Induzierte Wahnhafte Störung: Ursachen, Symptome und Behandlung

Psychosen sind eine Gruppe psychischer Erkrankungen, die durch Veränderungen im Denken, in der Wahrnehmung, in den Gefühlen und im Verhalten gekennzeichnet sind. Betroffene können zeitweise nicht zwischen Realität und ihren eigenen Vorstellungen unterscheiden. Schizophrene und manisch-depressive psychotische Störungen haben gemeinsam, dass die Betroffenen den Bezug zu sich selbst und ihrer Umwelt verlieren und sich ihre Persönlichkeit verändert. Viele Menschen mit Psychosen bemerken allerdings keine Veränderung an sich selbst, sondern an ihrer Umwelt. Diese Einteilung findet sich im Diagnosekatalog "Internationale Klassifikation der Krankheiten" (ICD) von der Weltgesundheitsorganisation. Die in Klammern stehenden ICD-Codes sind weltweit anerkannt, um medizinische Diagnosen einheitlich zu benennen. Derzeit aktuell ist die Version ICD-10. Es gibt aber bereits eine neuere Version der ICD, die ICD-11.

Psychosen sind relativ häufig. In einem Fachartikel aus dem Jahr 2007 ("Lifetime prevalence of psychotic and bipolar I disorders in a general population" von Perälä et al.) wird beispielsweise erwähnt, dass insgesamt weltweit 3,48 % der Menschen irgendwann im Leben eine Form von Psychose erleben. Meistens brechen sie zum ersten Mal in der Jugend oder im frühen Erwachsenenalter aus. In der sogenannten Prodromalphase treten erste Vorzeichen auf, z.B. Depressionen. In der akuten Phase sind die Symptome sehr ausgeprägt und es kommt zu den sogenannten Plussymptomen (siehe unten) wie z.B. Halluzinationen oder Wahn. Ein Teil der Betroffenen durchlebt nur eine einmalige Akutphase, häufig im Zusammenhang mit einer Lebenskrise. Bei einigen kommt es in Belastungssituationen zu erneuten psychotischen Episoden, jedoch können sie zwischen den Akutphasen ein relativ normales Leben führen.

Arten von Psychosen

Psychosen können verschiedene Ursachen haben und sich in Verhalten und Dauer unterscheiden. Man unterscheidet primäre und sekundäre Psychosen.

Primäre Psychosen

Bei primären Psychosen gibt es keine körperliche Erklärung oder Ursache. Wie eine solche Psychose entsteht, ist also unbekannt. Vor allem psychotische Veränderungen wie Halluzinationen und Wahn sind die häufigsten Symptome dieser Form. Das bedeutet, es stehen vor allem Denkstörungen und Wahrnehmungsstörungen im Zentrum dieser Psychosen. Zu den primären Psychosen gehören:

  • Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis (Schizophrenie): Vor allem das Denken und die Wahrnehmung sind gestört. Hierbei stehen formale und inhaltliche Denkstörungen sowie Wahrnehmungsstörungen im Vordergrund.
  • Wahnhafte Störungen: Ein Wahn ist das Symptom, das im Vordergrund steht. Bei einem Wahn interpretieren die Betroffenen ihre Umwelt falsch oder geben ihr eine falsche Bedeutung.
  • Schizoaffektive Psychosen: Bei dieser Form mischen sich die Symptome der schizophrenen und affektiven Psychose - also Wahn und Halluzinationen mit depressiven, manischen Zuständen. Sie treten bei dieser Art der Psychose gleichzeitig auf. Allerdings werden weder die Kriterien für eine Schizophrenie noch die einer depressiven oder manischen Episode erfüllt. Ein klarer Ursprung für diese Störung lässt sich nicht erkennen.
  • Schizotype Störung: Diese Form der Psychose zeigt sich in ungewöhnlichen Wahrnehmungserlebnissen und Denkstörungen. Klinisch gesehen definiert diese Art der Psychose ihre lange Dauer.
  • Akute vorübergehende psychotische Störungen: Die Dauer dieser Form der Psychose ist maximal drei Monate. Sie zeichnet sich aus durch einen akuten Beginn innerhalb von zwei Wochen und dann durch sich schnell verändernde Symptome.
  • Induzierte wahnhafte Störungen: Eine seltene Erkrankungsform, bei der die Wahnvorstellung einer Person auf einer andere übertragen bzw. induziert wird. Beide Personen stehen dabei in einem engen emotionalen Verhältnis. In manchen Fällen sind auch mehr als zwei Personen betroffen, z. B.
  • Affektive Psychosen: Stimmung, Motivation und Antrieb sind bei dieser Art am meisten beeinträchtigt. Sie treten z. B.

