Hyperventilation und Multiple Sklerose: Eine umfassende Betrachtung

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die das Gehirn und das Rückenmark betrifft. Die Symptome der MS sind vielfältig und können von Patient zu Patient stark variieren. Zu den häufigsten Symptomen gehören Fatigue, Spastik, Koordinationsstörungen, Blasen- und Darmfunktionsstörungen, Schmerzen und Depressionen.

Die Behandlung der MS zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, die Krankheitsaktivität zu reduzieren und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Die Therapiestrategien lassen sich in zwei Gruppen einteilen: die symptomatische Therapie und die kausale Therapie.

Symptomatische Therapie bei MS

Die symptomatische Therapie konzentriert sich auf die Linderung einzelner Krankheitserscheinungen und richtet sich nicht nur gegen die direkten Auswirkungen der MS, sondern auch gegen sekundäre Folgestörungen. Diese Maßnahmen tragen wesentlich zur Verbesserung der Lebensqualität und -erwartung bei und werden individuell an die Bedürfnisse der Patienten angepasst.

Nichtmedikamentöse Behandlung

Die nichtmedikamentöse Behandlung umfasst intensive krankengymnastische, ergotherapeutische, neuropsychologische und spezielle neurophysiologische Methoden. Ziel ist es, die motorische Leistungsfähigkeit und Koordination zu verbessern.

Physiotherapie

Hauptziel der Physiotherapie ist die Erhaltung der größtmöglichen Selbstständigkeit des Patienten, die Entwicklung von kompensatorischen Funktionen und die Prophylaxe bzw. Beseitigung von sekundären Komplikationen wie Kontrakturen, Dekubitus, Haltungsschäden und Osteoporose. Bekannte Methoden sind die bewegungsbahnende propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation (PNF) und die entwicklungsneurologisch begründete, spastikhemmende Methode nach Bobath. Die Einbeziehung afferenter Bahnen durch verschiedene Stimulationstechniken spielt eine bedeutende Rolle, um die Oberflächen- und Tiefensensibilität, den Lagesinn und die Integration dieser Afferenzen in die Regulation der motorischen Funktionen zu verbessern. Die gezielte Beanspruchung efferenter und afferenter Bahnen vermag die durch Parese, Spastizität und Koordinationsstörung behinderten Bewegungsabläufe zu synchronisieren und zu modulieren. Ein Hauptziel ist die Linderung der Spastik und einschießender Beugespasmen, was durch adäquate Lagerung, Stehen und passives Durchbewegen und Rotation erreicht werden kann.

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Ergotherapie

Eng verbunden mit der Physiotherapie ist die Ergotherapie, die motorisch funktionelles Training der oberen Extremität (Feinmotorik) und des Rumpfes (Sitzkontrolle), die Schulung von Oberflächen- und Tiefensensibilität sowie Übungsbehandlung bei neuropsychologischen Störungen (Konzentration, Merkfähigkeit) mit einschließt. Hierzu gehört auch das Selbsthilfetraining für Aktivitäten des täglichen Lebens (Essen, Trinken, Körperpflege, Schreiben).

Logopädie

Über den Einsatz logopädischer Methoden und ihrer Erfolge bei Patienten mit MS ist recht wenig bekannt.

Medikamentöse Behandlung

Die symptomatische medikamentöse Therapie orientiert sich an ganz speziellen Zielsymptomen wie Spastik, Blasenstörungen und deren Komplikationen, Schmerzen, epileptischen Anfällen und Depressionen.

Fatigue

Ein häufiges Problem für MS-Betroffene stellt die schnelle Erschöpfung dar im Sinne eines MS-assoziierten Fatigue-Syndroms. Verschlechterungen durch das Uhthoff-Phänomen lassen sich durch Kälteapplikation, kalte Speisen und Getränke bessern. Amantadinpräparaten und Pemolin werden günstige Effekte auf die Ermüdbarkeit zugeschrieben, wobei Pemolin zum Teil erhebliche Nebenwirkungen hat und weniger wirksam in Studien war. Patienten mit temperaturabhängigen Symptomen können von einem Kaliumkanalblocker profitieren, der zu einer verbesserten Reizleitung teilentmarkter Axone führt. Auch Modafinil wird off-label gegen die abnorme Tagesmüdigkeit eingesetzt, obwohl es auch negative kontrollierte Studien gibt.

