Eine Parese der Extremitäten, insbesondere im Zusammenhang mit der Halswirbelsäule (HWS), kann eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität darstellen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen, Diagnosemethoden und Behandlungsansätze für die HWS-bedingte Parese der Extremitäten.
Einführung
Die Halswirbelsäule (HWS) spielt eine zentrale Rolle für die Beweglichkeit und Stabilität des Kopfes sowie für die Weiterleitung von Nervenimpulsen zu den Armen und Händen. Erkrankungen oder Verletzungen in diesem Bereich können zu einer Vielzahl von Symptomen führen, darunter auch Paresen (Teillähmungen) der Extremitäten. Das HWS-Syndrom ist ein Sammelbecken für Erkrankungen in der Hals-, Schulter- und Nackenregion.
Grundlagen der Halswirbelsäule
Die Halswirbelsäule besteht aus sieben Wirbelkörpern, die zwischen dem Kopf und der Brustwirbelsäule liegen. Der oberste Halswirbel, der Atlas, bildet zusammen mit dem zweiten Halswirbel, dem Axis, die Drehachse des Kopfes. Der Atlas hat zwei wie Schalen geformte Gelenkflächen auf seiner Oberseite, in denen der Kopf liegt. Dieses Gelenk macht die Nickbewegungen des Kopfes. Ab dem dritten Halswirbel sind alle Wirbel ähnlich aufgebaut: Sie haben einen zylinderförmigen Wirbelkörper mit einem knöchernen Bogen, in dem das Rückenmark gelagert ist. Außer zwischen Atlas und Axis befinden sich zwischen allen Wirbeln Bandscheiben. Sie sind wichtige Stoßdämpfer und ermöglichen der Wirbelsäule Beweglichkeit und Belastbarkeit.
Definitionen und Einteilung der Parese
Eine Parese ist ein Teilausfall motorischer Funktionen eines einzelnen Muskels, einer Muskelgruppe oder einer Extremität. Dieser Teilausfall kann mehr oder weniger ausgeprägt sein. Im Gegensatz dazu bezeichnet eine Paralyse (Plegie) den vollständigen Verlust der Bewegungsfähigkeit.
Je nach betroffenem Bereich unterscheidet man verschiedene Formen der Parese:
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- Monoparese: Betrifft nur eine Extremität, z.B. einen Arm oder ein Bein.
- Diparese: Unvollständige Lähmung von zwei Gliedmaßen.
- Hemiparese: Arm und Bein einer Körperseite sind inkomplett gelähmt.
- Tetraparese: Inkomplette Lähmung aller vier Gliedmaßen (Arme und Beine) sowie eine gestörte Rumpf- und Kopfkontrolle.
Zusätzlich wird zwischen zentralen und peripheren Paresen unterschieden:
- Zentrale Parese: Ursache liegt im Gehirn oder Rückenmark (1. Motoneuron). Die gelähmte Muskulatur befindet sich immer auf der Gegenseite zur Gehirnschädigung. Es kommt häufig zu einer Spastik (erhöhte Muskelspannung).
- Periphere Parese: Ursache liegt in einer Schädigung des Nervs zwischen der Vorderhornzelle des Rückenmarks und der motorischen Endplatte des Muskels (2. Motoneuron). Die Parese ist immer gleichseitig zur Schädigung. Die Muskeln sind schlaff.
Ursachen der HWS-bedingten Parese
Eine Parese der Extremitäten im Zusammenhang mit der HWS kann verschiedene Ursachen haben:
Degenerative Veränderungen
Degenerative Veränderungen der knöchernen und bindegewebigen Strukturen der Halswirbelsäule sind extrem häufig und nehmen mit fortschreitendem Alter kontinuierlich zu. Ihr Krankheitswert richtet sich allein nach den bestehenden neurologischen Reiz- und Ausfallserscheinungen. Typische spondylotische Veränderungen, die eine zervikale Myelopathie begleiten, sind osteophytäre Randzackenbildungen ober- und unterhalb der Bandscheiben bis hin zur Ausbildung einer durchgehenden osteophytären Leiste entlang der Vorderwand des Spinalkanals. Das hintere Längsband kann verdickt und ossifiziert sein. Auch Ganglionzysten des Ligamentum flavum können den Spinalkanal einengen. Höhengeminderte Bandscheiben können sich nach dorsal in den Spinalkanal vorwölben. Zusätzlich kann Material aus rupturierten Bandscheiben in den Spinalkanal vordringen. Eine Kompression des Halsmarks von der Hinterwand des Spinalkanals her kann erfolgen, wenn im Alter das Lig. Subluxationen von Wirbelsegmenten können ebenfalls zu einer spinalen Kompression beitragen. Dieser Mechanismus spielt bei der rheumatoiden Arthritis eine Rolle.
