Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem die Beweglichkeit beeinträchtigt. Ein charakteristisches Symptom ist die Versteifung der Muskulatur, die sich unter anderem in den Händen manifestieren kann. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für versteifte Hände bei Parkinson, die vielfältigen Symptome der Erkrankung und die verschiedenen Therapieansätze, die zur Linderung der Beschwerden zur Verfügung stehen.
Einführung in Morbus Parkinson
Morbus Parkinson, oft auch als Parkinson-Krankheit oder Schüttellähmung bezeichnet, ist eine der häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen. Sie betrifft vor allem ältere Menschen, kann aber auch in jüngeren Jahren auftreten. Die Erkrankung ist durch den Verlust von Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet, insbesondere in der Substantia nigra, einem Bereich, der für die Produktion des Botenstoffs Dopamin verantwortlich ist. Dopamin spielt eine entscheidende Rolle bei der Steuerung von Bewegungen. Ein Mangel an Dopamin führt zu den typischen motorischen Symptomen von Parkinson.
Ursachen von Parkinson
Die genauen Ursachen für das Absterben der dopaminproduzierenden Nervenzellen sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass mehrere Faktoren zusammenwirken und die Entstehung der Erkrankung begünstigen.
Genetische Faktoren
In etwa 15 bis 25 Prozent der Fälle spielt eine genetische Veranlagung eine Rolle. Die Parkinsonforschung hat bisher 13 Gene bzw. genetische Formen von Parkinson identifiziert, die als PARK 1 bis PARK 13 bezeichnet werden. Genetische Untersuchungen geben Hinweise darauf, dass die Anlage für die Erkrankung auch erblich bedingt sein kann. Treten in manchen Familien gehäuft Fälle von Morbus Parkinson auf, kann die Ursache in einem genetischen Defekt liegen. Dieser wird bei ungünstiger Konstellation von Generation zu Generation weitergegeben. Das familiäre Parkinson-Syndrom trifft auch Menschen in jüngeren Jahren. Diese besondere Form der Parkinson-Erkrankung ist allerdings eher selten.
Umweltfaktoren
Eine verstärkte Belastung mit Umweltgiften, wie Pestiziden und Schwermetallen, wird als möglicher Risikofaktor diskutiert. Auch Stoffwechselendprodukte könnten eine Rolle spielen. Wissenschaftler der Universität von Utah fanden in einer Studie Hinweise darauf, dass Aufputschmittel wie Amphetamine das Risiko für Parkinson deutlich erhöhen könnten.
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Idiopathisches Parkinson-Syndrom
In über 80 Prozent der Fälle tritt die Parkinson-Krankheit ohne erkennbare Ursache auf. Dies wird als idiopathisches Parkinson-Syndrom bezeichnet. Momentan gibt es nur Hypothesen darüber, was den allmählichen Zelltod herbeiführen könnte.
Symptome von Parkinson
Die Symptome von Parkinson sind vielfältig und können von Person zu Person unterschiedlich sein. Sie entwickeln sich in der Regel langsam und schleichend. Erste Krankheitszeichen fallen bei Morbus Parkinson auf, wenn rund 60 Prozent der dopaminhaltigen Nervenzellen in der Substantia nigra abgestorben sind. Zu den Hauptsymptomen gehören:
Motorische Symptome
- Bewegungsarmut (Akinese) und Bewegungsverlangsamung (Bradykinese): Betroffene haben Schwierigkeiten, Bewegungen auszuführen und benötigen mehr Zeit für alltägliche Aufgaben. Bewegungen wie Drehen, Aufstehen oder Gehen können nicht mehr wie selbstverständlich ausgeführt werden, sondern erfordern eine große Willensanstrengung - und fallen zunehmend schwerer. Spontane und unwillkürliche Bewegungen werden immer seltener.
- Muskelsteifheit (Rigor): Die Muskeln sind angespannt und steif, was die Beweglichkeit einschränkt. Die für Parkinson typische Versteifung bezeichnen Ärzte als Zahnradphänomen. Dabei ist keine flüssige Bewegung mehr möglich, wenn der Arzt versucht, den Arm des Betroffenen zu strecken. Vielmehr verläuft die Streckung ruckartig und abgehackt, so als würde man ein Zahnrad bewegen.
