Hyperaktive Nerven und Muskeln: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Das komplexe Zusammenspiel von Nerven und Muskeln ermöglicht uns Bewegung, Sinneswahrnehmung und die Steuerung innerer Organe. Wenn dieses System gestört ist, können vielfältige Beschwerden auftreten. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen hyperaktiver Nerven und Muskeln, die diagnostischen Möglichkeiten und die verfügbaren Behandlungsansätze.

Einführung in neuromuskuläre Erkrankungen

Neuromuskuläre Erkrankungen umfassen eine Vielzahl von Störungen, die entweder die Nerven, die neuromuskuläre Übertragung oder die Muskeln selbst betreffen können. Die Symptome sind oft vielseitig und reichen von Gefühlsstörungen und Muskelschwäche bis hin zu Lähmungen und Muskelzuckungen. Es ist wichtig zu verstehen, dass Muskelschwund an sich keine Erkrankung ist, sondern ein Symptom, das verschiedene Ursachen haben kann. Eine frühzeitige und präzise Diagnose ist entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung.

Ursachen hyperaktiver Nerven und Muskeln

Die Ursachen für hyperaktive Nerven und Muskeln sind vielfältig. Sie lassen sich grob in folgende Kategorien einteilen:

  • Genetisch bedingt: Einige neuromuskuläre Erkrankungen werden durch genetische Defekte verursacht und können bereits in der Kindheit in Erscheinung treten.
  • Erworben:
    • Autoimmun: Bei autoimmunen Erkrankungen greift das Immunsystem fälschlicherweise körpereigene Strukturen an, wie z.B. die Myelinscheide der Nervenzellen (z.B. bei chronisch inflammatorischer demyelinisierender Polyneuropathie (CIDP) oder Guillain-Barré-Syndrom).
    • Entzündlich: Entzündungen, die durch Infektionen oder andere Faktoren ausgelöst werden, können Nerven und Muskeln schädigen.
    • Metabolisch/endokrin/nutritiv/toxisch: Stoffwechselstörungen, hormonelle Ungleichgewichte, Mangelernährung oder die Einwirkung von Toxinen (z.B. Alkohol, Medikamente) können zu neuromuskulären Problemen führen. So können neben einem (eventuell noch nicht erkannten) Diabetes mellitus und Alkoholkonsum auch bestimmte Medikamente, Stoffwechselerkrankungen oder ein Vitaminmangel die Nerven schädigen. Auch Entzündungen oder längere Aufenthalte auf einer Intensivstation können eine Polyneuropathie hervorrufen.
  • Neurovaskuläre Kompressionssyndrome (NVC): Hierbei handelt es sich um hyperaktive, paroxysmale Funktionsstörungen der Hirnnerven, die beispielsweise zu Trigeminusneuralgie, Spasmus hemifacialis oder Glossopharyngeusneuralgie führen können. Verursacht werden diese Erkrankungen in vielen Fällen durch einen pathologischen Gefäß-Nerven-Kontakt nahe am Hirnstamm im Bereich der Wurzelaustrittszone des betroffenen Hirnnerven. An dieser Stelle geht die zentrale in die periphere Myelinumhüllung der Nervenfasern über, so dass hier durch die Gefäßpulsationen Schäden in der Hülle und damit Kurzschlußreaktionen im Nerv entstehen, die sich im klinischen Krankheitsbild äußern.

Polyneuropathie als häufige Ursache

Polyneuropathien, Erkrankungen mehrerer Nerven des peripheren Nervensystems, sind besonders häufig. Sie können durch Diabetes mellitus, Vitaminmangel, Noxen (schädliche Stoffe) wie Alkohol oder Chemotherapie, Vergiftungen oder entzündliche Prozesse (z.B. Borrelien-Infektionen) verursacht werden. Auch Autoimmunerkrankungen wie das akute Guillain-Barré-Syndrom können Polyneuropathien auslösen.

Hyperarousal: Übererregung des Nervensystems

Hyperarousal, auch als Übererregung des Nervensystems bekannt, beschreibt einen Zustand anhaltender innerer Anspannung und Alarmbereitschaft. Das autonome Nervensystem befindet sich dabei in einem anhaltenden Stressmodus - selbst wenn keine reale Gefahr besteht. Betroffene erleben eine ständige Überaktivierung ihres Körpers, die sowohl psychisch als auch körperlich belastend ist. Es ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern tritt häufig im Zusammenhang mit psychischen Belastungen wie chronischem Stress, Angststörungen, Traumata oder einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) auf.

