Infektionen von Nieren und Gehirn: Ursachen, Symptome und Behandlung

Nierenerkrankungen und Gehirnentzündungen sind ernstzunehmende Gesundheitsprobleme, die erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen haben können. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Niereninfektionen (Nephritis) und Gehirnentzündungen (Enzephalitis).

Niereninfektionen (Nephritis)

Eine Nierenentzündung, medizinisch als Nephritis bezeichnet, beeinträchtigt die Funktion der Nieren. Die Nieren sind an zahlreichen lebenswichtigen Körperfunktionen beteiligt, darunter die Reinigung des Blutes von Stoffwechselabfallprodukten, die Regulierung des Wasser- und Elektrolythaushaltes, die Unterstützung der Blutdruckregulierung und die Bildung verschiedener Hormone. Eine Nierenentzündung kann daher schwerwiegende Folgen haben, wenn die Nierenfunktion eingeschränkt ist oder ganz ausfällt.

Ursachen von Niereninfektionen

Die Ursachen für Niereninfektionen sind vielfältig und hängen von der Art der Entzündung ab. Grundsätzlich unterscheidet man drei Hauptformen:

  • Glomerulonephritis (Nierenkörperchenentzündung): Hierbei entzünden sich die Nierenkörperchen, die für die Filterung des Blutes zuständig sind. Die Glomerulonephritis ist immunvermittelt, d.h. sie entsteht durch die Beteiligung des Immunsystems. Häufigste Ursache ist die IgA-Nephropathie. Sekundäre Formen können durch Grunderkrankungen wie HIV, Autoimmunerkrankungen (z.B. systemischer Lupus erythematodes), Endokarditis, Hepatitis, Krebserkrankungen oder Medikamente ausgelöst werden.
  • Interstitielle Nephritis: Bei dieser Form entzündet sich das Nierenzwischengewebe. Eine akute interstitielle Nephritis entsteht meist als allergische Reaktion auf Medikamente oder durch giftige chemische Stoffe. Seltener sind Infektionen oder genetische Ursachen die Auslöser. Eine chronische interstitielle Nephritis kann durch jahrelangen Medikamentenmissbrauch entstehen.
  • Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis): Diese entsteht meist durch bakterielle Erreger, die über die Harnleiter ins Nierenbecken aufsteigen. Frauen sind aufgrund ihrer kürzeren Harnröhre häufiger betroffen als Männer. In vielen Fällen ist eine akute Nierenbeckenentzündung die Folge einer vorangegangenen Blaseninfektion. Häufigste Erreger sind mit über 70 Prozent die Bakterien Escherichia coli (E. coli), aber auch andere wie Klebsiellen oder Proteus mirabilis können zu einer Pyelonephritis führen.

Weitere Risikofaktoren für Nierenerkrankungen sind:

  • Diabetes mellitus: Diabetes kann die feinen Blutgefäße in den Nieren schädigen und so zu einer Niereninsuffizienz führen. Inzwischen sind immer mehr Kinder und Jugendliche stark übergewichtig und leiden an Diabetes Typ 2.
  • Bluthochdruck: Auch Bluthochdruck schädigt die Nierengefäße und kann eine Niereninsuffizienz verursachen.
  • Übergewicht (Adipositas): Starkes Übergewicht belastet die Nieren und erhöht das Risiko für Diabetes und Bluthochdruck, was wiederum die Nieren schädigt. Außerdem bildet bei Menschen mit Adipositas das Fettgewebe im Bauchraum Entzündungshormone, die die Nieren zusätzlich gefährden.
  • Autoimmunerkrankungen: Einige Autoimmunerkrankungen können die Nieren angreifen. Bei der Glomerulonephritis wendet sich das Autoimmungeschehen ausschließlich gegen die Nieren. Bei einigen systemischen Autoimmunerkrankungen wird die Niere in Mitleidenschaft gezogen - zu nennen sind hier insbesondere die Vaskulitiden, also Gefäßentzündungen, und die Kollagenosen, die das Bindegewebe angreifen.
  • Nierenschädliche Medikamente: Die Einnahme bestimmter Medikamente kann die Nieren schädigen und eine Niereninsuffizienz begünstigen.
  • Angeborene und vererbte Fehlbildungen: Angeborene oder vererbte Fehlbildungen der Nieren können ebenfalls zu einer Niereninsuffizienz führen.

