Implantat-Akupunktur bei Parkinson: Kosten, Verfahren und Erfahrungen

Die Implantat-Akupunktur ist ein modernes Behandlungsverfahren der Naturheilkunde, das insbesondere bei neurologischen Erkrankungen wie Morbus Parkinson eingesetzt wird. Sie stellt eine Weiterentwicklung der Ohrakupunktur dar und zielt darauf ab, durch dauerhafte Stimulation von Akupunkturpunkten am Ohr positive Effekte auf den Körper zu erzielen. Im Folgenden werden die Grundlagen, die Durchführung, die potenziellen Vorteile sowie die Kosten dieser Therapieform beleuchtet.

Grundlagen der Implantat-Akupunktur

Ursprung und Entwicklung

Die Implantat-Akupunktur wurde um das Jahr 2000 in Deutschland entwickelt. Ausgangspunkt war die zufällige Beobachtung eines Neurologen, der feststellte, dass eine Patientin nach dem Einwachsen einer abgebrochenen Akupunkturnadel im Ohr eine Beschwerdefreiheit von Trigeminusneuralgie erfuhr. Nach Entfernung der Nadelspitze kehrten die Beschwerden zurück. Diese Beobachtung führte zur Idee, durch Dauerstimulation mit Implantaten an spezifischen Ohrpunkten Krankheiten gezielt zu behandeln.

Wirkungsweise

Die Implantat-Akupunktur basiert auf der Vorstellung, dass am menschlichen Ohr etwa 200 Akupunkturpunkte existieren, die bestimmten Körperregionen und Organen zugeordnet werden können. Durch das Setzen von winzigen Nadeln an diesen Punkten sollen elektrische Impulse entstehen, die das zentrale Nervensystem (ZNS) beeinflussen und die Ausschüttung bestimmter Botenstoffe anregen. Zu diesen Botenstoffen gehören unter anderem Dopamin und Endorphine, die eine wichtige Rolle bei der Regulation verschiedener Körperfunktionen spielen.

Nadeltypen

Für die Implantat-Akupunktur werden hauptsächlich zwei Nadeltypen verwendet:

  • Titannadeln: Diese Nadeln bestehen aus medizinischem Rein-Titan und sind für den lebenslangen Verbleib im Ohr gedacht.
  • Templantatnadeln: Diese Nadeln bestehen aus bioresorbierbarem Material (Resomer) und werden nach Monaten oder Jahren im Gewebe vollständig abgebaut. Sie werden vor allem bei jüngeren Patienten und bei weniger chronifizierten Krankheiten eingesetzt. Templax® Nadeln bestehen aus einer Milchsäure-Glukose-Verbindung (L-lactide-co-glycolide) und lösen sich selbstständig im Körper auf. Das Material dieser Nadel ist identisch mit dem Material, das zur Herstellung von bioresorbierbaren Geräten für die Osteosynthese verwendet wird. Diese Nadeln lösen sich wahlweise nach 3, 15-18 und 60 Monaten vollständig im Körper auf. Akute oder subakute Krankheiten können damit behandelt werden.

Die Größe der verwendeten Nadeln entspricht in etwa der einer Stecknadelspitze (ca. 2,5 mm). Das Material unterliegt strengster Qualitätskontrolle, um eine höchstmögliche Verträglichkeit zu gewährleisten.

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Durchführung der Implantat-Akupunktur

Vorbereitung

Am Anfang jeder Behandlung steht ein ausführliches Informations- und Aufklärungsgespräch mit dem Patienten. In diesem Gespräch wird der Eingriff detailliert erklärt, alle Fragen werden beantwortet und die Krankengeschichte (Anamnese) erhoben. Anschließend werden beide Ohren genauestens untersucht, um die relevanten Akupunkturpunkte zu identifizieren. Hierbei werden verschiedene Untersuchungstechniken angewendet, da nur funktionsgestörte Punkte tatsächlich auf Schmerzreize reagieren. Die Punkte werden mit dem RAC (Reflexe auriculocardiaque) sowie der Very-Point-Technik (nach Gleditsch) ermittelt. Es werden nur Titan-Nadeln gesetzt, wenn übereinstimmend nach RAC und Very-Point-Technik aktive Punkte gefunden wurden.

