Impfungen sind ein Eckpfeiler der Präventivmedizin, insbesondere für Reisende in Regionen mit erhöhtem Risiko für bestimmte Infektionskrankheiten. Dieser Artikel beleuchtet die Impfabstände und Empfehlungen für zwei wichtige Reiseimpfungen: Japanische Enzephalitis (JE) und Tollwut. Darüber hinaus werden allgemeine Aspekte von Reiseimpfungen bei Patienten mit rheumatischen Erkrankungen (RE) betrachtet.
Reiseimpfungen: Ein Überblick
Reiseimpfungen schützen vor Krankheiten, die in anderen Ländern verbreitet sind. Zu den gängigen Reiseimpfungen gehören Hepatitis A, Typhus, Tollwut, Meningokokken, FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis), saisonale Influenza, Japanische Enzephalitis, Cholera und Gelbfieber.
Reiseimpfungen bei Patienten mit rheumatischen Erkrankungen
Patienten mit RE haben ein erhöhtes Risiko für virale, bakterielle, fungale oder parasitäre Infektionen, abhängig von ihrer Grunderkrankung und der immunsuppressiven Therapie (IT). Bei Patienten mit RE und IT verlaufen impfpräventable Krankheiten schwerer und komplikationsträchtiger als bei Immunkompetenten. Vor Reisen sollten sich Personen mit RE nach den üblichen reisemedizinischen Empfehlungen beraten lassen. Neben der Impfberatung ist die Aufklärung über allgemeine Verhaltensmaßnahmen wie Hände- und Nahrungsmittelhygiene sowie Mückenschutz essenziell.
Impfstoffe und Immunsuppression
Totimpfstoffe können bei Patienten mit RE mit und ohne IT sicher verabreicht werden. Für einen optimalen Impferfolg sollte die Impfung idealerweise 4 Wochen vor Beginn der IT abgeschlossen sein (Rituximab ≥4 Wochen). Die Immunogenität der Impfung kann durch die Grunderkrankung und die IT beeinflusst sein. Lebendimpfstoffe sollten unter IT generell vermieden werden.
Individuelle Einschätzung der Immunkompetenz
Vor der Impfung ist eine individuelle Einschätzung der aktuellen Immunkompetenz notwendig, die durch den allgemeinen Gesundheitszustand, die Aktivität und Art der RE, Dosis und Art sowie Dauer der IT beeinflusst wird.
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Empfohlene Impfungen bei RE
Neben den klassischen Reiseimpfungen sollten bei Patienten mit RE ggf. auch alle bisher nicht erfolgten allgemein oder krankheitsbedingt empfohlenen Impfungen unter Berücksichtigung möglicher Kontraindikationen nachgeholt werden. Bei sexuellem Risikoverhalten und bei Jugendlichen sollte die Impfung gegen Hepatitis B und humane Papillomviren besprochen werden.
Japanische Enzephalitis (JE)
Die Japanische Enzephalitis ist eine Viruserkrankung, die durch den Stich infizierter blutsaugender Moskitos (Mücken) meist von einem Tier (Hausschwein, Wasservögel) auf den Menschen übertragen wird. Die Mücken sind vor allem nachts, hauptsächlich kurz nach Sonnenuntergang und erneut nach Mitternacht aktiv. Übertragungen sind aber auch am Tag möglich.
Verbreitungsgebiete und Risikofaktoren
JE-Infektionen sind aus gemäßigten, subtropischen und tropischen Regionen Asiens und den nördlichen Regionen Australiens bekannt. Aktuelle Verbreitungsgebiete erstrecken sich von China und Japan im Norden und Osten bis nach Indien und Pakistan im Westen bzw. bis zur Nordspitze Australiens im Süden. Entscheidend für eine Übertragung ist das Vorhandensein von Reservoirwirten (Schweine) und Brutstätten von Moskitos (Reisfelder). Risikofaktoren für eine JEV-Infektion sind Reisen während der Übertragungszeit und Aufenthalt in ländlichen Gebieten.
Symptome und Verlauf
Die meisten Bewohner in endemischen Ländern infizieren sich bereits vor dem 15. Lebensjahr, erkranken dabei gar nicht oder leiden nur unter grippeähnlichen Allgemeinsymptomen. Bei etwa einem Prozent der Infizierten verläuft die Krankheit jedoch schwer unter dem Krankheitsbild einer Gehirnentzündung (Enzephalitis). Bei 30 bis 50 Prozent der an Enzephalitis Erkrankten bleiben schwere neurologische Restschäden (Schädigungen des Nervensystems) zurück. Die Sterblichkeit liegt etwa bei 30 Prozent.