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Symptome hyperaktiver Nerven und Muskeln

Die Symptome hyperaktiver Nerven und Muskeln sind vielfältig und hängen von der zugrunde liegenden Ursache und den betroffenen Nerven oder Muskeln ab.

Polyneuropathie: Symptome

Bei einer Polyneuropathie können verschiedene Symptome auftreten:

  • Wahrnehmungsstörungen: Bei Beteiligung von sensiblen Nerven kommt es zu Wahrnehmungsstörungen in Armen und Beinen. Dabei treten kribbelnde, stechende oder elektrisierende Missempfindungen oder ein Hitze- oder Kältegefühl auf. Auch ein Schwellungsgefühl oder Gefühl der Eingeschnürtheit kommt vor. Da die längsten Nervenfasern meist am stärksten leiden, sind die Füße (Zehen) häufig als Erstes betroffen. Sind die sensiblen Nerven bereits stark geschädigt, treten Ausfallerscheinungen, wie Koordinationsschwierigkeiten beim Laufen, auf. Ein nachlassendes Temperatur- und Schmerzempfinden erhöht das Risiko für Verletzungen. Ebenso sind Kribbel-Missempfindung also wie eine Art „Ameisenlaufen“ möglich oder eine sogenannte Allodynie.
  • Schwächegefühl oder Muskelschwund: Sind motorische Nerven betroffen, können Muskelkrämpfe und Muskelzuckungen, im Verlauf aber auch Lähmungen, auftreten.
  • Schäden an vegetativen Nerven: Hier ist die Steuerung der Organe gestört.
  • Einerseits kommt es hier auch zum Ausfall der Funktion, das heißt Lähmungen können vorkommen oder eben auch Gefühlsstörungen und ein Taubheitsgefühl, das vergleichbar mit dem Gefühl nach der Spritze beim Zahnarzt ist.

Muskelbezogene Symptome

Neben der Abnahme der Muskelmasse sind hier Lähmungen zu nennen. Es kommen aber natürlich noch viele andere Phänomene hinzu. Muskelschmerzen zum Beispiel, wobei diese häufig auch bei vielen anderen Erkrankungen auftreten und nicht zwangsläufig auf eine primäre Erkrankung des Muskels hinweisen. Beide Merkmale sind aber Kernsymptome von Muskelerkrankungen. Einen Muskelkrampf hatte vermutlich jeder schon mal - sei es aufgrund von zu großer Sportbelastung oder einem Ungleichgewicht der Elektrolyte. Für uns Ärzte stellt sich immer die Frage: Ist es ein Krampf mit harmlosem Hintergrund oder steckt eine schlimme Erkrankung dahinter? Gelegentliche Krämpfe sind unbedenklich. Da nicht nur der Skelettmuskel betroffen sein muss, sondern auch der Herzmuskel, sind außerdem Beschwerden wie eine Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen möglich. Ist das Zwerchfell betroffen, kann es zu Atemstörungen kommen. Je nach Erkrankungsart kann der Patient weitere individuelle Symptome einer Muskelerkrankung entwickeln.

Neurovaskuläre Kompressionssyndrome: Symptome

Bei der Trigeminusneuralgie bestehen einseitige, blitzartig einschießende, triggerbare Gesichtsschmerzen, beim Spasmus hemifacialis zeigen sich progrediente, einseitige, willkürlich nicht beeinflussbare Verkrampfungen der Gesichtsmuskulatur, bei der Glossopharyngeusneuralgie treten blitzartige, triggerbare, einseitige Schmerzen im Bereich des Rachens und der Zunge auf.

Hyperarousal: Symptome

Hyperarousal zeigt sich auf viele verschiedene Weisen. Wer unter Hyperarousal leidet, fühlt sich ständig angespannt, reizbar oder erschöpft.

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Diagnostik hyperaktiver Nerven und Muskeln

Die Diagnostik neuromuskulärer Erkrankungen ist oft komplex und erfordert eine sorgfältige Anamnese, eine gründliche körperliche Untersuchung und verschiedene spezielle diagnostische Verfahren.