Symptome von Niereninfektionen

Die Symptome einer Nierenentzündung können je nach Form, Ursache und Verlauf variieren. In manchen Fällen zeigen Betroffene lange Zeit keine Symptome, da das gesunde Nierengewebe die Funktion der geschädigten Bereiche kompensiert.

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Mögliche Symptome sind:

  • Glomerulonephritis: Trüber, schaumiger oder rötlich-brauner Urin (durch Eiweiß oder Blut), Wassereinlagerungen (Ödeme), Bluthochdruck, Müdigkeit.
  • Interstitielle Nephritis: Fieber, Gelenkschmerzen, Hautausschlag, knotige Veränderungen unter der Haut, blutiger oder trüber Urin. Manchmal auch akutes Nierenversagen mit fehlender Urinausscheidung.
  • Nierenbeckenentzündung: Meist einseitige Flankenschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, allgemeine Schwäche, erschwertes Urinieren, eventuell Übelkeit. Wenn parallel eine Blasenentzündung besteht, kommen möglicherweise weitere Symptome hinzu: Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen häufiger Harndrang Schmerzen im Unterbauch

Es ist wichtig zu beachten, dass ein roter Strich, der von einer Wunde zum Herzen führt, kein Zeichen für eine Blutvergiftung (Sepsis) ist, sondern eine Lymphbahnenentzündung anzeigt. Unbehandelt kann sich daraus jedoch eine Sepsis entwickeln.

Diagnose von Niereninfektionen

Zur Diagnose einer Nierenentzündung führt der Arzt zunächst ein Gespräch mit dem Patienten, um die Krankengeschichte zu erheben. Anschließend erfolgt eine körperliche Untersuchung, bei der die Nieren abgetastet und abgeklopft werden. Blut- und Urinuntersuchungen sind ebenfalls wichtig. Im Blut wird der Kreatinin-Wert bestimmt, der bei eingeschränkter Nierenfunktion erhöht ist. Im Urin wird auf Eiweiße und Blut untersucht. Bei Verdacht auf eine Glomerulonephritis kann eine Nierenbiopsie durchgeführt werden, um die genaue Form der Entzündung zu bestimmen.

Ein erster Hinweis liefert der Kreatininwert im Blut. Kreatinin ist ein Abbauprodukt der Säure Kreatin, die die Muskeln mit Energie versorgt. Es reichert sich im Blut an, wenn die Nieren nicht ausreichend arbeiten. Auch eine erhöhte Eiweißausscheidung im Urin deutet auf einen Nierenschaden hin. Besonders wichtig ist ein Urintest auf das Eiweiß Albumin. Albumin im Urin tritt schon in frühen Stadien einer Niereninsuffizienz auf. Denn durch Bluthochdruck, Diabetes oder andere Grunderkrankungen können die kleinen Blutgefäße in der Niere löchrig werden. Durch diese Löcher gelangen auch Stoffe in den Urin, die normalerweise im Blut bleiben sollten, so das Eiweiß Albumin. Ein gesunder Mensch hat nur minimale Mengen davon im Urin. Empfindlicher sind die aufwendigeren Labortests auf das Protein Cystatin C und den im Blut frei zirkulierenden Urokinase-Rezeptor suPAR, die bereits lange vor den ersten Symptomen auf ein Nierenproblem hinweisen.

Behandlung von Niereninfektionen

Die Behandlung einer Nierenentzündung richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Erkrankung. Ziel ist es, die Ursache der Entzündung zu beseitigen oder zu behandeln und die Nierenfunktion zu erhalten.

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Mögliche Behandlungen sind:

