Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Es handelt sich um eine komplexe neurologische Erkrankung, die durch anfallsartige, oft einseitige Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, die von einer Reihe weiterer Symptome begleitet werden können. Die Migräne kann das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten der Migräne, um Betroffenen ein besseres Verständnis dieser Erkrankung zu ermöglichen.
Was ist Migräne?
Migräne ist eine neurobiologisch bedingte Funktionsstörung des Gehirns, der Hirnhaut und der Blutgefäße. Sie äußert sich in anfallsartigen, starken Kopfschmerzen, die Stunden bis Tage andauern können. Die Kopfschmerzen sind oft pulsierend, pochend oder stechend und treten meist einseitig auf, können sich aber auch auf beide Kopfseiten ausweiten. Häufige Begleitsymptome sind Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit.
Migräneformen
Es gibt verschiedene Formen der Migräne, wobei die beiden häufigsten die Migräne ohne Aura und die Migräne mit Aura sind.
- Migräne ohne Aura: Diese Form ist durch Kopfschmerzen gekennzeichnet, die die oben genannten Kriterien erfüllen, aber nicht von neurologischen Symptomen begleitet werden.
- Migräne mit Aura: Bei dieser Form treten vor oder während der Kopfschmerzphase neurologische Symptome auf, die als Aura bezeichnet werden. Diese können Sehstörungen (z.B. Flimmersehen, Lichtblitze, Gesichtsfeldausfälle), Empfindungsstörungen (z.B. Kribbeln, Taubheit), Sprachstörungen oder seltener motorische Schwäche umfassen.
Neben diesen Hauptformen gibt es seltenere Varianten wie die hemiplegische Migräne (mit motorischer Aura), die vestibuläre Migräne (mit Schwindel) und die Basilaris-Migräne (mit Hirnstammaura).
Ursachen und Auslöser
Die genauen Ursachen der Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Bei Migräne-Betroffenen findet möglicherweise eine aktivere Reizverarbeitung im Gehirn statt. Bestimmte Reize oder Einflussfaktoren, sogenannte Trigger, können dann zu Veränderungen im Gehirn führen, die letztendlich einen Migräneanfall auslösen.
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Häufige Trigger
- Stress: Sowohl körperlicher als auch seelischer Stress können Migräneattacken auslösen, oft in der Entspannungsphase nach einer Stressperiode.
- Hormonelle Veränderungen: Schwankungen im Hormonspiegel, beispielsweise während des Menstruationszyklus, in der Schwangerschaft oder durch die Einnahme von Hormonpräparaten, können Migräneanfälle begünstigen.
- Ernährung: Bestimmte Nahrungsmittel wie Schokolade, Käse, Zitrusfrüchte, Alkohol (insbesondere Rotwein) oder auch unregelmäßiges Essen und Auslassen von Mahlzeiten können als Trigger wirken.
- Schlaf: Ein wechselnder Schlaf-Wach-Rhythmus, zu viel oder zu wenig Schlaf können Migräne auslösen.
- Äußere Reize: Helles Licht, Lärm, starke Gerüche, verqualmte Räume oder Wetterveränderungen können ebenfalls Trigger sein.
- Emotionen: Starke Emotionen wie Freude, Trauer, Angst oder Schreck können eine Migräneattacke auslösen.
- Medikamente: Einige Medikamente können Migräne begünstigen.
Symptome und Verlauf
Eine Migräneattacke kann in verschiedenen Phasen ablaufen, die unterschiedlich lange dauern und nicht zwingend alle auftreten müssen.
- Prodromalphase (Vorbotenphase): In dieser Phase, die Stunden oder Tage vor dem eigentlichen Kopfschmerz auftreten kann, können Symptome wie Gereiztheit, Müdigkeit, Heißhunger, Lichtempfindlichkeit oder Stimmungsschwankungen auftreten.
- Aura: Bei etwa 15-25 % der Migränepatienten tritt eine Aura auf. Diese neurologischen Symptome entwickeln sich meist langsam über 5-20 Minuten und dauern in der Regel weniger als eine Stunde an. Typische Aurasymptome sind Sehstörungen (Flimmersehen, Lichtblitze, Gesichtsfeldausfälle), Empfindungsstörungen (Kribbeln, Taubheit) oder Sprachstörungen.
- Kopfschmerzphase: Die Kopfschmerzen sind typischerweise stark, pulsierend, pochend oder stechend und treten meist einseitig auf. Sie können sich bei körperlicher Aktivität verstärken und werden oft von Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet. Die Kopfschmerzphase dauert in der Regel zwischen vier und 72 Stunden.
- Rückbildungsphase (Erholungsphase): Nach dem Abklingen der Kopfschmerzen fühlen sich viele Betroffene erschöpft und haben ein erhöhtes Schlafbedürfnis.
