Das Iliosakralgelenk (ISG), auch Kreuzbein-Darmbein-Gelenk genannt, verbindet das Kreuzbein der Wirbelsäule mit dem Darmbein des Beckens. Es dient der Kraftübertragung vom Rücken auf Becken und untere Extremitäten. Obwohl es sich um ein relativ unbewegliches Gelenk handelt, kann es durch verschiedene Faktoren zu Schmerzen und Funktionsstörungen kommen, die als ISG-Syndrom oder ISG-Blockade bezeichnet werden. Rückenschmerzen sind in Deutschland weit verbreitet, und Experten schätzen, dass bei etwa jedem vierten Fall von Schmerzen im unteren Rücken das Iliosakralgelenk die Ursache ist.
Anatomie und Funktion des Iliosakralgelenks
Das Iliosakralgelenk (ISG) verbindet auf der rechten und linken Seite der Wirbelsäule das Kreuzbein mit dem Darmbein. Es ist Teil des Beckens und verbindet das Darmbein (Os ilium) mit dem Kreuzbein (Os sacrum). Das Kreuzbein steht in gelenkiger Verbindung mit der Wirbelsäule, während das Darmbein (Beckenschaufel) die Gelenkpfanne des Hüftgelenks beherbergt. Das Iliosakralgelenk dient der Kraftübertragung vom Rücken auf Becken und untere Extremitäten und ist damit ständig hohen Belastungen ausgesetzt.
Das ISG ist durch straffe Bänder stabilisiert und lässt nur minimale Bewegungen zu, die in der Medizin als Nutation und Kontranutation bezeichnet werden. Diese Bewegungen spielen beim Geburtsvorgang eine entscheidende Rolle, da sie eine Dehnung der Schambeinfuge (Symphyse) ermöglichen und so den Durchtritt des kindlichen Kopfes durch das Becken erleichtern.
Die Gelenkflächen zwischen Kreuzbein und Darmbein sind bei Männern und Frauen strukturell unterschiedlich. Bei Männern sind Erhebungen und Furchen auf den Gelenkflächen deutlicher ausgeprägt und zahlreicher als bei Frauen. Aus diesem Grund weist das ISG beim Mann eine höhere Stabilität auf. Bei Frauen tragen Bänder und Muskeln vermehrt zur Stabilisierung dieses Beckenabschnitts bei. Ein schwaches Binde- oder Muskelgewebe hat aus diesem Grund bei Frauen häufig Instabilitäten und Dysfunktionen des Iliosakralgelenks zur Folge.
Ursachen für ISG-Schmerzen
Die Ursachen für Schmerzen im Iliosakralgelenk (ISG-Syndrom) sind vielfältig:
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- Fehlbelastungen: Asymmetrische Belastungen, z. B. durch Beinlängendifferenz, einseitige Belastungen beim Sport, Hinken aufgrund anderer Schmerzen oder eine schiefe Sitzhaltung, können zu einer ISG-Blockade führen. Auch das Tragen größerer Gewichte in nur einer Hand kann eine Fehlbelastung verursachen.
- Trauma: Ein Unfall, ein plötzlicher Stoß oder die Stauchung bei einem Schritt ins Leere auf einer Treppenstufe oder einer Bordsteinkante können eine Dysfunktion des Iliosakralgelenks verursachen.
- Hormonelle Veränderungen: Bei Frauen kommen Schwangerschaft und Geburt als weitere mögliche Ursachen für ein ISG-Syndrom hinzu. In der Schwangerschaft lockert sich beispielsweise durch hormonelle Einflüsse das Bindegewebe. Dies ist ein erwünschter Vorgang: die Bandstrukturen werden weicher, das Iliosakralgelenk beweglicher - und kann so ein wenig mehr Raum schaffen, um dem Kind den Eintritt in das Becken zu ermöglichen. Können die Bänder und Sehnen aufgrund mangelnder Elastizität und Kraftverlust das Iliosakralgelenk nicht mehr ausreichend festigen, so kommt es zu einer Instabilität.