  • Medikamente: Bei bakteriellen Infektionen werden Antibiotika eingesetzt. Bei immunvermittelten Entzündungen können Immunsuppressiva (z.B. Kortison) verordnet werden. Bei Grunderkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck ist eine gute Einstellung der Medikamente wichtig. Neue Medikamente können den Nierenfunktionsverlust deutlich verlangsamen, sodass viele Patienten gar nicht oder zumindest deutlich später mit einer künstlichen Blutwäsche (Dialyse) beginnen müssen.
  • Allgemeine Maßnahmen: Körperliche Schonung, eiweißarme und salzarme Ernährung können die Nieren entlasten. Bei Wassereinlagerungen können entwässernde Medikamente eingesetzt werden.
  • Dialyse: Bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz kann eine Dialyse (Blutwäsche) notwendig sein, um die Nierenfunktion zu ersetzen. Ist die Organfunktion bereits auf weniger als zehn Prozent gesunken ist, hilft meist nur noch die Dialyse.
  • Nierentransplantation: In schweren Fällen kann eine Nierentransplantation die letzte Behandlungsoption sein. Ein besonderer Weg, eine Spenderniere zu bekommen, ist die Lebendnierenspende. Zum Glück können Menschen mit nur einer Niere auskommen, sonst wären Lebendspenden gar nicht möglich. Stimmen jedoch die medizinischen Voraussetzungen eines Spender-Empfänger-Paares nicht (Gewebe- oder Blutgruppenunverträglichkeit), kann in sehr seltenen Fällen eine "Überkreuz-Lebendspende" (Cross-over-Transplantation) zwischen zwei Spender-Empfänger-Paaren durchgeführt werden. Dazu wird ein anderes Paar gesucht, bei denen die immunologischen Voraussetzungen für eine gegenseitige Spende ebenfalls nicht gegeben sind. Die zwei Paare müssen sich persönlich kennenlernen und vor einer Lebendspende-Kommission glaubhaft versichern, dass sie bereit sind, dem/der anderen Empfänger/in eine Niere zu spenden. In einigen Bundesländern sind Cross-over-Transplantationen jedoch nicht erlaubt. In Deutschland ist es momentan noch schwierig, passende Paare zu finden, weil es keine zentrale Datenbank für die Vorauswahl gibt. Da sehr viele medizinische Daten übereinstimmen müssen, sind auch entsprechende Computerprogramme notwendig.

Vorbeugung von Niereninfektionen

Eine ursächliche Vorbeugung von Nierenentzündungen ist schwierig, da die Ursachen vielfältig sind. Eine gesunde Lebensweise mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr, ausgewogener Ernährung und regelmäßiger körperlicher Aktivität kann jedoch die Nierengesundheit fördern. Wer an Diabetes, Übergewicht und Bluthochdruck leidet, sollte regelmäßig die Nierenwerte überprüfen lassen und möglichst rechtzeitig umsteuern: Viel Bewegung und eine nierengesunde Ernährung können dazu beitragen, dass sich die Erkrankung zumindest nicht verschlimmert und so eine schwerwiegende Niereninsuffizienz hinauszögert wird. Auch mit Medikamenten lässt sich bei rechtzeitiger Diagnose ein Nierenschaden oft bremsen.

Gehirnentzündung (Enzephalitis)

Eine Enzephalitis ist eine Entzündung des Gehirns, bei der mehr oder weniger große Anteile des Gehirngewebes betroffen sind. Sie wird in den meisten Fällen von Viren ausgelöst, aber auch Bakterien oder Pilze können dafür verantwortlich sein.

Ursachen von Gehirnentzündungen

Eine Enzephalitis kann durch verschiedene Erreger oder Autoimmunprozesse verursacht werden:

  • Infektiöse Enzephalitis: Viren sind die häufigste Ursache. Besonders häufig sind Herpes-simplex-Viren, FSME-Viren (Frühsommer-Meningoenzephalitis, übertragen durch Zecken), Epstein-Barr-Viren, West-Nil-Viren, Varizella-Zoster-Viren (Windpocken) und seltener SARS-CoV-2-Viren (COVID-19). Auch Influenzaviren oder das Japanische-Enzephalitis-Virus können eine Enzephalitis verursachen.
  • Autoimmune Enzephalitis: Diese wird durch eine fehlerhafte Antwort des Immunsystems ausgelöst, bei der Autoantikörper gegen Anteile der eigenen Nervenzellen gebildet werden.

Je nach Ursache unterscheidet man verschiedene Typen der Gehirnentzündung:

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  • Primäre Enzephalitis: Die Viren dringen direkt in das Gehirn oder das Rückenmark ein. Auslöser sind häufig typische Kinderkrankheiten wie Mumps oder Masern, aber auch das West-Nil-Virus.
  • Sekundäre Enzephalitis: Dieser Typ tritt ca. zwei bis drei Wochen nach einer Impfung oder Infektion mit einem Virus auf und ist eine Komplikation der körpereigenen Abwehr.

Personen mit einem geschwächten Immunsystem, zum Beispiel bei Autoimmunerkrankungen, Zuckerkrankheit oder einer HIV-Infektion, sind tendenziell anfälliger für eine Infektion mit Bakterien, Pilzen und auch Viren.

