Hypothalamus-Störungen: Ursachen, Diagnose und Therapie

Der Hypothalamus ist eine zentrale Schaltstelle im Gehirn, die eine Vielzahl lebenswichtiger Funktionen steuert, darunter die Körpertemperatur, den Schlaf-Wach-Rhythmus, das Hunger- und Durstgefühl, den Sexualtrieb und das Schmerzempfinden. Er spielt auch eine entscheidende Rolle im Hormonsystem, indem er die Produktion und Ausschüttung von Hormonen reguliert. Störungen des Hypothalamus können daher weitreichende Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden haben.

Die Rolle des Hypothalamus im Hormonsystem

Der Hypothalamus ist eng mit der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) verbunden, einem weiteren wichtigen Organ des Hormonsystems. Diese beiden Strukturen bilden eine funktionelle Einheit, die als Hypothalamus-Hypophysen-Achse (HPA-Achse) bezeichnet wird. Der Hypothalamus produziert Releasing-Hormone und Inhibiting-Hormone, die die Hormonproduktion in der Hypophyse steuern. Die Hypophyse wiederum schüttet Hormone aus, die andere Hormondrüsen im Körper beeinflussen, wie z.B. die Schilddrüse, die Nebennieren, die Eierstöcke und die Hoden.

Der Hypothalamus enthält verschiedene Nervenzellen, in denen Hormone gebildet werden. Releasing-Hormone bewirken, dass in der Hirnanhangsdrüse Hormone produziert und ausgeschüttet werden. Zu den Releasing-Hormonen des Hypothalamus gehören:

  • Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH): Bewirkt in der Hirnanhangsdrüse die Bildung des Follikel-stimulierenden Hormons (FSH) und des luteinisierenden Hormons (LH), die bei der Frau in den Eierstöcken die Reifung der Eizellen fördern und den Eisprung auslösen und beim Mann die Bildung der Spermien bewirken. Außerdem bilden Eierstöcke und Hoden auf den Reiz von LH bzw. FSH männliche und weibliche Geschlechtshormone.
  • Thyreotropin-Releasing-Hormon (TRH): Regt die Hirnanhangsdrüse an, das Thyreoidea-stimulierende Hormon (TSH) zu bilden. TSH fördert in der Schilddrüse die Produktion von Schilddrüsenhormonen.
  • Growth Hormone-Releasing-Hormon (GH-RH): Stößt in der Hirnanhangsdrüse die Bildung des Wachstumshormons (Growth hormone = Somatotropin = STH) an, das einerseits auf die Leber wirkt, andererseits viele Wachstumsvorgänge im Körper anregt.
  • Corticotropin-Releasing-Hormon (CRH): Fördert in der Hirnanhangsdrüse die Produktion des adrenocorticotropen Hormons (ACTH). ACTH stimuliert die Nebennierenrinde zur Produktion von Kortison, Aldosteron und Androgenen.

Neben Releasing-Hormonen bildet der Hypothalamus auch Inhibiting-Hormone, die die Ausschüttung anderer Hormone hemmen. Solche Inhibiting-Hormone sind z. B. Somatostatin oder das Prolaktin-Inhibiting-Hormon (PIH). PIH bremst in der Hirnanhangsdrüse die Produktion und Freisetzung von Prolaktin. Ein anderer Name für PIH ist Dopamin.

Die Hormone des Hypothalamus gelangen über Nervenfasern oder Blutgefäße in die Hirnanhangsdrüse. Der Hypothalamus enthält nur eine winzige Menge der verschiedenen Hormone und nur ein Bruchteil davon wird an die Hirnanhangsdrüse weitergeleitet. Aber diese geringen Mengen reichen aus, dass die Hirnanhangsdrüse ein Tausendfaches an Hormonen produziert und ausschüttet. Die Hormone aus der Hirnanhangsdrüse bewirken ihrerseits eine Tausendfach höhere Ausschüttung von Hormonen aus den Enddrüsen.