Blasenstörungen

Zu Beginn der Erkrankung dominiert zumeist eine Detrusorhyperreflexie mit hoher Miktionsfrequenz, imperativem Harndrang und relativer Inkontinenz (Urgeinkontinenz) bei weitgehend normalen Restharnmengen. Hier helfen anticholinerg wirksame Medikamente wie Oxybutynin, Tolterodin und Trospiumchlorid. Wegen der oft störenden vegetativen Nebenwirkungen sollte einschleichend und bedarfsgerecht dosiert werden. Entsprechend der zunehmenden Spastik der unteren Gliedmaßen entwickelt sich meist eine Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie mit häufigem Harndrang, Starthemmung und Entleerung oft nur kleiner Urinmengen, sonografisch erhöhten Restharnmengen und Neigung zu Infekten der ableitenden Harnwege. Eine Detonisierung der Beckenbodenmuskulatur kann mit antispastischen Medikamenten erfolgen. Besser ist die Senkung des inneren Blasenhalswiderstandes mit Alphablockern. Der Restharn lässt sich durch regelmäßiges Triggern und Ausdrücken der Blase vermindern. Zum intermittierenden Selbstkatheterismus sind besondere Hygieneanforderungen und manuelles Geschick erforderlich. Entscheidend ist die Infektionsprophylaxe durch ausreichend große Trinkmengen und harnansäuernde Medikamente oder den Genuss von Preiselbeersaft. Tiefer liegende spinale Läsionen führen zu der eher seltenen Detrusorhyporeflexie, die mit sehr hohen Restharnmengen bei weitgehend aufgehobener Empfindung für die Blasenfüllung einhergeht. Pharmakologisch lassen sich orale Parasympathomimetika einsetzen. Mitunter ist eine vorübergehende Dauerableitung unvermeidbar.

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Darmfunktionsstörungen

Obstipation und Mastdarminkontinenz sind häufige Symptome bei MS-Patienten. Lactulose oder Abführsuppositorien am Morgen bieten die besten Behandlungserfolge.

Sexuelle Funktionsstörungen

Das häufigste Symptom bei Männern mit MS ist die erektile Dysfunktion/Impotenz. Die Behandlung erfolgt entweder oral oder mit lokal injizierbaren Medikamenten sowie einer Reihe mechanischer Hilfsmittel. Etwa 50 % der Frauen mit MS haben ebenfalls sexuelle Funktionsstörungen. Orales Yohimbin oder Sildenafil können helfen.

Spastik

Insbesondere die spinale Spastik ist medikamentös zumeist gut behandelbar. Nahezu alle Antispastika führen allerdings zu einer Zunahme der Paresen und zu Müdigkeit, sodass die Dosierung eine Gratwanderung zwischen Wirkung und Nebenwirkung darstellt. Einige Patienten erhalten durch ihre Spastik erst eine gewisse Geh- und Stehfähigkeit, sodass eine antispastische Medikation zu einer funktionellen Verschlechterung führen kann. Baclofen ist ein GABA-Agonist mit spezieller Wirkung auf Frequenz und Schwere von Flexoren- und Streckspasmen. Tizanidin ist ein α-2-adrenerger Agonist mit guter Wirkung besonders auf polysynaptische Fremdreflexe und ist damit insbesondere bei spinalen Automatismen indiziert. Antispastika aus der Reihe der Benzodiazepine haben ein erhöhtes Abhängigkeitspotenzial und sollten deshalb erst nachrangig eingesetzt werden. In den letzten Jahren ist zunehmend der therapeutische Einsatz von Cannabis diskutiert worden und hat zu einer Zulassung für ausgesuchte Indikationsbereiche geführt. Seit 2011 ist als erstes Cannabinoid das Spray-Präparat Sativex in Deutschland zur adjuvanten Behandlung der Spastik bei MS-Patienten zugelassen. Dronabinol ist seit 1998 in Deutschland zur Behandlung der chemotherapieinduzierten Übelkeit und des anorexiebedingten Gewichtsverlusts bei Patienten mit AIDS zugelassen. Der Vollpflanzenextrakt Sativex ist ein Spray zur Anwendung in der Mundhöhle. Mehrere kontrollierte Studien mit mehr als 1500 MS-Patienten konnten einen signifikanten Effekt auf die mittelschwere bis schwere Spastik zeigen. Neben der Reduktion der Spastik wurden positive Effekte für paroxysmale Phänomene, Schmerz, Schlaf und Gehfähigkeit berichtet. Die beste Behandlungsoption für Patienten ist die Kombinationstherapie auf individuell angepasster Basis. Einen ganz entscheidenden Faktor zur Behandlung der Spastik stellen physiotherapeutische Methoden dar.

