Monika Martin: Wenn Krankheit die Familie auf den Kopf stellt

Die Diagnose einer schweren Krankheit, sei es Krebs, eine psychische Erkrankung oder ein Schlaganfall, stellt für Betroffene und ihre Familien eine immense Belastung dar. Oftmals gerät das gesamte Familiensystem aus dem Gleichgewicht, und jeder Einzelne muss sich neu orientieren. Dieser Artikel beleuchtet, wie verschiedene Familien mit solchen Herausforderungen umgehen, und zeigt auf, welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt.

Wenn die Mutter erkrankt: Familiäre Unterstützung und persönliche Grenzen

Die Geschichten von Monika Böttger und Monika F. verdeutlichen, wie unterschiedlich sich Krankheiten auf das Familienleben auswirken können. Während Monika Böttger mit Brustkrebs kämpfte, sah sich Monika F. mit der psychischen Erkrankung ihres Sohnes konfrontiert. Beide Fälle zeigen, wie wichtig es ist, als Familie zusammenzustehen, aber auch die eigenen Grenzen zu erkennen und Hilfe anzunehmen.

Brustkrebs: Zusammenhalt und Emanzipation

Monika Böttger erfuhr nach dem Tod ihres Mannes eine Zeit der Emanzipation und Selbstfindung. Doch im Spätsommer 2017 folgte der Schock: Brustkrebs. "Heulend fuhr ich nach Hause und war völlig fertig, weil ich dachte: das schaff ich jetzt nicht allein", erinnert sie sich. Trotz der Angst vor der Chemotherapie und deren Nebenwirkungen - Appetitlosigkeit, Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns, Haarausfall und Gewichtszunahme - blieb sie aktiv und suchte Ablenkung in der Natur und beim Tango tanzen.

Ihre Söhne Theo und Martin unterstützten sie während der Therapie. Sie ermutigten sie, offen mit der Krankheit umzugehen und sich nicht zu verstecken. Als die Haare ausfielen, gaben sie ihr beim Perückenmacher Tipps und Ratschläge. "Wir haben sie darin bestärkt, selbstbewusst mit der Krankheit umzugehen."

Monika Böttger kritisiert die mangelnde Information und Unterstützung durch die Krankenkassen. "Jeder macht nur seins: die Ärzte operieren, die Kassen zahlen - und zwar nur auf Antrag. Es läuft zu wenig zusammen und miteinander. Und ich als Patientin fühlte mich oft alleingelassen", bilanziert sie. Seelische Hilfe fand sie bei einem befreundeten Pfarrer.

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Psychische Erkrankung des Sohnes: Angst und Ohnmacht

Monika F. erlebt seit Jahren die psychische Erkrankung ihres Sohnes Martin. "Die Eltern leiden enorm und das über Jahre hinweg. Die Ohnmacht, seinem Kind nicht helfen zu können, lähmt", sagt Marion Latz, Psychiatrieseelsorgerin an den Sonnenberg Kliniken in Saarbrücken. Latz bietet eine Elterngruppe an, in der sich Betroffene austauschen und gegenseitig unterstützen können.

Monika F. spricht heute ruhig und sachlich über ihre Situation. "Natürlich hatte ich Schuldgefühle und habe gegrübelt, was schief gelaufen ist", sagt sie. Lange Jahre versuchte sie, ihre Schuld zu kompensieren, indem sie ihrem Sohn jeden Wunsch erfüllte. Inzwischen weiß sie, dass auch die genetische Veranlagung eine Rolle bei der Erkrankung spielt.

Abgeklärt spricht sie auch über die verstörenden Ereignisse, die sie sagen lassen "Ich habe Angst vor meinem Sohn." In seinen Psychosen habe er die Großeltern attackiert und sie selbst zusammengeschlagen. Seit Jahren dokumentiert sie jeden Vorfall und hat ihn bei der Polizei angezeigt. Aktuell sei die Situation schlimmer denn je: Seine Wohnung ist völlig vermüllt und voller Ungeziefer. Seit letzter Woche sei er wieder in einer geschlossenen Psychiatrie. "Seitdem ich das weiß, kann ich etwas entspannen. Ich weiß, dass er dort einen strukturierten Tagesablauf hat, regelmäßig Mahlzeiten bekommt, dass im Ernstfall jemand zur Stelle ist", sagt F.

Krebs in der Familie: Ein Buch als Wegweiser

Rocco Thiede hat sich intensiv mit dem Thema Krebs in der Familie auseinandergesetzt und das Buch „Wir sind für Dich da“ (Herder Verlag) herausgegeben. Es enthält elf Reportagen und soll Betroffenen und ihren Angehörigen helfen, mit der Krankheit umzugehen.

Thiede betont, dass Krebs nicht nur den Patienten betrifft, sondern auch das gesamte Familiensystem. Die Angehörigen müssen sich um den Kranken kümmern, ihn unterstützen und gleichzeitig ihr eigenes Leben weiterführen. Dies kann zu einer enormen Belastung führen.