Anamnese und klinische Untersuchung

Am Anfang führen unsere Fachleute immer ein ausführliches Gespräch mit Ihnen oder Ihren Angehörigen. Dabei erfragen wir die genaue Art und Entwicklungsgeschichte Ihrer Beschwerden. Wir finden heraus, wann und in welchem Zusammenhang diese begonnen haben und wie sie sich auswirken. Hinzu kommen spezielle technische Untersuchungen. Zu Beginn erfolgt eine sehr ausführliche Anamnese. Dabei wird den Beschwerden im Gespräch genauer auf den Grund gegangen. Vielleicht lagen die Beschwerden bereits in der Kindheit vor, ohne dass es der Patient wahrgenommen hat. Eventuell wurde der Patient schon im Schulsport immer als Letzter gewählt, weil körperliche Einschränkungen vorlagen. Oder ein Purzelbaum war damals schon eine Herausforderung. Außerdem wollen wir mehr über die Familiengeschichte erfahren - leiden Angehörige bereits an neuromuskulären Erkrankungen? Wenn ja, könnte das ein Hinweis auf eine vererbbare Erkrankung sein. Auch ob andere Symptome oder Erkrankungen vorliegen, wird ermittelt. Außerdem schauen wir uns alle Muskeln an. Wie sind die Reflexe? Gibt es Gefühlsstörungen? Auch mögliche Auffälligkeiten im MRT [Anm. d. Red.: Magnetresonanztomographie] und Ultraschall werden analysiert.

Die grundlegende Diagnostik umfasst eine dezidierte Anamnese inkl. Familienanamnese sowie eine klinisch-neurologische Untersuchung mit Erhebung der einzelnen Kraftgrade und mit Verwendung krankheitsspezifischer Skalen und Fragebögen.

Elektrophysiologische Untersuchungen

  • Elektroneurografie (ENG): Messung der Nervenleitgeschwindigkeit, um Schädigungen der Nerven festzustellen.
  • Elektromyografie (EMG): Analyse der Muskelaktivität zur frühen Erkennung von Schädigungen. Mit der EMG-Diagnostik, also einer Elektromyographie, testen wir die elektrische Aktivität vom Muskel. Wir piksen ihn mit einer kleinen Nadel und sehen zu, wie er agiert (oder arbeitet).

Laboruntersuchungen

Die laborchemische Diagnostik sollte neben den Routineparametern wie das kleine Blutbildbild, die Leber-, Nieren-, Schilddrüsenwerte und Elektrolyte insbesondere die Bestimmung der Kreatinkinase (CK) beinhalten. Über Blutproben ermitteln Labormitarbeiter zum Beispiel den CK-Wert [Anm. d. Red.: Creatinkinase], der bei Muskelschäden erhöht sein kann. Im Einzelfall können metabolische Funktionstests für Myopathien oder eine erweiterte Labordiagnostik für metabolische, rheumatologische, infektiöse und tumoröse sowie hämatologische Erkrankung bei Polyneuropathien notwendig sein. Für autoimmun bedingte neuromuskuläre Erkrankungen stehen spezielle Autoantikörpertests zur Verfügung.

Bildgebende Verfahren

Morphologisch können die Muskeln und Nerven über bildgebende Verfahren wie das MRT oder den Ultraschall abgebildet werden. Auch mögliche Auffälligkeiten im MRT [Anm. d. Red.: Magnetresonanztomographie] und Ultraschall werden analysiert. Auch im Rahmen unserer Sprechstunde erfolgt eine ausführliche Anamneseerhebung, ggf. die Planung weiterer notwendiger Untersuchungen zur Abklärung (z.B. Liquordiagnostik, HNO-Diagnostik, Zahnärztliche Diagnostik, Neurologische Diagnostik) sowie ein spezielles hochauflösendes MRT, das anschließend einer umfangreichen Bildverarbeitung mit 3D-Visualisierung unterzogen wird, um den möglichen pathologischen Gefäß-Nerven-Kontakt genau darstellen zu können.