Koordinationsstörungen

In unterschiedlicher Ausprägung und verschiedenen Schweregraden kommen Koordinationsstörungen bei MS-Patienten vor. Sie können spinal oder zerebellar bedingt sein. Medikamentöse Versuche sind enttäuschend. Eine markante Reduktion des Intentionstremors ist durch eine kurze lokale Eisanwendung zu erreichen. In Ergänzung zur Ergo- und Physiotherapie lassen sich β-Rezeptorenblocker, Antikonvulsiva zunächst als Monotherapie und schließlich in Kombination einsetzen. Bei Versagen kann ein Versuch mit Oxitriptan gemacht werden. Kleinere Fallserien beschreiben einen positiven Effekt von Ondansetron. Bei länger bestehenden schwersten Formen einer bilateralen Gliedmaßenataxie kommt als Ultima Ratio manchmal nur eine stereotaktische Operation (Thalamotomie) in Betracht. Alternativ kann eine thalamische Neurostimulation durchgeführt werden.

Gehbeeinträchtigungen

Zwei randomisierte placebokontrollierte, multizentrische Phase 3-Studien konnten für orales 4-Aminopyridin in retardierter Form (Fampridin) bei MS-Patienten zeigen, dass es bei einer Subgruppe zu einer Verbesserung der Gehbeeinträchtigung kommt. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Harnwegsinfekte, Schlaflosigkeit und Schwindel. Kontraindikationen sind Krampfanfälle in der Vorgeschichte sowie eine Niereninsuffizienz.

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Anfälle

Tonische Hirnstammanfälle, die paroxysmale Dysarthrie mit Ataxie und die paroxysmalen Parästhesien sprechen meistens gut auf Carbamazepin an. In dieser Situation oder bei insuffizienter Wirkung kann ein Versuch mit anderen antikonvulsiv wirkenden Medikamenten gemacht werden (Lamotrigin, Gabapentin, Levetiracetam, Topiramat und Valproat).

Schmerzen

Primär durch Entmarkungsprozesse bedingte Schmerzen wie Trigeminusneuralgien oder Dysästhesien lassen sich durch membranstabilisierende Medikamente wie Carbamazepin, Gabapentin oder Pregabalin erfolgreich behandeln. Chronische direkt auf die MS zurückzuführende Schmerzen werden bevorzugt mit Antidepressiva und Antikonvulsiva behandelt. Viele der Schmerzsyndrome sind aber auch sekundär auf Haltungsstörungen der Wirbelsäule, Fehlbelastung der Gelenke, spastische Kontrakturen oder eine Osteoporose zurückzuführen.

Depressionen

Im Vordergrund der behandlungsbedürftigen psychopathologischen Symptome steht die Depression, deren Prävalenz mit 25-55 % angegeben wird. Zur Behandlung reaktiver Störungen sind Gespräche mit den Betroffenen und Angehörigen erforderlich, gelegentlich auch eine psychotherapeutische Betreuung. Häufiger aber ist eine thymoleptische Therapie mit Amitriptylin möglich.

Hyperventilation bei MS

Hyperventilation ist eine übermäßige und schnelle Atmung, die zu einem Absinken des Kohlendioxidgehalts im Blut führt. Dies kann eine Vielzahl von Symptomen verursachen, darunter Schwindel, Kribbeln in den Extremitäten, Benommenheit, Angst und Verwirrung.

Zusammenhang zwischen Hyperventilation und MS

Es gibt mehrere mögliche Zusammenhänge zwischen Hyperventilation und MS:

  • Angst und Panikattacken: MS-Patienten leiden häufig unter Angst und Panikattacken, die zu Hyperventilation führen können. Die Angst kann durch die Diagnose selbst, die Unsicherheit über den Krankheitsverlauf oder die Angst vor den Symptomen ausgelöst werden.
  • Psychogener Schwindel: Psychogener Schwindel ist eine Form von Schwindel, die durch psychische Belastungen ausgelöst wird. Hyperventilation kann eine Komponente des psychogenen Schwindels sein.
  • Neurologische Ursachen: In seltenen Fällen kann Hyperventilation auch durch neurologische Ursachen wie Hirnstammläsionen verursacht werden.