- Chronische Erkrankungen: Chronische Krankheiten, die den Bewegungsapparat beeinträchtigen, wie Arthrose oder Morbus Bechterew, können ebenfalls Schmerzen im ISG auslösen. Auch entzündliche Erkrankungen sind mögliche Ursachen für Beschwerden im Iliosakralgelenk. Dies betrifft vor allem Patienten mit Morbus Bechterew, einer chronisch entzündlichen rheumatischen Erkrankung mit der möglichen Folge einer Versteifung der Wirbelsäule.
- Weitere Ursachen: Weitere Ursachen für Schmerzen im Iliosakralgelenk können Infektionen, Bandscheibenvorfälle, Knochenbrüche, Erkrankungen der Hüfte und auch Stress sein.
Symptome eines ISG-Syndroms
Die Schmerzen bei einer ISG-Problematik äußern sich in Bereichen, die auch bei Erkrankungen der Lendenwirbelsäule (LWS) in Mitleidenschaft gezogen werden. Das ISG-Syndrom kann aus diesem Grund mit den Symptomen eines Hexenschusses oder eines lumbalen Bandscheibenvorfalls (Bandscheibenvorfall der LWS) verwechselt werden.
Typische Symptome einer ISG-Blockade sind, ähnlich wie bei einem Hexenschuss oder einem Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule, starke, meist einseitige Schmerzen im unteren Rückenbereich, die bis in Gesäß, Bein und Fuß ausstrahlen können. Betroffene berichten oft über ein Gefühl der Instabilität im Beckenbereich und Schwierigkeiten beim Gehen oder Aufstehen. Die Schmerzen im Iliosakralgelenk können über einen längeren Zeitraum intensiver werden oder plötzlich einschießen. Es kann auch zu Rückenschmerzen beim Liegen, Rückenschmerzen beim Sitzen oder zu Rückenschmerzen beim oder nach dem Sport kommen. Weitere mögliche Symptome sind Bewegungseinschränkungen und Empfindungsstörungen (z. B. Kribbeln in den Beinen).
Die Schmerzen werden von Betroffenen im Bereich des ISG verspürt. Sie können aber auch in die Lendenwirbelsäule und in die Beine ausstrahlen. Ähnliche Schmerzzustände werden durch Erkrankungen ausgelöst, die vom Ischiasnerv ausgehen. Taubheitsgefühle und Lähmungen der Beine sowie Blasen- und Darmentleerungsstörungen können bei Ischiasbeschwerden zusätzlich zu den Rückenschmerzen auftreten.
Es ist wichtig zu beachten, dass ISG-Schmerzen sehr variabel sind und den Schmerzzuständen unter Beteiligung von Hüfte und Lendenwirbelsäule gleichen können. Eine alleinige Schmerzanamnese reicht daher nicht aus, um eine ISG-Beteiligung eindeutig zu identifizieren.
Diagnose eines ISG-Syndroms
Eine gezielte und sorgfältige Diagnostik durch einen orthopädischen Spezialisten ist wichtig, um das ISG als Schmerzursache eindeutig zu identifizieren und eine Fehlinterpretation zu vermeiden. Wenn die Diagnose fehlerhaft ist, kann die Therapie nicht greifen.
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Der orthopädische Facharzt greift dazu auf mehrere Untersuchungsmethoden zurück:
- Anamnese: Eine ausführliche Anamnese hinsichtlich Beschwerden, Vorgeschichte und möglichen auslösenden Ereignissen geben dem Arzt erste Rückschlüsse, ob das Iliosakralgelenk beteiligt ist.
- Körperliche Untersuchung: Bei der körperlichen Untersuchung des Patienten erkennt der Orthopäde eventuelle Schonhaltungen und veränderte Beckenbewegungen, die der Patient schmerzbedingt einnimmt.