- Ruhezittern (Tremor): Ein Zittern, das vor allem in Ruhe auftritt, betrifft meist Hände, Arme oder Beine. Dieser Tremor beginnt ebenfalls häufig einseitig. Zunächst zittern Parkinson-Patienten nur langsam und im Ruhezustand. Dabei schlagen die Hände, im weiteren Verlauf auch die Füße, langsam und rhythmisch vor sich hin. Typischerweise verschwindet das Zittern bei einer Bewegung oder im Schlaf.
- Instabilität der Körperhaltung und Gangunsicherheit: Betroffene haben Schwierigkeiten, das Gleichgewicht zu halten und neigen zu Stürzen. Aufgrund gestörter Stellreflexe können Parkinson-Patienten ihren Körper nicht mehr stabil aufrechthalten. Die Ausgleichsbewegungen fehlen, sodass eine zunehmende Gang- und Standunsicherheit zu beobachten ist (posturale Instabilität). Daraus resultiert eine große Angst, zu fallen.
Nicht-motorische Symptome
- Depressionen: Eine der häufigsten Begleiterscheinungen bei Parkinson.
- Schlafstörungen: Ein- und Durchschlafstörungen, unruhiger Schlaf. Bei dieser Schlafstörung schlagen die Betroffenen nachts um sich, schreien, kratzen oder beißen.
- Verstopfung: Aufgrund von Darmfunktionsstörungen.
- Geruchsstörungen: Verschlechterung oder Verlust des Geruchssinns.
- Kognitive Beeinträchtigungen: Gedächtnisstörungen, Aufmerksamkeitsdefizite, Demenz.
- ** vegetative Störungen:** beeinträchtigte Blasenfunktion zu Harndrang, Einnässen, aber auch Harnverhalt führen. Potenzprobleme können sowohl krankheits- als auch medikamentenbedingt sein.
Symptome im Frühstadium
Die Parkinson-Symptome im Frühstadium sind oft wenig charakteristisch. Erste Anzeichen ähneln oft denen einer rheumatischen Erkrankung. Patient*innen leiden beispielsweise unter schmerzhaften, einseitigen Muskelverspannungen im Bereich der Schulter und Arme. Weitere unspezifische Frühsymptome bei Parkinson sind: Müdigkeit, innere Unruhe, plötzliche Schweißausbrüche.Im Verlauf kommt es dann zu ersten auffälligen Bewegungsstörungen. Menschen mit Morbus Parkinson fällt es mit der Zeit schwerer, feinmotorische Tätigkeiten wie Schreiben oder das Zuknöpfen einer Hose auszuführen.
Symptome im fortgeschrittenen Stadium
Je weiter Morbus Parkinson fortschreitet, desto ausgeprägter werden die Beschwerden. Es kommt nicht nur zu den typisch verlangsamten Bewegungen - auch die Muskeln versteifen sich zunehmend, sodass schnelle Bewegungen nicht mehr möglich sind. Menschen mit Parkinson fällt es schwer, abrupt abzubremsen oder schnell loszugehen. Ihre Füße scheinen nahezu am Boden festzukleben. Auch die Körperhaltung wird zunehmend instabil, weshalb Betroffene leichter hinfallen. Das charakteristische Zittern im Ruhezustand ist deutlich an den Händen zu erkennen.
Symptome im Spätstadium
Im Spätstadium von Morbus Parkinson können Patient*innen immer schlechter gehen und stehen. Im weiteren Verlauf sind sie auf einen Rollstuhl angewiesen. In vereinzelten Fällen kann sich im Spätstadium eine akinetische Krise entwickeln, die durch eine vollständige Bewegungsunfähigkeit gekennzeichnet ist. Betroffene verspüren eine plötzliche Verschlechterung der Beschwerden, die sich manchmal auch innerhalb weniger Tage entwickeln kann. Sie können dann oft weder schlucken noch sprechen. Die akinetische Krise kann zum einen auftreten, wenn etwa Parkinson-Medikamente plötzlich reduziert oder ganz abgesetzt werden. Zum anderen können auch andere schwere Erkrankungen, Flüssigkeitsmangel oder operative Eingriffe ursächlich sein. Eine akinetische Krise ist ein lebensgefährlicher Notfall, der umgehend in einer Klinik behandelt werden muss.
