Tumore, ob gutartig oder bösartig, können auf Nerven drücken und eine Vielzahl von Symptomen verursachen. Die Art und Intensität der Symptome hängen von der Art des Tumors, seiner Lage und seiner Wachstumsgeschwindigkeit ab. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten, wenn ein Tumor auf einen Nerv drückt.
Ursachen von Nervenkompression durch Tumore
Tumore können aus verschiedenen Gründen auf Nerven drücken:
- Direktes Wachstum: Ein Tumor kann direkt in das Nervengewebe einwachsen oder in der Nähe eines Nervs wachsen und diesen durch sein Wachstum komprimieren.
- Metastasierung: Krebszellen können sich von einem anderen Teil des Körpers ausbreiten und im Bereich eines Nervs Metastasen bilden, die dann auf den Nerv drücken. Absiedlungen (Metastasen) an der Wirbelsäule beobachtet man häufig bei Tumoren der Brustdrüsen (Mammakarzinom), der Vorsteherdrüse (Prostatakarzinom) und der Lunge (Bronchialkarzinom). Bis zu 10 % der Krebspatienten entwickeln Metastasen an der Wirbelsäule. Grundsätzlich kann aber auch jeder andere Tumor in die Wirbelsäule streuen.
- Raumforderung: Ein Tumor kann als Raumforderung wirken und umliegendes Gewebe, einschließlich Nerven, verdrängen und komprimieren. Ein spinales Neurinom ist ein langsam wachsender, gutartiger Tumor, der meist von einer Bindegewebskapsel umgeben ist und das umliegende Gewebe durch sein Wachstum verdrängt.
Tumore können ohne erkennbare Ursache jedoch auch auf dem Boden einer familiären Belastung und genetischen Disposition entstehen. Und natürlich können auch der Lebensstil und äußere Einflüsse zu Tumoren führen.
Symptome der Nervenkompression durch Tumore
Die Symptome einer Nervenkompression durch einen Tumor können vielfältig sein und hängen von der Lage des betroffenen Nervs ab. Häufige Symptome sind:
- Schmerzen: Ein anhaltender, oft dumpfer Schmerz ist die häufigste Ausprägung von Tumorschmerzen. Diese Dauerschmerzen entstehen zumeist, weil der Tumor auf Nerven, Organe oder umliegendes Gewebe drückt. Tumorschmerzen können auf unterschiedliche Weise auftreten. Sie hängen davon ab, welche Art der Krebserkrankung vorliegt, wie weit diese fortgeschritten ist und welche Körperregion betroffen ist. Typisch für Tumorschmerzen sind deren Auftreten auch in Ruhe einschließlich nachts und weitere Allgemeinsymptome wie Nachtschweiß, Fieber und ungewollter Gewichtsverlust.
- Neuropathische Schmerzen: Wenn ein Tumor oder Metastasen auf Nerven drücken oder in diese einwachsen, können sogenannte neuropathische Schmerzen entstehen. Betroffene beschreiben diese oft als brennend, stechend oder einem elektrischen Schlag vergleichbar.
- Sensibilitätsstörungen: Taubheitsgefühl, Kribbeln oder ein Gefühl von "Ameisenlaufen" im Versorgungsgebiet des betroffenen Nervs.
- Muskelschwäche: Schwäche oder Lähmung der Muskeln, die von dem betroffenen Nerv innerviert werden.
- Funktionsstörungen: Beeinträchtigung der Funktion von Organen oder Körperteilen, die von dem betroffenen Nerv gesteuert werden, z. B. Störungen der Blasen- oder Darmentleerung. Drückt ein Tumor oder eine Knochenmetastase auf das Rückenmark oder Nerven, so äußert sich das neben Schmerzen meist durch mehr oder minder starke Ausfallerscheinungen in Armen, Beinen oder durch Störungen der Blasen-Mastdarmentleerung.
