Keine Nerven mehr: Was tun bei einem quengelnden Kind?

Quengelnde Kinder können Eltern an ihre Grenzen bringen. Ständiges Fordern, Jammern und Nörgeln scheinen die Nerven gezielt auf die Probe zu stellen. Doch was steckt hinter diesem Verhalten und wie können Eltern am besten damit umgehen?

Die Warnung der Forschung: Ablenkung durch Medien

Forschende warnen davor, quengelnde Kleinkinder mit Handys oder Tablets ruhigzustellen. Obwohl es eine schnelle und einfache Lösung scheint, kann es langfristige Folgen für die emotionale Entwicklung haben. Kindern fehle so die Möglichkeit, emotionale Bewältigungsstrategien zu üben. Dieses Defizit könne später schwer auszugleichen sein. Besonders fatal sei der Zusammenhang bei ohnehin schon hyperaktiven und temperamentvollen Kindern, bei denen die Versuchung zur schnellen Beruhigung besonders groß ist.

Die Fähigkeit, eigene Emotionen zu regulieren, ist wichtig für Schulerfolg und ein harmonisches Miteinander mit Gleichaltrigen. "Die Verwendung von Mobilgeräten zur Beruhigung von Kleinkindern mag wie ein harmloses, zeitlich begrenztes Mittel erscheinen, um den Stress im Haushalt zu reduzieren, aber es kann langfristige Folgen haben, wenn dies eine regelmäßige Beruhigungsstrategie ist", sagt Jenny Radesky, verhaltenstherapeutische Kinderärztin an der University of Michigan in Ann Arbor. Geräte könnten in der frühen Kindheit die Entwicklung unabhängiger und alternativer Methoden zur Selbstregulierung verdrängen.

Warum quengeln Kinder? Die Ursachen verstehen

Kinder quengeln nicht, um ihre Eltern zu ärgern oder ihnen das Leben schwer zu machen. Oft ist Quengeln die einzige Ausdrucksweise, die ihnen in bestimmten Situationen zur Verfügung steht. Es ist Ausdruck von Machtlosigkeit, ein "Nicht-weiter-wissen" und ein Mangel an Ausdrucksmöglichkeiten.

Ein unbefriedigtes Bedürfnis verursacht bei Kindern Unbehagen und Stress. Gerade ein kleines Kind kann seine Bedürfnisse noch nicht richtig mitteilen. Beim Quengeln will es seinen Eltern vielleicht sagen, dass es Hunger hat oder übermüdet ist. Und meist hat seine Methode Erfolg. Denn das Quengeln löst bei Eltern einen Fürsorgereflex aus. Um das Quengeln eines Kindes zu vermeiden, ist es hilfreich, sein Kind zu beobachten. Merkt man vielleicht an seiner Gestik oder Mimik, wann es Hunger hat oder müde wird? Auch Überforderung sorgt für quengeliges Verhalten. Kinder reagieren mit Überforderung, wenn etwas passiert, mit dem sie nicht gerechnet haben. So kann es sinnvoll sein, dem Kind schon eine gewisse Zeit vorher zu sagen, dass es gleich zu Oma und Opa geht, oder es heute beim Einkaufen nichts Süßes gibt.

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Mögliche Ursachen für Quengeln:

  • Zu wenig Schlaf: Übermüdung erhöht die Wahrscheinlichkeit für Quengelei.
  • Unwohlsein: Krankheit, Erkältungen, Bauchschmerzen oder Magen-Darm-Infekte können zu Quengelei führen.
  • Ungeduld: Kleinkinder können ihre Bedürfnisse schlecht zurückhalten oder darauf warten, dass sie erfüllt werden.
  • Ungestillte Bedürfnisse: Hunger, Durst oder eine volle Blase können Quengel-Anfälle auslösen.
  • Überforderung/Unterforderung: Kleine Kinder können noch nicht ausdrücken, welches Problem sie haben. Überforderung entsteht, wenn zu viele Reize auf sie einwirken, Unterforderung äußert sich in Langeweile.
  • Wunsch nach Aufmerksamkeit: Kinder wollen sich bemerkbar machen und ihre Bedürfnisse mitteilen.

Wie reagieren Eltern richtig? Tipps und Strategien

Eltern fragen sich häufig wie sie ihren Kindern das Quengeln wieder "abgewöhnen" können. Doch darum geht es gar nicht. Auch negative Gefühle dürfen geäußert werden: Kinder müssen lernen, dass sie ihren Eltern auch negative Gefühle mitteilen dürfen. Denn diese gehören zu einer "normalen" Gefühlswelt dazu.

Eltern sollten sich zunächst bewusst machen, dass Quengeln ein natürlicher Ausdruck von Kindern ist. Statt mitzustöhnen oder zu schimpfen, ist es wichtig, ruhig zu bleiben und die Situation zu hinterfragen.

