Die Repräsentation der Sinnesorgane im Gehirn

Die menschliche Wahrnehmung ist ein komplexer Prozess, der es uns ermöglicht, die Realität durch unsere Sinnesorgane zu interpretieren und darzustellen. Dieser Prozess, bekannt als Repräsentation, ist die Grundlage dafür, wie wir die Welt um uns herum verstehen und mit ihr interagieren.

Was ist Repräsentation?

Repräsentation, abgeleitet vom lateinischen "repraesentare" (wiedergeben, nachahmen), bezieht sich auf die Art und Weise, wie unsere Sinnesorgane die Realität darstellen. Unsere Sinnesorgane - Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken - sind die Kanäle, durch die wir Informationen aus unserer Umgebung empfangen. Diese Informationen werden dann im Gehirn verarbeitet und interpretiert, um ein subjektives Bild der Realität zu erzeugen.

Die Repräsentationssysteme (Submodalitäten)

Die Repräsentationssysteme, auch bekannt als Submodalitäten, beziehen sich auf die spezifischen Sinneskanäle, die wir nutzen, um die Welt wahrzunehmen:

  • Visuell (Sehen): Die Fähigkeit, Bilder, Farben und Formen zu erkennen und zu interpretieren.
  • Auditiv (Hören): Die Fähigkeit, Geräusche, Töne und Sprache zu erkennen und zu interpretieren.
  • Kinästhetisch (Fühlen): Die Fähigkeit, Berührungen, Druck, Temperatur und Schmerz zu spüren und zu interpretieren.
  • Olfaktorisch (Riechen): Die Fähigkeit, Gerüche zu erkennen und zu interpretieren.
  • Gustatorisch (Schmecken): Die Fähigkeit, Geschmäcker zu erkennen und zu interpretieren.

Jeder Mensch hat seine Vorlieben und Abneigungen bei der Nutzung seiner Sinneskanäle. Im Modell von NLP spricht man bei einer solchen Vorliebe vom Leit- oder Präferenzsystem. Wenn Du einmal zwei NLPlern beim Diskutieren zuhörst, wirst Du öfter Begriffe hören wie: die Person X ist ein Visueller, oder die Person Y ist ein Kinästhet. Diese Bezeichnung bezieht sich auf das Leitsystem der jeweiligen Person.

Die Konstruktion der Realität

Aus unseren Sinneswahrnehmungen setzt sich die Welt zusammen, die in uns entsteht. Diese Welt stellt sich für jeden Menschen anders dar, und mit unserer Sprache beschreiben wir anderen Menschen, wie unsere Welt gestaltet ist. Es ist wichtig, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, welche Sprache wir dazu nutzen.

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Alfred Korzybski beobachtete, dass jeder Mensch mit den Äusserungen, die er von sich gibt, auch die Welt beschreibt, die er wahrnimmt. Die Welt, die Du wahrnimmst, wird ja beständig durch Deine Neigungen, Glaubenssysteme und Präferenzen gefiltert.

Die Rolle des Gehirns

Das Gehirn spielt eine entscheidende Rolle bei der Repräsentation der Sinnesorgane. Es verarbeitet die Informationen, die von den Sinnesorganen empfangen werden, und konstruiert daraus ein kohärentes Bild der Realität. Dieser Prozess ist komplex und beinhaltet verschiedene Hirnareale, die jeweils auf die Verarbeitung spezifischer Arten von sensorischen Informationen spezialisiert sind.

Ideen entstehen in Gehirnen

Ideen entstehen in Gehirnen. Und auch alle Prozesse zum Management von Ideen finden in Gehirnen statt. Für viele Anliegen des Ideenmanagements ist es nützlich, eine gewisse Vorstellung davon zu haben, wie Gehirne aufgebaut sind und wie sie funktionieren. Da neue Ideen meist dank neuer Assoziationen entstehen, lade ich Sie von Anfang an zum fröhlichen Assoziieren ein - auch in der Annahme, dass Personen, die selbst offen für Rundumblicke über den Tellerrand sind, inspirierende und erfolgreiche Ideenmanager sind.