- Bewegungseinschränkungen: Durch die Kompression von Nervenwurzeln können Schmerzen in die gegenüberliegende Seite ausstrahlen und die Beweglichkeit einschränken.
Spezifische Symptome je nach Tumorart und Lage
- Spinale Neurinome: Spinale Neurinome sind bindegeweblich umkapselte Neubildungen (Neoplasien), die von spezialisierten Zellen (Schwannzellen) ausgehen, die ihrerseits im Nervensystem wichtige Funktionen erfüllen, beispielsweise für eine verbesserte Signalweiterleitung sorgen. Diese meist runden Tumoren sind gutartig und können sich auf jeder Ebene des Rückenmarks entwickeln. Durch ihr meist sehr langsames Wachstum werden oft Nervenwurzeln sensibler Nerven im Wirbelsäulenkanal mit der Zeit eingeklemmt. Es gibt aber auch Fälle, in denen die Schmerzen in die gegenüberliegende Seite ausstrahlen können. Erhöht sich nämlich der Druck im Wirbelsäulenkanal, können die Schmerzen durch diese Kompression stärker werden. Motorischen Defiziten (z. B. Schließmuskelstörungen mit Harn- bzw.
- Tumore an der Wirbelsäule: Ein befallener Nerv an der Wirbelsäule kann zu Schmerzen und Funktionsausfällen führen.
- Rhabdoide Tumoren: Rhabdoide Tumoren des Zentralnervensystems (AT/RT) kommen, insgesamt gesehen, selten vor. Sie machen in Deutschland bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nur 0,6 % aller bösartigen Erkrankungen aus. Dies entspricht einer Häufigkeit (Inzidenz) von durchschnittlich etwa einer Neuerkrankung pro 1 Million Kinder.
Tumorschmerzen
Tumorschmerzen variieren je nach Lage und Stadium der Erkrankung. Eingeweideschmerz: Oft als ziehender, krampfartiger Schmerz im Bauchraum, teilweise mit Ausstrahlung in die Brust oder den unteren Rücken. Patienten berichten häufig von plötzlichen Schmerzspitzen, sogenannten Durchbruchschmerzen, die trotz einer Basistherapie auftreten.
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Diagnose der Nervenkompression durch Tumore
Die Diagnose einer Nervenkompression durch einen Tumor umfasst in der Regel die folgenden Schritte:
- Anamnese und körperliche Untersuchung: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte des Patienten und führt eine gründliche körperliche und neurologische Untersuchung durch, um die Symptome zu beurteilen und die betroffenen Nerven zu identifizieren. Die Diagnostik beginnt bei dem Verdacht auf ein spinales Neurinom immer mit einem gründlichen persönlichen Gespräch über Ihre individuelle Patientengeschichte sowie mit verschiedenen neurologischen Untersuchungen. Die Diagnostik beginnt mit einer umfassenden Anamnese, in der der Arzt die Schmerzart, -dauer und -intensität erfasst. Hierbei wird häufig eine Skala von 0 bis 10 verwendet, auf der 0 keinen Schmerz und 10 den stärksten Schmerz darstellt.
- Bildgebende Verfahren: Bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomographie (MRT) und Computertomographie (CT) werden eingesetzt, um den Tumor zu lokalisieren, seine Größe und Ausdehnung zu bestimmen und seine Beziehung zu den umliegenden Nerven zu beurteilen. Für eine gesicherte Diagnose spielen vor allem die Schnittbildverfahren der Computertomographie (CT) und insbesondere Magnetresonanztomographie (MRT) eine wichtige Rolle - sowohl zur Beurteilung z. B. des Tumorwachstums vor einer Therapie, aber auch zur Nachuntersuchung bzw. Bildgebende Verfahren wie eine MRT erlauben darüber hinaus auch einzuschätzen, inwieweit Einschränkungen Ihrer motorischen Fähigkeiten (z. B. Bei Verdacht auf einen spinalen Tumor veranlassen wir eine Bildgebung der Wirbelsäule, in der Regel eine Kernspintomographie (MRT) und gegebenenfalls ergänzend eine Computertomographie (CT).