Zu den neurologischen Symptomen gehören Enzephalitis, Meningismus (Auftreten mehrerer Symptome wie Nackensteifigkeit, Kopfschmerzen, Photophobie, Phonophobie, Übelkeit und Erbrechen), Verwirrtheit, Verhaltensänderungen, schlaffe Paresen (Lähmungen), parkinsonoide Bewegungsmuster, Krampfanfälle, Koma und Guillain-Barré-Syndrom.
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Impfung gegen Japanische Enzephalitis
In Deutschland steht ein Impfstoff zu Verfügung, der inaktivierte (abgetötete) Japanische-Enzephalitis-Viren enthält. Der Impfstoff ist für Erwachsene, Jugendliche und auch für Kinder ab 2 Lebensmonaten zugelassen. Die Grundimmunisierung besteht aus zwei Injektionen in einem Mindestabstand von 4 Wochen, sie sollte mindestens 1 Woche vor einem möglichen Kontakt zu JE-Viren abgeschlossen sein.
Impfabstände und Auffrischimpfungen
- Grundimmunisierung: 2 Impfstoffdosen im Abstand von 4 Wochen.
- Auffrischungsdosis: Bei erneuter Exposition, frühestens 12 Monate nach der Grundimmunisierung.
- Dauer des Impfschutzes: Menschen, die wiederholt in Endemiegebiete reisen, wird ein bis zwei Jahre nach der Grundimmunisierung eine Auffrischungsimpfung empfohlen. Wer langjährig oder nach vielen Jahren erneut in Endemiegebiete reist, sollte zehn Jahre nach der ersten Auffrischung eine zweite Auffrischungsimpfung erhalten.
Prävention
Allgemeine Maßnahmen zum Schutz vor Mückenstichen, wie sie auch in Malaria-Gebieten empfohlen werden, senken das Infektionsrisiko. Dazu gehören Moskitonetze, Mückenschutzmittel und geschlossene, helle Kleidung.
Tollwut
Tollwut ist eine Viruserkrankung, die durch den Biss oder Kratzer eines infizierten Tieres übertragen wird. Die Krankheit ist in vielen Teilen der Welt verbreitet, insbesondere in Regionen mit streunenden Hunden und Fledermäusen.
Impfung gegen Tollwut
Für Reisende in Regionen mit Tollwutgefahr und einer erhöhten Wahrscheinlichkeit einer Tollwutexposition (z. B. durch Kontakt mit streunenden Hunden oder Fledermäusen) ist eine Impfung empfehlenswert.
Impfabstände und Empfehlungen
Für die Tollwutimpfung gibt es verschiedene Schemata, die je nach Situation (vor oder nach Exposition) angewendet werden. Es ist wichtig, sich von einem Arzt beraten zu lassen, um das geeignete Schema zu wählen.
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Weitere wichtige Reiseimpfungen
Neben JE und Tollwut gibt es noch weitere Reiseimpfungen, die je nach Reiseziel und individuellen Risikofaktoren in Betracht gezogen werden sollten:
- Cholera: Für Reisen in Cholera-Epidemie Gebiete mit voraussichtlich ungesichertem Zugang zu Trinkwasser.
- FSME: Für Personen, die in TBE-Risikogebieten außerhalb Deutschlands zeckenexponiert sind.
- Gelbfieber: Vor Aufenthalt in Gelbfieber-Endemie- und Epidemiegebieten im tropischen Afrika und in Südamerika.
- Hepatitis A: Für Reisende in Endemiegebiete.
- Hepatitis B: Individuelle Gefährdungsbeurteilung erforderlich.
- Influenza: Für Reisende ab 60 Jahren und die unter I (Indikationsimpfung) genannten Personengruppen.
- Meningokokken-Infektionen: Für Reisende in Länder mit epidemischem Vorkommen, besonders bei engem Kontakt zur einheimischen Bevölkerung.
- Poliomyelitis: Für Reisende in Regionen mit Infektionsrisiko durch Wild-Poliomyelitis-Virusstämme (WPV) oder durch einen mutierten Impfvirusstamm (circulating vaccine-derived poliomyelitisvirus [cVDPV]).
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