Die Verarbeitung visueller Informationen

Die Verarbeitung visueller Informationen beginnt in der Netzhaut des Auges, wo Licht in elektrische Signale umgewandelt wird. Diese Signale werden dann über den Sehnerv zum visuellen Cortex im Gehirn geleitet, wo sie weiterverarbeitet werden. Der visuelle Cortex ist in verschiedene Bereiche unterteilt, die jeweils für die Verarbeitung spezifischer Aspekte des visuellen Reizes zuständig sind, wie z. B. Farbe, Form und Bewegung.

Die Verarbeitung auditiver Informationen

Die Verarbeitung auditiver Informationen beginnt im Innenohr, wo Schallwellen in elektrische Signale umgewandelt werden. Diese Signale werden dann über den Hörnerv zum auditiven Cortex im Gehirn geleitet, wo sie weiterverarbeitet werden. Der auditive Cortex ist in verschiedene Bereiche unterteilt, die jeweils für die Verarbeitung spezifischer Aspekte des auditiven Reizes zuständig sind, wie z. B. Tonhöhe, Lautstärke und Klangfarbe.

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Die Verarbeitung kinästhetischer Informationen

Die Verarbeitung kinästhetischer Informationen beginnt in den Rezeptoren in der Haut, den Muskeln und den Gelenken, die Berührung, Druck, Temperatur und Schmerz erkennen. Diese Signale werden dann über Nervenbahnen zum somatosensorischen Cortex im Gehirn geleitet, wo sie weiterverarbeitet werden. Der somatosensorische Cortex ist in verschiedene Bereiche unterteilt, die jeweils für die Verarbeitung spezifischer Aspekte des kinästhetischen Reizes zuständig sind, wie z. B. Berührung, Druck, Temperatur und Schmerz.

Die Verarbeitung olfaktorischer Informationen

Die Verarbeitung olfaktorischer Informationen beginnt in den Rezeptoren in der Nase, die Gerüche erkennen. Diese Signale werden dann über den Riechnerv zum olfaktorischen Cortex im Gehirn geleitet, wo sie weiterverarbeitet werden. Der olfaktorische Cortex ist eng mit dem limbischen System verbunden, das für Emotionen und Gedächtnis zuständig ist. Dies erklärt, warum Gerüche oft starke emotionale Reaktionen auslösen können.

Die Verarbeitung gustatorischer Informationen

Die Verarbeitung gustatorischer Informationen beginnt in den Rezeptoren auf der Zunge, die Geschmäcker erkennen. Diese Signale werden dann über Nervenbahnen zum gustatorischen Cortex im Gehirn geleitet, wo sie weiterverarbeitet werden. Der gustatorische Cortex ist eng mit dem olfaktorischen Cortex verbunden, was erklärt, warum Geschmack und Geruch oft zusammenwirken, um ein komplexes sensorisches Erlebnis zu erzeugen.

Die Bedeutung der intermodalen Integration

Unsere Sinneseindrücke werden meist nicht durch eine einzelne Modalität geformt, sondern sie sind entscheidend durch das Phänomen der intermodalen Integration (auch multisensorische Integration) geprägt. Die Forschungen auf diesem Gebiet beschäftigen sich mit der Frage, wie die Informationen der verschiedenen Sinnesmodalitäten sich gegenseitig beeinflussen und zu einer kohärenten Repräsentation eines Objekts zusammengeführt werden. So können auch identische Eigenschaften eines Objekts durch verschiedene Sinne bereitgestellt werden. Zum Beispiel kann man die Größe eines Objekts sehen und erfühlen oder die Position eines Objektes sehen und hören. Erkennen kann entsprechend auch als die stabile Entstehung einer mentalen Repräsentation verstanden werden, für die unterschiedliche Verarbeitungskänale hinreichende und bestenfalls eindeutige Evidenzen liefern.