Symptome der Hyperventilation bei MS

Die Symptome der Hyperventilation bei MS können denen anderer MS-Symptome ähneln, was die Diagnose erschweren kann. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Schwindel
  • Kribbeln in den Extremitäten
  • Benommenheit
  • Angst
  • Verwirrung
  • Atemnot
  • Herzrasen
  • Muskelkrämpfe

Diagnose der Hyperventilation bei MS

Die Diagnose der Hyperventilation bei MS basiert in der Regel auf der Anamnese, der körperlichen Untersuchung und der Messung der Blutgaswerte. Bei der Anamnese wird der Arzt nach den Symptomen, der Häufigkeit und Dauer der Anfälle sowie nach möglichen Auslösern fragen. Bei der körperlichen Untersuchung wird der Arzt den Patienten auf Anzeichen von Angst, Panik oder anderen psychischen Problemen untersuchen. Die Blutgaswerte können zeigen, ob der Kohlendioxidgehalt im Blut zu niedrig ist.

Behandlung der Hyperventilation bei MS

Die Behandlung der Hyperventilation bei MS zielt darauf ab, die Atmung zu normalisieren und die zugrunde liegenden Ursachen zu behandeln. Zu den Behandlungsmöglichkeiten gehören:

  • Atemübungen: Atemübungen können helfen, die Atmung zu verlangsamen und zu vertiefen. Eine einfache Übung ist die Bauchatmung, bei der man tief in den Bauch atmet und langsam wieder ausatmet.
  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Meditation können helfen, Angst und Stress abzubauen.
  • Psychotherapie: Psychotherapie kann helfen, die zugrunde liegenden psychischen Probleme zu behandeln, die zur Hyperventilation beitragen.
  • Medikamente: In einigen Fällen können Medikamente wie Antidepressiva oder angstlösende Medikamente erforderlich sein, um die Angst und Panikattacken zu behandeln.

Diagnostische Verfahren bei MS

Zur Diagnose von MS werden verschiedene diagnostische Verfahren eingesetzt, um die Diagnose zu sichern und andere Erkrankungen auszuschließen.

Evozierte Potentiale (EP)

Evozierte Potentiale (EP) sind Messungen der elektrischen Aktivität des Gehirns als Reaktion auf bestimmte Reize. Es gibt verschiedene Arten von EP, die jeweils unterschiedliche sensorische Bahnen untersuchen:

  • Visuell evozierte Potentiale (VEP): Überprüfung der Sehbahn durch Kontrastwechsel auf einem Bildschirm.
  • Akustisch evozierte Potentiale (AEP): Beurteilung der Hörbahn durch Klickgeräusche über Kopfhörer.
  • Somato-sensibel evozierte Potentiale (SSEP): Untersuchung der Gefühlsbahn durch schwache Stromimpulse auf der Haut.
  • Motorisch evozierte Potentiale (MEP): Untersuchung der motorischen Bahnen durch Magnetstimulation der Hirnrinde.

Magnetresonanztomographie (MRT)

Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist ein bildgebendes Verfahren, das detaillierte Bilder des Gehirns und des Rückenmarks liefert. Sie ist ein wichtiges Instrument zur Diagnose und Verlaufsbeurteilung von MS. Typische MRT-Befunde bei MS sind:

  • Läsionen: Nachweis von Läsionen (Entzündungsherden) im Gehirn und Rückenmark. Die Lokalisation und Form der Herde sind wichtige Kriterien. Typische Lokalisationen sind periventrikulär, juxtakortikal, periaquaeduktal, infratentoriell, kortikal, faszikuläre Hirnstamm-Fasern und mediales longitudinales Faszikel (MLF). Die Form ist typischerweise rundlich-oval.
  • Black Holes: Nachweis von Hypointensitäten in der T1-Wichtung, die auf Gewebeverlust hinweisen.
  • KM-Aufnahme: Noduläre, ringförmige oder randständige Kontrastmittelaufnahme, die auf aktive Entzündungsprozesse hindeutet.
  • Double Inversion Recovery-Sequenz (DIR): Gut zur Darstellung kortikaler Läsionen.
  • Zentrales Venenzeichen (CVS): Typisch für Multiple Sklerose.
  • Paramagnetische RIM-Läsionen: Neben dem CVS neues Diagnosekriterium für die McDonald Kriterien 2024.