Bandscheibenvorfall (Diskusprolaps)
Bei einem Bandscheibenvorfall reißt der zähe Faserknorpel der Bandscheibe. Ihr gallertiger Kern tritt in den Wirbelkanal aus. Drückt der Gallertkern auf einen Rückenmarksnerven, leiden Betroffene unter starken Rückenschmerzen, die teilweise bis in Arme und Beine ausstrahlen. Die Kompression des Rückenmarks im zervikalen Spinalkanal ist die häufigste Myelopathie des höheren Lebensalters. Häufig besteht eine angeborene Prädisposition in Form eines engen Spinalkanals. Das Hinzutreten erworbener Faktoren, in Form von Spondylophyten, Verkalkung des hinteren Längsbandes oder seltener eines Bandscheibenvorfalls, führt zur myelopathischen Symptomatik.
Spinalkanalstenose
Bei einer Spinalkanalstenose handelt es sich um eine Verengung (Stenose) des knöchernen Wirbelkanals, in dem das Rückenmark verläuft. Ursache dafür sind vor allem degenerative Prozesse. Dabei ragen Knochenanbauten oder verdickte Bänder in den Spinalkanal hinein und drücken auf Rückenmark und Nervenwurzeln. Bei einer Spinalkanalstenose der Halswirbelsäule kommt es z. B. zu Nackenschmerzen und Störungen der Feinmotorik.
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Zervikale Myelopathie
Die mechanische Einengung des Halsmarks im Spinalkanal verursacht neurologische Symptome: die zervikale Myelopathie. Der sehr junge Überbegriff „degenerative zervikale Myelopathie“ (DCM: „degenerative cervical myelopathy“) umfasst folgende mechanische und dynamische Ursachen: Bandscheibenvorfall, dorsale Spondylophyten der Wirbelkörper (früher: zervikale spondylotische Myelopathie), Verkalkung des hinteren Längsbandes (OPLL: „ossification of the posterior longitudinal ligament“), Verkalkung des Ligamentum flavum, Synovialzysten der Gelenkfacetten, segmentale degenerative Instabilität und kyphotische Fehlstellung der Halswirbelsäule.
Faktoren, die eine zervikale Myelopathie begünstigen oder mitbedingen, sind meistens schon früher vorhanden. So kann ein enger Spinalkanal genetisch bedingt und angeboren sein; spondylotische Veränderungen der Halswirbelsäule können bereits in der 2. Lebensdekade beginnen.
Traumatische Ursachen
Traumatische Subluxationen von Wirbelkörpern, Dislokationen von Wirbelfragmenten und Risse des Bandscheibenfaserringes mit Hervorquellen von Nucleus-pulposus-Material in den Spinalkanal können zu einer Einengung des Spinalkanals beitragen. Die Frage des ursächlichen Zusammenhangs zwischen einem Trauma und einer Jahre später manifest werdenden zervikalen Myelopathie ist oft schwer zu klären. Dies ist besonders dann ein Problem, wenn bei dem Patienten ein konstitutionell enger Spinalkanal besteht und sich zusätzlich degenerative spondylotische Veränderungen finden. Eine ähnlich schwierige Zusammenhangsfrage kann sich bei Auftreten oder Verschlimmerung myelopathischer Symptome im Anschluss an chiropraktische Manipulationen ergeben.
Andere Ursachen
Seltenere Ursachen für eine HWS-bedingte Parese sind:
- Angeborene HWS-Anomalien, wie eine kongenitale HWS-Kyphose oder eine kongenitale Spondylolyse des Dens axis.
- Tumoren, die auf das Rückenmark oder die Nervenwurzeln drücken.
- Entzündliche Erkrankungen, wie z.B. rheumatoide Arthritis.
- Infektionen, wie z.B. Borreliose.
- Vaskuläre Ursachen, wie z.B. die Kompression des Zervikalmarks durch eine abnorm verlaufende A. vertebralis oder durch erweiterte perimedulläre Gefäße bei Bestehen einer intraspinalen oder intrakraniellen arteriovenösen Durafistel.
