Epilepsie: Fokale Anfälle, Lebenserwartung und Hyperventilation – Ein umfassender Überblick

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte epileptische Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch vorübergehende Funktionsstörungen des Gehirns, die auf einer abnormalen, exzessiven neuronalen Aktivität beruhen. Die Symptome, Ursachen, Diagnose und Behandlung von Epilepsie sind vielfältig und beeinflussen die Lebensqualität der Betroffenen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Epilepsie, wobei fokale Anfälle, Lebenserwartung und Hyperventilation besonders berücksichtigt werden.

Was ist Epilepsie?

Epilepsie ist definiert als eine vorübergehende Funktionsstörung des Gehirns, die sich in neurologischen Anfällen äußert. Der Begriff "Epilepsie" stammt aus dem Griechischen und bedeutet "Anfall". Ein epileptischer Anfall wird als ein vorübergehendes Auftreten von Symptomen aufgrund einer krankhaften und extremen neuronalen Aktivität im Gehirn definiert.

Das Risiko für weitere Anfälle ist nach einem ersten Anfall deutlich erhöht. Es ist wichtig, zwischen echter Epilepsie und Gelegenheitsanfällen zu unterscheiden, die im Rahmen anderer Grunderkrankungen auftreten können, wie beispielsweise Fieberkrämpfe.

Epileptische Anfälle und Epilepsien können in jedem Lebensalter auftreten, wobei Kleinkinder und Personen über 50 Jahren am häufigsten betroffen sind. Zwischen den Anfällen haben die Patienten meist keine Beschwerden.

Formen und Ursachen von Epilepsie

Epilepsie kann verschiedene Formen annehmen, die sich in ihren Ursachen und Symptomen unterscheiden:

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  • Fokale Anfälle: Diese Anfälle sind auf ein bestimmtes Hirnareal begrenzt. Die Symptome hängen davon ab, welche Funktion das betroffene Areal hat.
  • Generalisierte Anfälle: Bei dieser Form betrifft der epileptische Anfall das gesamte Gehirn.
  • Nicht klassifizierbare Anfälle: Diese Anfälle haben keinen klaren Beginn und keine klare Ursache.

Ein epileptischer Anfall kann fokal beginnen und sich im Verlauf auf das gesamte Gehirn ausbreiten. Es können auch Epilepsiesyndrome auftreten, bei denen Ärzte typische Befundkonstellationen wie Anfallsart, Ergebnisse des EEGs, bildgebende Verfahren und das Erkrankungsalter des Patienten berücksichtigen.

Die Ursachen von Epilepsie sind vielfältig:

  • Genetische Veranlagung: Bei genetischen Epilepsien sind die Ursachen in den Genen verankert. Es kann sich um spezifische genetische Veränderungen handeln, die zu einer Neigung zu epileptischen Anfällen führen. Wichtig ist, dass "genetisch bedingt" nicht gleichbedeutend mit "vererbbar" ist. In den meisten Fällen tritt die genetische Veränderung neu auf. Von einer erblich bedingten Epilepsie spricht man nur bei einer familiären Häufung der Krankheitsfälle.
  • Hirnschäden: Schäden am Gehirn, beispielsweise durch Narben, Tumoren, Blutungen nach einem Schlaganfall oder Infektionen, können die Entstehung epileptischer Anfälle begünstigen.
  • Stoffwechselstörungen: Eine metabolische Epilepsie wird durch Stoffwechselstörungen verursacht, die das Gehirn beeinflussen.
  • Unbekannte Ursache: Bei einigen Formen der Epilepsie kann die genaue Ursache der Anfälle nicht bestimmt werden.

Gelegentlich können Ärzte oder die Patienten selbst einen konkreten Auslöser für den neurologischen Anfall ausmachen. Faktoren wie Schlafentzug, flackerndes Licht, Hyperventilation oder Suchtstoffentzug (vor allem Alkohol) können das Auftreten eines epileptischen Anfalls bei einigen Betroffenen begünstigen.

Symptome von Epilepsie

Die Symptome von Epilepsie sind vielfältig und hängen von der Art des Anfalls ab. Manche Epilepsie-Patienten berichten von Vorboten vor einem epileptischen Anfall, ähnlich wie bei Migräne-Kopfschmerzen, bei denen eine Aura auftreten kann.