- Elektrophysiologische Untersuchungen: Elektrophysiologische Untersuchungen wie Elektroneurographie (ENG) und Elektromyographie (EMG) können helfen, die Funktion der Nerven zu beurteilen und den Grad der Nervenschädigung zu bestimmen.
- Biopsie: In einigen Fällen kann eine Biopsie erforderlich sein, um den Tumortyp zu bestimmen und eine genaue Diagnose zu stellen. Besteht auch nach der MRT ein Tumorverdacht, bekommt die Patientin oder der Patient in der Regel während einer Operation aus dem verdächtigen Bereich im Gehirn Gewebe entnommen (Biopsie). Das ist notwendig, um die Diagnose abzusichern. Nach der Biopsie untersucht eine Fachärztin oder ein Facharzt die Gewebeproben unter einem Mikroskop. Dadurch lässt sich der Tumortyp und ebenfalls mögliche Erbgutveränderungen mit molekularbiologischen Tests feststellen.
Behandlung der Nervenkompression durch Tumore
Die Behandlung der Nervenkompression durch einen Tumor zielt darauf ab, den Tumor zu entfernen oder zu verkleinern, den Druck auf den Nerv zu entlasten und die Symptome zu lindern. Die Behandlungsoptionen hängen von der Art des Tumors, seiner Lage, seiner Größe und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten ab. Grundsätzlich stehen beim spinalen Neurinom unterschiedliche Therapieoptionen zur Verfügung.
Operative Entfernung
Die operative Entfernung des Tumors ist oft die bevorzugte Behandlungsmethode, insbesondere wenn der Tumor gutartig ist und klar abgegrenzt ist. Bei einem mikrochirurgischen Eingriff ist das Ziel, das spinale Neurinom möglichst komplett zu entfernen (Resektion). In mehr als 90% der Fälle kann der gutartige Tumor auch tatsächlich komplett entfernt werden. Allerdings sind mögliche vorherige Schädigungen von Nerven im Rückenmark trotz erfolgreicher Operation meist unwiederbringlich. Die Therapie der Wahl ist daher die Operation. Mit dieser erreichen wir eine Druckentlastung. Das Vorgehen der Operation hängt ganz von der Lage, Größe des Tumors sowie der weiteren Befunde in der Diagnostik ab. Auch die Dynamik der aufgetretenen Beschwerden ist wichtig, um den Zeitpunkt der Operation zu bestimmen.
Strahlentherapie
Die Strahlentherapie kann eingesetzt werden, um den Tumor zu verkleinern oder sein Wachstum zu stoppen, insbesondere wenn eine Operation nicht möglich ist oder nicht alle Tumorzellen entfernt werden können. Die Strahlentherapie kann ebenfalls nach einer Tumoroperation im Sinne einer kombinierten Behandlungsstrategie erfolgen, z. B. Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Strahlentherapie werden mit dem CyberKnife bzw. Eine zielgerichtete hohe Dosisgabe der CyberKnife-Therapie, die exakt auf die zu zerstörenden Tumorzellen fokussiert, ermöglicht diesen Effekt. Während der CyberKnife-Therapie wird u. a. eine Echtzeit-Bildführung verwendet, die jene äußerst exakte Zielgenauigkeit ermöglicht - auch bei gelegentlichen natürlichen Patientenbewegungen, wie sie etwa durch die Atmung verursacht werden [3]. Durch das fraktionierte Vorgehen sollen Schäden am gesunden Gewebe minimiert werden.