Symptome von Gehirnentzündungen

Die Beschwerden bei einer Enzephalitis hängen von den Ursachen und dem Schweregrad der Erkrankung, von der betroffenen Gehirnregion sowie von der allgemeinen gesundheitlichen Verfassung ab.

Folgende Beschwerden können auftreten:

  • Kopfschmerzen
  • (Hohes) Fieber
  • Grippeähnliche Symptome und Abgeschlagenheit
  • Verwirrtheit
  • Epileptische Anfälle
  • Bewusstseinsstörungen
  • Neurologische Symptome wie Lähmungen oder Sprachstörungen
  • Denkstörungen (zum Beispiel Konzentrationsprobleme oder Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses)
  • Veränderungen des Verhaltens
  • Halluzinationen

Da die einzelnen Viren, die eine Enzephalitis auslösen können, verschiedene Areale des Gehirns betreffen, unterscheiden sich auch die Symptome je nach Erreger. Bei kleinen Kindern zeigen sich häufig unspezifische Symptome wie Teilnahmslosigkeit, Nackensteife, Fieber und fehlender Appetit.

Diagnose von Gehirnentzündungen

Um eine Enzephalitis zu diagnostizieren, sind verschiedene Tests und Untersuchungen notwendig. In einem ausführlichen Anamnesegespräch klärt der Arzt die gesundheitliche Vorgeschichte des Patienten. Eine körperliche Untersuchung unterstützt bei der Bestimmung der Erkrankung sowie des entsprechenden Erregers.

Weitere Diagnoseverfahren sind:

  • Bildgebung: Mithilfe einer Computertomografie (CT) sowie einer Magnetresonanztomografie (MRT) werden Schichtaufnahmen des Gehirns angefertigt, um die Entzündung zu lokalisieren.
  • Lumbalpunktion: Eine Ärztin /ein Arzt entnimmt dafür etwas Liquor aus dem Rückenmarkskanal. Liquor ist die Flüssigkeit, die das Rückenmark und das Gehirn umgibt - in dieser Flüssigkeit kann man den für die Enzephalitis verantwortlichen Erreger nachweisen sowie etwaige Autoantikörper finden. Nach der Lumbalpunktion steht im Normalfall der passende Behandlungsweg fest.
  • Blutprobe: Bakterielle Erreger und Entzündungsmarker finden sich auch in einer Blutuntersuchung (Blutkultur). Deshalb wird häufig zu Beginn der Diagnostik Blut entnommen.
  • EEG: Sind häufige epileptische Anfälle ein Symptom der Enzephalitis, wird meist zusätzlich eine Elektroenzephalografie (EEG) durchgeführt.

Behandlung von Gehirnentzündungen

Die Behandlung einer Enzephalitis hängt von der Ursache und dem Schweregrad der Erkrankung ab.

Mögliche Behandlungen sind:

  • Antivirale Medikamente: Bei einer durch Viren verursachten Enzephalitis werden antivirale Medikamente eingesetzt, insbesondere Aciclovir bei Herpes-simplex-Enzephalitis.
  • Immunsuppressiva: Bei einer autoimmunen Enzephalitis können Immunsuppressiva eingesetzt werden, um die fehlgeleitete Immunreaktion zu unterdrücken.
  • Symptomatische Behandlung: Gegen Fieber und Kopfschmerzen können Schmerzmittel und fiebersenkende Mittel eingesetzt werden. Bei epileptischen Anfällen werden Antiepileptika verordnet. In schweren Fällen kann eine intensivmedizinische Behandlung mit Beatmung notwendig sein.

Prävention von Gehirnentzündungen

Einige Maßnahmen können helfen, das Risiko einer Enzephalitis zu verringern:

  • Impfungen: Gegen einige Viren, die eine Enzephalitis verursachen können, gibt es Impfungen, z.B. gegen Masern, Mumps, Röteln und FSME.
  • Zeckenschutz: In Risikogebieten sollte man sich vor Zeckenstichen schützen, z.B. durch das Tragen von langer Kleidung und die Verwendung von Insektensprays.
  • Mückenschutz: Um sich vor von Mücken übertragenen Viren zu schützen, sollte man Mückensprays verwenden und Moskitonetze anbringen.
  • Hygienemaßnahmen: Eine gute Händehygiene kann helfen, die Ausbreitung von Viren zu verhindern.

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