Die Verbindung der Nervenzellen: Ein umfassender Überblick

Einführung

Das Gehirn, das komplexeste Organ des menschlichen Körpers, vollbringt täglich Höchstleistungen, von der Gesichtserkennung bis zur Sprachverarbeitung. Die Hauptakteure dieser Leistungen sind die Nervenzellen, auch Neuronen genannt. Dieser Artikel beleuchtet die fachlichen Aspekte der Verbindung von Nervenzellen, ein fundamentales Konzept für das Verständnis neuronaler Netzwerke und der Informationsübertragung im Nervensystem.

Aufbau und Funktion von Nervenzellen

Neuronen: Die Grundbausteine des Gehirns

Neuronen sind spezialisierte Zellen, die elektrische und chemische Signale empfangen, verarbeiten und weiterleiten können. Ein typisches Neuron besteht aus drei Hauptteilen:

  • Zellkörper (Soma): Der Zellkörper enthält den Zellkern und ist für die Energieversorgung und Proteinsynthese der Nervenzelle zuständig. Er beinhaltet den Zellkern, der die genetische Information trägt und die Proteinsynthese steuert. Das Soma (Perikaryon, Zellkörper) eines Neurons enthält den Zellkern, der von dem rauen ER umgeben ist, sehr viele Mitochondrien, dem Golgi-Apparat und alle anderen wichtigen Bestandteile einer jeden Zelle. Die vielen Mitochondrien sind für die für die Energieversorgung der Nervenzelle zuständig. Schließlich muss eine Nervenzelle "Schwerstarbeit" leisten, wie wir später noch sehen werden, und dafür wird viel Energie in Form von ATP benötigt, die ja von den Mitochondrien zur Verfügung gestellt wird. Raues ER und Golgi-Apparat sind ebenfalls sehr ausgeprägt, was auf eine sehr intensive Proteinbiosynthese deutet.
  • Dendriten: Dendriten sind verzweigte Fortsätze, die Signale von anderen Neuronen empfangen. Sie bilden Synapsen mit anderen vorgeschalteten Zellen aus, entweder mit Nervenzellen oder mit Sinneszellen (die ja auch zu den Nervenzellen gehören, aber auf die Wahrnehmung von Reizen spezialisiert sind). Eine einzelne Nervenzelle kann über ihre Dendriten mit über 1.000 anderen Nervenzellen verbunden sein und Informationen von diesen Zellen empfangen und verarbeiten. Die Dendriten sind die feinen baumartigen Verästelungen, die teils direkt vom Soma ausgehen (basale Dendriten), teils aus anderen Dendriten weiter entfernt vom Soma abzweigen (apikale Dendriten).
  • Axon: Das Axon ist ein langer, schlanker Fortsatz, der Signale von der Nervenzelle zu anderen Neuronen oder Zielzellen (z.B. Muskelzellen) weiterleitet. Am Ende kann sich das Axon zu sogenannten Kollateralen verzweigen, deren Enden dann synaptische Endknöpfchen (auch synaptische Endigungen genannt) bilden. Oft sind die Axone von einer isolierenden Hülle umgeben, der Myelinscheide. Diese besteht aus einzelnen SCHWANNschen Zellen, die sich um das Axon wickeln und nur kurze Bereiche frei lassen, die RANVIERschen Schnürringe. Am Ende eines Axons bzw. Die Aufgabe des langen Axons ist die Informationsweiterleitung. Die Myelinscheide ist nicht nur ein mechanischer Schutz für das Axon sowie eine elektrische Isolierung, sondern hat vielfältigere Aufgaben. Nervenzellen, deren Axon von einer solchen Myelinscheide umgeben ist, werden auch als markhaltige Nervenzellen oder markhaltige Nervenfasern bezeichnet.

Synapsen: Die Verbindungsstellen zwischen Neuronen

Die Verbindungsstellen zwischen Neuronen werden als Synapsen bezeichnet. Hier findet die Übertragung von Signalen von einem Neuron zum nächsten statt. Eine typische Synapse besteht aus:

  • Präsynapse: Das Ende des Axons des sendenden Neurons. Hier liegen kleine Bläschen (Vesikel) bereit, die mit Neurotransmittern gefüllt sind.
  • Synaptischer Spalt: Der schmale Raum zwischen der Präsynapse und der Postsynapse.
  • Postsynapse: Der Teil des empfangenden Neurons (meist ein Dendrit), der Rezeptoren für Neurotransmitter besitzt.