Wahrnehmungstäuschungen

Führen die Ergebnisse des Wahrnehmungsprozesses zu ­einer systematischen Abweichung von den realen und wahrgenommenen Reizmerkmalen, so spricht man von Wahrnehmungstäuschungen. Täuschungen sind Gegenstand der Wahrnehmungspsychologie, weil sie wertvolle Hinweise über die Funktionsweise der an der Wahrnehmung beteiligten Verarbeitungsprozesse liefern. Entgegen mancher populärwissenschaftlichen Darstellung beschränkt sich die Wahrnehmungsforschung aber nicht auf die Analyse von Täuschungen, sondern ihr vorrangiges Interesse gilt der Analyse aller an der Wahrnehmung beteiligten Verarbeitungsprozesse.

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Die Rolle des Kontextes

Je nach Kontext interpretiert das Gehirn ein und dasselbe Muster unterschiedlich - und zwar so, dass es im jeweiligen Zusammenhang Sinn ergibt. Damit löst es Mehrdeutigkeiten schnell auf.

Das Gehirn interpretiert empfangene Signale

Man könnte auch sagen: Das Gehirn interpretiert empfangene Signale so, dass sie zu dem passen, was es für sinnvoll hält. Jeglichen Input interpretieren wir so, dass er zu unseren Vorstellungen passt. Was nicht passt, wird passend gemacht. Tatsächlich nehmen wir stets nur Gesamteindrücke wahr.

Die Wirklichkeit ist eine Konstruktion unseres Gehirns

Der bewusst wahrgenommene Eindruck ist keine Eins-zu-eins-Abbildung der Sinneseindrücke im Gehirn. Er wird vielmehr - ausgelöst durch die Sinneseindrücke und auf Basis unserer Erinnerungen - erst im Gehirn zusammengesetzt: Die von uns bewusst erlebte Wirklichkeit ist eine Konstruktion unseres Gehirns. Diese Konstruktionsleistung erbringt das Gehirn auch bei jeder Erinnerung: Eine erinnerte Szene wird im Moment der Erinnerung neu zusammengesetzt.

Die Bedeutung für das Ideenmanagement

Verbesserungspotentiale müssen bemerkt und vom Einreicher bewusst wahrgenommen werden, damit entsprechende Ideen entwickelt und vorgeschlagen werden können. Die Entstehung von Verbesserungsvorschlägen ist damit (auch) eine wahrnehmungstheoretische Fragestellung: Wie kommt das zustande, was uns als wahrgenommene (= für „wahr genommene“) Wirklichkeit bewusst wird?

Die Evolution der Sinnesorgane

Je nach ökologischer Nische haben Säuger, Vögel und Amphibien im Laufe der Evolution raffinierte Sinnesorgane und Mechanismen für die Wahrnehmung von Reizen entwickelt. Sehen und Hören sind uns in die Wiege gelegt und erscheinen uns damit völlig selbstverständlich. Doch schaut man ins Gehirn, sind unsere Sinnessysteme extrem ausgetüftelt und wurden im Laufe der Evolution mühsam erworben. Die Vorfahren von Mensch und Tier konnten es sich nicht einfach bequem machen in ihrer ökologischen Nische. Anpassung war vielmehr ein ständiges Gebot.

Die künstliche Stimulation von Nervenzellen

Die künstliche Stimulation von Nervenzellen, mit der unter anderem das Gehirn untersucht wird, funktioniert aber offenbar anders. Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass künstlich erzeugte Nervenimpulse bei der Stimulation des Thalamus nicht ohne Weiteres in der Großhirnrinde weitergeleitet werden. Bisher ging man davon aus, dass die künstliche Stimulation von Nervenzellen genauso abläuft wie die Verarbeitung natürlicher Nervenreize. Dass dies zumindest für manche Teile des Gehirns nicht zutrifft, könnte auch medizinisch relevant sein.

Inferierte Informationen

Wenn dem Gehirn visuelle Informationen fehlen, kann es sie selbst ergänzen. Doch wie belastbar sind diese sogenannten inferierten Informationen und wie stark bezieht das Gehirn sie in seine Entscheidungsfindung mit ein?