- Funktionelle Untersuchung: Bei der funktionellen Untersuchung des Iliosakralgelenks nutzt der orthopädische Spezialist verschiedene Tests. Die übliche Vorgehensweise in der Sprechstunde stellt die Durchführung von Provokationstest dar, bei denen der Arzt durch bestimmte Bewegungsabläufe beim Patienten die typischen Schmerzen auslöst. Eine Kombination aus mehreren Schmerz-Provokationstests ist unserer Erfahrung nach die verlässlichste Methode, um Funktionsstörungen des Iliosakralgelenks zu erkennen.
- FABER-Test: Durch Zug kann der Arzt Schmerzen im Iliosakralgelenk auslösen. In Rückenlage kreuzt der Arzt den Fuß der betroffenen Seite über dem gegenüberliegenden Oberschenkel.
- Tight-Trust-Test: Der Arzt übt Druck auf das Iliosakralgelenk aus und löst beim ISG-Syndrom Schmerzen aus. Der Patient hat in Rückenlage das Bein der betroffenen Seite angewinkelt.
- Palpationstest: Der Arzt erfasst Funktionsstörungen des Iliosakralgelenks durch Abtasten (Palpation) der unter der Haut liegenden, knöchernen Strukturen. Zu diesen Palpationstest gehört der Standing-Flexion-Test. Bei einem positiven Standing-Flexion-Test bewegt sich der Daumen des Arztes auf der Seite mit Blockade des Iliosakralgelenks schneller nach kranial (Pfeil). Das nennt man Vorlaufphänomen.
- 4D-Wirbelsäulenmessung: Die Kombination exakter Videomesstechnik mit moderner Datenverarbeitung erlaubt eine gezielte Darstellung der Wirbelsäulen- und Beckenbewegungen des Patienten. Das Verfahren zeichnet sich dadurch aus, dass die Vermessung bei der 4-dimensionalen Wirbelsäulenmessung in Bewegung und nicht statisch (3D-Wirbelsäulenmessung) stattfindet. Auf diese Weise kann der Untersucher Abweichungen der Beckenbewegung von der Norm genau erfassen.
- Radiologisch gesteuerte Injektion: Eine weitere konservative Diagnose- und Behandlungsmethode ist die radiologisch gesteuerte Injektion von lokalen Betäubungsmitteln (Lokalanästhetika) in das Iliosakralgelenk. Der Rückenspezialist führt die Injektion mithilfe von bildgebenden Verfahren durch und ermittelt zielgenau den Ursprungsort der Schmerzen. Verringern sich die Beschwerden beim Patienten um mindestens 75%, so sieht der Arzt seinen Verdacht auf eine Beteiligung des Iliosakralgelenks bestätigt.
- Bildgebende Verfahren: Bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT) oder Röntgen zeigen mögliche Strukturschäden wie Wirbelbrüche und den Zustand des umgebenden Weichteilgewebes. Auch entzündliche Prozesse kann der Experte erkennen.
Behandlungsmöglichkeiten bei ISG-Schmerzen
Die Behandlung richtet sich danach, wie stark die Beschwerden sind und welche Ursache zugrunde liegt. In den meisten Fällen werden konservative Therapien eingesetzt, aber auch interventionelle und operative Verfahren können in Betracht gezogen werden.
Konservative Therapie
- Schmerzmittel: Bei neu auftretenden Kreuzschmerzen kann man eine kurzfristige Einnahme von freiverkäuflichen Schmerzmitteln, wie Paracetamol, versuchen. Bei starken Schmerzen, die nicht von allein wieder verschwinden, ist es ratsam, den Hausarzt oder einen Orthopäden aufzusuchen. Zusätzlich können entzündungshemmende und schmerzlindernde Arzneimittel, wie zum Beispiel Kortison, gespritzt werden. Langfristig solltest du keine Medikamente nehmen und die Ursache deiner Schmerzen bekämpfen.
- Wärmeanwendungen: Wärmeanwendungen durch Bäder, Auflagen, Wärmepflaster oder Infrarotlampen unterstützen die Therapie effektiv.