Die Verbindungsstellen zwischen zwei Nervenzellen heißen Synapsen. Eine typische Synapse besteht aus dem synaptischen Endknöpfchen einer Nervenzelle, die an die Membran einer zweiten Nervenzelle, einer Muskelzelle oder einer Drüsenzelle angelagert ist. Zwischen der präsynaptischen Membran und der postsynaptischen Membran befindet sich der synaptische Spalt. Das synaptische Endknöpfchen ist gefüllt mit den synaptischen Vesikeln, das sind kleine membranumgebene Bläschen, die Neurotransmittern enthalten. Neurotransmitter sind chemische Substanzen, die in den synaptischen Spalt entlassen werden können und dann mit Proteinen der postsynaptischen Membran reagieren.

Arten von Synapsen

Grundsätzlich lassen sich Synapsen in zwei Haupttypen unterteilen:

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  • Chemische Synapsen: Bei chemischen Synapsen wird das elektrische Signal in ein chemisches Signal umgewandelt. Neurotransmitter werden in den synaptischen Spalt freigesetzt und binden an Rezeptoren auf der postsynaptischen Membran, was zu einer Veränderung des Membranpotentials führt.
  • Elektrische Synapsen: Bei elektrischen Synapsen wird das elektrische Signal direkt von einem Neuron zum nächsten übertragen. Diese Synapsen sind seltener und ermöglichen eine schnellere Signalübertragung. Elektrische Synapsen kommen in unserem Körper eher selten vor. Du findest sie dort, wo eine schnelle Erregungsleitung wichtig ist. Chemische Synapsen kommen in unserem Körper viel häufiger vor.

Auch nach dem Botenstoff lassen sich verschiedene Arten von Synapsen unterscheiden.

Die Signalübertragung an der Synapse

Ablauf der Signalübertragung

Die Signalübertragung an der Synapse ist ein komplexer Prozess, der mehrere Schritte umfasst:

  1. Aktionspotential erreicht die Präsynapse: Ein Aktionspotential, ein elektrisches Signal, erreicht das Ende des Axons (die Präsynapse).
  2. Calcium-Einstrom: Das Aktionspotential öffnet spannungsgesteuerte Calciumkanäle in der präsynaptischen Membran, wodurch Calciumionen in die Präsynapse einströmen. Damit das Aktionspotential an der chemischen Synapse übertragen werden kann, sind einige Abläufe nötig. aus. Der Anstieg der Calciumionenkonzentration löst die Verschmelzung der Vesikel (Bläschen) mit der Membran aus.
  3. Neurotransmitter-Freisetzung: Der Calciumeinstrom löst die Freisetzung von Neurotransmittern aus den Vesikeln in den synaptischen Spalt aus.
  4. Bindung an Rezeptoren: Die Neurotransmitter diffundieren durch den synaptischen Spalt und binden an spezifische Rezeptoren auf der postsynaptischen Membran. Die Neurotransmitter können an der postsynaptischen Membran an für sie spezifische Rezeptoren (Andockstellen) binden.
  5. Ionenkanalöffnung: Die Bindung der Neurotransmitter an die Rezeptoren führt zur Öffnung von Ionenkanälen in der postsynaptischen Membran. Die Kanäle sind also nicht spannungsgesteuert, sondern ligandengesteuert. Das bedeutet: Die Ionenkanäle öffnen sich, sobald ein Transmitter (= Ligand) an den entsprechenden Rezeptor gebunden hat.
  6. Veränderung des Membranpotentials: Durch den Einstrom von Ionen verändert sich das Membranpotential der postsynaptischen Zelle. Dieser Ein- und Ausstrom hat eine positive oder negative Veränderung der Spannung zur Folge (= postsynaptisches Potential).
  7. Erregung oder Hemmung: Je nach Art der Ionen, die einströmen, kann die postsynaptische Zelle entweder erregt (depolarisiert) oder gehemmt (hyperpolarisiert) werden. Die Erregung / Hemmung findet solange statt, wie die Neurotransmitter an den Rezeptoren gebunden sind.
  8. Neurotransmitter-Entfernung: Die Neurotransmitter werden aus dem synaptischen Spalt entfernt, entweder durch Wiederaufnahme in die Präsynapse, Abbau durch Enzyme oder Diffusion. Dann können sie wieder von der präsynaptischen Zelle aufgenommen und erneut verwendet werden. im synaptischen Spalt abgebaut.

