Magenübersäuerung und Nervenschmerzen: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Viele Menschen leiden unter Magen-Darm-Beschwerden, die oft als viszerale Schmerzen zusammengefasst werden. Diese Schmerzen können verschiedene Ursachen haben, wobei funktionelle Darmerkrankungen, bei denen keine organischen Ursachen gefunden werden, besonders häufig sind. Ein wichtiger Aspekt bei der Entstehung und Behandlung dieser Beschwerden ist das Zusammenspiel von Magen, Nervensystem und Psyche. Als Mitglied der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. ist es wichtig, die verschiedenen Aspekte von Magenübersäuerung und Nervenschmerzen zu verstehen, um Betroffenen bestmöglich helfen zu können.

Funktionelle Magen-Darm-Erkrankungen: Ein Überblick

Funktionelle Darmerkrankungen sind durch chronische Schmerzen und Beschwerden im Magen-Darm-Bereich gekennzeichnet, ohne dass eine klare organische Ursache gefunden werden kann. Zu diesen Erkrankungen zählen:

  • Reizdarmsyndrom: Die häufigste chronisch-funktionelle Darmerkrankung, bei der Schmerzen im Vordergrund stehen. Viele Menschen mit Reizdarmsyndrom leiden auch unter einem Reizmagen.
  • Nichtkardialer Thoraxschmerz: Brustschmerzen, die nicht vom Herzen verursacht werden und zu den funktionellen Darmerkrankungen gezählt werden.
  • Funktionelle Dyspepsie (Reizmagen): Schmerzen und Beschwerden im Oberbauch, die oft mit Sodbrennen und Übelkeit einhergehen.

Die typischen Schmerzen in der Magengegend oder im Unterbauch gehen häufig mit weiteren Beschwerden einher. Beim Reizmagen sind dies Sodbrennen und Übelkeit, beim Reizdarm vermehrte Gasbildung im Darm, Durchfall (Diarrhö) und/oder Verstopfung (Obstipation).

Es ist wichtig, andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen auszuschließen, wie z.B. chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten (Laktoseintoleranz oder Glutenunverträglichkeit) und Krebserkrankungen. In der Regel reicht eine einmalige, gründliche diagnostische Abklärung zum sicheren Ausschluss dieser Erkrankungen aus. Nur wenn sich langjährige Beschwerden plötzlich verändern, sollte erneut eine ärztliche Untersuchung erfolgen.

Ursachen von Magen-Darm-Schmerzen

Die genauen Ursachen und Umstände, die zur Entstehung und Aufrechterhaltung von Schmerzen bei funktionellen Darmerkrankungen führen, sind komplex und noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus körperlichen, psychosozialen und Lernfaktoren eine Rolle spielt.

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Einige mögliche Ursachen und Faktoren sind:

  • Neuro-immunale Veränderungen: Bei einem Teil der Reizdarmpatienten wird angenommen, dass eine vorausgegangene Magen-Darm-Infektion zu einer dauerhaften Veränderung der neuro-immunalen Schutzfaktoren der Darmwand geführt hat. Dies kann dazu führen, dass Darmeigenbewegungen verstärkt und als schmerzhaft wahrgenommen werden.
  • Stress und emotionale Belastungen: Stress kann die Symptome verstärken.
  • Hypersensibilität: Eine Verschiebung der Schmerzschwelle im Magen-Darm-Bereich, eine besondere Empfindlichkeit für Vorgänge im Verdauungstrakt. Diese besondere Schmerzempfindlichkeit für Dehnungsreize bezieht sich nur auf den Verdauungstrakt und gilt nicht generell.
  • Veränderte Schmerzverarbeitung: Studien deuten darauf hin, dass die "innere" Schmerzverarbeitung bei Patienten mit funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen verändert ist.
  • Gestörtes Mikrobiom im Zwölffingerdarm: Ein gestörtes Mikrobiom im Zwölffingerdarm kann Entzündungsprozesse hemmen, die Konzentration verdauungswichtiger Enzyme erhöhen und die Kommunikation zwischen Darm und Hirn normalisieren.
  • Psychische Faktoren: Depressionen und Ängste erhöhen das Risiko für einen Reizmagen. Stress durch Ängste, Sorgen, Überforderung oder belastende Erlebnisse können bei Kindern zu Bauchschmerzen führen. Eine belastende Familiensituation kann das Risiko für länger anhaltende funktionelle Bauchbeschwerden bei Kindern erhöhen.

