Ich habe mein Gehirn verloren: Ursachen, Arten und Bewältigung von Gedächtnisverlust

Einleitung

Unsere Erinnerungen prägen unsere Identität und unser Verständnis der Welt. Sie ermöglichen es uns, aus Erfahrungen zu lernen, Beziehungen aufzubauen und uns in der Zeit zu orientieren. Wenn das Gedächtnis jedoch nachlässt, kann dies zu Verwirrung, Angst und einem Gefühl des Verlustes führen. Der Begriff "Ich habe mein Gehirn verloren" kann verschiedene Ursachen haben, die von harmloser Vergesslichkeit bis hin zu ernsten Erkrankungen reichen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte des Gedächtnisverlusts, von den Ursachen und Arten bis hin zu den Behandlungsmöglichkeiten und Strategien zur Verbesserung des Gedächtnisses.

Was ist Amnesie? Definition und Abgrenzung

Amnesie bezeichnet eine plötzlich auftretende Gedächtnisstörung, die mit dem Verlust neuer oder weiter zurückliegender Erinnerungen und einer Störung des Lernens einhergeht. Im Gegensatz zu normaler Vergesslichkeit, die sporadisch auftritt und geringe Auswirkungen hat, stellt Amnesie eine erhebliche Beeinträchtigung des Gedächtnisses dar. Andere Fähigkeiten, wie z. B. die Sprache, bleiben hingegen komplett erhalten. Es handelt sich um einen kontinuierlichen oder fortschreitenden Verlust der Fähigkeit, Informationen abzuspeichern oder sich an wichtige Ereignisse zu erinnern. Gedächtnisverlust kann verschiedene Ursachen haben, darunter neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer oder Demenz, traumatische Hirnverletzungen, Schlaganfälle, bestimmte medizinische Zustände oder die Nebenwirkungen von Medikamenten.

Normale Vergesslichkeit vs. Gedächtnisverlust

Es ist normal, gelegentlich etwas zu vergessen, vor allem in stressigen oder herausfordernden Situationen. Alltagsstress, Schlafmangel oder Ablenkungen können vorübergehende Gedächtnislücken verursachen. Solche vergesslichen Momente treten sporadisch auf und beeinträchtigen in der Regel nicht die grundlegende Fähigkeit, sich an wichtige Informationen oder Ereignisse zu erinnern. Die wichtigste Unterscheidung liegt in der Häufigkeit, Intensität und Auswirkung der Vergesslichkeit.

Im Gegensatz dazu deutet Gedächtnisverlust auf eine Beeinträchtigung des Gedächtnisses hin, die über gelegentliche vergessliche Momente hinausgeht. Es handelt sich um einen kontinuierlichen oder fortschreitenden Verlust der Fähigkeit, Informationen abzuspeichern oder sich an wichtige Ereignisse zu erinnern. Gedächtnisverlust kann verschiedene Ursachen haben, darunter neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer oder Demenz, traumatische Hirnverletzungen, Schlaganfälle, bestimmte medizinische Zustände oder die Nebenwirkungen von Medikamenten.

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Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Um eine genaue Unterscheidung zwischen normaler Vergesslichkeit und Gedächtnisverlust zu treffen, ist es ratsam, professionelle medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ärzt:innen und Neurolog:innen können mithilfe von diagnostischen Verfahren und Tests eine umfassende Beurteilung des Gedächtniszustands vornehmen. Beurteilungsverfahren beinhalten kognitive Tests, bildgebende Verfahren wie MRT-Scans oder Blutuntersuchungen, um potenzielle Ursachen von Gedächtnisproblemen zu identifizieren.

Frühzeitiges Erkennung und schnelle Intervention sind bei Gedächtnisverlust von entscheidender Bedeutung. Wenn Gedächtnisprobleme auftreten und über das normale Maß hinausgehen, sollten Betroffene ärztliche Hilfe suchen, um eine genaue Diagnose zu erhalten und angemessene Behandlungsmöglichkeiten wahrzunehmen.

