Deutsche Redewendungen sind ein faszinierender Teil der Sprache. Sie verleihen dem Gesagten eine besondere Würze, malen Bilder im Kopf und treffen oft genau den Punkt. Viele dieser Redensarten sind uralt und ihre Herkunft ist oft überraschend und aufschlussreich. Dieser Artikel beleuchtet die Herkunft und Bedeutung verschiedener deutscher Redewendungen, darunter auch der Ausdruck "ihr seid die Scheibe am Schuh".
"Jemandem die Schuld in die Schuhe schieben"
Das Sprichwort "jemandem die Schuld in die Schuhe zu schieben" hat seinen Ursprung in der Gaunersprache. Gauner und Räuber versteckten früher ihr Diebesgut, indem sie es unschuldigen Personen unterschoben, die in Herbergen zusammen übernachteten. Fand man gestohlene Sachen, wurde derjenige beschuldigt, bei dem die Dinge gefunden wurden.
"Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts!"
Die Redewendung "Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts!" hat nichts mit dem Tier zu tun. Sie geht auf den Heidelberger Studenten Victor Hase zurück. Er verhalf einem Freund zur Flucht, nachdem dieser versehentlich einen Kommilitonen getötet hatte. Vor dem Senat der Universität leugnete Hase jede Beteiligung mit den Worten: "Hohe Versammlung, mein Name ist Hase, ich verneine die Kardinalfragen: Ich weiß von nichts."
"Jemanden nach Strich und Faden verprügeln"
"Nach Strich und Faden verprügeln" bedeutet "tüchtig, gründlich verprügeln". Die Wendung bezieht sich auf die Fadenrichtung eines Gewebes. Wenn man den Fadenlauf in beide Richtungen verfolgt, hat man es vollständig untersucht, daher "gründlich".
"Sich auf die Socken machen"
"Sich auf die Socken machen" bedeutet, sich auf den Weg zu machen. Das Wort "Socke" stammt vom lateinischen "soccus", einem flachen Schlupfschuh. Es kann auch einen Filzschuh bezeichnen, sodass der Aufbruch nicht unbedingt in Strümpfen erfolgen muss. In der Jägersprache steht "Socke" für den unteren Teil der Hasenpfote, was die Bedeutung "eilig weggehen, wie ein Hase flüchten" unterstützt.
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"Viertel nach" vs. "Viertel vor"
Die Formulierungen für die Uhrzeit "viertel nach" und "viertel vor" variieren regional. Im westlichen Norden und Westen Deutschlands sowie im Südosten Bayerns sagt man "viertel nach sechs", während in Südwestdeutschland, Mitteldeutschland und im Nordosten "viertel sieben" üblich ist. Ähnlich verhält es sich mit "viertel vor" und "dreiviertel".
"Jemandem etwas in die Schuhe schieben"
"Jemandem etwas in die Schuhe schieben" bedeutet, jemand anderem die Schuld oder Verantwortung für etwas zu geben. Diebe und Bettler übernachteten früher oft eng beieinander, was diese Praxis begünstigte.
"Wo der Schuh drückt"
"Wo der Schuh drückt" bedeutet, wo das Problem liegt. Schon die alten Römer kannten den Spruch vom "drückenden Schuh". Paulus Aemilius sagte: "Niemand außer mir weiß, wo mich der Schuh drückt".
"Mit dem falschen Fuß aufgestanden sein"
"Mit dem falschen Fuß aufgestanden sein" bedeutet, schlechte Laune zu haben oder einen schlechten Tag zu erleben. Die Redewendung wird darauf zurückgeführt, dass Bauern früher, wenn sie noch angetrunken waren, in den falschen Holztreter schlüpften.
"Pantoffelheld"
Als "Pantoffelheld" werden Männer bezeichnet, die sich von ihrer Frau alles vorschreiben lassen. Der Pantoffel war früher ein reiner Frauenschuh, der auch als "Nudelholz" eingesetzt wurde, um dem Mann die Meinung zu sagen.
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"Links gedreht"
"Links gedreht" stammt von Schuhmachern, die Lederformen links herum zusammenflickten und erst dann auf rechts drehten. Von der linken Nähseite aus ist kaum zu erkennen, dass es sich um einen Schuh handelt.