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Versteifte Hände als Symptom
Die Versteifung der Hände ist ein häufiges Symptom bei Parkinson. Sie resultiert aus der Muskelsteifheit (Rigor), die durch den Dopaminmangel verursacht wird. Betroffene haben Schwierigkeiten, ihre Hände zu öffnen und zu schließen, Gegenstände zu greifen oder feinmotorische Aufgaben auszuführen. Dies kann den Alltag erheblich beeinträchtigen, da viele alltägliche Tätigkeiten wie Schreiben, Essen oder Anziehen erschwert werden.
Diagnose von Parkinson
Die Diagnose von Parkinson basiert auf einer umfassenden neurologischen Untersuchung. Der Arzt erfasst die Krankheitsgeschichte des Patienten (Anamnese) und führt verschiedene Tests durch, um die motorischen Fähigkeiten, Reflexe und die Muskelspannung zu überprüfen.
L-Dopa-Test
Ein wichtiger Bestandteil der Diagnostik ist der L-Dopa-Test. Dabei wird dem Patienten das Medikament L-Dopa verabreicht, eine Vorstufe von Dopamin. Verbessern sich die Symptome nach der Einnahme von L-Dopa, deutet dies auf Parkinson hin. Hierfür wird das Medikament L-Dopa (Levodopa) eingenommen und überprüft, ob sich dadurch die Beschwerden verbessern - eine rasche Besserung spricht für Parkinson.
Bildgebende Verfahren
Bildgebende Verfahren wie die Computertomografie (CT) und die Magnetresonanztomografie (MRT) werden eingesetzt, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen, wie z.B. Tumore oder Durchblutungsstörungen im Gehirn. Bei der Positronen-Emissions-Tomografie (PET) kann eine Verminderung der Dopamin ausschüttenden Zellen im Gehirn indirekt sichtbar gemacht werden.
Früherkennung
Im Anfangsstadium der Parkinson-Krankheit ist eine Diagnose oft schwierig. Erste Hinweise können eine Verkleinerung der Handschrift, ein gestörtes Riechvermögen, starke Muskelverspannungen, Schwierigkeiten bei Alltagstätigkeiten wie Zähneputzen, Zuknöpfen oder Computerarbeiten sein. Einige Patienten bemerken auch früh Probleme beim Gehen, die Sturzgefahr nimmt zu.
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Differentialdiagnose
Es ist wichtig, den echten Morbus Parkinson von anderen Erkrankungen zu unterscheiden, die ähnliche Beschwerden verursachen können. Dazu gehören das sekundäre Parkinson-Syndrom, das durch Medikamente, Vergiftungen oder andere Erkrankungen ausgelöst werden kann, und atypische Parkinson-Syndrome, die im Rahmen anderer neurodegenerativer Erkrankungen auftreten.
Therapie von Parkinson
Morbus Parkinson ist nicht heilbar, aber die Beschwerden können gelindert und der Krankheitsverlauf verlangsamt werden. Ziel der Therapie ist, eine normale Beweglichkeit ohne erhöhte Sturzgefahr zu erreichen und dem Patienten zu ermöglichen, seinen Alltag möglichst lange selbstständig zu bewältigen.
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Therapie ist ein wichtiger Bestandteil der Parkinson-Behandlung. Es stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die den Dopaminmangel ausgleichen oder die Wirkung von Dopamin im Gehirn verstärken.
- Levodopa (L-Dopa): Eine Vorstufe von Dopamin, die im Gehirn in Dopamin umgewandelt wird. Es ist das wirksamste Medikament zur Linderung der motorischen Symptome.
- Dopamin-Agonisten: Sie ahmen die Wirkung von Dopamin im Gehirn nach.