Implantation

Unter hygienischen Bedingungen werden sterile Nadeln mittels eines Applikators in die verschiedenen Akupunkturpunkte eingesetzt. Die Haut über dem Einstich schließt sich nach ein bis zwei Tagen vollständig. Empfohlen wird, ein schmerzlinderndes Mittel jeweils vorab je Punkt zu injizieren. In einer Sitzung können um die 20 Nadeln implantiert werden, wobei die genaue Anzahl von den individuellen Bedürfnissen des Patienten abhängt. Es gilt der Grundsatz: So wenig wie möglich, aber so viel wie nötig.

Nachsorge

Nach der Behandlung erhält der Patient Anweisungen zum Verhalten in den ersten Stunden nach der Behandlung sowie einen Patientenpass, in dem alle behandelten Punkte eingezeichnet sind. Im Patientenpass werden die Implantate nochmals dokumentiert. Es ist wichtig, dass der Patient diesen Pass ständig bei sich trägt.

Anwendungsbereiche und Erfahrungen bei Morbus Parkinson

Die Implantat-Akupunktur wird bei einer Vielzahl von Erkrankungen eingesetzt. Zu den häufigsten Anwendungsbereichen gehören:

  • Neurologische Erkrankungen (z.B. Morbus Parkinson, Restless-Legs-Syndrom, Demenz)
  • Schmerzzustände (z.B. Neuralgien, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen)
  • Psychische und psychosomatische Beschwerden (z.B. Depressionen, Angstzustände, Essstörungen)
  • Innere Krankheiten (z.B. Colitis ulcerosa, Bluthochdruck, Asthma bronchiale)
  • Allergien (z.B. Heuschnupfen)
  • Wechseljahresbeschwerden

Morbus Parkinson

Eine aktuelle Langzeitbeobachtung deutet darauf hin, dass die Implantat-Akupunktur bei Morbus Parkinson Symptome nachhaltig reduzieren und den Verlauf positiv beeinflussen kann. Viele Patientinnen und Patienten berichten über eine spürbare Verbesserung ihrer Beweglichkeit, Schlafqualität und allgemeinen Lebenszufriedenheit.

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Die gerade veröffentlichten Ergebnisse dreier Langzeitbeobachtungen der Mediziner Dr. Rolf Wlasak und Dr. Stefan Lobner zeigen deutlich, dass Implantat-Akupunktur (Neurostimulation) vielen Menschen mit Morbus Parkinson, Restless Legs Syndrom und beginnender Demenz helfen kann: Symptome werden oftmals gelindert, die Lebensqualität erhöht und das Fortschreiten der Erkrankung häufig hinausgezögert. Außerdem haben sich bei vielen Probanden Antrieb und Stimmung verbessert. Im Gegensatz zur herkömmlichen Akupunktur geben die Akupunktur-Implantate eine permanente bzw. kontinuierliche Stimulation auf das periphere und zentrale Nervensystem (ZNS) und wahrscheinlich über kleinste Mikro-Impulse einen Reiz für die Ausschüttung der Nervenbotenstoffen ß-Endorphin und Dopamin.

Die Implantat-Ohr-Akupunktur wird seit wenigen Jahren bei neurologischen Erkrankungen in Deutschland eingesetzt. Hierbei wird immer wieder über eine Verbesserung der Symptome und Lebensqualität bei Patienten mit Morbus Parkinson berichtet. Systematische Anwendungsbeobachtungen aus der Praxis fehlen jedoch.

In einer prospektiven und konsekutiven Verlaufsbeobachtung untersuchten wir 79 Patienten über einen Zeitraum von 6 Monaten nach der Implantation per Interview. Die Implantat-Ohr-Akupunktur kann das Behandlungsspektrum bei Morbus Parkinson erweitern.