- Physiotherapie: Körperliche Bewegung ist ein wichtiger Therapiebaustein zur erfolgreichen Behandlung eines ISG-Syndroms. Es ist wichtig, dass sich die Betroffenen viel bewegen, auch wenn sie Beschwerden haben. Begleitend wird eine Physiotherapie verordnet. Das Iliosakralgelenk wird während der Therapiesitzungen durch spezielle Übungen stabilisiert und entlastet. Physiotherapeutische Übungen helfen beim ISG-Syndrom auf unterschiedliche Weise: Mobilisations- und Stabilisationsübungen reduzieren die Schmerzen im Lenden- und Beckenbereich und verbessern die Beweglichkeit. Frauen mit ISG-Syndrom nach Schwangerschaft profitieren von diesen Übungen. Bei Verdacht auf eine gesteigerte Beweglichkeit (Hypermobilität) des Iliosakralgelenks kann eine medizinische Rückenorthese angelegt werden.
- Manuelle Therapie: Bei einer ISG-Blockade wird durch manuelle Therapie von Ärzten oder Physiotherapeuten die Gelenkblockade gelöst. Dies kann auf zwei verschiedenen Wegen erfolgen: über Mobilisation oder über Manipulation. Bei der Mobilisation wird das betroffene Gelenk während der physiotherapeutischen Behandlung vorsichtig gedehnt und so die Beweglichkeit verbessert. Bei der Manipulation wird die Blockade mittels einer kurzen Krafteinwirkung des Arztes auf das betroffene Gelenk gelöst.
- Ergonomische Anpassungen: Faktoren, die eine ISG-Blockade ausgelöst haben könnten, werden nach Möglichkeit vermieden oder abgebaut, etwa eine ergonomisch ungünstige Sitzhaltung. Bewegungen, die die Schmerzen verstärken, wie beispielsweise Treppensteigen, sollten vorübergehend vermieden werden, damit die Entzündung abklingen kann.
- Bewegung und Sport: Wir raten unseren Patienten vor allem zu regelmäßiger Bewegung und moderater sportlicher Aktivität, um die Beschwerden zu lindern. Spaziergänge, Schwimmen und Radfahren entlasten das Iliosakralgelenk und lösen Muskelverspannungen. Von Sportarten, die mit abrupten Stoppbewegungen oder Stauchungen verbunden sind, raten wir ab.
- Rückenorthese: Medizinische Rückenorthesen können die Therapie bei Erkrankungen des Iliosakralgelenks effektiv unterstützen und erneuten Beschwerden vorbeugen. Die Rückenorthese SacroLoc stützt die Beckenregion bei Erkrankungen des Iliosakralgelenks und anderen Störungen des Bewegungsapparates im Beckenbereich. Mittels eingearbeiteter Friktionspelotten wird die Durchblutung durch eine Massage der Iliosakralgelenke angeregt und Muskelverspannungen gelockert. Die SacroLoc stabilisiert und entlastet den unteren Rücken direkt an den Iliosakralgelenken. Die Intensität der Stabilisierung kann über Zuggurte individuell angepasst werden. Speziell gearbeitete Verschlüsse erleichtern das Anlegen.
Interventionelle Therapie
- Infiltrationstherapie: Zusätzlich kann vom Arzt eine sogenannte Infiltrationstherapie durchgeführt werden. Bei dieser Therapie werden betäubende Medikamente, sogenannte Lokalanästhetika, direkt an den Ursprungsort des Schmerzes gespritzt. Die Schmerzrezeptoren werden somit stillgelegt. Zusätzlich können entzündungshemmende und schmerzlindernde Arzneimittel, wie zum Beispiel Kortison, gespritzt werden. Eine Infiltration der Iliosakralgelenke wird auch als ISG-Block bezeichnet und ermöglicht Betroffenen wieder schmerzfreies Bewegen. Einer Schonhaltung aufgrund von chronischen Rückenschmerzen wird auf diese Weise vorgebeugt.