Neurotransmitter: Die Botenstoffe des Nervensystems

Neurotransmitter sind chemische Substanzen, die an den Synapsen freigesetzt werden und die Signalübertragung zwischen Nervenzellen ermöglichen. Es gibt eine Vielzahl von Neurotransmittern, die unterschiedliche Wirkungen haben können. Einige wichtige Neurotransmitter sind:

  • Acetylcholin: Spielt eine Rolle bei Muskelkontraktion, Gedächtnis und Aufmerksamkeit.
  • Dopamin: Beteiligt an der Steuerung von Bewegung, Motivation und Belohnung.
  • Serotonin: Beeinflusst Stimmung, Schlaf und Appetit.
  • Glutamat: Der wichtigste erregende Neurotransmitter im Gehirn.
  • GABA: Der wichtigste hemmende Neurotransmitter im Gehirn.

Modulation der synaptischen Übertragung

Die synaptische Übertragung kann durch verschiedene Faktoren moduliert werden, darunter:

  • Medikamente: Viele Medikamente wirken, die die Reizweiterleitung an chemischen Synapsen stören oder verhindern können. Sie hemmen dann die Informationsübertragung an Synapsen an unterschiedlichen Stellen. Es aktiviert postsynaptische Rezeptoren, die auch durch Acetylcholin aktiviert werden. Atropin dagegen hemmt Acetylcholin-Rezeptoren, indem es die Bindung von Acetylcholin verhindert.
  • Drogen: Drogen können die Freisetzung, Wiederaufnahme oder den Abbau von Neurotransmittern beeinflussen und so die synaptische Übertragung verändern.
  • Erkrankungen: Verschiedene Erkrankungen können die synaptische Übertragung beeinträchtigen, z.B. durch Schädigung von Neuronen oder Veränderung der Neurotransmitter-Produktion.

Neuronale Netzwerke und Plastizität

Neuronale Netzwerke: Die Grundlage für komplexe Funktionen

Neuronale Netzwerke sind Gruppen von miteinander verbundenen Neuronen, die zusammenarbeiten, um bestimmte Funktionen auszuführen. Diese Netzwerke sind die Grundlage für alle komplexen Funktionen des Gehirns, wie z.B. Wahrnehmung, Denken, Lernen und Gedächtnis.

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Neuronale Plastizität: Die Anpassungsfähigkeit des Gehirns

Das Gehirn ist nicht statisch, sondern ständig in Veränderung. Die Fähigkeit des Gehirns, sich an neue Erfahrungen anzupassen, wird als neuronale Plastizität bezeichnet. Neuronale Plastizität ermöglicht es dem Gehirn, neue Verbindungen zwischen Neuronen zu schaffen, bestehende Verbindungen zu stärken oder zu schwächen und sogar neue Neuronen zu bilden (Neurogenese).

Langzeitpotenzierung

Wird eine Synapse sehr häufig benutzt, verändert sich zudem ihre Struktur. Zum Beispiel werden mehr Rezeptoren an der postsynaptischen Membran eingebaut oder die Menge an ausgeschütteten Botenstoffen erhöht sich. Dadurch verbessert sich die synaptische Übertragung. Diesen Mechanismus bezeichnet man als Langzeitpotenzierung. Sie ist vermutlich die Grundlage dafür, dass wir Dinge erlernen oder langfristig im Gedächtnis abspeichern können, wenn wir sie in regelmäßigen Abständen wiederholen. Andersherum werden nicht genutzte Verbindungen mit der Zeit immer schwächer.