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Wann der Hypopothalamus Releasing- oder Inhibiting-Hormone bildet und wie viele er davon an die Hirnanhangsdrüse abgibt, regeln andere Teile des Gehirnes. Emotionaler Stress, körperliche Anstrengung, der biologische Rhythmus, unsere Umgebung und viele andere Faktoren mehr können den Hypothalamus zur Hormonproduktion anregen oder die Bildung von Hormonen bremsen.

Ursachen von Hypothalamus-Störungen

Störungen des Hypothalamus können verschiedene Ursachen haben, darunter:

  • Tumoren: Raumfordernde Prozesse, insbesondere gutartige Tumoren (Adenome) der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), können auf den Hypothalamus drücken und seine Funktion beeinträchtigen. Hypophysenadenome sind Geschwülste in der Sella turcica („Türkensattel“), einer knöchernen Mulde in der vorderen Schädelbasis, in der die Hypophyse liegt. Sie entwickeln sich aus entarteten Drüsenzellen der Hypophyse. Die Ursachen für deren unkontrolliertes Wachstum sind medizinisch bislang nicht abschließend geklärt. Vermutet wird unter anderem ein Zusammenhang zum so genannten MEN-1-Syndrom (multiple endokrine Neoplasie), einer krankhaften Veränderung der Hormondrüsen der Hypophyse, die vererbbar ist.
  • Genetische Defekte: Angeborene Hypopituitarismus, der Mangel an einem oder mehreren Hypophysenhormonen, kann durch Mutationen in Genen verursacht werden, die an der Entwicklung der Hypophyse beteiligt sind. Ein Beispiel einer genetisch bedingten hypothalamischen Störung ist das Kallmann-Syndrom. Aufgrund der während der Embryogenese gemeinsamen Migration von olfaktorischen Fasern und GnRH (Gonadotropin-Releasing-Hormon) produzierenden Zellen aus der Riechplakode in den Hypothalamus tritt bei Störungen dieses embryonalen Entwicklungsschritts eine Kombination aus einem tertiären Hypogonadismus und einer Anosmie bzw. Mutationen des Kal1-Gens, dessen Genprodukt, das Anosmin, auf der Zelloberfäche der GnRH-Neurone exprimiert wird, führen zu einer unzureichenden Aussprossung der GnRH-Axone und Riechfasern. Defekte des Kal1-Gens führen daher zu einem tertiären Hypogonadismus verbunden mit einer Riechstörung. Mutationen im Kal2-Gen, dessen Genprodukt der Rezeptor für Fibroblastenwachstumsfaktorrezeptor-1 (FGF1R) ist, führen zu einem gleichen Phänotyp.
  • Verletzungen: Verletzungen des Hypophysenstiels (nach Schädel-Hirn-Trauma, chirurgischen Eingriffen oder Tumoren) und damit eine Unterbrechung des hypothalamohypophysären Portalkreislaufs haben zur Folge, dass die hypothalamischen Releasing-Hormone und Release-Inhibiting-Faktoren die Zielzellen im Hypophysenvorderlappen nicht in ausreichenden Konzentrationen erreichen.
  • Entzündungen: Entzündungen im Bereich des Hypothalamus können ebenfalls zu Funktionsstörungen führen.
  • Stress: Chronischer Stress kann die HPA-Achse beeinträchtigen und zu einer Störung der Hypothalamusfunktion führen.

Hypophysenadenome im Detail

Hypophysenadenome sind gutartige Tumoren der Hirnanhangdrüse, die hormonelle Störungen verursachen können. Sie machen etwa zehn bis 15 Prozent aller Hirntumoren aus. Es gibt verschiedene Arten von Hypophysenadenomen, darunter:

  • Makroadenome: Adenome, die größer als ein Zentimeter sind.
  • Mikroadenome: Adenome, die kleiner als ein Zentimeter sind.
  • Hormoninaktive Adenome: Adenome, die keine Hormone produzieren.
  • Hormonaktive Adenome: Adenome, die Hormone produzieren. Hormonaktive (endokrin aktive) Hypophysenadenome können genau jene Hormone herstellen, die auch die Hypophyse selbst produziert. In gut der Hälfte aller Fälle bilden sie Prolaktin, das unter anderem die Entstehung der Muttermilch unterstützt. Diese Tumore werden Prolaktinome genannt.