- MAO-B-Hemmer und COMT-Hemmer: Sie verhindern den Abbau von Dopamin im Gehirn und verlängern so die Wirkung von L-Dopa.
- NMDA-Agonisten: hemmen Botenstoffe wie Glutamat im Hirn, die bei Parkinson vermehrt aktiv sind
- Anticholinergika: beeinflussen den Botenstoff Acetylcholin, der bei Parkinson im Übermaß vorhanden ist
Die Medikamente werden individuell auf den Patienten abgestimmt und müssen im Laufe der Zeit möglicherweise angepasst werden, da die Wirkung nachlassen kann oder Nebenwirkungen auftreten können.
Tiefe Hirnstimulation (THS)
Wenn die medikamentöse Therapie nicht mehr ausreichend wirkt, kann eine tiefe Hirnstimulation in Betracht gezogen werden. Dabei werden Elektroden in bestimmte Bereiche des Gehirns implantiert, die elektrische Impulse abgeben und so die Symptome lindern können. Bei der chirurgischen Therapie müssen Arzt und Patient Nutzen und Risiko abwägen. An vorher genau berechneten Stellen des Gehirns werden unter Vollnarkose kleine Elektroden dauerhaft implantiert. Bestimmte Hirnareale können nun elektrisch stimuliert werden. Auf diese Weise nehmen die Beschwerden des Patienten ab. Die THS kann jedoch den fortschreitenden Erkrankungsprozess nicht aufhalten.
Weitere Therapiemöglichkeiten
- Physiotherapie: Um die Beweglichkeit zu erhalten und Muskelsteifheit zu reduzieren.
- Ergotherapie: Um die Selbstständigkeit im Alltag zu fördern und den Umgang mit Hilfsmitteln zu erlernen.
- Logopädie: Bei Sprach- und Schluckstörungen.
- LSVT-BIG®: In dieser Therapie lernen Betroffene große Bewegungen im Alltag zu machen. Um sich „normal“ groß zu bewegen, braucht jede Bewegung eine spürbarer Anstrengung (mind. 80% der max.
- Psychotherapie: Bei Depressionen und anderen psychischen Problemen.
- Selbsthilfegruppen: Bieten eine Plattform für den Austausch mit anderen Betroffenen und Angehörigen.
Hilfsmittel und Alltagstipps
Es gibt eine Vielzahl von Hilfsmitteln, die den Alltag für Parkinson-Patienten erleichtern können, insbesondere bei versteiften Händen. Dazu gehören:
- Bestecke mit extra breiten Griffen
- Knöpfhilfen und Reißverschlusshelfer
- Strumpfanzieher
- Gehhilfen
Zudem können folgende Tipps helfen:
- Regelmäßige Bewegung: Um die Muskeln zu lockern und die Beweglichkeit zu fördern.
- Entspannungsübungen: Um Stress abzubauen und Muskelverspannungen zu reduzieren.
- Ausgewogene Ernährung: Um den Körper mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen.
- Anpassung des Wohnraums: Um Stolperfallen zu vermeiden und die Selbstständigkeit zu erhalten.
Die Bedeutung der Pflege
Durch die eingeschränkte Beweglichkeit im Krankheitsverlauf können Parkinson-Betroffene im fortgeschrittenen Stadium ihren Alltag nur bedingt selbstständig bewältigen. Dennoch wollen die meisten Patienten in ihrer gewohnten Umgebung bleiben und nicht in ein Pflege- oder Seniorenheim umziehen. Eine Alternative dazu bietet die sogenannte 24 Stunden Betreuung daheim, bei der die Pflege zu Hause ermöglicht wird - und gerade bei Krankheiten wie Parkinson oder Demenz werden erfahrene Pflegekräfte rund um die Uhr benötigt. Ambulante Pflegedienste sind für viele Menschen in dieser Hinsicht zu kostspielig, sodass das Modell der 24h Betreuung eine sehr hilfreiche Lösung für die Betroffenen und die Angehörigen von Parkinson-Patienten darstellt.
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