (Kontraindikationen)
Bupropion darf nicht eingenommen werden bei:
- Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder den Tablettenbestandteilen.
- Neigung zu epileptischen Anfällen.
- Tumoren im zentralen Nervensystem.
- Geplantem Entzug mit erhöhter Krampfneigung.
- Essstörungen wie Bulimie oder Anorexie.
- Schwerer Leberzirrhose.
- Gleichzeitiger Einnahme von MAO-Hemmern.
- Bipolaren Störungen, auch in der Vergangenheit.
- Gleichzeitiger Therapie mit einem anderen Bupropion-haltigen Arzneimittel.
- Erkrankung namens Brugada-Syndrom.
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Bupropion kann Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten eingehen, insbesondere solchen, die ebenfalls auf das zentrale Nervensystem wirken oder über das Enzym CYP2D6 abgebaut werden. Zu den relevanten Wechselwirkungen gehören:
- Antidepressiva (SSRI, SNRI, trizyklische Antidepressiva).
- Antipsychotika.
- Betablocker.
- Antiarrhythmika.
- Tamoxifen.
- Citalopram.
- Digoxin.
- Cyclophosphamid.
- Ifosfamid.
- Orphenadrin.
- Ticlopedin.
- Clopidogrel.
- Carbamazepin.
- Phenytoin.
- Ritonavir.
- Efavirenz.
- Valproat.
- Lopinavir.
- Levodopa.
- Amantadin.
Es ist wichtig, den behandelnden Arzt über alle eingenommenen Medikamente zu informieren, um mögliche Wechselwirkungen zu vermeiden.
Erfahrungen mit Bupropion
Die Erfahrungen mit Bupropion sind vielfältig und individuell unterschiedlich. Einige Patienten berichten von einer deutlichen Verbesserung ihrer Stimmung und ihres Antriebs, während andere weniger positive oder sogar negative Erfahrungen machen.
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Einige Anwender berichten von folgenden positiven Effekten:
- Antriebssteigerung und antidepressive Wirkung.
- Keine negativen Auswirkungen auf Herz-Kreislauf-System, sexuelle Funktion oder Gewicht.
- Klares Denken und bessere Teilhabe am Leben.
Andere berichten von negativen Erfahrungen, wie:
- Verstärkte Angstzustände.
- Schlafstörungen.
- Reizbarkeit.
- Kopfschmerzen.
- Krampfanfälle.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Wirkung von Bupropion von verschiedenen Faktoren abhängt, wie z.B. der individuellen Veranlagung, der Dosierung und der Einnahme anderer Medikamente.
Bupropion absetzen: Was ist zu beachten?
Das Absetzen von Bupropion sollte niemals abrupt erfolgen, sondern immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt oder Psychotherapeuten. Ein sorgfältig geplantes, schrittweises Vorgehen ist entscheidend, um das Risiko von Absetzsymptomen zu minimieren. Diese Symptome können sich in Form von Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, erhöhter Ängstlichkeit und körperlichen Beschwerden wie Schwindel und Kopfschmerzen manifestieren.
Beim Absetzen wird der Therapeut eine graduelle Reduktion der Dosis über einen Zeitraum von mehreren Wochen oder sogar Monaten anordnen, abhängig von der individuellen Reaktion des Patienten und der Dauer der vorherigen Medikation.
Da Bupropion in der Regel in Retardtabletten mit fester Dosierung (150 mg oder 300 mg) vorliegt, kann das Ausschleichen schwierig sein. In einigen Fällen kann der Arzt jedoch eine niedrigere Dosis verordnen oder alternative Strategien empfehlen, um die Dosis schrittweise zu reduzieren.
Erfahrungen mit dem Absetzen
Die Erfahrungen mit dem Absetzen von Bupropion sind unterschiedlich. Einige Patienten berichten von wenigen oder keinen Problemen, während andere unter deutlichen Absetzsymptomen leiden.
Einige Anwender berichten von folgenden Erfahrungen:
- Problemloses Absetzen ohne nennenswerte Symptome.
- Absetzsymptome wie Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, Angstzustände und körperliche Beschwerden.
- Keine Veränderung des Zustands nach dem Absetzen.
Es ist wichtig, sich während des Absetzprozesses engmaschig vom Arzt oder Therapeuten begleiten zu lassen und auf mögliche Symptome zu achten.
Alternativen zu Bupropion
Wenn Bupropion nicht vertragen wird oder nicht die gewünschte Wirkung erzielt, gibt es verschiedene alternative Behandlungsmöglichkeiten für Depressionen und Raucherentwöhnung.
Zu den alternativen Behandlungsmöglichkeiten gehören:
- Andere Antidepressiva: SSRI, SNRI, trizyklische Antidepressiva, MAO-Hemmer.
- Psychotherapie: Kognitive Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, interpersonelle Therapie.
- Weitere Therapien: Lichttherapie, Schlafentzug, Bewegungstherapie, Entspannungsverfahren.
- Mentaltraining: Bernhardt-Methode
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