- Cyberknife-Therapie: Patientinnen und Patienten mit einem gutartigen spinalen Neurinom können in ausgewählten Situationen mit der CyberKnife-Therapie gut behandelt werden. So müssen vor allem die Größe, Art und Anzahl der Tumoren den für die radiochirurgische Behandlung geltenden Vorgaben entsprechen. Auch sollten keine akuten neurologischen Ausfälle vorliegen, denn in diesen Fällen ist eine Operation unumgänglich. Mit der CyberKnife-Therapie können wir das Neurinom ambulant und ohne einen chirurgischen Eingriff behandeln. Ein stationärer Krankenhausaufenthalt, eine Anschlussheilbehandlung oder ein Rehabilitationsaufenthalt sind ebenfalls nicht erforderlich.
Chemotherapie
Die Chemotherapie kann bei bösartigen Tumoren eingesetzt werden, um Krebszellen abzutöten oder ihr Wachstum zu verlangsamen.
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Schmerzmanagement
Schmerzmittel, einschließlich Opioide, können eingesetzt werden, um Schmerzen zu lindern, die durch die Nervenkompression verursacht werden. Bei sehr starken Schmerzen werden starke Opioide wie Fentanyl, Oxycodon oder Morphin verwendet. Zusätzliche Behandlung bei Durchbruchschmerzen Krebspatient leiden häufig neben Dauerschmerzen an sogenannten Durchbruchschmerzen - Schmerzspitzen, die plötzlich auftreten und die Schmerzintensität stark erhöhen.
Physiotherapie
Physiotherapie kann helfen, die Muskelkraft und Beweglichkeit wiederherzustellen und die Funktion des betroffenen Nervs zu verbessern.
Supportive Therapie
Eine supportive Therapie kann Beschwerden, die durch die Krebserkrankung selbst und/oder die Behandlung entstehen, lindern oder vorbeugen. Welche supportiven Therapien bei den häufigsten Beschwerden von Krebspatienten möglich sind, erfahren Sie auf unseren Internetseiten unter Nebenwirkungen und belastende Symptome bei Krebs. Ebenfalls einen allgemeinverständlichen Überblick über Vorbeugung und Behandlung von Nebenwirkungen einer Krebsbehandlung bietet die Patientenleitlinie "Supportive Therapie".
Behandlung von therapiebedingten Nervenschmerzen
Bei Nervenschmerzen, die durch eine Chemotherapie verursacht wurden, können Antikonvulsiva wie Pregabalin oder Gabapentin helfen.
Begleitende Maßnahmen und psychische Unterstützung
Da Tumorschmerzen oft auch durch psychische Faktoren verstärkt werden, ist es wichtig, begleitende Therapien wie Physiotherapie oder Entspannungstechniken einzubeziehen.
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Was können Betroffene selbst tun?
Bei Tumorschmerzen können Betroffene selbst aktiv zu ihrer Linderung beitragen. Wärme- oder Kältepackungen können gezielt zur lokalen Schmerzreduktion eingesetzt werden. Regelmäßige Bewegung, in Absprache mit dem Arzt und im schmerzfreien Bereich, stärkt die Muskulatur und verbessert das eigene Wohlbefinden.
Prognose
Die Prognose bei Nervenkompression durch einen Tumor hängt von der Art des Tumors, seiner Lage, seiner Größe und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten ab. Gutartige Tumore, die vollständig entfernt werden können, haben in der Regel eine gute Prognose. Bösartige Tumore können schwieriger zu behandeln sein, aber eine frühzeitige Diagnose und Behandlung können die Prognose verbessern.
Ein entferntes spinales Neurinom entwickelt sich in der Regel nicht erneut. Selten können jedoch Teile des Tumors nicht operativ entfernt werden, in diesen Fällen ist auch ein erneutes Wachstum möglich. In solchen Situationen kann die besonders schonende, radiochirurgische CyberKnife-Therapie eingesetzt werden, um die nachgewachsenen oder auch verbliebene Tumorreste zu entfernen, ohne das umliegende Gewebe dabei zu schädigen.
Prävention
Eine direkte Prävention von Tumorschmerzen ist nicht möglich, da man die Ursachen nur schwer kontrollieren kann.