Die Rolle der Magennerven

Die Magennerven spielen eine entscheidende Rolle bei der Steuerung und Kontrolle der Magentätigkeit, von den Bewegungen des Magens bis zur Ausschüttung des Magensafts. Sie sind Teil des enterischen Nervensystems, auch bekannt als "Bauchhirn", das alle Vorgänge im Magen-Darm-Trakt kontrolliert. Das Bauchhirn ist über den Nervus vagus mit dem Gehirn in ständigem Austausch.

Wenn die Magennerven gereizt sind oder die Reizleitung zum Gehirn nicht optimal funktioniert, kann dies zu Verdauungsbeschwerden führen. Mögliche Symptome sind:

  • Völlegefühl und/oder Magendruck
  • Bauchschmerzen
  • Übelkeit
  • Magenschmerzen
  • Blähungen
  • Sodbrennen

Die Reizung der Magennerven kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, darunter:

  • Ernährungsweise
  • Stress
  • Psychische Belastungen

Magenübersäuerung: Ursachen und Symptome

Eine Magenübersäuerung (Hyperazidität) entsteht in der Regel durch eine Entzündung der Magenschleimhaut (Gastritis). Dies kann verschiedene Ursachen haben:

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  • Infektion mit Helicobacter pylori: Dieses Bakterium kann sich im Magen ansiedeln und eine Entzündung verursachen.
  • Schäden durch chemische Stoffe: Bestimmte Medikamente (z.B. Schmerzmittel) oder Genussmittel (Alkohol, Nikotin) können die Magenschleimhaut schädigen.
  • Stress: Obwohl Stress nicht direkt zu einer Magenübersäuerung führt, kann er die Beschwerden verstärken und einen Reizmagen auslösen.

Typische Symptome einer Magenübersäuerung sind:

  • Druck im Magen
  • Saures Aufstoßen
  • Völlegefühl
  • Magenbrennen
  • Magenschmerzen

Es ist wichtig zu beachten, dass Sodbrennen ein typisches Anzeichen für die Refluxkrankheit ist, bei der Magensäure in die Speiseröhre aufsteigt, und nicht unbedingt durch eine Magenübersäuerung verursacht wird.

Neurogastroenterologie: Die Verbindung von Neurologie und Gastroenterologie

Die Neurogastroenterologie ist ein medizinischer Fachbereich, der sich mit der Erforschung und Behandlung von Erkrankungen im Magen-Darm-Trakt befasst, die durch Störungen des Nervensystems des Magen-Darm-Trakts (enterisches Nervensystem) verursacht werden. Typische neurogastroenterologische Erkrankungen sind Schluckstörungen, Refluxerkrankung, Reizmagen, Reizdarmsyndrom, chronische Verstopfung sowie Stuhlinkontinenz.

Das enterische Nervensystem steuert den kompletten Funktionsablauf der Verdauung, einschließlich Schlucken, Verdauung im Magen sowie im Dünn- und Dickdarm und der (Stuhl-)Entleerung nicht verwertbarer Nahrungsbestandteile. Da die Zahl der Nervenzellen und die Komplexität der Verknüpfungen untereinander vergleichbar zu unserem Gehirn sind, wird das System auch als "Bauchgehirn" bezeichnet.

Die Hirn-Bauch-Achse spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung von psychosomatischen Erkrankungen. Stress und insbesondere chronischer Stress können die Hirn-Bauch-Achse beeinflussen und zu Störungen im Magen-Darm-Trakt führen. Umgekehrt kann das "Bauchgehirn" auch das Gehirn im Kopf beeinflussen und für eine bestimmte emotionale Bewertung der Beschwerden sorgen.