Ob und durch welche Symptome sich ein Hypophysenadenom bemerkbar macht, hängt vor allem davon ab, wie groß es ist und ob es Hormone produziert oder nicht. Symptome von Makroadenomen und größeren hormoninaktiven Tumoren entstehen vor allem durch ihr Wachstum, da sie auf andere Hirnareale drücken können und so angrenzendes Hormon- oder Nervengewebe schädigen. Eine mögliche Folge: eine Hypophysenunterfunktion, die meist ebenfalls mit hormonellen Störungen verbunden ist.

Genetische Ursachen im Detail

Ein angeborener Hypopituitarismus ist der Mangel an einem oder mehreren Hypophysenhormonen und kann durch Mutationen in einem der Gene verursacht werden, die an der Entwicklung der Hypophyse beteiligt sind. Es manifestiert sich entweder als isolierter Hormonmangel, am häufigsten als isolierter Wachstumshormonmangel (IGHD, isolated growth hormone deficiency) oder als kombinierter Hypophysenhormonmangel (CPHD, combined pituitary hormone deficiency), wenn 2 oder mehr Hypophysenhormone betroffen sind.

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Die in Tab. 1 aufgeführten, bei einem Gendefekt regelhaft nachweisbaren Hormonausfälle X sind ebenso angegeben wie fakultativ oder inkomplett zu beobachtende Hormondefizite (X). Die Vererbung der Ausfälle erfolgt je nach betroffenem Gen und Lokalisation der Mutation entweder autosomal-rezessiv, autosomal-dominant oder X-chromosomal gebunden.

Isolierte Hormonausfälle resultieren häufig aus genetischen Störungen der am Regelkreis beteiligten Faktoren bzw. deren Rezeptoren. Bei vielen dieser genetischen Störungen der Hypophysenentwicklung findet sich der Hypophysenvorderlappen hypoplastisch. Bei einigen Patienten mit vor allem PROP1- und LHX3-Defekten ist der Hypophysenvorderlappen initial deutlich vergrößert, möglicherweise als Folge der embryonalen Fehlentwicklung einzelner noch undifferenzierter hypophysärer Zelllinien.

Eine molekulargenetische Untersuchung der bislang bekannten hypophysären Transkriptionsfaktoren kann bei ca. 20 % der Patienten mit einem multiplen hypophysären Hormonausfall die Ursache klären. Neben dem Umfang des Hormonausfalls sind dann Aussagen über die zu erwartenden morphologischen Veränderungen möglich.

Isolierte Ausfälle der Produktion eines der hypothalamischen Releasing-Hormone als Ursache eines hypophysären Hormonausfalls sind selten. Bei fast allen im Bereich der Eminentia mediana sezernierten Releasing-Faktoren handelt es sich um relativ kompakte Polypeptide (TRH: 3 Aminosäuren; LHRH: 9 Aminosäuren; GHRH: 44 Aminosäuren; CRH: 41 Aminosäuren). Sie werden in den Kernen des Hypothalamus als Prä(pro)hormone synthetisiert, die erst nach einer enzymatischen Spaltung ihre aktive Form erhalten.

Auswirkungen von Verletzungen des Hypophysenstiels

Verletzungen des Hypophysenstiels (nach Schädel-Hirn-Trauma, chirurgischen Eingriffen oder Tumoren) und damit eine Unterbrechung des hypothalamohypophysären Portalkreislaufs haben zur Folge, dass die hypothalamischen Releasing-Hormone und Release-Inhibiting-Faktoren die Zielzellen im Hypophysenvorderlappen nicht in ausreichenden Konzentrationen erreichen. Eine solche „Isolation“ der Hypophyse von ihren hypothalamischen Signalen führt zu einem charakteristischen Muster hypophysärer Ausfälle.