Sekundäre Psychosen

Dieser Art oder Form von Psychose liegt eine körperliche Erklärung zu Grunde. Sie werden auch als organische oder symptomatische Psychosen bezeichnet. Wird die zu Grunde liegende körperliche Ursache dieser Psychose rechtzeitig erkannt und behandelt, ist sie in der Regel reversibel.

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Eine akute, organische Psychose tritt sehr plötzlich auf. Vor allem Störungen der Kognition, Psychomotorik und Affekte zeichnen diese aus. Beispiele für akute organische Psychosen sind:

  • Hirnlokales Psychosyndrom: Typische Symptome sind Bewusstseinsstörungen, Gedächtnisstörungen, Orientierungsstörungen, Ich-Erlebnisstörungen, Wahn und Halluzinationen. Ursachen sind z. B. Hirntumore, ein Schädel-Hirn-Trauma oder Epilepsie.
  • Delir oder Delirium: Ein Mensch, der sich im Delirium befindet, ist in einem Zustand schwankender Bewusstseinstrübung. Der Zustand setzt z. B. durch einen Krampfanfall ein. Typische Anzeichen dieser Psychose sind Desorientierung, Gedächtnisstörungen, Zittern, ängstliche Unruhe oder Halluzinationen. Ein Delir kann bei sehr hohem Fieber, Vergiftungen, Infektionen oder Flüssigkeitsmanngel, aber auch im Rahmen eines Entzugs z. B. bei Abhängigkeit von Drogen oder Alkohol auftreten.
  • Dämmerzustand: Vor allem bei Schädel-Hirn-Traumata, Epilepsie und Vergiftungen wird von dieser Form von akuter organischer Psychose gesprochen.
  • Durchgangssyndrom: Es handelt sich um einen Sonderfall. Diese Form der Psychose tritt zeitlich begrenzt nach operativen Eingriffen auf. Vergesslichkeit, verlangsamte Reaktionsfähigkeit und Schwindel sind typische Symptome.

Chronische Psychosen sind Folge einer chronischen Erkrankung des Gehirns. Dabei sind die kognitiven Fähigkeiten und das Gedächtnis beeinträchtigt. Das äußert sich vor allem in der Einschränkung des abstrakten Denkens, der Konzentrationsfähigkeit und dem Urteilsvermögen. Auch beeinträchtigt bei chronischen Psychosen sind die Psychomotorik, der Antrieb, Affekte und auch soziale Beziehungen. Diffuse oder lokale Psychose-Syndrome gehören zu den chronischen Psychosen. Sie tauchen bei chronischen Erkrankungen des Gehirns auf wie z. B. einer schweren Stoffwechselstörung. Auch bei einer Alkoholabhängigkeit können chronisch-organische Psychosen auftreten.

Symptome von Psychosen

Die Symptome von Psychosen sind vielfältig und individuell verschieden. Die ersten Anzeichen der Erkrankung nehmen oft Freunde oder Angehörige wahr. Sie bemerken Persönlichkeitsveränderungen oder wenn die betroffene Person wie fremdgesteuert wirkt. Man unterscheidet:

  • Positive Symptome (sog. Plussymptome): Wahnvorstellungen, Halluzinationen, Ich-Störungen, formale Denkstörungen
  • Negative Symptome (sog. Minussymptome): Antriebslosigkeit, sozialer Rückzug, Verflachung der Gefühle
  • Katatone Symptome (sog. motorische Störungen): z.B. psychomotorische Verlangsamung

Wahn

Eine nicht korrigierbare, „falsche“ Beurteilung der Realität (inhaltliche Denkstörung): Am häufigsten leiden die Betroffenen unter Verfolgungs- und Beziehungswahn, Größenwahn und Schuldwahn. Patienten mit Verfolgungswahn fühlen sich z.B. von Außerirdischen verfolgt oder glauben, dass andere Menschen ihnen Schaden zufügen wollen. Im Beziehungswahn beziehen Betroffene allgemeine Ereignisse auf sich selbst oder interpretieren bestimmte Gegenstände bzw. Personen als Bedrohung. Sie glauben z.B., dass Radiosprecher ihnen geheime Botschaften übermitteln. Patienten mit Größenwahn sind überzeugt eine berühmte Persönlichkeit, ein unerkanntes Genie o.ä. zu sein.

