Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Form der Demenz und betrifft schätzungsweise 1 % der Bevölkerung. Sie ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die durch den Abbau von Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist und zu einer allmählichen Verschlechterung der kognitiven Fähigkeiten führt. Obwohl die genauen Ursachen noch nicht vollständig erforscht sind, spielen veränderte Eiweiße, die sich innerhalb und außerhalb von Nervenzellen ablagern, eine wesentliche Rolle.
Demenz und Alzheimer: Ein Überblick
Demenz ist ein Oberbegriff für verschiedene Krankheitsbilder, die mit einem Verlust der geistigen Fähigkeiten einhergehen. Alzheimer ist eine spezielle und die häufigste Form der Demenz, die etwa 60 bis 80 % aller Demenzfälle ausmacht. Andere Demenzformen sind die vaskuläre Demenz, die Lewy-Körperchen-Demenz und die frontotemporale Demenz.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen der Alzheimer-Krankheit sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen, Umwelt- und Lebensstilfaktoren eine Rolle spielt. Der größte Risikofaktor ist das Alter, wobei die meisten Betroffenen älter als 80 Jahre sind. Erbliche Formen sind selten und machen weniger als 3 % der Fälle aus.
Im Gehirn von Alzheimer-Patienten finden sich typische Eiweißablagerungen, sogenannte Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen. Amyloid-beta-Proteine sammeln sich zwischen den Gehirnzellen an und bilden Oligomere und Plaques, die die Nährstoffversorgung und Kommunikation der Zellen stören. Das Tau-Protein verändert sich chemisch und bildet fadenförmige Strukturen, die die Zellstabilität beeinträchtigen.
Symptome und Verlauf
Die Alzheimer-Krankheit ist eine fortschreitende Krankheit, die sich in verschiedene Schweregrade unterteilen lässt. Der Verlauf ist individuell unterschiedlich, folgt aber bestimmten Mustern.
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Frühes Stadium
Im frühen Stadium treten leichte Beeinträchtigungen des Kurzzeitgedächtnisses auf. Betroffene vergessen Termine, haben Probleme zu planen und sich in ungewohnter Umgebung zurechtzufinden. Sie können sich den Inhalt von Gesprächen nicht einprägen oder abgelegte Gegenstände nicht mehr wiederfinden. Zusätzlich können Störungen des planenden und organisierenden Denkens, Wortfindungs- und Orientierungsstörungen auftreten.
Mittleres Stadium
Im mittleren Stadium lässt auch das Langzeitgedächtnis merklich nach. Betroffene finden sich auch in vertrauter Umgebung schlechter zurecht und die zeitliche Orientierung geht verloren. Sie benötigen zunehmend Hilfe bei einfachen Aufgaben des täglichen Lebens wie Einkaufen, Zubereiten von Mahlzeiten oder der Körperpflege. Viele Erkrankte können keine vollständigen Sätze mehr bilden und sind dadurch schwer zu verstehen. Es können auch ausgeprägte Verhaltensänderungen hinzukommen, wie Unruhe, Reizbarkeit oder Aggressivität.
Spätes Stadium
Im späten Stadium besteht ein hochgradiger geistiger Abbau. Die Sprache beschränkt sich nur noch auf wenige Wörter oder versiegt ganz. Die Betroffenen sind bei allen Verrichtungen des täglichen Lebens auf Hilfe angewiesen. In der Regel geht die Kontrolle über Blase und Darm sowie über die Körperhaltung verloren. Viele können nicht mehr ohne Hilfe gehen, brauchen einen Rollstuhl oder werden bettlägerig. Es können Versteifungen in den Gliedmaßen, Schluckstörungen und Krampfanfälle auftreten. Die Anfälligkeit für Infektionen steigt.
Die sieben Stadien der Alzheimer-Krankheit
Die Symptome von Alzheimer können stark variieren. Die siebenstufige Skala basiert auf einem System, das von Barry Reisberg, M.D., Klinik-Direktor der New York University School of Medicine's Silberstein Aging and Dementia Research Center, entwickelt wurde:
- Stadium 1: Keine Beeinträchtigung. Die Person leidet nicht unter Gedächtnisproblemen.
- Stadium 2: Sehr leichte kognitive Beeinträchtigung. Die Person kann Gedächtnislücken aufweisen, bekannte Wörter vergessen oder Alltagsgegenstände verlegen. Freunde, Familie oder Mitarbeiter bemerken erste Schwierigkeiten.
- Stadium 3: Leichte kognitive Beeinträchtigung. Während eines ausführlichen ärztlichen Gesprächs können Ärzte möglicherweise Probleme mit dem Gedächtnis oder der Konzentration feststellen.
- Stadium 4: Mäßige kognitive Beeinträchtigung. Beeinträchtigte Fähigkeit, herausfordernde Rechenaufgaben im Kopf durchzuführen. Es zeigen sich auffällige Gedächtnis- und Denklücken.
- Stadium 5: Mittelschwere kognitive Beeinträchtigung. Es zeigen sich auffällige Gedächtnis- und Denklücken und manche Betroffene fangen an, Hilfestellung bei alltäglichen Aktivitäten zu benötigen. Schwierigkeiten haben mit weniger anspruchsvollem Kopfrechnen.