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Verletzungen nahe am Hypothalamus führen fast immer zu einem Diabetes insipidus, während dies bei distalen Verletzungen der Axone nicht unbedingt zu beobachten ist. Direkt nach der Schädigung lässt sich die klassische klinische Trias einer initialen oligurischen Phase, bedingt durch eine inadäquate Sekretion von Vasopression (SIADH), abgelöst von einer kurzen Phase mit einer scheinbar normalen Flüssigkeitsregulation und schließlich die typischen Symptome eines Diabetes insipidus beobachten. Die Abfolge dieser Symptome erstreckt sich meistens über 1-2 Wochen.

Nach der Durchtrennung des Hypophysenstiels ist die Sekretion fast aller Hormone des Hypophysenvorderlappens ebenfalls deutlich erniedrigt. Eine gestörte ACTH-Sekretion führt zu einer verminderten Kortisolproduktion, die TSH-, LHRH- und die GH-Sekretion sind zumeist ebenfalls deutlich vermindert. Der auffälligste Unterschied von Patienten mit einer Durchtrennung des Hypophysenstiels gegenüber Patienten mit Läsionen des Hypophysenvorderlappens selbst zeigt sich jedoch in einer vermehrten Sekretion von Prolaktin. Einzelne Patienten entwickeln als Folge eine Galaktorrhö.

Stress als Ursache

In der heutigen Zeit sind viele Menschen quasi ständig unter Strom und produzieren zu viel Cortisol. Cortisol wird in den Nebennieren produziert, die in ständigem Austausch mit dem Hypothalamus und der Hypophyse stehen. Wenn wir langfristig unter Dauerstress stehen, kann das zu einer Störung der HPA-Achse führen. Durch einen sehr komplexen Prozess schafft es die Stressachse normalerweise gut, sich selbst zu regulieren. Wenn aber ein Stressor nicht beseitigt werden kann, schafft sie es irgendwann nicht mehr. Dein Körper bleibt dann in ständiger Alarmbereitschaft. Wichtig ist dabei, dass es nicht unbedingt nur um “messbaren” Stress geht: Was zählt, ist, wie du die Situation wahrnimmst - und zwar bewusst und unbewusst.

Symptome von Hypothalamus-Störungen

Die Symptome von Hypothalamus-Störungen können vielfältig sein und hängen von der Art und dem Ausmaß der Funktionsstörung ab. Einige häufige Symptome sind:

  • Hormonelle Störungen: Da der Hypothalamus die Hormonproduktion in der Hypophyse steuert, können Hypothalamus-Störungen zu einem Mangel oder Überschuss verschiedener Hormone führen. Dies kann sich in einer Vielzahl von Symptomen äußern, wie z.B. Zyklusstörungen, Impotenz, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Antriebsschwäche, Wachstumsstörungen, Schilddrüsenfunktionsstörungen, Nebenniereninsuffizienz und Diabetes insipidus.
  • Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus: Der Hypothalamus spielt eine wichtige Rolle bei der Regulierung des Schlaf-Wach-Rhythmus. Hypothalamus-Störungen können daher zu Schlafstörungen wie Schlaflosigkeit oder übermäßiger Schläfrigkeit führen.
  • Störungen der Temperaturregulation: Der Hypothalamus hilft, die Körpertemperatur konstant zu halten. Hypothalamus-Störungen können zu Problemen bei der Temperaturregulation führen, wie z.B. übermäßigem Schwitzen oder Frieren.
  • Störungen des Hunger- und Durstgefühls: Der Hypothalamus reguliert das Hunger- und Durstgefühl. Hypothalamus-Störungen können zu Veränderungen des Appetits führen, wie z.B. übermäßigem Essen oder Appetitlosigkeit.
  • Störungen des Gefühls- und Sexualverhaltens: Der Hypothalamus beeinflusst unser Gefühls- und Sexualverhalten. Hypothalamus-Störungen können zu Veränderungen der Stimmung, des Sexualtriebs und der emotionalen Reaktionen führen.
  • Kopfschmerzen, Schwindel und Sehstörungen: Diese Symptome können auftreten, wenn ein Tumor im Bereich des Hypothalamus auf umliegende Strukturen drückt.