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Weitere diagnostische Maßnahmen

In bestimmten Fällen ist auch eine Entnahme von Gewebeproben der Haut, von Muskeln oder Nerven wichtig. Ein weiterer Schritt, der nötig sein kann, ist die Nerven- oder Muskelbiopsie. Dabei entnehmen wir ein Stück eines Nervs oder Muskels und analysieren es genauer unter dem Mikroskop. Im letzten Schritt steht bei vererbbaren Erkrankungen die molekulargenetische Diagnostik zur Verfügung, die sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt hat. Durch das sogenannte Next Generation Sequencing [Anm. d. Bei der Analysetechnik werden sehr viele Daten generiert. Eine gründliche Vordiagnostik kann bei der gezielten Suche nach einer Genmutation sowie der Interpretation unklarer Befunde sehr helfen. Zudem ist eine genetische Diagnostik nur hilfreich, wenn es sich um eine genetische Erkrankung handelt.

Diagnostik bei Neurovaskulären Kompressionssyndromen

Nach Ausschluss anderer Ursachen wie Tumoren im Bereich des Kleinhirnbrückenwinkels, Infektionen oder Trauma, sowie z.B. die Multiple Sklerose bei Trigeminusneuralgie wird zunächst meist eine grundlegende medikamentöse Therapie eingeleitet, beim Spasmus hemifacialis können zunächst Botulinumtoxin Injektionen in die sich verkrampfende Gesichtsmuskulatur verabreicht werden. Diese Behandlungen stellen jedoch keine kausale Therapie dar, die Wirkung ist vielmals nicht ausreichend und nur vorrübergehend, die Erkrankungen verlaufen progredient. Anschließend wird anhand der Untersuchungsergebnisse ein individuelles Therapiekonzept erstellt.

Behandlung hyperaktiver Nerven und Muskeln

Der Grundpfeiler in der Behandlung der neuromuskulären Behandlung ist eine möglichst schnelle und präzise Diagnostik. Je nach der Ursache der neuromuskulären Erkrankung stehen spezifische Therapien zur Verfügung. Sind die Beschwerden zum Beispiel bedingt durch bakterielle Erreger, kann ein Antibiotikum helfen. Autoimmunerkrankungen werden meist durch Immunsuppression also einer Unterdrückung des Immunsystems behandelt. Spielen Risikofaktoren wie Alkohol oder Vitaminmangel eine Rolle, gilt es diese natürlich zu vermeiden oder zu beseitigen. Aktuell wird auch intensiv und erfolgreich an der Therapie genbedingter neuromuskulärer Erkrankungen geforscht.

Behandlung erworbener Erkrankungen

Bei erworbenen Erkrankungen sollte die verursachende Erkrankung spezifisch therapiert werden wie z.B. der Diabetes mellitus bei einer diabetisch-bedingten Polyneuropathie. Bei den autoimmun entzündlichen Erkrankungen kommen sogenannte Immunsuppressiva zum Einsatz. Bei einer Polyneuropathie gilt es in erster Linie, die verursachenden Risikofaktoren zu vermeiden - also zum Beispiel einen Vitaminmangel auszugleichen.

Behandlung von Neurovaskulären Kompressionssyndromen

Als Behandlungsmethode kommt bei nachgewiesenem typischem Gefäß-Nerven-Kontakt die sog. mikrovaskuläre Dekompression nach Jannetta in Betracht, bei der über eine suboccipito-laterale Trepanation ein Teflonpolster zwischen Gefäß und Nerv eingelegt wird. Diese Operationen werden standardmäßig unter elektrophysiologischem Monitoring durchgeführt. Weitere Behandlungsmethoden bestehen insbesondere bei der Trigeminusneuralgie in der Thermokoagulation des Ganglion Gasseri des N. trigeminus und zunehmend auch in der stereotaktischen Radiochirurgie des N. trigeminus. Mit diesem speziellen Behandlungskonzept können wir bei unseren Patienten mit Trigeminusneuralgie in über 80% der Fälle eine langfristige Schmerzfreiheit erreichen. Im Falle des Spasmus hemifacialis sogar eine langfristige Spasmusfreiheit in über 90% der Fälle bei geringem Risiko einer neurologischen Verschlechterung, insbesondere durch die genaue präoperative Bildverarbeitung und das intraoperative neurophysiologische Monitoring.