Formen der Amnesie

Man unterscheidet bei der Amnesie die retrograde und anterograde Amnesie. Die retrograde Amnesie betrifft das Gedächtnis für Erinnerungen vor dem auslösenden Ereignis, während die anterograde Amnesie das Gedächtnis für neue Inhalte betrifft. Sind sowohl alte als auch neue Gedächtnisinhalte betroffen, spricht man von einer globalen Amnesie. Bei einer akuten Gehirnschädigung (z. B. Schädel-Hirn-Trauma) sind häufig vor allem Gedächtnisinhalte betroffen, die kurz vor dem schädigenden Ereignis liegen.

Retrograde Amnesie

Bei einer retrograden Amnesie verliert der Patient die Fähigkeit, frühere Erinnerungen abzurufen. Die Reichweite des Gedächtnisverlustes ist dabei sehr unterschiedlich. Der Patient kann sich an Teile seiner Vergangenheit nicht mehr erinnern.

Anterograde Amnesie

Bei einer anterograden Amnesie kann der Patient keine neuen Erinnerungen mehr bilden. Ursache für eine anterograde Amnesie ist in der Regel eine beidseitige Schädigung des Hippocampus, einer Gehirnstruktur, die im Schläfenlappen liegt und ihrer Form wegen nach der lateinischen Bezeichnung für Seepferdchen benannt ist. Patienten mit einer anterograden Amnesie haben häufig auch eine leichte retrograde Amnesie, erinnern sich also nicht mehr an Ereignisse, die kurz vor der Schädigung des Gehirns stattfanden. Ist lediglich der Hippocampus beschädigt, erstreckt sich diese Erinnerungslücke meist auf ein oder zwei Jahre. Die Erinnerung an weiter zurückliegende Ereignisse ist aber in der Regel intakt.

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Dissoziative Amnesie

Auch nach traumatischen oder belastenden Ereignissen kann eine Amnesie auftreten. Dies bezeichnet man als dissoziative Amnesie. Nach einem Autounfall oder einer anderen traumatischen Erfahrung verlieren Patienten dabei ihre Erinnerung an frühere Ereignisse. Die Reichweite des Gedächtnisverlustes ist dabei sehr unterschiedlich. „Häufig erholen sich diese Patienten wieder“, sagt der Psychologe Markowitsch. Er habe aber auch Patienten, deren Erinnerungen nach zwei Jahrzehnten noch nicht zurückgekehrt sind. Warum psychogene Amnesien auftreten, ist noch nicht geklärt, man nimmt aber Auswirkungen von Stress- und Trauma-Situationen als ursächlich an.

Transiente globale Amnesie

Die transiente globale Amnesie ist ein Krankheitsbild, bei dem Betroffene unter einer vorübergehenden anterograden und manchmal auch retrograden Amnesie leiden. Vor allem das Kurzzeitgedächtnis ist stark beeinträchtigt. Meist tritt zusätzlich eine Orientierungsstörung oder Verwirrtheit auf, erstaunlicherweise stellen aber komplexe Handlungen, wie z. B. Autofahren, in den meisten Fällen kein Problem dar. Diese Form der Amnesie hält laut Definition höchstens 24 Stunden an, wonach die Betroffenen meist eine Erinnerungslücke für diese Episode zurückbehalten. Die genaue Ursache ist unklar. Bei 12-27 % der Betroffenen können wiederholte Episoden auftreten. Eine transiente globale Amnesie kann durch äußere Reize wie Stress oder plötzliche Temperaturunterschiede ausgelöst werden - also sowohl durch psychologische als auch organische Ursachen. Dahinter steht vermutlich eine kurzzeitige Verengung der Blutgefäße im Gehirn. Der Schläfenlappen wird nicht ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und dadurch in seiner Arbeit behindert.