Ergebnisse einer Verlaufsbeobachtung

82 Patienten mit Morbus Parkinson wurden konsekutiv von Januar 2005 bis Dezember 2006 in einer Parkinson-Sprechstunde für die nachfolgende Studie erfasst. Alle Patienten unterschrieben vor der Behandlung eine Einverständniserklärung über den geplanten Eingriff sowie der telefonischen Nachsorge. Waehrend der Behandlung wurden kleine Nadeln aus medizinischem Rein-Titan (IMPLAX" / Firma Lametec) an franzoesische und chinesische Ohr-Akupunkturpunkte gesetzt und implantiert. Alle Punkte wurden mit dem RAC (Reflexe auriculocardiaque) sowie der Very-Point-Technik (nach Gleditsch) ermittelt. Es wurden nur Titan-Nadeln gesetzt, wenn übereinstimmend nach RAC und Very-Point-Technik aktive Punkte gefunden wurden. Alle 82 Patienten wurden vom selben Untersucher behandelt und ausgewertet. Vom Stichtag der Implantation wurden alle Patienten im Abstand von 4, 8 und 16 und 24 Wochen nach der Implantation telefonisch interviewt, ggf. auch persönlich nachuntersucht. Hierzu wurde ein differenzierter Befundbogen prospektiv angelegt. Nach Prüfung der Ein- und Ausschlusskriterien konnten 79 Patienten vollständig ausgewertet werden. Für diese Patienten wurden jeweils 2 Endpunkte (158 Hauptgründe für Implantation) vor der Behandlung definiert. Zusätzlich erfassten wir, ob durch die Behandlung mit den eingesetzten Implantaten eine Reduzierung der bisher eingenommen Parkinson-Medikation erreicht werden konnte. Die Auswertung erfolgte mittels eines standardisierten Beantwortungsbogens. Dieser wurde per Telefoninterview im Abstand von 4, 8, 16 und 24 Wochen nach der Implantation abgefragt. Alle Endpunkte wurden von den Patienten wie folgt gewertet (Tab. 3). Zusätzlich wurden alle Studienteilnehmer 6 Monaten (24 Wochen) nach der Implantation zu einer Gesamtbeurteilung der Wirksamkeit dieser Methode (I-O-A) befragt (Tab. Alle Patienten wurden gebeten die Parkinson-Medikation möglichst konstant zu halten, damit das Ergebniss nicht durch eine Umstellung der Medikation beeinträchtigt wurde. Ebenfalls wurden zusätzliche komplementaere Anwendungen, welche ggf.

79 Patienten erhielten im Schnitt 11,2 Nadeln (Range 3 - 37). Hierbei wurden die folgenden Ohr-Akupunkturpunkte ausgewaehlt (Tab. Tab. 4 Wochen nach der Implantation berichteten 51% der Patienten von einer signifikanten Verbesserung zum Ausgangsbefund. 8 Wochen nach der Implantation war diese Zahl auf 62 % der Patienten angestiegen. In der Endpunktauswertung ergab sich 24 Wochen nach der Implantat-Ohr-Akupunktur (I-O-A) das folgende Ergebniss (Tab. Tab. Bei der Untersuchung der Nebenendpunkte (Nebengrund fuer Implantation) konnte eine Reduzierung der Medikamente in 21% aller Patienten erreicht werden. Bei 7 von 11 Patienten war eine Obstipation (Verstopfung) ruecklaeufig. Alle anderen Nebenendpunkte waren nicht signifikant bzw. die Fallzahl zu gering.

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Alle vier Endpunkte (Tremor, Rigor, Bewegungsverlangsamung und Schmerzen) wurden von den Patienten nach über 6 Monaten als Verbesserung zum Ausgangsbefund bewertet. In allen Subanalysen zeigte sich eine Verbesserung der jeweiligen Befunde von über 60%.

Die Ergebnisse dieser Auswertung geben Anlass, diese Methode noch intensiver zu untersuchen. Sicherlich wäre es in Zukunft wünschenswert, die Daten objektiver zu präsentieren. Daher sollte neben einer Patientenbefragung zukünftig regelmäßig der Parkinson's Disease Questionnaire (PDQ 39) durchgeführt werden. Dieser Test fragt nach diversen Alltagstätigkeiten, die für die betroffenen Patienten nur noch mit Mühe oder deutlich verlangsamt durchgeführt werden können. Insbesondere der motorische Teil des Tests (UPDRS) könnte indirekt darüber Aufschluss geben, ob durch die eingesetzten Implantate dem zentralen Nervensystem (ZNS) wieder vermehrt Dopamin und dopaminaehnliche Botenstoffe zur Verfügung gestellt werden können. Somit könnte der Einsatz der Implantate gerade in der Frühphase der Erkrankung die Gabe von Dopamin weiter herauszögern.

Potenzielle Wirkmechanismen

Jede Form der Akupunktur hat einen indirekten Einfluss auf das vegetative Nervensystem sowie auf die Regulation verschiedener hormoneller Systeme. Eine Freisetzung von Endorphinen nach Akupunktur konnte in verschiedenen Tiermodellen und beim Menschen bestätigt werden. Besonders interessant ist die Beobachtung, dass verschiedene Arten der Akupunktur zu einer unterschiedlichen Ausschuettung von Endorphinen fuehren koennen. Beschrieben sind Freisetzungen von B-Endorphin, Met-Enkephalin, Dynorphin und Endomorphin sowie auch von Serotonin, Noradrenalin, Substanz P, Calcitonin Generelated Peptide und GABA.