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Das Buch soll Mut machen und zeigen, dass man mit Krebs nicht allein ist. Es gibt viele Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben und bereit sind, zu helfen.

Monika Baumgartner: Glaube als Halt in schweren Zeiten

Die Schauspielerin Monika Baumgartner, bekannt aus der ZDF-Serie "Der Bergdoktor", hat selbst viele gesundheitliche Probleme durchlebt. Sie hatte einen Tumor in der Leiste und Fibromyalgie, einen Muskelschmerz. Ihr Glaube hat ihr in dieser Zeit Kraft gegeben.

"Wenn jemand gar nichts glauben kann, muss derjenige ja komplett verzweifeln. Das fände ich furchtbar. Ich habe einen Halt, eine Hoffnung. Ich möchte das nicht missen", sagt Baumgartner. Sie betont, wie wichtig es ist, nicht aufzugeben und immer nach einer Lösung zu suchen.

Baumgartner kümmert sich gemeinsam mit ihrer Schwester um ihre 90-jährige Mutter. Sie organisiert Arztbesuche, Wäsche waschen, Einkäufe und die Medikamenteneinnahme. Sie wünscht sich, dass die Politik mehr Geld für die Pflege zur Verfügung stellt, damit die Menschen mehr Zeit füreinander haben.

Monika Martin: Bewegender Song für ihre verstorbene Mutter

Am 5. Januar 2024 verstarb die Mutter von Monika Martin nach langer Krankheit. Die Sängerin hatte ein sehr inniges Verhältnis zu ihrer Mutter und widmete ihr den Song „Du fehlst“. FRANCESCO BRULETTI schrieb ihr den emotionalen Titel, der unter die Haut geht.

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Der Song thematisiert die tiefe Sehnsucht nach einem geliebten Menschen und soll Trost spenden. Monikas Musik "zwingt" einen förmlich zum Hinhören und spricht den Menschen aus der Seele.

Wenn Kinder erkranken: Der Verlust eines Sohnes

Monika aus dem Bezirk Mattersburg (Burgenland/Österreich) verlor ihren kleinen Zwillingssohn Martin bei einem Kindergartenausflug. Er ertrank im Februar 2023. Martin und sein Zwillingsbruder Miro bekamen die Diagnose frühkindlichen Autismus.

Monika beschreibt Martin als vielseitig interessierten 5-Jährigen, der in sechs Sprachen zählen konnte und sich für chinesische Schriftzeichen und Technik interessierte. Durch seinen frühkindlichen Autismus wurde er manchmal schnell ungeduldig und zornig, wenn er das Gefühl hatte, nicht verstanden zu werden. Gleichzeitig hatte er aber auch ein riesiges, Wärme schenkendes Herz für seine Familie und Mitmenschen.

Seit dem Verlust ihres Sohnes setzt sich Monika für die Akzeptanz und das Verständnis von Autismus ein. Sie arbeitet mit dem Verein „Autismus Burgenland“ zusammen und kämpft dafür, dass Autisten ein Leben führen dürfen, in dem sie als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft angesehen werden.

Die Rolle des Glaubens in schweren Zeiten

Die Beispiele von Monika Baumgartner und Monika Böttger zeigen, wie wichtig der Glaube in schweren Zeiten sein kann. Er gibt Halt, Hoffnung und Trost. Monika Böttger fand durch eine persönliche Beziehung zu einem Pfarrer neu zum christlichen Glauben. Sie fand in der evangelischen Kirche beim Abendmahl Gemeinschaft, Trost und Zusammenhalt.

Monika Baumgartner betont, dass der Glaube ihr die Möglichkeit gibt, mit Problemen und Sorgen anders umzugehen und sie leichter zu bewältigen. Sie bedankt sich regelmäßig bei Gott für Dinge, um die sie gebeten hatte und die funktioniert haben.

Unterstützungsmöglichkeiten für Betroffene und Angehörige

Es gibt zahlreiche Unterstützungsmöglichkeiten für Menschen, die mit einer schweren Krankheit konfrontiert sind. Dazu gehören:

  • Selbsthilfegruppen: Hier können sich Betroffene und Angehörige austauschen und gegenseitig unterstützen.
  • Psychologische Beratung: Ein Psychologe kann helfen, die Krankheit zu verarbeiten und neue Perspektiven zu entwickeln.
  • Sozialberatung: Ein Sozialarbeiter kann über finanzielle Hilfen und andere Unterstützungsmöglichkeiten informieren.
  • Seelsorge: Ein Seelsorger kann spirituelle Unterstützung anbieten.
  • Entlastungsangebote für pflegende Angehörige: Diese Angebote sollen pflegenden Angehörigen eine Auszeit ermöglichen, damit sie selbst nicht zu kurz kommen.

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