- Bei Patienten mit infantilen Zerebralparesen findet sich eine erhöhte Inzidenz von zervikalen Myelopathien. Chronische spastische und athetoide Zwangshaltungen und -bewegungen des Kopfes, häufig mit Hyperextension und exzessiver Rotation der Halswirbelsäule, können bei diesen Patienten sowohl zu frühen Degenerationserscheinungen an den Wirbelkörpern als auch zur direkten Kompression des Rückenmarks führen. Ein ähnlicher pathogenetischer Zusammenhang kann bei Patienten mit Tourette-Syndrom zu einer zervikalen Myelopathie führen. Bei Patienten mit Achondroplasie, deren Foramen magnum und Spinalkanal aufgrund der besonderen anatomischen Gegebenheiten des Syndroms enge Dimensionen haben, tritt eine hohe zervikale Myelopathie gehäuft auf.
Symptome der HWS-bedingten Parese
Die Symptome einer HWS-bedingten Parese können vielfältig sein und hängen von der Ursache und dem Ausmaß der Nervenschädigung ab. Häufige Symptome sind:
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- Nackenschmerzen: Das klassische Symptom des HWS-Syndroms sind die Nackenschmerzen, die bis in die Arme ausstrahlen können.
- Schulterschmerzen: Bei Schulterschmerzen ist eine Untersuchung der Halswirbelsäule ebenfalls erforderlich.
- Ausstrahlende Schmerzen: Symptomatisch dafür können ausstrahlende Schmerzen vom Nacken über den Hinterkopf bis in die Stirn oder sogar zu den Augen sein. Beschwerden in den Armen oder in den Händen zeigen sich, wenn die untere Halswirbelsäule betroffen ist, denn aus diesem Bereich treten die Nervenbahnen aus, die die Muskulatur der Arme und Hände versorgen.
- Muskelverspannungen: Diese gehen mit starken Verspannungen der Muskulatur im Bereich des Nackens und der Schultern einher.
- Bewegungseinschränkungen: Betroffene leiden durch die Verspannungen unter Bewegungseinschränkungen des Kopfes, Schwindel bis hin zu Sehstörungen und Ohrengeräuschen.
- Sensibilitätsstörungen: Auch Kribbeln und Taubheitsgefühle in den Händen und Fingern können auftreten. Parästhesien in den Beinen sind sehr unangenehm und können den nächtlichen Schlaf stören. Beispielsweise treten bei Patienten mit Schädigung des Schienbeinnervs (Nervus tibialis) folgende Parästhesien auf: Kribbeln, Taubheit und "Ameisenlaufen" am Unterschenkel. Auch Störungen der Kälte- und Wärmeempfindungen zählen zu den Parästhesien. Parästhesien treten fast immer an mehreren Stellen auf.
- Muskelschwäche: Die Patienten berichten über Schwierigkeiten beim Zuknöpfen von Hemden oder Blusen. Es werden Kleidungsstücke mit Reißverschlüssen bevorzugt. Das Binden der Schnürsenkel fällt schwer: auch hier weichen die Patienten auf Schuhwerk mit Klettverschluss aus.
- Feinmotorische Störungen: An den oberen Extremitäten ist die Feinmotorik der Finger beeinträchtigt. Das Schriftbild verschlechtert sich: die eigene Unterschrift ist nur mit Mühe lesbar.
- Spastische Gangstörung: Für die Myelopathie typisch ist eine langsam zunehmende spastische Gangstörung, die eine spinal-ataktische Komponente haben kann. Bei der neurologischen Untersuchung findet sich eine meist symmetrische spastische Tonuserhöhung beider Beine, häufig lassen sich unerschöpfliche Kloni auslösen. Die Muskeleigenreflexe an den unteren Extremitäten sind gesteigert, das Babinski-Zeichen ist positiv.
- Weitere Symptome: In schweren Fällen kann es sogar zu Lähmungen (Paresen) in Arm, Hand und Fingern kommen. Oft lässt sich ein positives Lhermitte-Zeichen mit Provokation von „blitzartigen“ Parästhesien in Rücken und Beinen bei passiver Anteflexion des Kopfes auslösen.
