Impfempfehlungen für Multiple Sklerose Patienten in Baden-Württemberg

Impfungen sind ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsvorsorge, auch für Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose (MS). In Baden-Württemberg gibt es spezielle Empfehlungen und Überlegungen zur Impfberechtigung von MS-Patienten, die in diesem Artikel näher beleuchtet werden.

Vorbehalte und Bedenken

Trotz der allgemeinen Empfehlung von Impfungen gibt es bei Personen mit chronischen Vorerkrankungen, einschließlich MS, oft Vorbehalte. Diese Bedenken bestehen häufig bei den Patientinnen und Patienten selbst. Es ist wichtig, diese Ängste ernst zu nehmen und durch umfassende Aufklärung auszuräumen.

Allgemeine Impfempfehlungen für MS-Patienten

Grundsätzlich sollten MS-Patienten die gleichen Standardimpfungen erhalten wie die Allgemeinbevölkerung. Dazu gehören:

  • Grundimmunisierungen: Tetanus, Diphtherie, Polio, Pertussis (Keuchhusten), Masern, Mumps, Röteln (MMR) und Varizellen (Windpocken). Es ist ratsam, den Impfstatus vor Beginn einer neuen MS-Therapie zu überprüfen und gegebenenfalls aufzufrischen.
  • Regelmäßige Impfungen: Influenza (Grippe) und Pneumokokken (gegen Lungenentzündung).
  • HPV-Impfung: Gegen Humane Papillomviren, die Gebärmutterhalskrebs verursachen können.
  • Herpes Zoster-Impfung: Gegen Gürtelrose, besonders ab dem 50. Lebensjahr und bei immunsuppressiver Therapie.
  • Hepatitis-Impfung: Insbesondere bei MS-Therapie mit Anti-CD20-Antikörpern.

COVID-19-Impfung bei MS

Europäische Neurologen sind sich einig, dass MS-Patienten von einer Impfung gegen SARS-CoV-2 profitieren. Die Vorteile überwiegen die potenziellen Risiken. Eine Impfung ist immer besser als eine Infektion mit dem Coronavirus. Es wird empfohlen, sich jährlich, idealerweise im Herbst, gegen Corona impfen zu lassen.

T-Zellen als Schutzmechanismus

Auch wenn unter immunsuppressiver MS-Therapie aufgrund mangelnder B-Zellen wenig Antikörper nach der Corona-Impfung gebildet werden, übernehmen die T-Zellen den Kampf gegen SARS-CoV-2.

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Dritte Impfung und Immunsuppressiva

Eine Auffrischungsimpfung ist grundsätzlich gut, aber MS-Betroffene sind individuell auf der sicheren Seite, wenn sie zwei Mal geimpft sind. Studien zeigen, dass die Antikörperantwort bei der Coronaimpfung unter bestimmten MS-Medikamenten gering sein kann, aber Impfen ist auch für Patienten unter diesen Medikamenten wichtig.

Impfungen und MS-Therapie

Die gleichzeitige Anwendung von COVID-19-Impfung und MS-Immuntherapie ist ungefährlich. Ein zeitlicher Abstand zur letzten Ocrevus-Behandlung ist wünschenswert, aber kein Muss.

Lebendimpfstoffe und Immunsuppression

Im Allgemeinen wird von Lebendimpfstoffen unter immunsuppressiver Therapie abgeraten (z. B. die bei Einreise nach Paraguay oder Kongo notwendige Gelbfieberimpfung).

Gerichtsurteil zu MS als Impfschaden

Ein aktuelles Urteil des Landessozialgerichts Baden-Württemberg (LSG) vom 13.02.2025 (L 6 VS 735/24) befasste sich mit dem Fall eines ehemaligen Bundeswehrsoldaten, der seine MS-Erkrankung als Impfschaden nach einer Hepatitis-Schutzimpfung anerkennen lassen wollte. Das Gericht wies die Klage ab, da der Warnhinweis in der Packungsbeilage über MS als sehr seltene Nebenwirkung der Impfung als Beleg nicht ausreiche.

Begründung des Gerichts

Das Gericht argumentierte, dass der Herstellerhinweis allein dem Ausschluss der Herstellerhaftung diene und nichts über einen wissenschaftlich belegten Ursachenzusammenhang aussage. Zudem spreche die aktuelle wissenschaftliche Lehrmeinung gegen einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Impfung und MS. Auch die Ständige Impfkommission (STIKO) lehnt einen solchen Zusammenhang ab.

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Wahrscheinlichkeit als Maßstab

Entsprechend dem Impfschadensrecht müsste eine Impfkomplikation oder ein Impfschaden wahrscheinlich sein, was in diesem Fall nicht gegeben war.

Expertenmeinungen und Web-Seminare

Experten wie Prof. Dr. Mathias Mäurer und Prof. Dr. Ralf Linker bieten Web-Seminare zum Thema Impfen und MS an, um Patienten und Interessierte umfassend zu informieren.

MS und Corona-Saison

Auch wenn die Gefahr nachgelassen hat, tragen manche Menschen mit MS nach wie vor ein erhöhtes Corona-Risiko. Es ist wichtig, sich impfen zu lassen und zu wissen, was bei einer Corona-Infektion zu tun ist.

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