- CT-gesteuerte Schmerztherapie: Zur Behandlung bei einem ISG Syndrom ist die CT-gesteuerte Schmerztherapie häufig die letzte Option. Dabei wird CT-gesteuert wie bei den Infiltrationen der Facettengelenke, mit einer Spritze, die ins ISG eingeführt wird, Lokalanästhetikum und Cortison appliziert. Häufig tritt der Effekt der Behandlung relativ rasch (manchmal sofort nach der Infiltration) ein und man hat hierdurch gleichzeitig auch diagnostisch ein ISG Syndrom bestätigt. Die Infiltration erfolgt 3-4 mal im Intervall von ca. 1 Woche. Durchaus gibt es auch Patienten mit beidseitigem ISG Schmerz, in diesem Falle erfolgt auch beidseitig die CT-gesteuerte Infiltration.
- Thermodenervation: Bei eindeutiger Besserung unter den Infiltrationen kann auch, um den Effekt länger zu bewahren (z.B. bei rezidivierenden ISG Beschwerden durch falsche Belastung), eine Thermodenervierung der Nerven erfolgen, die das ISG innervieren und für die Schmerzweiterleitung zuständig sind. Bei der Thermodenervation werden keine motorischen Nerven verödet sondern der Ramus dorsalis. Dieser Ast ist winzig klein (ca. 1 mm Durchmesser) und trägt besteht ausd C-Fasern. Diese C-Fasern vermittel nichts anderes als Schmerz und geben die Information an die großen Nerven und letztendlich zum Rückenmark weiter, von wo die Information schließlich ins Gehirn übermittel wird und dort zu Bewußtsein gelangt und als Schmerz wahrgenommen wird. Die Verödung diser kleinen Nerven wird an 3-4 Stllen am ISG durchgeführt. Eine lokale Betäubung ist nicht erforderlich, der Vorgang dauert ca.
Operative Therapie
- ISG-Versteifung (iliosakrale Fusion): Sind die konservativen Methoden ausgeschöpft und liegt ein chronisches Leiden vor, kann der Spezialist eine Operation in Betracht ziehen. Diese erfolgt durch eine minimalinvasive iliosakrale Fusion, eine Versteifung des Iliosakralgelenkes (ISG-Versteifung). Die Versteifung kann mit oder ohne eine zusätzliche Denervation vorgenommen werden. Bei einer solchen ISG-Denervierung handelt es sich um eine Radiofrequenz-Neurotomie, bei der die um das ISG liegenden schmerzleitenden Nervenbahnen durchtrennt werden.
Übungen zur Selbstbehandlung einer ISG-Blockade
Eine ISG-Blockade können Betroffene mit Übungen selbstständig behandeln. Ziel der Übungen ist es, blockierte Strukturen zu mobilisieren und die Spannungszustände der umgebenden Muskulatur zu lösen. Auf diese Weise kann die mechanische Dysfunktion des Iliosakralgelenks reduziert oder vollständig beseitigt werden. Vor der Durchführung der Übungen sollten Patienten immer einen orthopädischen Facharzt konsultieren.
- Übung 1: Knien Sie auf einer Matte oder direkt auf dem Boden vor einem Sessel oder Sofa und stützen Sie sich mit den Unterarmen auf der Sitzfläche ab. Schieben Sie die Knie so weit zurück, dass Sie sich in den Leisten durchhängen lassen können. Lassen Sie sich dann mit den Leisten voran ganz langsam nach unten absinken. Halten Sie die Dehnung für 20 - 30 Sekunden.
- Übung 2: Setzen Sie sich auf einen Stuhl und legen Sie das linke Bein auf das rechte. Das linke Fußgelenk liegt auf dem rechten Oberschenkel kurz vor dem Knie. Gehen Sie nun gefühlt ins Hohlkreuz und beugen Sie den Rumpf so weit nach vorne und unten, bis sich ein deutlicher Dehnungsschmerz zeigt. Wenn Sie den Rumpf nicht mehr weiter nach vorne bringen können, runden Sie den Rücken ein. Bleiben Sie ca.