Diagnose der HWS-bedingten Parese
Die Diagnose einer HWS-bedingten Parese umfasst in der Regel die folgenden Schritte:
- Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte des Patienten, einschließlich der Art, Dauer und Lokalisation der Beschwerden. Anamnestisch finden sich häufig Schmerzen in Nacken, Schultern und Armen, die segmental umschrieben oder diffus sein können. Die Schmerzsymptomatik kann Jahre zurückliegen, sodass gezielt danach gefragt werden muss.
- Klinische Untersuchung: Der Arzt untersucht die Beweglichkeit der Halswirbelsäule, die Muskelkraft, die Reflexe und die Sensibilität des Patienten. Zeichen der zervikalen Radikulopathie sind Reflexabschwächungen bzw. -ausfälle.
- Neurologische Untersuchung: Bei der neurologischen Untersuchung findet sich eine meist symmetrische spastische Tonuserhöhung beider Beine, häufig lassen sich unerschöpfliche Kloni auslösen. Die Muskeleigenreflexe an den unteren Extremitäten sind gesteigert, das Babinski-Zeichen ist positiv. Die grobe Kraft der Beine kann proximal betont vermindert sein. Sensibel ist häufig das Vibrationsempfinden an den Beinen herabgesetzt. Das Lage- und Berührungsempfinden kann ebenfalls vermindert sein, während Schmerz- und Temperaturempfinden lange erhalten bleiben und nur in sehr fortgeschrittenen Stadien mitbetroffen werden.
- Bildgebende Verfahren:
- Röntgenaufnahmen: Nativröntgenaufnahmen der Halswirbelsäule geben einen Überblick über das Ausmaß spondylotischer Veränderungen und die anterior-posteriore Weite des Spinalkanals.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Die MRT ist die Methode der Wahl, um die Kompression des zervikalen Rückenmarks durch knöcherne oder bindegewebige Umgebungsstrukturen direkt darzustellen. Indirekte Kompressionszeichen stellen sich in den T2-gewichteten Aufnahmen als hyperintense intramedulläre Signale dar, als Folge von Ödembildung oder reaktiver Gliose. In weiter fortgeschrittenen Stadien zeigt sich eine intramedulläre Hypointensität in den T1-gewichteten Bildern oder sogar eine Atrophie des Rückenmarks in den betroffenen Segmenten. Dies ist ein prognostisch ungünstiges Zeichen.
- Computertomographie (CT): Kann in bestimmten Fällen zur Beurteilung knöcherner Strukturen eingesetzt werden.
- Elektrophysiologische Untersuchungen:
- Elektromyographie (EMG): Durch Elektromyographie (EMG) und Elektroneurographie (ENG/NLG) können Nervenleitgeschwindigkeit und Muskel genauer untersucht werden. Sie können bei der Ursachenfindung eine wichtige Rolle spielen.
- Somatosensibel evozierte Potenziale (SEP): Somatosensibel evozierte Potenziale (SEP) an Armen und Beinen, in Kombination mit EMG-Untersuchungen der Arm- und Handmuskeln, geben einen schnellen Überblick über die Beteiligung von Nervenwurzeln und sensiblen langen Rückenmarkbahnen. Durch die Bestimmung zentralmotorischer Leitzeiten mittels Magnetstimulation über dem motorischen Kortex sowie ober- und unterhalb des Foramen magnum können einzelne Abschnitte des motorischen Systems funktionell untersucht werden.
Die Symptomatik der zervikalen Myelopathie wird in Europa mit dem European Myelopathy Score (EMS) quantifiziert. Die Skala reicht von 0 bis 18 Punkten: je niedriger die Zahl der Punkte, desto gravierender die neurologische Beeinträchtigung. Gewichtet werden die Funktion der oberen (28 %) und der unteren (22 %) Extremitäten, die Koordination (17 %), Parästhesien und Schmerzen (16 %) und die Blasen-Mastdarm-Funktion (17 %).
Differentialdiagnose
Die Differenzialdiagnose der zervikalen Myelopathie umfasst die chronisch-progressive, spinal betonte Erscheinungsform der multiplen Sklerose (MS), andere subakut verlaufende Myelitisformen und Myelitiden (z. B. bei NMOSD, Lupus erythematodes, Sarkoidose, AIDS), die funikuläre Myelose, paraneoplastische Myelopathien sowie spinale Tumoren und Metastasen. Die Syringomyelie kann eine sehr ähnliche Symptomatik präsentieren wie die zervikale Myeloradikulopathie, das typische Erkrankungsalter ist allerdings deutlich niedriger. Hauptunterschied ist das Leitsymptom der dissoziierten Sensibilitätsstörung bei der Syringomyelie, im Gegensatz zum nur ausnahmsweisen und späten Betroffensein des Schmerz- und Temperaturempfindens bei der zervikalen Myelopathie.