"Auf den Senkel gehen"
"Auf den Senkel gehen" bedeutet, jemanden zu nerven. Der Spruch kommt mutmaßlich von den Schnürsenkeln.
"Heels over head"
"Heels over head" bedeutet "Hals über Kopf verliebt sein". Ursprünglich hieß der Spruch im 18. Jahrhundert "heels over head", was ausdrückt, dass man nicht mehr weiß, wo oben und unten ist.
"Haste Scheiße am Fuß…"
Das Zitat "Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß" wird oft Andreas Brehme zugeschrieben, obwohl er selbst bezweifelt, dass es von ihm stammt.
Weitere Redewendungen und ihre Herkunft
- "Seinen Senf dazugeben": Senf wurde früher als billige und beliebte Zutat zu Speisen gegeben.
- "Jemanden aus dem Sattel heben": Bei mittelalterlichen Turnieren ging es darum, den Gegner aus dem Sattel zu stechen.
- "Etwas läuft wie geschmiert": Früher wurden feuchte Schuhe gefettet, damit keine Flecken entstehen konnten.
- "Einen Affen haben": Auf Jahrmärkten wurden dressierte Äffchen gezeigt, die manchmal auf die Köpfe der Besucher sprangen.
- "Den Faden verlieren": In der griechischen Sage benutzt Theseus einen Faden, um sich im Labyrinth nicht zu verlaufen.
- "Ins Fettnäpfchen treten": Früher stand ein Fettnäpfchen in der Nähe des Eingangs, um Schuhe zu fetten.
- "Den Bock zum Gärtner machen": Hier wird eine Person in eine Position gebracht, in der sie Schaden anrichten kann.
- "Auf dem Holzweg sein": Hier wird der falsche Weg eingeschlagen.
- "Hinter die Fichten führen": Jemanden täuschen.
- "Auf Herz und Nieren prüfen": Etwas genau prüfen.
- "Nicht alle Tassen im Schrank haben": Nicht ganz richtig im Kopf sein.
- "Unter die Haube kommen": Heiraten.
- "Den Nagel auf den Kopf treffen": Genau das Richtige sagen oder tun.
- "Ins Gras beißen": Sterben.
- "Auf großem Fuß leben": Einen luxuriösen Lebensstil führen.
- "Sich etwas aus dem Ärmel schütteln": Etwas mühelos tun.
- "Die Katze aus dem Sack lassen": Ein Geheimnis verraten.
- "Den roten Faden verlieren": Den Überblick verlieren.
- "Auf Wolke sieben schweben": Sehr glücklich sein.
- "Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen": Das Wesentliche übersehen.
- "Wie ein Fisch im Wasser": Sich sehr wohl fühlen.
- "Auf die lange Bank schieben": Etwas verzögern.
- "Stein des Anstoßes": Ursache eines Streits.
- "Alles in Butter": Alles in Ordnung.
- "Hinz und Kunz": Jeder Mann.
- "Sich in die Nesseln setzen": Sich in Schwierigkeiten bringen.
- "Den Kürzeren ziehen": Unterliegen.
- "Aus dem Stegreif": Spontan.
- "Ins Schwarze treffen": Genau richtig sein.
- "Einen Korb bekommen": Abgewiesen werden.
- "Blaumachen": Nicht zur Arbeit gehen.
- "Auf einer Wellenlänge sein": Sich gut verstehen.
- "Den Vogel abschießen": Den größten Erfolg erzielen.
- "Sein Fett abbekommen": Bestraft werden.
- "Den Bock schießen": Einen Fehler machen.
- "Lampenfieber haben": Nervös sein vor einem Auftritt.
- "Wie Pech und Schwefel zusammenhalten": Sehr eng befreundet sein.
- "Sich zum Affen machen": Sich lächerlich machen.
- "Aus dem Nähkästchen plaudern": Geheimnisse verraten.
- "Bohnenstroh im Kopf haben": Dumm sein.
- "Vor Gericht ziehen": Jemanden verklagen.
- "Über den Berg sein": Das Schlimmste überstanden haben.
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