Halluzinationen

Sinneswahrnehmung, der kein realer Sinnesreiz zugrunde liegt: Diese Täuschung kann alle Sinnesorgane betreffen, wobei es am häufigsten zu akustischen Halluzinationen kommt. Viele hören Stimmen, die z.B. ihr Verhalten kommentieren oder ihnen Befehle erteilen. Meist werden diese Stimmen als bedrohlich empfunden. Aber auch optische (z.B. Sehen von Gegenständen, Personen, Farben), olfaktorische (Gerüche) oder sensorische (z.B.

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Ich-Störungen

Die Grenze zwischen der eigenen Person und der Umwelt wird als durchlässig empfunden. Körper, Gedanken und/oder Gefühle werden als fremd erlebt.

Formale Denkstörungen

Der Ablauf der Gedanken ist gestört. Darunter fallen Verzerrungen des herkömmlichen Denkablaufs, Zerfahrenheit mit sprunghaften und unlogischen Gedankengängen oder Abbruch eines Gedankengangs ohne erkennbaren Grund. Typisch ist z.B. psychomotorische Verlangsamung, z.B.

Bei ausgeprägteren Schweregraden der Krankheit können sich sog. katatone Symptome zeigen. Manche Menschen mit Psychosen berichten von einer Überempfindlichkeit gegenüber Licht oder Farben, Geräuschen, Gerüchen oder Geschmacksempfindungen. Auch das Zeitempfinden kann gestört sein.

Induzierte Wahnhafte Störung (Folie à Deux)

Eine besondere Form der Wahnvorstellung ist die induzierte wahnhafte Störung, auch symbiontischer Wahn oder Folie a deux/trios oder Folie a famille genannt. Hierbei kommt es zur Übertragung der wahnhaften Vorstellung auf andere Personen, die in enger Verbindung bzw. in einem Abhängigkeitsverhältnis zur primär betroffenen Person stehen. Die Gruppe der dann Betroffenen teilt den gleichen Wahn bzw. das gleiche Wahnsystem. Ein symbiontischer Wahn tritt selten auf, da die meisten Wahnkranken in ihrer Umgebung eher mit Unverständnis, Ablehnung und/oder aggressive Zurückweisung konfrontiert sind. Nur selten partizipieren anderen nahe Personen (enge Freunde oder in den meisten Fällen enge Verwandte) im Wahnerleben der primär erkrankten, meist psychotischen, Person. In den meisten Fällen handelt es sich bei den Wahnvorstellungen um einen Verfolgungswahn, andere Wahninhalte können auftreten, sind aber sehr selten.

Die induzierte wahnhafte Störung, auch „folie à deux“ genannt, ist eine seltene psychische Erkrankung, bei der eine Person den Wahn einer anderen übernimmt. Meist tritt sie in engen Beziehungen auf, z. B. zwischen Ehepartnern, Geschwistern oder Eltern und Kindern. Die Störung entwickelt sich durch eine intensive emotionale Bindung zu einer wahnerkrankten Person.

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Ursachen und Risikofaktoren

Damit eine Folie à deux entsteht, muss eine der beiden betroffenen Personen - der induzierende, aktive Part - eine Psychose entwickeln. Fachleute sind sich einig, dass eine Psychose entweder organisch oder nicht-organisch bedingt sein kann.

Für die Entstehung einer Folie à deux wird diskutiert, ob eine genetische Vorbelastung beider Parteien - also auch der passiven Person - ein Risikofaktor sein kann.

Weitere Faktoren, die vermutlich dazu führen können, dass eine (psychisch nicht erkrankte) Person die wahnhaften Vorstellungen der aktiven Person übernimmt:

  • Nachahmung, etwa durch Lernprozesse (insbesondere bei Eltern-Kind-Beziehungen)
  • Sympathie
  • Unterwürfigkeit und Abhängigkeit innerhalb einer Partnerschaft
  • Angst vor Verlust oder Zurückweisung
  • Einsamkeit

Die passive Person steht also vor einer Entscheidung:

  • Sie kann sich von der psychisch erkrankten Person lösen und ihre wahnhaften Ideen ablehnen, dadurch allerdings die Beziehung riskieren.
  • Oder sie kann die psychotischen Gedanken mit der Zeit übernehmen, eine "Wir-Identität" aufbauen und so die Beziehung vermeintlich stärken.