Grundsätzlich wichtig und differenzialdiagnostisch hilfreich ist es, bei Verdacht auf eine zervikale Myelopathie die Höhe einer spinalen Stenose zu den neurologischen Ausfällen in direkten Bezug setzen zu können. Wenn sich grobe Diskrepanzen ergeben, spricht das immer dafür, dass eine bestehende spinale Enge nicht krankheitsverursachend ist und eine andere neurologische Erkrankung der Symptomatik zugrunde liegt. Umgekehrt muss man jedoch auch daran denken, dass bei Patienten mit anderen chronischen neurologischen Erkrankungen, z. B. mit einer infantilen Zerebralparese, einer MS oder einer ALS, in höherem Lebensalter eine zervikale Myelopathie hinzukommen kann. In solchen Fällen ist besonders sorgfältig abzuwägen, welche therapeutischen Eingriffe bei der bestehenden Grunderkrankung die Lebensqualität des Patienten evtl.
Behandlung der HWS-bedingten Parese
Die Behandlung einer HWS-bedingten Parese richtet sich nach der Ursache, dem Schweregrad der Symptome und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten. Es gibt sowohl konservative als auch operative Behandlungsansätze.
Konservative Behandlung
Die konservative Behandlung umfasst in der Regel:
- Schmerzlinderung: Medikamentöse Schmerztherapie mit Analgetika, nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) oder Opioiden.
- Physiotherapie: Bei einem chronischen oder unspezifischen Halswirbelsäulensyndrom ist Physiotherapie die Therapie der Wahl. Denn wie schon erwähnt, sind die Ursachen fast immer im Bereich der Mangelbewegung und Fehlhaltung zu suchen. Die Techniken in der Physiotherapie, die sich z.B. zur Behandlung von Muskelverspannungen eignen, sind beispielsweise manuelle Therapie, Triggerpunktbehandlung, Dehnübungen und Wärmeanwendungen.
- Manuelle Therapie: Auf diese Art können auch mögliche Blockaden lokalisiert und behandelt werden.
- Elektrostimulation: Die funktionelle Elektrostimulation kann ausgezeichnet mit Aktivitäten des täglichen Lebens kombiniert werden. Bei zentralen Paresen, wie nach Schlaganfall oder Schädelhirntrauma, erfolgt die Rehabilitation angepasst an die Ziele des Patienten nach den Prinzipien des motorischen Lernens. wie Greifen oder Gehen, die durch die Parese eingeschränkt sind, trainiert (Hauptmann & Müller 2011). um auf die empfohlene Therapiedichte von 5 Übungseinheiten zu je 30-45 Minuten wöchentlich zu kommen (Platz 2011).Ist der periphere Nerv geschädigt, der Muskel also teils denerviert, ist eine Kombination aus aktiven Übungen und elektrischer Stimulation sinnvoll. und somit eine Atrophie/Abbau der vom Nerv nicht mehr versorgten Muskelanteile verhindern (Kern et al. 2010) und die Regeneration der Nerven fördern (Gordon et al. Gordon, T., & English, A. W. (2016). Strategies to promote peripheral nerve regeneration: electrical stimulation and/or exercise. European Journal of Neuroscience, 43(3), 336-350.
- Ergotherapie: Umfasst die unterschiedlichsten Beschwerden im Bereich des oberen Wirbelsäulenabschnittes und des Nackens.
- Entlastung der Halswirbelsäule: Durch eine Halskrause oder andere Hilfsmittel.
- Verhaltensänderung: Handelt es sich um funktionelle Beschwerden, ist die richtige Körperhaltung sehr wichtig. Sport und Bewegung wirken sich sehr positiv auf die Gesunderhaltung der Halswirbelsäule aus. Auch sollte darauf geachtet werden, den Rücken im Alltag möglichst oft zu entlasten. Deshalb sind autogenes Training oder Yoga sehr gut geeignet, um Stress und Anspannung vorzubeugen und die innere Ruhe wieder herzustellen.