Infantile Amnesie

Lediglich eine Form des Gedächtnisverlustes teilen alle Menschen: Keiner von uns kann sich an seine früheste Kindheit erinnern, ein Umstand, den Wissenschaftler als infantile Amnesie bezeichnen. Der Grund hierfür ist vermutlich, dass sich unser Gehirn und auch die Sprachfähigkeit in diesem Alter noch entwickeln - ebenso wie unser Selbstbewusstsein. Dieses bildet sich erst gegen Ende des dritten Lebensjahres heraus.

Ursachen von Gedächtnisverlust

Eine Amnesie kann viele verschiedene Ursachen haben. So kann es nach Unfällen mit Kopfverletzungen, beispielsweise bei einem Schädel-Hirn-Trauma oder einer Gehirnerschütterung, zu einer Gedächtnisstörung kommen. Auch eine Epilepsie, eine Entzündung der Hirnhäute (Meningitis) oder des Gehirns (Enzephalitis), eine Hirnblutung oder ein Schlaganfall können einer Amnesie zugrunde liegen. Stoffwechselentgleisungen wie z. B. Unterzuckerung bei einem insulinpflichtigen Diabetes können ebenfalls zu Erinnerungslücken führen. Auch einige psychische Erkrankungen können mit Amnesien einhergehen. Traumatische Erlebnisse und Stresszustände können eine Amnesie auslösen.

Schädigungen wichtiger Hirnstrukturen

Schädigungen wichtiger Hirnstrukturen wie Hippocampus, Schläfenlappen oder Zwischenhirn können massive Gedächtnisverluste, so genannte Amnesien, auslösen. Nicht nur Schäden im Schläfenlappen können zu einem Gedächtnisverlust führen. Auch eine Gruppe von Gehirnstrukturen, die als Zwischenhirn oder Diencephalon bezeichnet wird, ist offenbar wichtig für das erfolgreiche Abspeichern und Abrufen von Erinnerungen. Warum eine Schädigung des Zwischenhirns Gedächtnisstörungen auslöst, ist nicht ganz klar. Offenbar spielt dieser Teil des Gehirns, der mit dem Hippocampus und anderen Regionen der Hirnrinde verbunden ist, eine Rolle bei der Verfestigung von Erinnerungen.

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Psychische Belastungen

Auch psychologische Belastungen lösen mitunter Gedächtnisverluste aus.

Vergiftungen

Als weitere mögliche Ursache sollten Vergiftungen in Betracht gezogen werden. Neben Medikamenten und Drogen kann auch Alkohol für eine Amnesie verantwortlich sein. Dies betrifft vor allem den langjährigen Alkoholmissbrauch, der zu einem sog. Wernicke-Korsakow-Syndrom führen kann. Auch mangelhafte Ernährung kann zu einem Gedächtnisverlust führen. So nehmen chronische Alkoholiker, die ihren Kalorienbedarf überwiegend mit Alkohol decken, häufig zu wenig Thiamin zu sich, eines der B-Vitamine. Dadurch kommt es unter anderem zu Schäden im Zwischenhirn, die eine anterograde Amnesie auslösen können, das so genannte Korsakow-Syndrom. Die Patienten haben massive Probleme mit der Übertragung vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis und füllen ihre Erinnerungslücken oft mit Erinnerungen aus früheren Zeiten.

Demenz

Eine weitere mögliche Ursache für Gedächtnisstörungen ist die Demenz. Diese nimmt jedoch meist schleichend zu und betrifft häufig auch andere Fähigkeiten, die für den Alltag von Bedeutung sind.