In vorangegangenen Untersuchungen konnten Forscher zeigen, dass Probanden der inferierten Information mehr vertrauen als sensorischer Information. „Das ist ein paradoxes Ergebnis: Das Gehirn kommt gewissermaßen zu eigenen Schlussfolgerungen und vertraut diesen Schlussfolgerungen dann mehr als dem, was die Augen tatsächlich abbilden“, erklärt ein Wissenschaftler.

Die Biologie der Kognition

In den letzten Jahren ist vor allem über die Theorien von Maturana und Varela die Biologie der Kognition zu einem neuen erkenntnistheoretischen Ansatz geworden. Hier wird besonders betont, daß unser Gehirn ein autopoietisches System sei, das von seiner Umwelt abgeschlossen ist, d.h. nur durch Perturbationen dazu angeregt wird, bestimmte Erkenntnisleistungen zu vollziehen, die so durch Selbstreferentialität charakterisiert sind.

Grundlegende Aspekte der Wahrnehmung

Der Prozess des Wahrnehmens gehört zu den grundlegenden kognitiven psychischen Funktionen. Die Wahrnehmungspsychologie beschäftigt sich damit, wie die Informationen unserer physikalischen Umwelt (distaler Reiz) von unseren Sinnesrezeptoren aufgenommen (proximaler Reiz) und kognitiv verarbeitet werden, wie also der Wahrnehmungseindruck entsteht, der unser Erleben und Verhalten maßgeblich kennzeichnet bzw. beeinflusst.

Funktion von Wahrnehmungsprozessen und kortikale Organisation der Verarbeitung

Die Reaktion eines Individuums auf einen wahrgenommenen Reiz mag man zunächst nicht dem Wahrnehmungsprozess zuordnen, man muss sich aber stets vor Augen führen, dass sich die Sinne lediglich als Hilfsmittel evolutionär entwickelt haben, um ein erfolgreiches Handeln des Individuums in der Umwelt zu ermöglichen. Außerdem zielen viele Reaktionen darauf ab, den Wahrnehmungsprozess in Gang zu halten, etwa durch das Ausrichten der Augen oder der Aufmerksamkeit auf ein Objekt. Sensumotorische Koordinationsprozesse beim Reichen oder Ergreifen eines Objektes sind weitere Beispiele.

Elementare Enkodierungsprozesse

Dieses Problemfeld der ersten frühen Verarbeitungsschritte befasst sich in der visuellen Modalität (early vision) mit der Enkodierung einfacher Merkmale, also Linien, Winkeln und Farben. In der auditiven Modalität ist die Frequenzanalyse mechanischer Schwingungen, die sich in der Schwingung der Cochlea widerspiegeln, elementar.

Bewegungs- und Tiefenwahrnehmung

Objekte werden als bewegt wahrgenommen, wenn sie nacheinander auf verschiedene Netzhautstellen fallen. Wenn man aber mit fixiertem Blick z. B. an einen Baum vorbeifährt, werden durch ihn auch verschiedene Netzhautstellen gereizt, gleichwohl nimmt man den Baum als stationär und sich selbst als bewegt wahr. Bewegungswahrnehmung hat also immer mehrere Facetten. Auch an der Erfassung der Tiefe eines Objekts sind i. d. R. mehrere Tiefenkriterien gleichzeitig beteiligt. Das Ausmaß der Querdisparation, Hinweise aus der Perspektive oder die Verdeckung durch andere Objekte werden intramodal zu einem Tiefeneindruck integriert.

Objektidentifizierung und -kategorisierung

Dies sind Probleme der Objekterkennung und der Organisation in der Wahrnehmung. Will man diese Frage beantworten, wird klar, dass Wahrnehmen ohne den Bezug zu Ordnungs- und Strukturierungsprozessen sowie den bestehenden Wissensbeständen des Wahrnehmenden nicht auskommen kann. Wahrnehmen ist also auch immer eine Interpretation der Rohmaterialien.

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