Operative Behandlung
Eine Operation kann erforderlich sein, wenn die konservative Behandlung nicht ausreichend wirksam ist oder wenn neurologische Ausfälle fortschreiten. Die Operationsindikation und Operationsmethode hängen ab von Befundkonstellation, Verlauf, Alter und Allgemeinzustand des Patienten.
Mögliche operative Eingriffe sind:
- Dekompression des Rückenmarks: Entfernung von Knochenanbauten, Bandscheibengewebe oder anderen Strukturen, die auf das Rückenmark drücken.
- Stabilisierung der Halswirbelsäule: Fusion von Wirbelkörpern, um die Stabilität der Wirbelsäule zu verbessern.
- Bandscheibenprothese: Ersatz einer geschädigten Bandscheibe durch eine Prothese.
Beim cervikalen Bandscheibenvorfall ist eine Foraminotomie nur bei lateralen Vorfällen möglich, da sonst das Rückenmark im Weg ist. Stück für Stück mikroskopisch abgetragen, bis Zugang zum Wirbelkanal besteht. Es werden dann 5-7 mm Titanplättchen von der Dicke/Höhe her angepaßt, Größe ( etwa Daumenkuppengroß ) und Form werden nicht verändert, und eingebracht. etwas durchwachsen kann und werden deshalb nicht zusätzlich verschraubt oder fixiert. Zudem wird beim Einbringen des Plättchens die Wirbelsäule etwas überdehnt und gespreizt und durch eine Zähnung an der Oberfläche der Plättchen wird ein Abrutschen zusätzlich verhindert. Eine Röntgenkontrolle postoperativ erfolgt zur Sicherheit. Ein Verrutschen des Plättchens würde sich durch Schluckbeschwerden, Schmerzen und evtl.
Rehabilitation
Nach einer konservativen oder operativen Behandlung ist eine Rehabilitation wichtig, um dieFunktion der Extremitäten wiederherzustellen und die Lebensqualität zu verbessern. Das Ziel einer Reha nach einer Parese ist es, den betroffenen Patienten wieder fit für den Alltag zu machen, auch mit krankheitsbedingten Handicaps. Wie der Alltag trotz der körperlichen Einschränkungen am besten bewältigt werden kann, ist ein wichtiges Thema in der Reha. Damit die Rehabilitationsmaßnahmen sinnvoll auf den Patienten zugeschnitten werden können, ist die genaue Befunderhebung sehr bedeutend. Der moderne Therapieansatz bei Paresen in der Rehabilitation stellt das aktive, das heißt selbstständige Üben von Bewegungen und Aktivitäten in den Mittelpunkt. Diese Übungen werden in Einzel- und Gruppentrainings durchgeführt. Wichtige Therapiekonzepte sind das Aufgabenorientierte Training und die Spiegeltherapie. Hierbei sollen alltagspraktische Fähigkeiten erlernt und Hirnareale zur Bewegungssteuerung angeregt werden.
Verlauf und Prognose
Der Verlauf der zervikalen Myelopathie kann stark variieren. In der Regel ist er langsam und über Jahre progredient. Neben Verläufen mit kontinuierlicher Progredienz gibt es auch solche mit stufenweiser Verschlechterung. Dabei können Phasen der Exazerbation mit längeren stabilen Perioden abwechseln oder sogar zwischendurch monate- bis jahrelange Perioden der klinischen Besserung eintreten. Bei sehr langsamen Verläufen besteht oft eine Diskrepanz zwischen der Schwere der objektivierbaren neurologischen Befunde und der subjektiv vom Patienten erlebten Beeinträchtigung.
Die Prognose einer HWS-bedingten Parese hängt von der Ursache, dem Schweregrad der Symptome und dem Zeitpunkt der Behandlung ab. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung können dazu beitragen, die Symptome zu lindern und dieFunktion der Extremitäten zu verbessern.
Prävention
Einige Maßnahmen können dazu beitragen, das Risiko einer HWS-bedingten Parese zu verringern:
- Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung: Achten Sie auf eine gute Körperhaltung und vermeiden Sie langes Sitzen in einer Position.
- Regelmäßige Bewegung: Sport und Bewegung wirken sich sehr positiv auf die Gesunderhaltung der Halswirbelsäule aus.
- Stressmanagement: Autogenes Training oder Yoga können helfen, Stress und Anspannung vorzubeugen.
- Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann dazu beitragen, Entzündungen im Körper zu reduzieren.
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