Gedächtnisverlust als Symptom der Alzheimer-Krankheit

Bei der Alzheimer-Krankheit sterben nach und nach Nervenzellen im Gehirn ab, was zu einem fortschreitenden Verlust der geistigen (kognitiven) Fähigkeiten führt. Gedächtnisprobleme und Orientierungsschwierigkeiten sind nur zwei der Symptome, die den Alltag der erkrankten Menschen zunehmend erschweren. Ein typisches Frühsymptom sind Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis, das heißt, man kann sich an kurz zurückliegende Ereignisse nicht mehr erinnern. Weitere Symptome sind Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen, Dinge zu planen und zu organisieren. Im Laufe der Zeit greift der Zerfall dann auch auf andere Hirngebiete über. Lang zurückliegende Erinnerungen verblassen, selbst der Ehepartner wirkt wie ein völlig Fremder. Alltagstätigkeiten, das Anziehen, der Gang zur Toilette, sind nicht mehr möglich. Der Charakter verändert sich, die Orientierung geht verloren. Langsam aber sicher verblaßt die einstige Persönlichkeit. Wie ein kleines Kind versteht der demente Mensch die Welt nicht mehr, er reagiert spontan. Positiv auf warme Worte. Mit Wut oder Angst auf Unverständliches. Nur die Bewegungs- und Sinneszentren des Gehirns werden verschont, so dass die Patienten weder gelähmt sind, noch erblinden.

Veränderungen im Gehirn bei Alzheimer

Bei Menschen mit Alzheimer kommt es zu Veränderungen im Gehirn, die sich in vielfältiger Weise auf die Betroffenen auswirken. Im Gehirn von Menschen mit Alzheimer sammelt sich übermäßig viel Amyloid-beta zwischen den Gehirnzellen an und bildet kleinere, giftige Klumpen (Oligomere) und riesige Zusammenlagerungen (Plaques). Im Inneren der Gehirnzellen sorgt es für die Stabilität und Nährstoffversorgung. Bei der Alzheimer-Krankheit ist das Tau-Protein chemisch so verändert, dass es seiner Funktion nicht mehr nachkommen kann. Die chemische Veränderung des Tau-Proteins bewirkt, dass es eine fadenförmige Struktur bildet.

Ursachenforschung und Therapieansätze

Obwohl schon Alois Alzheimer vor fast 120 Jahren Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen im Gehirn seiner Patientin Auguste Deter als Ursache der „Krankheit des Vergessens“ vermutete, gibt es bis heute keinen Beweis dafür. Auch weiß die Wissenschaft bis heute nicht, warum sich die Oligomere, Plaques und Fibrillen bilden. Zum Teil vermuten Forscherinnen und Forscher, dass die Ablagerungen ein Nebenprodukt anderer Vorgänge sein könnten, deren Ursachen noch nicht bekannt sind. Neben den Ablagerungen von Amyloid und Tau kommen Fehlfunktionen bestimmter Zellen als mögliche Auslöser der Alzheimer-Krankheit in Frage. Im Fokus stehen hier insbesondere die Gliazellen, die etwa 90 Prozent aller Gehirnzellen ausmachen. Aufgabe der Gliazellen ist es, die Nervenzellen im Gehirn zu schützen und zu unterstützen, damit die Signalübertragung - und damit unser Denken und Handeln - reibungslos funktioniert.

Die Alzheimer-Krankheit verändert das Gehirn auf vielfältige Weise, aber bis heute ist nicht klar, welche Ursachen die Krankheit letztlich auslösen. Die Forschung geht davon aus, dass die für Alzheimer typischen molekularen Prozesse im Gehirn Jahre oder Jahrzehnte vor dem Auftreten der ersten Symptome beginnen.

Die Rolle der Wissenschaft

Überall auf der Welt arbeiten Forscherinnen und Forscher daran, Antworten darauf zu finden, wie Alzheimer entsteht, wie es verhindert oder geheilt werden kann.

Diagnose von Gedächtnisverlust

Ein plötzlicher Gedächtnisverlust ist meist die Folge einer Verletzung oder schweren Erkrankung des Gehirns und erfordert sofortige ärztliche Hilfe. Wichtig ist hierbei zunächst das Gespräch mit den Betroffenen und insbesondere Augenzeugen und Angehörigen, um möglichst viele Informationen über das auslösende Ereignis und das Ausmaß des Gedächtnisverlustes zu erhalten. Die betroffene Person wird sorgfältig untersucht, auch um andere eventuelle Verletzungsfolgen zu erkennen.