Ein epileptischer Anfall kann sich auf verschiedene Arten äußern:

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  • Bewusstlosigkeit: Der Betroffene verliert das Bewusstsein.
  • Muskelschwäche: Es tritt eine Muskelschwäche in einer Körperhälfte auf.
  • Krämpfe: Es kommt zu unkontrollierten Muskelzuckungen.

In seltenen Fällen hält ein epileptischer Anfall länger als fünf Minuten bis hin zu mehreren Stunden an oder besteht dauerhaft. Dann sprechen Mediziner vom sogenannten "Status epilepticus". Dieser Zustand ist lebensgefährlich und bedarf umgehend einer Therapie.

Diagnose von Epilepsie

Die Diagnose von Epilepsie basiert auf verschiedenen Untersuchungen:

  • Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte des Patienten und die genauen Umstände des Anfalls.
  • Körperliche und neurologische Untersuchungen: Der Arzt untersucht den Patienten körperlich und führt neurologische Tests durch, um mögliche Ursachen für die Anfälle zu finden.
  • EEG (Elektroenzephalografie): Bei dieser Untersuchung werden die Hirnströme des Betroffenen gemessen. In manchen Fällen zeigt sich eine Epilepsie durch spezielle Kurvenveränderungen im EEG. Doch nicht jede Epilepsie geht mit Veränderungen im EEG einher.
  • MRT (Magnetresonanztomografie): Die MRT liefert detaillierte Schnittbilder des Gehirns und kann Schäden, Fehlbildungen und Tumore erkennen, die als Ursache für eine Epilepsie in Frage kommen.
  • Blutuntersuchung: Eine Blutuntersuchung kann Entzündungsprozesse oder Stoffwechselveränderungen aufdecken.
  • Untersuchung der Hirn-Rückenmarksflüssigkeit: Diese Untersuchung kann dabei helfen, eine Hirn- oder Hirnhautentzündung oder einen Hirntumor als Ursache für die Epilepsie nachzuweisen.

Therapie von Epilepsie

Bislang ist Epilepsie nicht heilbar. Das Ziel der Behandlung ist es, die epileptischen Anfälle zu unterbinden - und das mit möglichst wenigen Nebenwirkungen.

Einige Verhaltensweisen können das Risiko für einen erneuten Anfall reduzieren. Man spricht dann von "Triggern". Nach dem ersten epileptischen Anfall können - und nach mehreren Anfällen sollten - Betroffene die Behandlung der Epilepsie beginnen. Tritt nur ein einziger epileptischer Anfall auf, ohne dass der Arzt eine zugrundeliegende Erkrankung feststellen kann, kann der Patient auf eigenen Wunsch dennoch eine Epilepsie-Therapie starten. Die Entscheidung treffen Arzt und Patient gemeinsam. Ob eine Behandlung sinnvoll ist, hängt von verschiedenen individuellen Fragen ab.

Die Behandlungsmöglichkeiten umfassen:

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  • Antiepileptika: Um epileptische Anfälle zu verhindern, kann der behandelnde Arzt sogenannte Antiepileptika verschreiben. Mithilfe der Mittel können viele Patienten ohne Anfälle leben. Die Epilepsie-Tabletten wirken wie eine Art "Anfallsblocker". Sie erhöhen die "Schwelle" des Gehirns für das Auftreten von Anfällen. Das heißt, sie verhindern zwar Anfälle, wirken aber nicht gegen die eigentliche Ursache der Epilepsie. Es gibt mehr als 20 Medikamente gegen epileptische Anfälle in verschiedenen Darreichungsformen. Die Epilepsie-Medikamente gibt es als Tabletten, Kapseln oder als Saft. Wichtig: Antiepileptika sollten Patienten nie ohne ärztliche Rücksprache absetzen oder die Dosis verändern.
  • Operation: Ungefähr ein Drittel der Epilepsie-Patienten wird auch mit medikamentöser Behandlung nicht dauerhaft anfallsfrei. Für sie kommt zur Behandlung unter Umständen eine Operation in Betracht. Die Operation hat das Ziel, Betroffene dauerhaft anfallsfrei zu machen. Welches Verfahren für Patienten infrage kommt, bestimmen Ärzte mit umfangreichen Voruntersuchungen, die etwa verschiedene bildgebende Verfahren beinhaltet. Zur operativen Behandlung der Epilepsie stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, darunter resektive Operationen, Laser- und Radiofrequenz-Thermoablation, stereotaktische Radiochirurgie und diskonnektive Operationsverfahren.