- Übung 3: Legen Sie sich auf den Rücken, die Beine sind ausgestreckt. Verlängern Sie nun das gestreckte rechte Bein, indem Sie den Oberschenkel in Richtung Fuß weg von der Hüfte ziehen, bis Sie eine angenehme Dehnung im unteren Rücken verspüren. Die Fersen schleifen dabei über die Unterlage.
- Übung 4: Legen Sie sich mit dem Rücken auf den Boden, strecken Sie die Beine aus und legen Sie die Arme im rechten Winkel mit den Handflächen nach unten ab. Stellen Sie das linke Bein angewinkelt neben dem rechten Knie ab. Greifen Sie mit der rechten Hand zum linken Knie und ziehen Sie es seitlich nach rechts, in Richtung Boden. Achten Sie dabei darauf, dass Rücken und Schultern flach am Boden liegen bleiben. Drehen Sie den Kopf in die Gegenrichtung nach links. Halten Sie diese Position etwa 30 Sekunden lang. Die Übung dann auf der anderen Seite durchführen.
- Übung 5: Stellen Sie sich mit einem Bein auf eine stabile Erhebung, wie die unterste Stufe einer Treppe oder einen Stepper. Das Knie dabei leicht anwinkeln. Das andere Bein seitlich hängen lassen und in der Luft hin- und herbewegen. Die Übung mit dem anderen Bein wiederholen.
- Weitere Übungen:
- Heben Sie das Becken und lassen Sie es dann nach unten fallen. Diese Übung erhöht die Beweglichkeit des Iliosakralgelenks.
- Umgreifen Sie in Rückenlage Ihre Beine. Ziehen Sie die Beine an den Körper. Sie können auch leicht vor und zurück schaukeln.
- Beginnen Sie in Seitenlage und drehen Sie nur den Oberkörper in Rückenlage. Strecken Sie das obere Bein, um die Drehung zu verstärken.
- Pendeln Sie das herabhängende Bein- ohne Muskelspannung - langsam - in einem geringen Bewegungsumfang vor- und zurück. Das Eigengewicht des Beines übt Zug auf Hüft- und Kniegelenk aus.
- Spannen Sie bewusst Bauch- und Beckenbodenmuskulatur an.
Vorbeugung von ISG-Beschwerden
Mit einem bewegten Alltag können Sie Ihr Wohlbefinden steigern. Die AOK unterstützt Sie dabei mit verschiedenen Angeboten, zum Beispiel Bewegungskursen in Ihrer Nähe.
- Bewegung: Probiere es aus und entscheide selbst, was Dir guttut: ein ausgedehnter Spaziergang, Schwimmen, schonende Gymnastik, Yoga oder Dein Lieblingssport.
- Körpergewicht: ein hohes Körpergewicht mit einer ungünstigen Verteilung der Massen, beispielsweise in der späten Schwangerschaft, belasten das Iliosakralgelenk.
- Sport: Sportarten wie Joggen auf Asphalt, Squash oder Tennis können das ISG-Syndrom möglicherweise verstärken, da sie Stöße und abrupte Bewegungen auslösen.
- Rückenschule: Die Grundlagen der Rückenschule gelten auch für Probleme im Bereich des Beckens.
Schlafposition bei ISG-Schmerzen
Es ist schwierig, allgemeingültige Aussagen über die beste Schlafposition zu treffen. Jeder Körper ist anders und jeder Mensch hat andere Vorlieben. Da die Seitenlage jeweils das untere ISG etwas mehr belastet, könnte es sich lohnen, einmal die Rückenlage bei ISG-Schmerzen auszuprobieren. Dabei ist das Körpergewicht gleichmäßiger verteilt. Zusätzlich wird die Muskulatur vorne an der Hüfte, die Hüftbeuger, eher in die Länge gezogen. In Seitenlage sollte die Wirbelsäule gerade sein, hier lohnt es sich eventuell, die Taille zu unterlagern oder eine Decke zwischen die Knie zu legen. Kurz gesagt: es ist die Position, in der Du die wenigsten oder keine Schmerzen hast.
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