Behandlung von Hyperarousal

Ein dauerhaft übererregtes Nervensystem kann den Alltag erheblich belasten. Wer unter Hyperarousal leidet, fühlt sich ständig angespannt, reizbar oder erschöpft. Eine besonders wirkungsvolle Methode ist EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing). Ursprünglich zur Verarbeitung traumatischer Erlebnisse entwickelt, kann EMDR dazu beitragen, belastende Erinnerungen neu zu verarbeiten und emotionale Anspannung zu reduzieren. Auch die kognitive Verhaltenstherapie (CBT) hat sich bewährt, um Stressmuster zu durchbrechen. Sie hilft dabei, automatische Gedanken und Reaktionsmuster zu erkennen, die das Nervensystem in Alarmbereitschaft halten. Ein weiterer wichtiger Baustein sind achtsamkeitsbasierte Methoden. Techniken wie Meditation, Atemübungen oder progressive Muskelentspannung fördern die Selbstregulation des Nervensystems. Die Kombination dieser Ansätze kann individuell angepasst werden, um langfristig mehr Gelassenheit und Stabilität zu gewinnen. In schweren Fällen können Medikamente helfen, das übererregte Nervensystem zu stabilisieren und Symptome wie Schlafstörungen, innere Unruhe und Reizbarkeit zu lindern. Trotz ihrer unterstützenden Wirkung sollten Medikamente immer nur begleitend zur Psychotherapie eingesetzt werden. Langfristige Verbesserungen werden meist durch eine Kombination aus psychotherapeutischen Maßnahmen, gezieltem Stressmanagement und gegebenenfalls einer temporären pharmakologischen Unterstützung erreicht. Atemtechniken (z.B. Wichtig ist dabei die Regelmäßigkeit: Schon wenige Minuten bewusster Entspannung pro Tag können langfristig einen spürbaren Unterschied machen.

Weitere Therapieansätze

Gerade bei neuromuskulären Erkrankungen, die das ganze Leben bleiben werden, ist es wichtig, dass Patienten auch selbst aktiv werden. Regelmäßige Ergo-, Logo- und/oder Physiotherapie gehören dann teilweise für immer zum Alltag. Unterstützung erhalten Betroffene außerdem von Selbsthilfeorganisationen, wie zum Beispiel der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke e.V.

Leben mit neuromuskulären Erkrankungen

Es existieren Muskelerkrankungen, die zu einer Rollstuhlpflicht führen, ja. Andere wiederum bringen zum Beispiel relevante Begleiterscheinungen mit sich, die im ersten Moment nicht mit einer Muskelerkrankung in Verbindung gebracht werden. Komplikationen wie eine Herzmuskelschwäche, Herzrhythmusstörungen oder Atemnot sind möglich. Um den Fokus der Therapie richtig zu setzen, sind deswegen eine genaue Diagnose und regelmäßige Verlaufsuntersuchungen wichtig. Es gibt Erkrankungen mit einer eingeschränkten Lebenserwartung - das ist richtig. Durch die Fortschritte der Medizin ist das Leben heutzutage aber oft trotz schwerer Krankheit noch längere Zeit möglich, als es vor einigen Jahren der Fall war. Ein Beispiel ist hier die Duchenne-Muskeldystrophie. Bei dieser muskulären Erbkrankheit geht die Gehfähigkeit bereits im Jugendalter verloren.

Selbsthilfegruppen

Die DGM ist eine Selbsthilfeorganisation in Deutschland für Menschen mit neuromuskulären Erkrankungen. Sie steht Betroffenen sowie Angehörigen mit Rat und Tat zur Seite und bieten ihnen unter anderem eine physiotherapeutische Beratung an. Die Mitarbeiter kümmern sich beispielsweise auch um sozialmedizinische Anliegen: Wie beantrage ich den Grad der Behinderung? Welche Rechte hat ein Patient mit Behinderung? Zudem gibt es Beispielhäuser, die behindertengerecht eingerichtet sind. Betroffenen wird es dort ermöglicht, zur Probe zu leben.

Können Nerven nachwachsen?

Ja, verletzte Nerven können prinzipiell wieder nachwachsen - theoretisch circa einen Millimeter pro Tag. Oder aber gesunde Nerven übernehmen die Aufgabe der geschädigten.

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