Diagnose
Die Diagnose der Migräne basiert hauptsächlich auf der Anamnese, d.h. einem ausführlichen Gespräch mit dem Arzt, in dem die Art, Häufigkeit, Dauer und Begleitsymptome der Kopfschmerzen erfragt werden. Ein Kopfschmerztagebuch kann hilfreich sein, um die Symptome zu dokumentieren und mögliche Trigger zu identifizieren. In manchen Fällen können weitere Untersuchungen wie eine neurologische Untersuchung oder eine Bildgebung des Gehirns (z.B. MRT) erforderlich sein, um andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen.
Behandlung
Da die Migräne eine chronische Erkrankung ist, ist eine Heilung im eigentlichen Sinne nicht möglich. Ziel der Behandlung ist es, die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Migräneattacken zu reduzieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Die Behandlung umfasst sowohl die Akuttherapie von Migräneattacken als auch die vorbeugende Behandlung (Prophylaxe).
Akuttherapie
Die Akuttherapie zielt darauf ab, die Symptome einer akuten Migräneattacke zu lindern.
- Schmerzmittel: Bei leichten bis mittelschweren Migräneattacken können rezeptfreie Schmerzmittel wie Ibuprofen, Acetylsalicylsäure (ASS) oder Paracetamol eingesetzt werden.
- Triptane: Bei mittelschweren bis schweren Migräneattacken sind Triptane die Mittel der Wahl. Sie wirken, indem sie die Blutgefäße im Gehirn verengen und die Freisetzung von entzündungsfördernden Substanzen hemmen. Triptane sollten möglichst frühzeitig in der Kopfschmerzphase eingenommen werden.
- Antiemetika: Gegen Übelkeit und Erbrechen können Antiemetika eingesetzt werden.
Migräneprophylaxe
Die Migräneprophylaxe zielt darauf ab, die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Migräneattacken zu reduzieren. Sie kommt in Betracht, wenn die Migräneattacken häufig auftreten (mehr als drei Mal pro Monat), die Lebensqualität stark beeinträchtigen oder die Akuttherapie nicht ausreichend wirksam ist.
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- Medikamentöse Prophylaxe: Es gibt verschiedene Medikamente, die zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden können, darunter Betablocker, Antidepressiva, Antiepileptika und CGRP-Antikörper. Die Wahl des geeigneten Medikaments hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. der Art der Migräne, Begleiterkrankungen und möglichen Nebenwirkungen.
- Nicht-medikamentöse Prophylaxe: Neben Medikamenten können auch nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Migräneprophylaxe beitragen. Dazu gehören:
- Regelmäßiger Lebensstil: Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, regelmäßige Mahlzeiten und ausreichend Flüssigkeitszufuhr können helfen, Migräneattacken vorzubeugen.
- Stressmanagement: Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training, Yoga oder Meditation können helfen, Stress abzubauen und Migräneattacken vorzubeugen.
- Ausdauersport: Regelmäßiger Ausdauersport wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren kann ebenfalls zur Migräneprophylaxe beitragen.
- Vermeidung von Triggern: Das Identifizieren und Vermeiden individueller Trigger kann helfen, Migräneattacken vorzubeugen. Ein Kopfschmerztagebuch kann dabei hilfreich sein.
- Biofeedback: Bei dieser Methode lernen Betroffene, biologische Signale wie den Blutdruck bewusst zu beeinflussen, um Kopfschmerzen zu lindern.
- Akupunktur: Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur bei der Migräneprophylaxe wirksam sein kann.
Migräne bei Kindern und Jugendlichen
Auch Kinder und Jugendliche können von Migräne betroffen sein. Die Symptome können sich von denen bei Erwachsenen unterscheiden. So treten Kopfschmerzen bei Kindern häufiger beidseitig im Stirn- und Schläfenbereich auf. Auch Bauchschmerzen können ein Symptom der Migräne bei Kindern sein (abdominelle Migräne). Die Behandlung von Migräne bei Kindern und Jugendlichen sollte immer in Absprache mit einem Arzt erfolgen. Nicht alle Medikamente sind für Kinder zugelassen, und die Dosierung muss entsprechend angepasst werden.
Migräne und Hormone
Hormonelle Veränderungen können bei Frauen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Migräne spielen. Viele Frauen berichten von Migräneattacken im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus, der Schwangerschaft oder den Wechseljahren. Eine spezielle Form der Migräne, die menstruelle Migräne, tritt ausschließlich im Zusammenhang mit der Menstruation auf. Die Behandlung von hormonell bedingter Migräne kann eine Anpassung der Hormontherapie oder die Verwendung spezifischer Migränemedikamente umfassen.
Migränekomplikationen
In seltenen Fällen kann es im Zusammenhang mit Migräne zu Komplikationen kommen. Dazu gehören der migränöse Infarkt (Schlaganfall im Zusammenhang mit einer Migräneattacke) und die chronische Migräne (Kopfschmerzen an mehr als 15 Tagen pro Monat über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten).
Leben mit Migräne
Migräne kann das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen. Es ist wichtig, sich über die Erkrankung zu informieren, die Behandlungsmöglichkeiten zu kennen und Strategien zu entwickeln, um mit den Symptomen umzugehen. Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen oder Online-Foren kann ebenfalls hilfreich sein.
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