Kognitive Tests

Besteht ein Verdacht auf eine kognitive Störung oder eine Demenz, stehen kognitive Kurztests zur Verfügung, um eine gute Ersteinschätzung vornehmen zu können.

Funktionelle Magnetresonanztomografie

Mithilfe von funktioneller Magnetresonanztomografie wird der Entorhinale Cortex untersucht. In ihm befinden sich Rasterzellen, die beim Navigieren im Raum helfen. Sie bilden ein sechsfach rotationssymmetrisches Muster, weisen also Achsen in sechs Richtungen auf. Bei Tests, in denen es darum geht, auf dem PC-Bildschirm Objekte in einer Arena zu finden, sind diese Rasterzellen sehr aktiv. Bei Menschen mit genetisch erhöhtem Alzheimer-Risiko allerdings zeigen sich einige dieser Achsen instabil und der Hippocampus übernimmt einen Teil der Arbeit.

Behandlungsmöglichkeiten und Strategien zur Verbesserung des Gedächtnisses

Es gibt einige mögliche Behandlungsmöglichkeiten und Strategien zur Bewältigung von Gedächtnisverlust. Dabei ist ein individueller Ansatz, der auf die spezifischen Bedürfnisse und Umstände der betroffenen Person abgestimmt ist, entscheidend.

Medikamentöse Behandlungen

Medikamentöse Ansätze können eine Rolle bei der Behandlung von Gedächtnisverlust spielen, insbesondere wenn er mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer oder Demenz verbunden ist. Für diese Erkrankungen gibt es keine Heilung und die verfügbaren Medikamente zielen darauf ab, die Symptome zu lindern und den Fortschritt der Krankheit zu verlangsamen.

Cholinesterasehemmer

Cholinesterasehemmer sind eine Klasse von Medikamenten, die darauf abzielen, den Abbau von Acetylcholin im Gehirn zu verhindern. Acetylcholin ist ein Neurotransmitter, der für die Übertragung von Signalen zwischen Nervenzellen wichtig ist. Bei Alzheimer und einigen anderen Formen von Gedächtnisverlust besteht ein Mangel an Acetylcholin im Gehirn. Cholinesterasehemmer wie Donepezil, Rivastigmin und Galantamin können dazu beitragen, den Acetylcholinspiegel zu erhöhen und so die kognitiven Symptome zu verbessern.

Memantin

Memantin ist ein Medikament, das bei mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Krankheit eingesetzt wird. Es blockiert die Überstimulation von Nervenzellen durch den Neurotransmitter Glutamat im Gehirn. Dies kann dazu beitragen, die Symptome der Krankheit zu lindern und das Fortschreiten zu verlangsamen.

Antidepressiva

Bei einigen Formen von Gedächtnisverlust, die mit Depressionen oder Angststörungen einhergehen, können Antidepressiva verschrieben werden. Diese Medikamente können die Stimmung verbessern, Angstzustände reduzieren und so indirekt die Gedächtnisleistung beeinflussen. Eine bessere psychische Gesundheit kann sich positiv auf viele kognitive Fähigkeiten auswirken.

Antioxidantien und entzündungshemmende Medikamente

Es gibt Hinweise darauf, dass eine chronische Entzündung und oxidativer Stress im Gehirn eine Rolle bei neurodegenerativen Erkrankungen und Gedächtnisverlust spielen können. Daher werden manchmal Medikamente wie Antioxidantien (z.B. Vitamin E) und entzündungshemmende Medikamente (z.B. nichtsteroidale Antirheumatika) verschrieben, um diese Prozesse zu modulieren und die Gehirnfunktion zu verbessern.