Auswirkungen auf die Hypophyse

Alle Hormondrüsen, die durch die Hypophyse reguliert werden, können durch eine Fehlfunktion des Organs selbst ausfallen. Im Allgemeinen spricht man in diesem Fall von einer primären Hypothyreose, einem primären Hypogonadismus oder einer primären Nebenniereninsuffizienz.

Bedenkt man die viele verschiedenen Hormone mit ihren unterschiedlichen Wirkungen, die die Hypophyse ausschüttet (vgl. Infokasten), wird schnell klar, dass eine Unterfunktion der Hypophyse sehr unterschiedliche Anzeichen und Beschwerden mit sich bringt. Einige Anzeichen wurden oben schon erwähnt. Teilweise sind die Anzeichen auch abhängig vom Alter: Das betrifft zum Beispiel einen Ausfall des Somatropin, des Wachstumshormons. Ein Anzeichen des Wachstumshormmangels bei Kindern oder Jugendlichen ist ein vermindertes Längenwachstum, also Kleinwüchsigkeit im Vergleich zu Gleichaltrigen. Somatropin erhöht den Blutzuckerspiegel und wirkt auf die Fettzellen lipolytisch, also fettabbauend. Fehlt diese fettabbauende Wirkung, weil der Botenstoff nicht ausreichend vorhanden ist, kann es sowohl bei Kindern und Jugendlichen wie auch bei Erwachsenen zu häufig auftretender Unterzuckerung sowie zur Bildung von Fettpolstern (vor allem am Bauch) kommen. Dabei nimmt bei Erwachsenen auch die Muskelmasse ab.

Besteht ein Mangel an diesen Sexualbotenstoffen LH und FSH während der Kindheit, dann findet die Geschlechtsreifung nicht statt. Bei Männern verkleinern sich oftmals die Hoden, die dann keine Spermien mehr produzieren können. Ein Mangel an TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon, Thyreoidea = Schilddrüse) führt zu einer Dämpfung aller Körperfunktionen. Fehlt dem Körper ACTH kommt es vor allem zu einer Unterfunktion der Nebennierenrinde, die dann nicht mehr in der Lage ist, genügend der lebenswichtigen Glucocorticoide bereit zu stellen. Insgesamt kommt es zu folgenden Anzeichen bzw. blasse Haut (sog. durch verminderten Blutdruck: Schwindel (vor allem beim Aufstehen), Ohnmachtsanfälle.

Vasopressin (oder auch ADH - Antidiuretisches Hormon) reguliert vor allem unseren Wasserhaushalt. Daher führt ein Mangel zu Anzeichen wie stark gesteigerter Urniausschüttung, damit einhergehend dann auch zu großem Durst. Gefährlich kann das bei Säuglingen, Kleinkindern und alten Menschen werden, die den hohen Flüssigkeitsverlust nicht aussreichend ersetzen und dadurch regelrecht austrocknen. Dise "Verdickung" des Bluts durch ein Zuviel an Natrium kann zu Krampfanfallen bzw.

Wenn die Funktionen der Hirnanhangdrüse komplett ausfallen, dann kommt es sozusagen zu einer Sammlung der oben beschriebenen Anzeichen. Haut kühl und trocken (ggf. blasse Haut aufgrund mangelnder Pigmentbildung (gut erkennbar z. B.