Praktische Tipps für den Umgang mit quengelnden Kindern:

  1. Ruhe bewahren: Auch wenn es schwerfällt, ist es wichtig, selbst ruhig zu bleiben, damit sich die Stimmung nicht weiter aufheizt.
  2. Bedürfnisse erkennen: Versuchen Sie, das Bedürfnis Ihres Kindes zu erkennen und die Situation entsprechend zu lösen.
  3. Verständnis zeigen: Nehmen Sie Ihr Kind in den Arm und zeigen Sie Verständnis für seine Gefühle, auch wenn Sie nicht nachgeben müssen.
  4. Klare Kommunikation: Erklären Sie Ihrem Kind ruhig und freundlich Ihre Meinung und bitten Sie es, in einer anderen Tonlage mit Ihnen zu sprechen.
  5. Lob aussprechen: Loben Sie Ihr Kind, wenn es versucht, weniger zu quengeln.
  6. Konsequent bleiben: Wenn Sie eine Entscheidung getroffen haben, bleiben Sie dabei, damit Ihr Kind lernt, dass Quengeln nicht zum Erfolg führt.
  7. Vorbild sein: Vermeiden Sie es, selbst zu quengeln, und zeigen Sie Ihrem Kind, wie man Gefühle angemessen ausdrückt.
  8. Alternativen anbieten: Bieten Sie Ihrem Kind Alternativen an, um seine Bedürfnisse auszuleben. Wenn es zum Beispiel das Bedürfnis hat, sich zu bewegen, machen Sie eine Pause, in der es rennen und springen kann.
  9. Gefühle benennen: Helfen Sie Ihrem Kind, seine Emotionen zu verstehen und einzuordnen, indem Sie die Gefühle benennen, die Sie bei ihm wahrnehmen.
  10. Wahlmöglichkeiten geben: Geben Sie Ihrem Kind Wahlmöglichkeiten, damit es sich ernst genommen fühlt und mitbestimmen kann.
  11. Quengeln nicht belohnen: Geben Sie nicht nach, wenn Ihr Kind quengelt, um etwas zu bekommen. Sonst lernt es, dass Quengeln eine erfolgreiche Strategie ist.
  12. Langeweile zulassen: Geben Sie Ihrem Kind freie Zeit, damit es sich mit sich selbst beschäftigen und kreativ werden kann.
  13. „Zaubersatz“ verwenden: Die Entwicklungspsychologin Dr. Aliza Pressman empfiehlt den Satz: "Ich möchte wirklich verstehen, was du sagen willst, aber es fällt mir schwer, das zu verstehen, wenn du jammerst." Dieser Satz signalisiert dem Kind, dass seine Bedürfnisse wahrgenommen werden, aber auch klare Grenzen gesetzt sind.

Was Eltern vermeiden sollten:

  • Bestechung oder Belohnung: Dem Kind zu sagen, es bekommt etwas Süßes, wenn es aufhört zu quengeln, löst die Situation nicht.
  • Drohungen und Strafen: Eine Strafe entschärft die Situation nur sehr selten.
  • Nachgeben: Wenn ein Kind mit negativem Verhalten nur seinen Willen durchsetzen will, sollte es lernen, dass sein gewählter Weg nicht zum Erfolg führt.

Die Autonomiephase: Trotzen als Entwicklungsschritt

Die Autonomiephase, oft auch Trotzphase genannt, ist eine wichtige Entwicklungszeit, in der Kinder ihren eigenen Willen entdecken und Grenzen austesten. In dieser Phase erleben Kinder intensive Gefühle und brauchen die Unterstützung ihrer Eltern, um damit umzugehen zu lernen.

Tipps für den Umgang mit der Autonomiephase:

  • Akzeptieren Sie die Trotzphase als natürlichen Teil der Entwicklung.
  • Bleiben Sie ruhig und erinnern Sie sich daran, dass Ihr Kind sich nicht absichtlich so verhält.
  • Sagen Sie kurz, welche Gefühle Sie wahrnehmen, um das Gefühlsbewusstsein des Kindes zu fördern.
  • Bieten Sie Körperkontakt an, wenn Ihr Kind es zulässt.
  • Verhandeln Sie mit Ihrem Kind und geben Sie ihm Wahlmöglichkeiten.
  • Leben Sie vor, wie man Emotionen in Worte fasst.
  • Reflektieren Sie vor und nach einem Wutausbruch mit Ihrem Kind und helfen Sie ihm, einen besseren Umgang mit Frust und Wut zu entwickeln.
  • Achten Sie auf sich selbst: Wie haben Sie Ihre eigene Erziehung erlebt? Wie wichtig sind Ihnen Autonomie und Freiheit? Wie anstrengend ist Ihr Alltag mit Kleinkind? Haben Sie genug Pausen und Unterstützung?

Langeweile: Eine Chance für Kreativität

Langeweile kann bei Kindern unangenehme Gefühle auslösen und zu Quengelei führen. Doch Langeweile ist auch wichtig für die Entwicklung von Kindern, weil sie sich mit sich selbst beschäftigen und kreativ werden müssen.

Tipps gegen Langeweile:

  • Schenken Sie Ihrem Kind freie Zeit.
  • Vermeiden Sie es, Ihr Kind mit Spielsachen zu überfluten.
  • Stellen Sie Ihrem Kind eine Kreativkiste zur Verfügung.
  • Schreiten Sie nicht immer gleich ein, wenn Ihr Kind sich langweilt.
  • Stellen Sie sich vor längeren Fahrten eine Liste mit Spielen zusammen.

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