Neurogenese

Durch die neuronale Plastizität werden aber nicht nur neue Verbindungen zwischen bereits bestehenden Neuronen geschaffen und verstärkt. Vielmehr werden auch komplett neu gebildete Neuronen an das bestehende Netz angeschlossen. Lange Zeit ging man davon aus, dass im Erwachsenenalter keine neuen Neurone mehr gebildet werden können. Inzwischen ist man der Meinung, dass das sehr wohl möglich ist und auch regelmäßig passiert. Das Phänomen nennt man “adulte Neurogenese” (adult = Erwachsene betreffend; Neurogenese = Neubildung von Nerven). Vor allem im Hippocampus, dem zentralen Ort für die Entstehung neuer Erinnerungen, kommt es wohl zur regelmäßigen Neubildung von Nervenzellen. Und wir können diese Neubildung vermutlich sogar selbst beeinflussen: So soll Stress die Neubildung eher behindern, während Sport sie begünstigt. Forschung in diesem Bereich wird zukünftig hoffentlich weitere Erkenntnisse über dieses spannende Thema bringen.

Klinische Bedeutung der synaptischen Funktion

Erkrankungen des Nervensystems

Viele neurologische und psychiatrische Erkrankungen sind mit Störungen der synaptischen Funktion verbunden. Dazu gehören:

  • Alzheimer-Krankheit: Eine neurodegenerative Erkrankung, die durch den Verlust von Neuronen und Synapsen im Gehirn gekennzeichnet ist.
  • Parkinson-Krankheit: Eine neurodegenerative Erkrankung, die durch den Verlust von dopaminproduzierenden Neuronen im Gehirn gekennzeichnet ist.
  • Depression: Eine psychische Erkrankung, die mit Veränderungen in der Neurotransmitter-Funktion verbunden ist.
  • Schizophrenie: Eine psychische Erkrankung, die mit Veränderungen in der Dopamin- und Glutamat-Funktion verbunden ist.
  • Autismus-Spektrum-Störung: neurologische Entwicklungsstörung, die durch reduzierte soziale Fähigkeiten, eingeschränkte Interessen und soziale Interaktionen sowie sich wiederholende und stereotype Verhaltensweisen gekennzeichnet ist.

Therapeutische Ansätze

Das Verständnis der synaptischen Funktion ist entscheidend für die Entwicklung neuer Therapien für neurologische und psychiatrische Erkrankungen. Viele Medikamente, die zur Behandlung dieser Erkrankungen eingesetzt werden, wirken, indem sie die synaptische Übertragung beeinflussen.

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Krebs-Neurowissenschaft: Eine neue Perspektive

In jüngster Zeit hat sich ein neues Forschungsgebiet etabliert, die Krebs-Neurowissenschaft (Cancer Neuroscience). Dieses Gebiet untersucht die Wechselwirkungen zwischen Krebszellen und dem Nervensystem. Es hat sich gezeigt, dass Nervenzellen direkte Synapsen mit Krebszellen bilden können und dass diese Interaktionen das Wachstum und die Ausbreitung von Tumoren beeinflussen können.

Mechanismen der Interaktion

Krebszellen und Nervenzellen können über verschiedene Mechanismen interagieren:

  • Freisetzung von Wachstumsfaktoren: Krebszellen setzen Wachstumsfaktoren frei, die das Einsprossen von Nerven in das Tumorgewebe stimulieren.
  • Neuron-zu-Krebs-Synapsen: Nervenzellen und Krebszellen können über "echte" Synapsen direkt miteinander kommunizieren.
  • Einfluss der Mikroumgebung: Die Mikroumgebung des Tumors, einschließlich Immun- und Bindegewebszellen, kann das Nervensystem beeinflussen.

Klinische Relevanz

Die Erkenntnisse der Krebs-Neurowissenschaft könnten zu neuen therapeutischen Ansätzen führen, die darauf abzielen, die Kommunikation zwischen Krebszellen und dem Nervensystem zu stören. Pilotstudien und frühe klinische Studien prüfen bereits zielgerichtete Therapiestrategien, die das Nervensystem beeinflussen sollen.

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