Diagnose von Hypothalamus-Störungen

Die Diagnose von Hypothalamus-Störungen erfordert eine sorgfältige Anamnese, eine körperliche Untersuchung und verschiedene diagnostische Tests. Dazu gehören:

  • Hormonuntersuchungen: Blut- und Urinuntersuchungen können durchgeführt werden, um den Hormonspiegel im Körper zu bestimmen. Dies kann helfen, einen Mangel oder Überschuss bestimmter Hormone festzustellen. Außerdem muss der Hormonspiegel bestimmt werden, um festzustellen, ob und welches Hormon in zu hohem Maß oder zu geringer Menge im Körper vorhanden ist. Dazu werden Urin und/oder Blut endokrinologisch untersucht.
  • Bildgebende Verfahren: Magnetresonanztomographie (MRT) und Computertomographie (CT) können verwendet werden, um den Hypothalamus und die Hypophyse darzustellen und Tumoren oder andere strukturelle Anomalien zu identifizieren. Nachfolgend sind MRT-Aufnahmen eines Patienten mit Hypophysenadenom abgebildet. Für die behandelnden Ärzte wurde anhand der Bilder ersichtlich, dass das Hypophysenadenom seitlich ausgebrochen und deshalb nicht sinnvoll operabel war. Als Alternative bot sich in diesem Fall eine Bestrahlung an, und zwar insbesondere eine Bestrahlung mit Protonen, zur Schonung des umliegenden Gewebes. Zur Erstellung eines Bestrahlungsplans wird zunächst der Tumor im MRT-Bild eingezeichnet und anschließend das zu behandelnde Zielvolumen. Dies ist in dem rechts abgebildeten MRT-Bild visualisiert. Hier ist der Tumor als lila Linie eingezeichnet sowie das zu bestrahlende Zielvolumen als pinke Linie. Erkennbar ist, dass das Hypophysenadenom mitten im Schädel liegt und von vielen wichtigen Strukturen umgeben ist. Dieses gilt es bei der Bestrahlung maximal möglichst zu schonen.
  • Endokrinologische Funktionstests: Spezielle Tests können durchgeführt werden, um die Funktion der Hypophyse und anderer Hormondrüsen zu beurteilen.
  • Genetische Tests: Bei Verdacht auf eine genetische Ursache können genetische Tests durchgeführt werden, um Mutationen in Genen zu identifizieren, die an der Entwicklung der Hypophyse beteiligt sind. Eine molekulargenetische Untersuchung der bislang bekannten hypophysären Transkriptionsfaktoren kann bei ca. 20 % der Patienten mit einem multiplen hypophysären Hormonausfall die Ursache klären. Neben dem Umfang des Hormonausfalls sind dann Aussagen über die zu erwartenden morphologischen Veränderungen möglich.

Therapie von Hypothalamus-Störungen

Die Therapie von Hypothalamus-Störungen richtet sich nach der Ursache der Störung und den vorliegenden Symptomen. Zu den Behandlungsmöglichkeiten gehören:

