Die interne Repräsentation des Gehirns ist ein vielschichtiges Konzept, das in verschiedenen Disziplinen wie Neurowissenschaften, Psychologie, Philosophie und Linguistik untersucht wird. Es bezieht sich auf die Art und Weise, wie das Gehirn Informationen über die Welt, den Körper und den eigenen Geist speichert und verarbeitet. Diese Repräsentationen sind die Grundlage für Wahrnehmung, Kognition, Gedächtnis, Handlungsplanung und viele andere mentale Prozesse.
Was ist eine mentale Repräsentation?
Eine mentale Repräsentation ist die Darstellung und Speicherung von Wissen im menschlichen Gehirn. Dieses Wissen kann in verschiedenen Formen vorliegen, darunter:
- Bilder: Visuelle Vorstellungen von Objekten, Szenen oder Ereignissen.
- Worte: Sprachliche Symbole, die Konzepte und Ideen repräsentieren.
- Zeichen: Abstrakte Symbole, die für bestimmte Bedeutungen stehen.
- Gerüche, Geschmack, Emotionen und Geräusche: Sensorische und emotionale Erfahrungen, die im Gedächtnis gespeichert sind.
Die Strukturierung dieses Wissens kann ebenfalls vielfältig sein:
- Netzwerk- oder diagrammartig: Informationen sind durch Verbindungen und Beziehungen miteinander verknüpft.
- Hierarchisch: Informationen sind in einer Baumstruktur organisiert, mit übergeordneten und untergeordneten Konzepten.
- Szenisch: Informationen sind in Form von Skripten oder Handlungsabläufen gespeichert.
Fischer (2008) beschreibt die mentale Repräsentation als die "Verlagerung der Welt nach Innen", wobei "mentale Vorstellungen bzw. Konzepte von Wirklichkeit sich als 'verinnerlichte Strukturen' in der Regel aus 'äußeren' konkreten gegenständlichen Handlungen in der Auseinandersetzung mit Gegenständen in Alltagssituationen" entwickeln.
Arbeitsmodelle in der Bindungstheorie
Die Bindungstheorie von Shaver und Mikulincer betont die Bedeutung von Arbeitsmodellen, die auf internalisierten Interaktionen mit Bezugspersonen basieren. Eine Person kann mehrere Arbeitsmodelle besitzen, die sich je nach Erfolg oder Misserfolg der Sicherheitserlangung und den Strategien zum Umgang mit Unsicherheit unterscheiden. Diese Arbeitsmodelle bilden ein hierarchisches kognitives Netzwerk, in dem erregende und hemmende Assoziationen miteinander interagieren. Das Erleben von Sicherheit aktiviert beispielsweise Erinnerungen an ähnliche Episoden, was zur Bildung abstrakterer Repräsentationen von sich selbst und anderen führt.
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Overall, Fletcher und Friesen (2003) lieferten Belege für dieses hierarchische kognitive Netzwerk von Bindungsarbeitsmodellen.
Begriffliche Rolle mentaler Repräsentationen
Die begriffliche Rolle einer mentalen Repräsentation bezieht sich darauf, wie wir von Reizen zu Überzeugungen gelangen. Schiffer betont, dass die begriffliche Rolle einer inneren Formel die kontrafaktische Eigenschaft der Formel in der wahrnehmungsmäßigen Glaubensbildung und im Begründen ist. Field (1977) definiert die begriffliche Rolle als die subjektive bedingte Wahrscheinlichkeitsfunktion eines Handelnden. Zwei mentale Repräsentationen haben dieselbe begriffliche Rolle, wenn ihre subjektiven bedingten Wahrscheinlichkeiten gegeben einer anderen mentalen Repräsentation dieselben sind.
Schiffer argumentiert, dass man die begriffliche Rolle anstelle von platonistischen Eigenschaften verwenden kann. Die begriffliche Rolle erlaubt jedoch keine gesetzesartigen Verallgemeinerungen, bietet aber dennoch Verlässlichkeit. Sie ist unabhängig von den Wahrheitsbedingungen zu bestimmen und legt diese auch nicht fest. In der inneren Sprache (Mentalesisch) ist die begriffliche Rolle von Referenz unabhängig.
Ereignisrepräsentation im Gehirn
Gärdenfors modelliert Ereignisse mit zwei Vektoren: einem Kraftvektor, der typischerweise eine Handlung repräsentiert, und einem Resultatvektor, der eine Veränderung einer physischen Bewegung oder eines Objekts beschreibt. Diese kognitiven Modelle zeigen, wie Menschen (oder Tiere) Ereignisse mental repräsentieren. Linguistische Studien beschreiben die Ausdrücke, mit denen Ereignisse konstruiert werden.
Ein Zustand ist eine Menge von Punkten in einem Begriffsraum, und ein Pfad ist eine kontinuierliche Abfolge von Veränderungen. Ein Ereignis beinhaltet wenigstens zwei Vektoren und ein Objekt: einen Resultatvektor, der die Veränderung repräsentiert, und einen Kraftvektor, der die Veränderung verursacht. Bei intransitiven Konstruktionen können der Handelnde und das veränderte Objekt identisch sein, wodurch die Begriffsräume zusammenfallen.
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Gärdenfors betont, dass es hier um mentale Repräsentation geht, nicht um eine wissenschaftliche Darstellung dessen, was bei einem Ereignis physikalisch geschieht.
Semantische Rollen: Agent und Patiens
Agent und Patiens können als Punkte im Kategorienraum repräsentiert werden, wobei die Bereiche des Raums die Eigenschaften beider festlegen. Der Patiens kann belebt oder unbelebt, konkret oder abstrakt sein und hat seinen eigenen Patiens-Raum mit Bereichen für Eigenschaften, die meist die Lokalisierung beinhalten. Der Handelnde hat entsprechend seinen Agent-Raum, der wenigstens einen Kraftbereich hat.
