Die Alzheimer-Krankheit ist eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit. Mit einer steigenden Zahl von Betroffenen wächst auch die Bedeutung von Forschung und Prävention. Das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) hat im Laufe der Jahre zahlreiche Studien zu verschiedenen Aspekten der Alzheimer-Krankheit und Demenz durchgeführt. Diese Studien liefern wertvolle Einblicke in die Wahrnehmung der Bevölkerung, die Herausforderungen für das Gesundheitssystem und die Bedeutung von Präventionsmaßnahmen.
Die Angst vor Alzheimer in der Bevölkerung
Eine repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) ergab, dass die Sorge vor der Alzheimer-Krankheit in der Bevölkerung weit verbreitet ist. Insgesamt 61 Prozent der über 70-Jährigen treibt die Sorge vor dieser Krankheit um. Diese Angst ist nicht unbegründet, da jedes Jahr 200.000 Menschen in Deutschland mit Alzheimer diagnostiziert werden.
Der "Sicherheitsreport" zeigte, dass die Sorge um das persönliche Wohlergehen bei den Deutschen an erster Stelle steht. 42 Prozent der Befragten sorgen sich, im Alter zum Pflegefall zu werden und unter Demenz zu leiden. Damit steht diese Befürchtung noch vor der Angst vor den Auswirkungen des Klimawandels, vor Krieg und vor Altersarmut.
Prävalenz von Demenzerkrankungen in Deutschland
Die Forschung zeigt, dass im Jahr 2022 etwa 2,8 % der Bevölkerung ab 40 Jahren in Deutschland von einer Demenzerkrankung betroffen waren. Dies entspricht nahezu 1,4 Millionen Menschen. Mit zunehmendem Alter steigt auch die Prävalenz von Demenzerkrankungen. Bei Personen ab 65 Jahren liegt die Prävalenz bei 6,9 %.
Interessanterweise ergab sich zwischen 2017 und 2022 ein Rückgang der Prävalenz von Demenzerkrankungen in Deutschland um nahezu 0,6 Prozentpunkte. Trotz dieses Rückgangs betont das Robert Koch-Institut (RKI), dass Demenzerkrankungen weiterhin von sehr hoher Public-Health-Relevanz sind und eine große Herausforderung für die Versorgung darstellen. Dies betrifft unter anderem die Vermeidung verhaltensbezogener Risikofaktoren sowie die Förderung von Schutzfaktoren, wie einer guten sozialen Integration bis ins hohe Alter.
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Herausforderungen für das Gesundheitssystem
Experten sehen in der steigenden Anzahl Demenzkranker eine der größten Herausforderungen für das deutsche Gesundheitssystem. Eine vom Institut für Demoskopie Allensbach durchgeführte Befragung unter Gesundheitsexperten ergab, dass 86 % der Experten aus der Politik und 68 % der Wissenschaftler das deutsche Gesundheitssystem für die Demenz-Epidemie als nicht gerüstet ansehen. Das Pflegesystem wird sogar von 91 % der Wissenschaftler und 87 % der Politiker als ungenügend ausgestattet bewertet.
An erster Stelle unter den notwendigen Maßnahmen steht für 84 % der Befragten eine bessere Unterstützung der familiären Pflege. 60 % betonten die Notwendigkeit, auch verstärkt in die Entwicklung neuer Medikamenten zu investieren, die den Ausbruch von Demenz verhindern oder das Fortschreiten zumindest verzögern.
Forschung und Therapieansätze
Die Wissenschaft arbeitet seit Jahren mit Hochdruck an der Erforschung von Präventions- und Behandlungsmöglichkeiten der bislang nicht therapierbaren Erkrankung. Allerdings gibt es auch hinsichtlich der Entstehung noch Fragezeichen. Bekannt ist bisher, dass sich im Zuge der Alzheimer-Demenz im Gehirn fehlgefaltete Amyloid- und Tau-Proteine anreichern.
Forscher des Instituts für Schlaganfall- und Demenzforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität in München sorgten für Aufsehen, als sie herausfanden, wie sich diese Tau-Proteine im Gehirn verbreiten: Sie werden über miteinander verbundene Nervenzellen an den Synapsen an andere Neuronen weitergegeben - genau wie bei einer Infektion.
Eine weitere Studie zeigt, welche Auswirkungen die Darmflora haben kann. Schon länger werden bei Alzheimer-Patienten mehr entzündungsfördernde und weniger entzündungshemmende Bakterien im Darm beobachtet. Nun haben Wissenschaftler der Emory University in Atlanta, USA zunächst an Mäusen festgestellt, wie dieses Ungleichgewicht Alzheimer beschleunigen kann. Noch muss sich zeigen, ob sich das Modell auf den Menschen übertragen lässt; die Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass zukünftig mit optimierter Ernährung oder auch speziellen Nahrungsergänzungsmitteln das Fortschreiten der Erkrankung eingedämmt werden könnte.
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Die forschenden Pharma-Unternehmen führen derzeit weltweit 316 Entwicklungsprojekte zu Alzheimermedikamenten durch. Mehr als 72 Präparate werden derzeit mit Patienten in klinischen Studien erprobt. Damit bestehen trotz Rückschlägen gute Aussichten, dass wir Alzheimer künftig besser behandeln können als heute.
Leben mit Demenz
Trotz der Herausforderungen, die mit der Alzheimer-Krankheit verbunden sind, ist es wichtig, den Fokus auf die Lebensqualität der Betroffenen zu legen. Menschen mit Demenz sind rechtlich betrachtet Menschen mit Behinderung. Seit der Behindertenrechtskonvention muss es darum gehen, ihnen die Teilhabe an den Dimensionen gesellschaftlichen Lebens zu ermöglichen, die ihnen individuell elementar bedeutsam sind.
Der bekannte Heidelberger Gerontologe Andreas Kruse betont, dass Emotionen eine zentrale Ressource demenzkranker Menschen bilden, und dies über alle Phasen der Erkrankung. Der emotionale Ausdruck bietet einen Kompass im Zusammenleben und Umgang mit ihnen. Gerade in frühen Phasen einer Demenz ist es wichtig, sich möglichst offen und intensiv der Welt, der Kultur, der Natur zuzuwenden - als Resonanzen der Dimensionen des Menschseins.
In einer Studie, die in Zusammenarbeit mit dem Institut für Demoskopie Allensbach veröffentlicht wurde, konnte festgestellt werden, dass 77 Prozent der Angehörigen von Menschen mit Demenz hohe emotionale Kompetenzen bei den Betroffenen wahrnehmen. Die Aussage, dass Menschen mit Demenz (oft) Humor besitzen, bejahten 49 Prozent der Angehörigen und nur 17 Prozent derjenigen, die keine Erfahrungswerte in der Begleitung von Personen haben, die mit demenziellen Veränderungen leben.
Prävention und Risikominderung
Bisher kann die Alzheimer-Krankheit durch Präventionsmaßnahmen zwar nicht vermieden werden, dennoch lässt sich das Risiko mindern. Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung und sozialer Interaktion kann dazu beitragen, das Risiko einer Demenzerkrankung zu verringern.
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