  • Medikamentöse Therapie: Hormonelle Störungen können mit Medikamenten behandelt werden, die den Hormonspiegel ausgleichen. So genannte Prolaktinome wiederum, also Hypophysenadenome, die das Hormon Prolaktin bilden, sprechen gut auf eine medikamentöse Therapie an.
  • Chirurgische Eingriffe: Tumoren im Bereich des Hypothalamus oder der Hypophyse können operativ entfernt werden. Die wichtigste Therapiemöglichkeit bei Hirntumoren, also auch bei Hypophysentumoren, ist grundsätzlich eine Operation. Denn eine vollständige Entfernung des Tumors erhöht die Heilungschancen deutlich. Bei Hypophysenadenomen kann der chirurgische Eingriff in der Regel minimal-invasiv durch die Nase durchgeführt werden. Kann der Tumor nicht vollständig entfernt werden, ist er aufgrund seiner Lage operativ nur schlecht zu erreichen, liegt dem Sehnerven bzw.
  • Strahlentherapie: Bei Tumoren, die nicht vollständig operativ entfernt werden können oder bei denen ein Rezidivrisiko besteht, kann eine Strahlentherapie eingesetzt werden. In einigen Fällen und bei besonders großen Adenomen wird daher noch vor einer Operation eine Strahlentherapie durchgeführt, um die Tumormasse zu verringern. Studien haben zudem gezeigt, dass eine postoperative Bestrahlung, also eine Strahlentherapie im Anschluss an eine OP, die Gefahr von Rezidiven - erneut wachsenden Adenomen - minimiert. Das gilt vor allem dann, wenn der Tumor nicht vollständig chirurgisch entfernt werden konnte und Reste des Adenoms im Hirnareal zurückbleiben. Bei der Bestrahlung von Hirntumoren hat sich die Protonentherapie in den vergangenen Jahren als moderne und besonders schonende Verfahrensalternative etabliert.
  • Behandlung von Begleiterkrankungen: Begleiterkrankungen wie Schlafstörungen, Depressionen oder Gewichtsprobleme sollten ebenfalls behandelt werden.

Protonentherapie als schonende Behandlungsoption

Bei der Bestrahlung von Hirntumoren hat sich die Protonentherapie in den vergangenen Jahren als moderne und besonders schonende Verfahrensalternative etabliert. Man spricht bei der Protonentherapie deshalb auch von einer hochkonformalen Therapie. Das ist insbesondere bei der Therapie von Hirntumoren sehr wichtig. Denn im Kopf- und Schädelbasis-Bereich finden sich gleich mehrere heikle Risikostrukturen. Durch die Zielgenauigkeit der Protonen reduziert sich die Strahlenbelastung von Gehirn-, Rückenmark-, Hör- oder Sehstrukturen jedoch auf ein absolutes Minimum. Denn Protonen geben den Hauptteil der Strahlendosis erst unmittelbar im Tumor selbst ab.

Vor allem, wenn nur ein Teil des Hypophysenadenoms chirurgisch entfernt werden konnte, sind die physikalischen Eigenschaften der Protonen bei der anschließend notwendigen Bestrahlung also von großem Vorteil. Auf den Planungsbildern sind die unterschiedlichen Bestrahlungsvolumina als Isodosen unterschiedlich farbig eingezeichnet. Die Maximaldosis von 100 Prozent soll dabei nur im Tumor selbst appliziert werden. Je weiter weg vom Tumor bestrahlt wird, umso weniger Strahlendosis wird in dem Gewebe appliziert. Sehr gut erkennbar ist, dass in diesem Beispiel große Teile des Gehirns oder die Augen so gut wie keine Strahlendosis mehr erhalten, da der Protonenstrahl zuvor abstoppt.

Bei der Protonentherapie handelt es sich um eine lokale Therapiemaßnahme, die ihre Wirkung nicht im gesamten Körper, sondern nur in der vorab definierten Region um den Tumor entfaltet. Daher treten mögliche Begleiterscheinungen auch meist nur in diesen Regionen auf. In der Regel bessern sich die Symptome wenige Wochen nach der Bestrahlung.

Das WPE (Westdeutsches Protonentherapiezentrum Essen) ist eines der führenden Zentren für Protonenbestrahlung in Deutschland. Es ist Teil der Universitätsmedizin Essen und an das Westdeutsche Tumorzentrum Essen (WTZ) angebunden. Das WPE nutzt die fortschrittlichste Art der Protonentherapie - das Pencil Beam Scanning. Bei dieser Technik bestrahlen wir ein Hypophysenadenom mit einem bleistiftspitzendünnen Strahl, den wir Punkt für Punkt über den gesamten dreidimensionalen Raum des Tumors steuern. Auf diese Weise bestrahlen wir nahezu ausschließlich das erkrankte Gewebe und schonen die umliegenden Regionen bestmöglich.

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