Dowty (1991) stellt prototypische Agenten und prototypische Patienten auf. Lokalistischer Ansatz (Jackendoff), Ansatz über Aspekte (Vendler) und Kausaler Ansatz (Croft) sind verschiedene Ansätze zur Darstellung von Ereignissen. Gärdenfors' Ansatz ähnelt dem kausalen Ansatz, bei dem ein geometrisches Modell entworfen wird und die Vektoren in Relation zu einem Bereich und seiner Information stehen.
Naturalisierung des Gehalts
Schwarz diskutiert die These der "Naturalisierung des Gehalts", die besagt, dass mentale Repräsentationen satzartig sind und ihr Inhalt kompositional erklärt werden kann. Lewis argumentiert jedoch, dass nur die kausale Rolle im Alltagsleben relevant ist. Selbst wenn der Wunsch nach Pilzsuppe sich aus dem Wunsch nach Suppe und dem Wunsch nach Pilz zusammensetzt, ist es ein Pilzsuppenwunsch, wenn er genau die kausale Rolle spielt, unabhängig von seiner Zusammensetzung. Lewis' Theorie soll auch für Wesen gelten, die nicht satzartig repräsentieren.
Mentale Repräsentationen im Gerichtsverfahren
Nadler und Mueller untersuchen, wie Geschworene Beweise verarbeiten und Entscheidungen treffen. Nach dem "Story Model of Juror Decision-Making" (Bennett, 1978; Pennington und Hastie, 1981) organisieren Geschworene Beweise in einer narrativen Weise. Sie füllen Lücken mit ihrem vorhandenen Wissen und konstruieren Geschichten aus den Beweisen. Die Geschworenen erstellen eine Erzählung, die die verschiedenen zuverlässigen Beweise erklärt, und kommen dann zu einer Entscheidung, indem sie die am besten passende Geschichte den Urteilskategorien zuordnen.
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Um konkurrierende Geschichten zu bewerten, verwenden Juroren Kriterien wie die Menge an erklärten Beweisen, die Konsistenz und die Plausibilität. Neuere Untersuchungen haben ergeben, dass der Prozess der Entscheidungsfindung oft bidirektional ist (Holyoak und Simon, 1999). Geschworene rekonstruieren die Informationen in einfachere mentale Repräsentationen, denen ihr kognitives System Kohärenz auferlegt (D. Simon, 2004). Sie bringen auch ihre Alltagsvorstellungen von rechtlichen Kategorien mit in den Gerichtssaal, die beeinflussen, wie sie Beweise bewerten und rechtliche Urteile fällen (Finkel, 2005; Finkel und Groscup, 1997; Robinson und Darley, 1995).
Raum und Zeit im Gehirn
Der Medizin-Nobelpreis wurde für ein Konzept der Hirnforschung verliehen, das gezeigt hat, wie und wo Raum und Zeit in unserer Wahrnehmung entstehen. Es bildet das Koordinatensystem für unser Erinnern und für das Zählen. Thier argumentiert, dass die Mobilität der Tiere Gehirne erforderlich macht. Zur Navigation gibt es im Hippocampus so genannte place cells, die eine Art zellulärer Karte des wahrgenommenen Raumes bilden. Ebenfalls im Hippocampus finden sich time cells, Nervenzellen, die distinkte Momente in einer zeitlichen Abfolge von Ereignissen markieren.
Thier vergleicht Tiere mit Pflanzen und Seescheidenlarven, um zu zeigen, dass Mobilität Gehirne erforderlich macht. Er verdeutlicht dies anhand der place cells im Hippocampus, die spezifische Orte im Raum repräsentieren. Die Raumkarte im Hippocampus ist keine schlichte Abbildung des physikalischen Raumes, sondern eine Repräsentation, die den Mobilitätsanforderungen und den Mobilitätsmöglichkeiten des Tieres Rechnung trägt.
Hippocampus und Gedächtnis
Ortszellen als Grundlage von Raumgedächtnis und Raumwahrnehmung sind auch im menschlichen Hippocampus nachgewiesen worden, und Schäden führen zu Störungen des Raumgedächtnisses. Der Hippocampus ist auch die Basis des deklarativen Gedächtnisses, unserer Fähigkeit, uns an Fakten über die Welt, unsere eigene Biographie und all die alltäglichen und die nichtalltäglichen Ereignisse und Erlebnisse zu erinnern.
Eichenbaum et al. stellen das Konzept des generalisierten Erinnerungsraumes vor, das davon ausgeht, dass Objekte, Orte, Ereignisse und Fakten in dem raumzeitlichen Zusammenhang, in dem sie ursprünglich erlebt werden, abgespeichert werden und im Prozess des sich Erinnerns als Ganzes wieder abgerufen werden.
Die Langzeitspeicherung erfolgt in der Großhirnrinde, dem Neocortex. Der Hippocampus wird gebraucht, um die Überführung von neuen Gedächtnisinhalten in diesen Langzeitspeicher zu orchestrieren. Der Fall des Patienten H.M. belegt die Bedeutung des Hippocampus für die Etablierung eines langfristig verfügbaren deklarativen Gedächtnisses.
Subjekt und Selbstmodell
Metzinger betont die Bedeutung des Selbstmodells für das phänomenale Bewusstsein. Er argumentiert, dass unser Bewusstsein durch ein internes Modell der Realität vermittelt wird, einschließlich eines Modells von uns selbst. Dieses Selbstmodell ermöglicht es uns, uns als Subjekte von Erfahrungen wahrzunehmen und uns in der Welt zu orientieren.
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