Bei Verdacht auf Retrobulbärneuritis ist eine coronare Schichtung, fettunterdrückt, dünne Schichtung sinnvoll.

Liquoruntersuchung (Lumbalpunktion)

Die Liquoruntersuchung (Lumbalpunktion) ist ein Verfahren, bei dem eine Probe der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquor) entnommen wird. Die Liquoruntersuchung kann helfen, Entzündungszeichen und andere Auffälligkeiten festzustellen, die auf MS hindeuten. Typische Liquor-Befunde bei MS sind:

  • Zellzahl: Erhöhte Zellzahl (5-50 Zellen/µl) mit lympho-monozytärem Zellbild.
  • Plasmazellen: Nachweis von Plasmazellen.
  • Oligoklonale Banden: Nachweis von oligoklonalen Banden (OKB), die auf eine intrathekale IgG-Synthese hindeuten. Die Sensitivität des OKB-Nachweises liegt bei MS bei 70-95%. Bei CIS liegt sie bei 40-60%. Evtl. wiederholte LP, Nachweis der OKB abhängig vom klinischen Verlauf (z.B. während Schub Wahrscheinlichkeit des Nachweises höher).
  • Reiber-Schema: Beurteilung der intrathekalen IgG-Synthese.
  • Positive MRZ-Reaktion: Antikörper-Nachweis gegen Masern-, Röteln-, Varizella zoster in ca. 90% positiv, DD NMO: Hier nur in ca.

Laboruntersuchungen

Laboruntersuchungen dienen zum differenzialdiagnostischen Ausschluss anderer Erkrankungen. Wichtig ist die Bestimmung des Vitamin D Spiegels, wobei hochnormale Spiegel angestrebt werden sollten.

Kognitive Tests

Kognitive Beeinträchtigungen sind ein häufiges Symptom bei MS. Es gibt verschiedene standardisierte Testverfahren zur Erfassung kognitiver Defizite:

  • BICAMS (Brief International Cognitive Assessment for MS): Standardisiertes Testverfahren zur Testung von Informationsgeschwindigkeit, Aufmerksamkeit, verbalem Gedächtnis und visuell-räumlichem Gedächtnis.
  • PASAT (Paced Auditory Serial Addition Test): Testung des Arbeitsgedächtnisses und der geteilten Aufmerksamkeit.
  • MACFIMS (Minimal Assessment of Cognitive Function in MS): Umfassende Testbatterie mit Untersuchung verschiedener kognitiver Domänen.
  • TAP-Test (Testbatterie zur Aufmerksamkeitsprüfung): Computergestütztes Verfahren zur Aufmerksamkeitsprüfung.

Fatigue-Skalen

Fatigue ist ein häufiges und belastendes Symptom bei MS. Es gibt verschiedene standardisierte Fragebögen zur Erfassung von Fatigue:

  • FSMC (Fatigue Scale for Motor and Cognitive Functions): Messung der Fatigue mit Unterscheidung zwischen motorischer und kognitiver Fatigue.
  • MFIS (Modified Fatigue Impact Scale): Messung der Fatigue mit Erfassung physischer, kognitiver und psychosozialer Aspekte.
  • FSS (Fatigue Severity Scale): Kurzes Screeningtool zur Messung der Fatigue.

Fragebögen zu psychischen Beschwerden

Psychische Beschwerden wie Angst und Depression sind häufig bei MS-Patienten. Es gibt verschiedene Fragebögen zur Erfassung dieser Beschwerden:

  • HADS (Hospital Anxiety and Depression Scale): Gut geeignet für die Diagnostik nicht physischer Beschwerden und zur Trennung zwischen Angst und Depression.
  • PSQI (Pittsburgh Schlafqualitäts-Index): Prüfung der Schlafqualität anhand verschiedener Komponenten.

Kausale Therapie bei MS

Die kausale Therapie zielt darauf ab, in die Pathogenese der MS einzugreifen und somit die Krankheitsursache zu behandeln. Die Therapieentscheidung hängt von der Krankheitsaktivität und der Verlaufsform ab.

Akuter Schub

Im akuten Schub werden Steroide eingesetzt, alternativ bei ausbleibendem Effekt Plasmaseparation oder Immunadsorption.

Immunmodulatorische und immunsuppressive Therapie

Entsprechend der vorliegenden Verlaufsform und ihrer Dynamik werden immunmodulatorische oder immunsuppressive Therapien eingesetzt. Grundlage der Therapieentscheidung ist die Unterscheidung zwischen milder/moderater MS und hochaktiver Erkrankung.