Lebenserwartung bei Epilepsie

Epilepsien verkürzen die Lebenserwartung nicht grundsätzlich. Die meisten Patienten können ein normales Leben führen, auch wenn die Anfälle eine Herausforderung darstellen können. Allerdings gibt es bestimmte Risiken, die die Lebenserwartung beeinflussen können:

  • Status epilepticus: Dieser Zustand ist lebensgefährlich und kann zu Gehirnschäden führen.
  • SUDEP (Sudden Unexpected Death in Epilepsy): Dies ist der plötzliche unerwartete Tod von Epilepsie-Betroffenen, dessen Ursachen noch nicht vollständig geklärt sind.

Alltag mit Epilepsie

Viele Patienten können trotz ihrer Erkrankung am normalen Alltag teilnehmen. Wichtig sind bestimmte Vorsichtsmaßnahmen:

  • Autofahren: Epilepsie-Patienten dürfen nicht immer Auto fahren. Die Fahrtauglichkeit ist meist eingeschränkt oder nicht gegeben.
  • Sport: Bestimmte Sportarten können gefährlich sein, wenn während des Sports ein Anfall auftritt.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Mahlzeiten können helfen, Anfälle zu vermeiden.

Einige Verhaltensweisen können das Risiko für einen erneuten Anfall reduzieren, man spricht dann von „Triggern“. Durch Faktoren wie Schlafentzug, Flackerlicht, Hyperventilation oder Suchtstoffentzug (vor allem Alkohol) kann das Auftreten eines epileptischen Anfalls bei einigen Betroffenen zudem begünstigt werden. Patienten können jedoch vorbeugen, erklärt Professor Noachtar. Viele Formen werden durch starken Alkoholkonsum schlimmer, manche Formen werden durch starken Schlafentzug schlimmer.

Epilepsie bei Kindern

Bei Kindern liegen die Ursachen für Epilepsie oft anders als bei Erwachsenen. Häufig sind Stoffwechselstörungen oder genetische Störungen die Ursache.

Hyperventilation und Epilepsie

Hyperventilation, also eine übermäßige Atmung, kann bei manchen Menschen mit Epilepsie einen Anfall auslösen. Dies liegt daran, dass Hyperventilation zu einer Veränderung des Säure-Basen-Haushaltes im Körper führt, was die Erregbarkeit der Nervenzellen im Gehirn erhöhen kann.

Neue Klassifikation epileptischer Anfälle der ILAE 2017

Die Internationale Liga gegen Epilepsie (ILAE) hat 2017 eine neue Klassifikation für epileptische Anfälle herausgegeben. Diese Klassifikation ermöglicht eine flexiblere Beschreibung der Anfälle und berücksichtigt den Bewusstseinszustand des Patienten. Grundsätzlich neu ist, dass sie nicht hierarchisch aufgebaut ist, sondern anhand der jeweils aktuellen klinischen Informationen flexibel verwendet werden kann. Die aktuelle Klassifikation der epileptischen Anfälle der ILAE 2017 bedient sich zwar der grundlegenden Struktur der Version von 1981 insofern, als weiterhin zwischen fokalen, generalisierten und in ihrem Beginn unklaren Anfallstypen unterschieden wird. Im Unterschied zur bisherigen Klassifikation von 1981 ermöglicht die neue Klassifikation aber eine flexiblere Beschreibung der Anfälle.

Leben mit Epilepsie: Prominente Beispiele

Einige prominente Persönlichkeiten haben offen über ihre Epilepsie gesprochen, darunter Neil Young und Elton John. Neil Young leidet seit seinem 20. Lebensjahr an Epilepsie, was ihn aber nie davon abgehalten hat, seiner Leidenschaft für die Musik nachzugehen. Gerüchten zufolge sollen Drogenexzesse mit Kokain die Krankheit bei Elton John überhaupt erst ausgelöst haben. Seit den 1980er Jahren leide der Sänger bereits daran. Vor 15 Jahren erhielt Milka Loff Fernandes (39) die Schock-Diagnose: Epilepsie. Aufgrund der Krankheit gab sie 2004 sogar ihren Job beim Musiksender „Viva“ auf.

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