Taubheitsgefühl und Kribbeln: Ursachen und Behandlung bei Vitamin-B-Mangel

Ein unangenehmes Kribbeln oder Taubheitsgefühl in Händen, Füßen oder anderen Körperteilen kann viele Ursachen haben. Eine davon ist ein Mangel an Vitaminen des B-Komplexes. Da diese Vitamine eine wichtige Rolle für die Funktion des Nervensystems spielen, kann ein Mangel zu einer Reihe von neurologischen Symptomen führen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung von Taubheitsgefühlen und Kribbeln im Zusammenhang mit einem Vitamin-B-Mangel.

Einführung in den Vitamin-B-Komplex

Der Vitamin-B-Komplex umfasst eine Gruppe von acht wasserlöslichen Vitaminen, die für verschiedene Stoffwechselprozesse im Körper unerlässlich sind. Zu den wichtigsten B-Vitaminen gehören Vitamin B1 (Thiamin), Vitamin B6 (Pyridoxin), Vitamin B9 (Folat) und Vitamin B12 (Cobalamin). Da der Körper diese Vitamine nicht selbst herstellen kann, müssen sie über die Nahrung aufgenommen werden.

Ursachen eines Vitamin-B-Mangels

Ein Vitamin-B-Mangel kann verschiedene Ursachen haben:

  • Mangelernährung: Eine einseitige und unausgewogene Ernährung, insbesondere bei älteren Menschen oder bei Essstörungen wie Bulimie oder Magersucht, kann zu einer unzureichenden Zufuhr von B-Vitaminen führen. Vegetarier und Veganer, die keine tierischen Produkte konsumieren, können einen Mangel an Vitamin B12 entwickeln, das hauptsächlich in tierischen Lebensmitteln vorkommt.
  • Erhöhter Vitaminverbrauch: In bestimmten Situationen, wie z.B. während der Schwangerschaft und Stillzeit, haben Frauen einen erhöhten Bedarf an bestimmten B-Vitaminen wie Folsäure und Vitamin B12. Auch Leistungssportler haben aufgrund ihres größeren Energieverbrauchs, beschleunigten Stoffwechsels und schnellen Gewebeaufbaus einen erhöhten Bedarf an B-Vitaminen. Stress und Belastung können ebenfalls den Bedarf an B-Vitaminen erhöhen.
  • Alkoholmissbrauch: Chronischer Alkoholkonsum führt zu einem gesteigerten Vitamin-B-Verbrauch und kann die Aufnahme und Speicherung von B-Vitaminen im Körper reduzieren. Bei Alkoholismus kommt es häufig zu Magenschleimhautentzündungen, die die Aufnahme von Vitamin B12 beeinträchtigen können.
  • Resorptionsstörungen: Bestimmte Erkrankungen des Magens oder Darms, wie z.B. chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) oder Zöliakie, können die Aufnahme von B-Vitaminen beeinträchtigen. Auch operative Eingriffe zur Gewichtsabnahme (bariatrische Operationen) können die Aufnahme von Nährstoffen, einschließlich B-Vitaminen, reduzieren.
  • Einnahme von Medikamenten: Einige Medikamente, wie z.B. Magensäureblocker oder Metformin (ein Medikament zur Behandlung von Typ-2-Diabetes), können die Aufnahme von B-Vitaminen stören.

Symptome eines Vitamin-B-Mangels

Die Symptome eines Vitamin-B-Mangels können vielfältig sein und hängen davon ab, welches B-Vitamin fehlt und wie stark der Mangel ausgeprägt ist. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Kribbeln und Taubheitsgefühl: Diese Symptome treten häufig in Händen und Füßen auf und werden oft durch einen Mangel an Vitamin B12 verursacht. Ein Mangel an Vitamin B1 kann ebenfalls mit Kribbeln in den Beinen in Verbindung stehen.
  • Müdigkeit und Schwäche: Ein Mangel an B1 und B6 kann zu allgemeiner Schwäche und Müdigkeit führen. Vitamin B12 wird vor allem auch für die Produktion von roten Blutkörperchen benötigt.
  • Neurologische Symptome: Ein Mangel an Vitamin B12 kann die Myelinscheide, die die Nervenfasern umgibt und schützt, beeinträchtigen und zu peripheren Neuropathien führen, die mit Kribbeln am ganzen Körper verbunden sein können. Auch Gedächtnisprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten, Stimmungsschwankungen und Depressionen können auftreten.
  • Weitere Symptome: Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Reizbarkeit, Blässe und Kurzatmigkeit können ebenfalls auf einen Vitamin-B-Mangel hindeuten.