Da sich die induzierte Person in der Regel durch eine unsichere Persönlichkeitsstruktur auszeichnet, wird sie häufig durch Ängste geleitet und schafft es nicht, sich zu lösen.

Diagnose

Die Diagnose erfolgt durch eine genaue Untersuchung der Beziehung zwischen den betroffenen Personen. Um die wahnhafte Störung von einer akuten psychotischen Störung zu unterscheiden, ist eine Evaluation des zeitlichen Verlaufes besonders wichtig, da wahnhafte Störung nach ICD-Kriterien min.

Behandlung

Bislang gibt es kein allgemeingültiges Behandlungskonzept für die Folie à deux, da die induzierte wahnhafte Störung sehr selten auftritt oder aber nur in wenigen Fällen diagnostiziert wird. Dazu kommt, dass induzierende Personen oft davon überzeugt sind, gar nicht krank zu sein, weshalb sie eine Behandlung verweigern. Induzierte Personen hingegen fehlt es oft an Antriebskraft, sich selbstständig Hilfe zu suchen.

Grundsätzlich gilt: Je eher Diagnose und Therapie erfolgen, desto besser sind die Heilungsaussichten. Für die induzierte Person stehen die Chancen auf Genesung deutlich besser.

Für die Therapie der induzierenden Person gelten ähnliche Ansätze wie bei einer klassischen Psychose. In der Regel kommt eine Kombination aus psychotherapeutischer und medikamentöser Behandlung zum Einsatz. In vielen Fällen erfolgt die Therapie stationär.

Muss die induzierte Person ebenfalls behandelt werden? Zwar ist die induzierte Person in der Regel nicht psychisch erkrankt. Mit der Zeit nimmt sie das Wahnsystem des aktiven Parts jedoch an, sodass eine bloße räumliche Trennung nicht immer ausreicht und weitere Maßnahmen notwendig sind. So sollte derdie induzierte Betroffene in einer anderen Klinik behandelt werden als derdie Partner*in. Auch hier bietet sich eine Psychotherapie an, in einigen Fällen kann auch eine medikamentöse Behandlung sinnvoll sein. Ein wichtiger Baustein ist, die Person bei ihrer Integration in die Gesellschaft zu unterstützen.

Die Prognose ist meist gut, wenn die betroffene Person vom Einfluss der wahnerkrankten Person gelöst wird. In vielen Fällen verschwindet der Wahn vollständig, sobald der Kontakt abbricht.

Verlauf und Prognose von Psychosen

Der Verlauf oder die Phasen einer Psychose sind abhängig von der Form der Psychose. Bei sekundären Psychosen hängt er vor allem mit der zugrundeliegenden Ursache zusammen. Bei primären Psychosen kann der Verlauf in vier Phasen eingeteilt werden:

  • Prodomalphase: Man nennt sie auch Vorläuferphase. Beschrieben wird hier der Zeitraum, bevor es zu ersten psychischen Veränderungen oder negativen Symptomen einer Psychose kommt bis zum Auftreten von positiven, psychotischen Anzeichen. Die Dauer dieser Phase kann ca. zwei bis fünf Jahre anhalten.
  • Phase der unbehandelten Psychose: Gemeint ist die Phase vom Anfang durchgängig auftretender psychotischer Symptome bis zum tatsächlichen Beginn einer Behandlung. Meistens dauert diese Phase sechs bis zwölf Monate.
  • Akutphase: Die Phase der akuten Psychose ist geprägt von gestörtem Verhalten aufgrund von Symptomen wie Halluzinationen, Wahnvorstellungen und Denkstörungen, die alle sehr stark ausgeprägt sind. In dieser Phase der Erkrankung verstehen Betroffene oft gar nicht, dass sie eine Psychose haben und krank sind.
  • Langzeitphase: Sind akute positive Symptome verschwunden oder haben sich stabilisiert, kann es vorkommen, dass die negativen Symptome einer Psychose über einen längeren Zeitraum weiter bestehen. Diese Phase kann sich über Jahre ziehen und führt in manchen Fällen zu einem Rückfall in die akute Phase einer Psychose.