Therapie der milden/moderaten Verlaufsform

  • Dimethylfumarat
  • Glatirameracetat
  • Interferon beta-1a
  • PEG-Interferon beta-1a
  • Interferon beta-1b
  • Ozanimod
  • Ponesimod
  • Teriflunomid
  • Nur in seltenen Indikationen: Azathioprin, Immunglobuline

Therapie der (hoch-) aktiven Verlaufsform

  • Alemtuzumab
  • Cladribine
  • Natalizumab
  • Fingolimod
  • Ocrelizumab
  • Ofatumumab
  • Ublituximab

Indikation für eine Eskalation der Therapie ist der Nachweis einer Krankheitsaktivität unter Behandlung mit einem Präparat zur Basistherapie, wiederholte klinische Schübe oder der Nachweis einer akuten entzündlichen Aktivität im MRT oder eine signifikante Erhöhung der T2-Läsionen im Vergleich zu Voraufnahmen.

Verlaufsformen der MS

Die MS wird in verschiedene Verlaufsformen eingeteilt:

  • Schubförmig remittierende Multiple Sklerose (RRMS)
  • Sekundär chronisch progrediente Multiple Sklerose (SPMS)
  • Sekundär chronisch progrediente Multiple Sklerose mit aufgesetzten Schüben
  • Primär chronisch progrediente Multiple Sklerose (PPMS)

Die Einteilung ist rein klinisch zu sehen. Inzwischen geht man davon aus, dass auch z.B. bei schubförmigen Verläufen chronisch entzündliche Prozesse im ZNS parallel ablaufen.

Schub

Ein Schub ist definiert als das Auftreten von neurologischen Ausfällen, die mindestens 24 Stunden anhalten und ohne Einfluss äußerer Faktoren wie Infektion, Temperaturschwankungen o.ä. auftreten.

Chronische Progredienz

Chronische Progredienz bezeichnet eine zunehmende Verschlechterung neurologischer Defizite, die chronisch fortschreiten, ohne Nachweis akuter Verschlechterungen und ohne Remissionen.

Faktoren für den Verlauf

Befunde, die für einen eher leichten Verlauf sprechen, sind vorwiegend sensible Symptome, gutes Ansprechen auf Cortisonstoßtherapie mit guter Rückbildung der Schübe, wenige T2-Herde im MRT zu Beginn der Erkrankung, Retrobulbärneuritis als Erstsymptom, junges Erkrankungsalter und monosymptomatische Klinik. Befunde, die für einen schlechteren Verlauf sprechen, sind hohe Schubrate schon zu Beginn, zerebelläre und motorische Symptome, hohe T2-Läsionslast bei Diagnosestellung und spinale Herde. Nach 15 Jahren entwickeln ca.

Epidemiologie der MS

Die Prävalenz von MS variiert je nach Region. In Deutschland liegt sie bei ca. 100/100.000, in Frankreich bei ca. 150/100.000 und in Norwegen bei 200/100.000. Die Tendenz ist in den letzten Jahren steigend. Frauen sind häufiger betroffen als Männer (w>m). Ca. 20% der MS-Patienten haben auch andere Autoimmunerkrankungen (am häufigsten Hashimoto-Thyreoiditis). Depressionen treten bei ca. 20% der MS-Patienten auf, Angststörungen bei ca. 8% und bipolare Erkrankungen bei ca.

Retrobulbärneuritis/Neuritis nervi optici

Die Retrobulbärneuritis/Neuritis nervi optici ist eine Entzündung des Sehnervs und häufig das Erstsymptom der MS (bis zu 30%). Im Verlauf tritt sie bei ca. 80% der Patienten auf. Sie äußert sich subakut über Tage auftretend, >95% einseitig mit Verschwommensehen, Schleiersehen, "wie durch Milchglas", Gesichtsfelddefekten (sehr variabel), gelegentlich Photopsien (bei Augenbewegungen verstärkt) und beeinträchtigtem Farbensehen und Konturensehen.

Stress und MS

Studien mit unterschiedlicher methodischer Qualität haben die Auswirkungen von Stress auf MS untersucht. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass akute kurzfristige Stressoren keine negativen Folgen haben. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass langfristige Stressoren und traumatische Ereignisse als mögliche Risikofaktoren für die Entwicklung von MS-Exazerbationen angesehen werden können.

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