Vitamin B1 (Thiamin) und Kribbeln in den Beinen

Kribbeln in den Beinen und Füßen tritt häufig bei Diabetikern auf. Ein Vitamin-B1-Mangel kann Nervenschäden (Neuropathien) auslösen oder verstärken und Empfindungsstörungen wie Kribbeln, Brennen und Taubheitsgefühle in den Füßen hervorrufen.

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Diagnose eines Vitamin-B-Mangels

Die Diagnose eines Vitamin-B-Mangels beginnt in der Regel mit einer Anamnese, bei der der Arzt nach typischen Symptomen wie Kribbeln, Taubheitsgefühl, Müdigkeit und Erschöpfung fragt. Anschließend wird eine Labordiagnostik durchgeführt, um die Vitamin-B-Werte im Blut zu überprüfen. In den seltensten Fällen werden alle Vitamin-B-Werte bestimmt. Bei einem Verdacht auf Vitamin-B12-Mangel kann die Messung von Holotranscobalamin (Holo-TC) aussagekräftiger sein, da dieser Wert den Status des tatsächlich aktiven Vitamins anzeigt.

Behandlung eines Vitamin-B-Mangels

Die Behandlung eines Vitamin-B-Mangels umfasst in der Regel zwei Ansätze:

  1. Behebung der Ursache: Wenn möglich, sollte die Ursache des Vitamin-B-Mangels behoben werden. Dies kann beispielsweise die Behandlung einer Grunderkrankung oder die Anpassung der Medikation umfassen.
  2. Vitamin-B-Substitution: Um den Mangel auszugleichen, wird dem Körper Vitamin B zugeführt. Dies kann durch eine Ernährungsumstellung, die Einnahme von Vitamin-B-Präparaten oder in schweren Fällen durch Vitamin-B-Infusionen erfolgen.

Ernährungsumstellung

Eine ausgewogene Ernährung, die reich an Gemüse, Fisch, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Milchprodukten und Fleisch ist, kann dazu beitragen, einen Vitamin-B-Mangel zu beheben oder zu verhindern. Vegetarier und Veganer sollten besonders auf eine ausreichende Zufuhr von Vitamin B12 achten, z.B. durch angereicherte Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel.

Vitamin-B-Präparate

Es gibt zahlreiche Vitamin-B-haltige Präparate in Form von Tabletten, Kapseln oder Tropfen. Bei der Einnahme von Vitamin-B-Präparaten ist zu beachten, dass Vitamin B über den Magen bzw. Darm durch Transportproteine in den Körper aufgenommen wird. Sind diese Transportproteine nicht ausreichend vorhanden, kann die Aufnahme von Vitamin B beeinträchtigt sein.

Vitamin-B-Infusionen

Bei einem schweren Vitamin-B-Mangel oder bei Resorptionsstörungen kann eine Vitamin-B-Substitution durch Infusionen sinnvoll sein. Insbesondere bei einem Vitamin-B12-Mangel kann die Gabe von Vitamin B12 als Kurzinfusion oder Spritze in regelmäßigen Abständen erfolgen.

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Vorbeugung eines Vitamin-B-Mangels

Um einem Vitamin-B-Mangel vorzubeugen, sollte man auf eine ausreichende Zufuhr von B-Vitaminen über die Ernährung achten. Dies gelingt am besten durch eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Fisch, Fleisch und Milchprodukten. Bei bestimmten Risikogruppen, wie z.B. älteren Menschen, Vegetariern, Veganern, Schwangeren und Menschen mit bestimmten Erkrankungen, kann eine zusätzliche Einnahme von Vitamin-B-Präparaten sinnvoll sein.

Weitere Maßnahmen bei Kribbeln und Taubheitsgefühl

Neben der Behandlung eines Vitamin-B-Mangels gibt es noch weitere Maßnahmen, die bei Kribbeln und Taubheitsgefühl helfen können:

  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung fördert die Durchblutung und kann helfen, Verspannungen zu lösen.
  • Entspannung: Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung oder Yoga können helfen, Stress abzubauen und die Nerven zu beruhigen.
  • Hausmittel: Wärme- oder Kälteanwendungen, Massagen und Wechselduschen können die Symptome vorübergehend lindern.
  • Vermeidung von Nervengiften: Alkohol und Nikotin können Nervenschäden verursachen oder verstärken und sollten daher vermieden werden.
  • Fußpflege: Diabetiker sollten ihre Füße täglich auf Verletzungen kontrollieren und regelmäßig eine medizinische Fußpflege in Anspruch nehmen.

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