Psychosen können Folgen oder Folgeschäden im Alltag haben. Das Leben von Betroffenen wird durch Psychosen stark beeinflusst. Wie stark ist abhängig von der Schwere der Störung oder Erkrankung der Psychose. Durch die auftretenden Symptome, sowohl körperlicher als auch psychischer Art, haben Menschen mit Psychosen oft Probleme in der Arbeitswelt zurecht zu kommen. Sie sind auch von längerfristiger Arbeitsunfähigkeit betroffen. Auch das Bewältigen des alltäglichen Lebens ist als Folge einer Psychose für Betroffene sehr schwierig. Aufgrund der noch vorliegenden Stigmatisierung ist es schwer, für Menschen mit Psychosen mit ihren Mitmenschen zu agieren. Diese reagieren oft abweisend und ängstlich gegenüber Betroffenen.

Ursachen von Psychosen

Bei der Untersuchung der Ursachen müssen die verschiedenen Arten getrennt betrachtet werden. Wie eine primäre Psychose entsteht, ist wissenschaftlich nicht endgültig erforscht. Sicher ist jedoch, dass manche Menschen anfälliger für eine Psychose sind als andere. Auch wenn es sich nicht um eine klassische Erbkrankheit handelt, konnte dennoch nachgewiesen werden, dass z. B. beim Auftreten einer Psychose wie der Schizophrenie genetische Risikofaktoren im Einzelfall für eine Entstehung verantwortlich sein könnten. Keine direkten Auslöser einer Psychose, aber Risikofaktoren, die eine solche verstärken können, sind äußere Umweltfaktoren. Dazu gehören beispielsweise belastende Lebensereignisse. Bei der Entstehung von primären Psychosen geht man aktuell von einem sogenannten multifaktoriellen Ursachengeschehen aus.

Eine sekundäre Psychose definiert sich dadurch, dass eine äußere Ursache feststellbar ist. Auslöser sind unter anderem Hirnschädigungen wie einer Demenz, neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Infektionen, Stoffwechselentgleisungen wie organische Schäden an der Leber oder Vergiftungen.

Diagnose von Psychosen

Um eine genaue Diagnose für eine Psychose zu stellen, finden Gespräche von Therapeutinnen und Therapeuten, Ärztinnen und Ärzten mit den Betroffenen, aber auch Familienangehörigen statt. In einem ausführlichen Gespräch werden aktuelle Symptome, der bisherige Verlauf, das soziale Umfeld, Vorerkrankungen und Lebensgewohnheiten besprochen. Damit eine Psychose richtig behandelt werden kann, muss als erstes geklärt werden, ob es sich um eine primäre oder sekundäre Psychose handelt. Eine organische Psychose kann mit Hilfe von labormedizinischen Untersuchen wie einer Blutuntersuchung und mit Hilfe von apparativen Untersuchungen wie einem EEG oder EKG festgestellt werden. Können alle möglichen körperlichen Auslöser sicher ausgeschlossen werden, wird eine Diagnose für eine primäre Psychose möglich. Trotzdem kommt es nach einer Erstuntersuchung meist zur Beobachtung des weiteren Verlaufes, um die Diagnose wirklich bestätigen zu können.

Behandlung von Psychosen

Die Therapie einer Psychose sollte allerdings schnellstmöglich erfolgen. Bei der Behandlung einer Psychose ist es wichtig, den Betroffenen klarzumachen, dass einige Symptome sich schnell verbessern und andere schwerer in den Griff zu bekommen sind. Grundsätzlich hängt die Art der Behandlung von Psychosen vom Schweregrad ab. So können diese in der Praxis oder einer Tagesklinik, aber auch stationär erfolgen. Weiterer Faktoren, welche die Behandlung und Therapie einer Psychose beeinflussen, sind die Ursachen der Krankheit. Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten zur Therapie von Psychosen. Es ist möglich, dass sich die Symptome einer Psychose durch die richtige und langfristige Behandlung ganz zurückbilden.