Nicht-medikamentöse Behandlungen

Die Wirksamkeit dieser medikamentösen Ansätze variiert von Person zu Person. Einige Menschen können eine deutliche Verbesserung ihrer kognitiven Funktionen und ihres Gedächtnisses feststellen, während bei anderen möglicherweise nur eine begrenzte Wirkung zu beobachten ist. Darüber hinaus können diese Medikamente Nebenwirkungen haben, die mit einem Arzt besprochen werden sollten.

Es ist ratsam, medikamentöse Ansätze immer mit anderen nicht-medikamentösen Behandlungsmethoden zu verbinden, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen. Ein ganzheitlicher Ansatz, der eine gesunde Lebensweise, kognitive Stimulation, soziale Unterstützung und gegebenenfalls ergänzende Therapien umfasst, kann eine sinnvolle Ergänzung zu medikamentösen Ansätzen sein.

Darüber hinaus ist es wichtig, die Medikamente unter Aufsicht eines medizinischen Fachmanns einzunehmen. Regelmäßige Überprüfungen, um die Wirksamkeit und Verträglichkeit der Medikamente zu überwachen, sind unerlässlich.

Gedächtnistraining

Gedächtnistraining kann bei Gedächtnisverlust helfen, indem es kognitive Fähigkeiten verbessert, neue neuronale Verbindungen bildet und altersbedingte Verschlechterungen abfängt.

Neurofeedback

Mithilfe von Tönen oder Bildern kann diese Methode bei ADHS, einer Aufmerksamkeits-Defizit-Störung, eine bessere Konzentration fördern. Immer mehr Studien belegen den erfolgreichen Einsatz von Neurofeedback. Die Psychologin Dr. Susanne Karch forscht am Klinikum der Universität München zu Neurofeedback. Doch sie warnt vor Gadgets für den Heimgebrauch, die mit elektrischen Impulsen arbeiten, denn die Nebenwirkungen für ein gesundes Gehirn seien nicht unerheblich.

Lebensstiländerungen

Viel Bewegung, ausreichend Schlaf und eine gesunde Ernährung vor Demenzerkrankungen und vor Vergessen schützen können. Diese einfachen Mitteln sorgen für eine bessere Durchblutung des Gehirns und für ein besseres Gedächtnis.

Forschung und Ausblick

Die Alzheimertherapie ist in Bewegung. Die Pharmafirmen erproben nicht nur Impfstoffe, sondern auch andere Behandlungsansätze.

Gehirn-Computer-Schnittstellen

Mit einer Gehirn-Computer-Schnittstelle, einem sogenannten Brain Computer Interface (BCI) schaffen es gelähmte Menschen, nur mit Gedankenkraft einen Roboterarm zu steuern, einen Cursor auf einem Computerbildschirm zu bewegen, oder ein Auto durch eine virtuelle Umgebung zu lenken. Nur mit einer Kopplung von Gehirn und Computer ist das möglich. Warum also nicht Gedächtnisinhalte mit Hirnchips auslesen und verbessern? Doch die Entwicklung ist nicht wirklich ausgereift und lange nicht alltagstauglich. Zudem ist der invasive Eingriff, bei dem Elektroden ins Gehirn gepflanzt werden, nicht ungefährlich. Elon Musk, dem nicht nur Tesla, sondern auch die Firma Neurolink gehört, arbeitet zum Beispiel intensiv an der Entwicklung von BCIs.

Umgang mit Gedächtnisverlust im Alltag

Ein plötzlicher Gedächtnisverlust ist meist die Folge einer Verletzung oder schweren Erkrankung des Gehirns und erfordert sofortige ärztliche Hilfe. Wenn bei Betroffenen eine Epilepsie mit Gedächtnisstörungen bekannt ist oder die Person offensichtlich alkoholisiert ist, handelt es sich nicht um einen derart dringlichen Notfall.

Unterstützung für Betroffene und Angehörige

Gertrude Günther findet Unterstützung bei der Deutschen Alzheimergesellschaft.

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