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Behandlungsmöglichkeiten bei Magenübersäuerung und Nervenschmerzen

Die Behandlung von Magenübersäuerung und Nervenschmerzen zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, die Ursachen zu bekämpfen und den Betroffenen zu helfen, mit der Erkrankung umzugehen.

Mögliche Behandlungsansätze sind:

  • Medikamentöse Behandlung:
    • Säureblocker (Protonenpumpeninhibitoren, PPI): Drosseln die Produktion von Magensäure und entlasten dadurch die gereizte Magenschleimhaut. Sollten nur kurzfristig eingenommen werden.
    • Antibiotika: Bei einer Infektion mit Helicobacter pylori werden Antibiotika eingesetzt, um die Bakterien zu beseitigen.
    • Spasmolytika (z.B. N-Butylscopolamin): Können bei Bauchkrämpfen helfen.
    • Pflanzliche Arzneimittel (z.B. Iberogast® ADVANCE): Können bei funktionellen Magenbeschwerden helfen, die sensiblen Nerven eines Magens zu beruhigen.
  • Ernährungsumstellung:
    • Leichte Kost: Kleine Mahlzeiten, gutes Kauen, ausreichend Zeit für die Mahlzeiten, Meiden extremer Temperaturen, Verzicht auf Kohlensäure, Alkohol und starken Kaffee.
    • Vermeidung von reizenden Substanzen: Alkohol und Nikotin sollten gemieden werden.
    • Ernährungs- und Symptom-Tagebuch: Um individuelle Unverträglichkeiten zu identifizieren.
  • Stressmanagement und Entspannungstechniken:
    • Entspannungsübungen: Yoga, Qi Gong, autogenes Training, progressive Muskelentspannung.
    • Stressbewältigungsprogramme: Um Stressoren zu identifizieren und Strategien zur Stressreduktion zu entwickeln.
  • Psychotherapie:
    • Verhaltenstherapie, psychodynamische Kurzzeittherapie oder darmfokussierte Hypnose: Können hilfreich sein, wenn die Erkrankung einen sehr großen Raum im Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen einnimmt.
  • Mikrobiom-Modulation:
    • Spezifische Bakterienstämme (z.B. Bacillus coagulans MY01 und Bacillus subtilis MY02): Können die Zusammensetzung des Mikrobioms im Dünndarm positiv beeinflussen und Reizmagen-Symptome reduzieren.
  • Weitere Maßnahmen:
    • Bewegung und Sport: Regt die Verdauung an.
    • Wärme: Feucht-warme Kompressen oder eine Wärmflasche auf dem Oberbauch.
    • Ruhepause und Spaziergänge: Wirken oft lindernd.

Was kann man selbst tun?

Neben den genannten Behandlungsansätzen gibt es einiges, was Betroffene selbst tun können, um ihre Beschwerden zu lindern und ihre Lebensqualität zu verbessern:

  • Selbstbeobachtung: Beobachten Sie, welche Nahrungsmittel und Situationen Ihre Beschwerden verstärken oder lindern.
  • Stress reduzieren: Finden Sie Wege, um Stress abzubauen und emotionale Belastungen zu bewältigen.
  • Gesunde Lebensweise: Achten Sie auf ausreichend Schlaf, eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung.
  • Austausch mit anderen Betroffenen: Der Austausch mit anderen Betroffenen kann hilfreich sein, um sich verstanden zu fühlen und neue Strategien im Umgang mit der Erkrankung zu entwickeln.
  • Sich nicht entmutigen lassen: Auch wenn die Beschwerden belastend sind, ist es wichtig, sich nicht entmutigen zu lassen und aktiv nach Lösungen zu suchen.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Bei anhaltenden oder immer wiederkehrenden Magen-Darm-Beschwerden mit unklaren Ursachen, die Ihr Alltagsleben und die Lebensqualität beeinflussen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Eine gründliche Untersuchung kann helfen, die Ursache der Beschwerden zu finden und eine geeignete Behandlung einzuleiten.

Warnzeichen, die abgeklärt werden sollten, sind:

  • Blut im Stuhl
  • Ungewollter Gewichtsverlust

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