Bei der Behandlung einer Psychose, egal welche Ursache sie hat, werden die akuten Symptome mit antipsychotischen Medikamenten bekämpft. Diese lindern oder beseitigen die Symptome und wirken vor allem gegen Wahn und Halluzinationen. Auch nach Besserung der Symptomatik müssen die Medikamente zur Prophylaxe weiter eingenommen werden, um einen Rückfall zu verhindern. Wie lange die Medikamente zur Vorbeugung einer weiteren psychotischen Phase eingenommen werden müssen, ist individuell unterschiedlich. Es werden zwei Arten von Antipsychotika unterschieden. Es gibt die sogenannten typischen wie z. B. Haloperidol und die neu entwickelten atypischen Antipsychotika wie Quetiapin und Clozapin. Unterschieden werden die beiden Arten vor allem in ihren Nebenwirkungen. Welches Medikament zur Behandlung zum Einsatz kommt, wird je nach Fall von einer Ärztin oder einem Arzt festgelegt.

Psychotherapeutische Gespräche und andere kognitive Psychotherapieverfahren können helfen und sich positiv auf den Verlauf einer akuten Psychose auswirken. Primäres Ziel der Therapien ist es, vor allem die Reizüberflutung der Betroffenen einzudämmen und den Ängsten entgegenzuwirken. Ein weiteres Ziel, ist es Patientinnen und Patienten zu helfen, eine Krankheitseinsicht zu erhalten und genau zu verstehen, was die Psychose für eine Wirkung auf ihr Verhalten hat.

Da Menschen mit einer wahnhaften Störung oder Wahnsymptomen oft ein hohes Suizidrisiko aufweisen, ist eine initiale Exploration der Eigengefährdung, aber auch bzgl. einer ggf. bestehenden Fremdgefährdung, unverzichtbar. Des Weiteren sollte eine genauere Exploration der Wahnsymptome erfolgen, wobei darauf zu achten ist, dass hierbei keine wertenden Aussagen bzgl. der Wahngedanken zu tätigen sind. Bei der Erhebung der Wahnsymptome ist zu bedenken, dass Patient*innen mit Wahnvorstellung oft recht unauffällig erscheinen können, da andere Symptome wie eine formale Denkstörung (z.B. Störungen von Geschwindigkeit, Ausdrucksfähigkeit, logischem Zusammenhang oder Schlüssigkeit der Gedanken) fehlen. Zusätzlich zur Grundanamnese nach SAMPLERS-Schema und der Diagnostik gemäß dem ABCDE-Schema ist eine gründliche biografische Anamnese, welche Informationen wie Lebenskrisen, Isolation, Verlusterlebnisse oder auch eine genauere Suchtanamnese beinhaltet, von großer Relevanz.

Oberstes Therapieziel ist der Aufbau einer vertrauensvollen Verbindung zu den betroffenen Person mit dem Ziel diese einer psychiatrischen Behandlung zuzuführen. Der Transport sollte in eine geeignete, psychiatrische Klinik erfolgen. Sofern eine akute Eigen- oder Fremdgefährdung besteht, ist die Einweisung auf geschlossene psychiatrische Abteilung, ggf. Die Ziele einer ggf. Sofern eine medikamentöse Therapie von Nöten ist, sollten primär Antipsychotika (z.B. Haloperidol und atypische Antipsychotika wie Risperidon, Olanzapin, Quetiapin) eingesetzt werden. Die Gesprächsführung mit den betroffenen Patientinnen sollte in einem vorsichtigen Gleichgewicht zwischen empathischer Validierung der Symptomatik und der Bestärkung/Ermutigung, sich einer psychiatrischen, stationären Behandlung zu unterziehen, unter Zuhilfenahme psychoedukativer Elemente zur Senkung der Ängstlichkeit. Eine Konfrontation mit den Wahninhalten hat im notfallmedizinischen Setting zu unterbleiben (keine Bewertung/Wertung bzw. Das Einbinden der Angehörigen kann sinnvoll sein, wobei dies immer eine Einzelfallentscheidung darstellt, vor allem unter Berücksichtigung des aktuellen Anspannungs-/Agitationslevels. Vor dem Einbeziehen von Angehörigen ist zu berücksichtigen, ob diese ggf. Bzgl. pädiatrischen Patientinnen lässt sich sagen, dass Wahnsymptome sich bei Kindern erst ausbilden können, wenn diese zur sozialen Perspektivenübernahme in der Lage sind.

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