Hierzu koennte eine relativ neue Untersuchung, die DATSCAN-Methode einen wertvollen Beitrag liefern. Hierbei handelt es sich um eine nuklearmedizinische Untersuchung bei der ein Radiopharmakon (I-123-FP-CIT) injiziert wird, welches sich mit Molekülen verbindet, die Dopamin innerhalb des ZNS transportieren. Diese Methode visualisiert daher indirekt den Dopaminumsatz im zentralen Nervensystem und kann daher feststellen, ob sich Unterschiede zum Ausgangsbefund evaluieren lassen. Auch das AusmaB der Erkrankung kann hiermit dokumentiert werden und ggf.

In diesem Zusammenhang zeigte sich in den letzten Jahren, dass auch zunehmend Patienten mit Restless-Legs-Syndrom von der I-O-A profitierten. Aufgrund der Wirksamkeit dopaminerger Substanzen in dieser Indikation ist von einer Ursache im dopaminergen System auszugehen, wobei diesbezueglich durchgefuehrte bildmorphologische Studien widerspruechliche Ergebnisse ueber die postsynaptische dopaminerge Funktion in den Basalganglien erbrachten.

Wichtige Hinweise

Für die korrekte Durchführung und Vergleichbarkeit müssen bestimmte Richtlinien bei der Anwendung der Implantat-Ohr-Akupunktur (I-O-A) beachtet werden. Im Sinne einer ganzheitlichen Beratung und Aufklärung der Patienten sollten auch zusätzliche Maßnahmen erwähnt werden. Entgiftung des Körpers von Schadstoffen (z.B. Verbesserung der Gehirndurchblutung (z.B.

Sicherlich dürfen diese Maßnahmen nicht überbewertet werden, weil sie nicht kausal für die Entstehungsgeschichte des Morbus Parkinson verantwortlich zu machen sind. Evtl. können sie aber die Folgeerscheinungen durch die Grunderkrankung lindern. Die intensive Zuwendung zu den Patienten während dieser Verlaufskontrolle ergab zudem die Beobachtung, dass sehr häufig seelische Verletzungen und Traumata für die Auslösung eines Morbus Parkinson verantwortlich sein können.

Kosten der Implantat-Akupunktur

Die Kosten für eine Implantat-Akupunktur sind individuell verschieden und richten sich nach dem jeweiligen Krankheitsbild und dem Grad seiner Chronizität. Sie können bei schweren Leiden bis zu 2.000 € und sogar darüber betragen. Inbegriffen sind die Kosten für auflösbare oder Titan-Implantate und sonstiges Behandlungsmaterial.

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Implantat-Akupunktur in der Regel nicht. Vor- und Nachbehandlungen von privat Versicherten hingegen werden zumeist erstattet. Eine separate Vorbesprechung kann zusätzliche Kosten verursachen.

Kontraindikationen und Risiken

Die Implantat-Akupunktur wird nicht ausgeführt bei:

  • Lebensbedrohlichen akuten Erkrankungen
  • Lokalen Entzündungen oder ausgedehnten Narbenfeldern am Ohr
  • Einnahme bestimmter blutverdünnender Medikamente

Therapiebedingte Entzündungsreaktionen können gut behandelt werden, auch wenn die Abstoßung einzelner Implantatnadeln möglich ist.

Fazit

Die Implantat-Akupunktur stellt eine vielversprechende komplementärmedizinische Behandlungsoption dar, insbesondere für Patienten mit Morbus Parkinson. Sie kann zur Linderung von Symptomen, zur Verbesserung der Lebensqualität und möglicherweise zur Verlangsamung des Krankheitsverlaufs beitragen. Die Kosten für diese Behandlung werden in der Regel nicht von den Krankenkassen übernommen. Es ist wichtig, sich vorab umfassend über die Methode, die potenziellen Risiken und die Kosten zu informieren. Eine individuelle Beratung durch einen qualifizierten Therapeuten ist unerlässlich, um die Eignung der Implantat-Akupunktur für den jeweiligen Patienten zu beurteilen.

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