- Stadium 6: Schwere kognitive Beeinträchtigung. Das Gedächtnis verschlechtert sich weiterhin, Persönlichkeitsveränderungen können auftreten und Personen benötigen umfangreiche Hilfe bei täglichen Aktivitäten. Hilfe benötigen bei den verschiedenen Schritten des Toilettengangs. Wesentliche Veränderung des Charakters und des Benehmens erfahren, einschließlich Misstrauen und Wahnvorstellungen.
- Stadium 7: Sehr schwere kognitive Beeinträchtigung. In der Endstufe dieser Krankheit verliert eine Person die Fähigkeit, sich seiner oder ihrer Umgebung mitzuteilen, eine Unterhaltung zu führen und schließlich Bewegungen zu kontrollieren. In diesem Stadium wird umfangreiche Hilfe bei der täglichen Betreuung benötigt, einschließlich beim Essen oder dem Gang zur Toilette. Die Fähigkeit zum Lächeln, ohne Unterstützung zu sitzen und den Kopf aufrecht zu halten kann verloren gehen. Reflexe werden abnormal. Muskeln werden starr.
Diagnose
Um festzustellen, ob überhaupt eine Demenz vorliegt, werden zunächst die Symptome und deren Verlauf erfasst. Dies gibt möglicherweise schon Hinweise darauf, ob es sich um eine Alzheimer-Demenz handelt. Anschließend können weitere medizinische Tests und Untersuchungen folgen, wie neuropsychologische Tests, Blutuntersuchungen und bildgebende Verfahren wie MRT oder CT, um andere Ursachen auszuschließen und die Diagnose zu bestätigen.
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Behandlung
Alzheimer-Demenz ist bisher nicht heilbar. Dennoch stehen Behandlungsmöglichkeiten mit und ohne Medikamente zur Verfügung, die darauf abzielen, die Symptome zu lindern, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen zu verbessern.
Medikamentöse Behandlung
Zur medikamentösen Behandlung gehören Acetylcholinesterase-Hemmer, die den Abbau des Botenstoffs Acetylcholin im Gehirn hemmen und den Allgemeinzustand der Betroffenen verbessern können. Bei weiter fortgeschrittener Alzheimer-Krankheit können Glutamat-Antagonisten zum Einsatz kommen, die die Glutamat-Ausschüttung im Gehirn drosseln und sich ebenfalls positiv auf die Kognition auswirken können.
In den USA und Europa sind Antikörper-Wirkstoffe zugelassen, die sich gegen die Ablagerungen des Amyloid-beta-Proteins im Gehirn richten und direkt in den Krankheitsprozess eingreifen können. Diese neuartigen monoklonalen Antikörper könnten die degenerativen Veränderungen im Gehirn verlangsamen.
Nicht-medikamentöse Behandlung
Neben der medikamentösen Behandlung ist die nicht-medikamentöse Behandlung von großer Bedeutung. Sie kann die geistige Leistungsfähigkeit und Alltagsfähigkeiten fördern, Verhaltensstörungen abschwächen und das Wohlbefinden verbessern. Dazu gehören:
- Ergotherapie: zur Verbesserung derAlltagsfähigkeiten undSelbstständigkeit
- Logopädie: zur Verbesserung derKommunikationsfähigkeit
- Physiotherapie: zur Erhaltung derBeweglichkeitund Koordination
- Musik- und Kunsttherapie: zur Förderung der Kreativität und des emotionalen Ausdrucks
- Gedächtnistraining: zurAnregung der geistigen Fähigkeiten
- Realitätsorientierungstraining (ROT): zur Verbesserung der Orientierung in Zeit und Raum
- Validation: zur Wertschätzung der Gefühleund Bedürfnisse der Betroffenen
- Kognitive Verhaltenstherapie: zur Bewältigung von Verhaltensstörungenund emotionalen Problemen
Weitere unterstützende Maßnahmen
- Anpassung des Wohnumfelds: um die Sicherheit und Selbstständigkeit zu fördern
- Beratung und Unterstützung für Angehörige: zurEntlastung undInformation
- Selbsthilfegruppen: zum Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen und Angehörigen
- Tagespflege: zur Entlastung der Angehörigen und zur Förderung der sozialen Kontakte der Betroffenen
- Kurzzeitpflege: zur vorübergehendenEntlastung der Angehörigen
- Hospizversorgung: zur Begleitung in der letzten Lebensphase
Prävention
Obwohl es keine Garantie dafür gibt, dass man Alzheimer verhindern kann, gibt es einige Maßnahmen, die das Risiko möglicherweise reduzieren können:
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- Gesunder Lebensstil: mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung, ausreichend Schlaf und Vermeidung von Risikofaktoren wie Rauchen und übermäßigem Alkoholkonsum
- Geistige Aktivität: durch Lesen, Schreiben, Rätsel lösen, Musizieren oder andere Hobbys
- Soziale Kontakte: durch Teilnahme an sozialen Aktivitäten, Treffen mit Freunden und Familie oder ehrenamtliches Engagement
- Kontrolle von Risikofaktoren: wie Bluthochdruck, Diabetes und Übergewicht
Leben mit Alzheimer
Die Diagnose Alzheimer-Demenz ist für die meisten Menschen ein Schock. Es ist wichtig, sich über die Krankheit zu informieren, Unterstützung zu suchen und realistische Erwartungen zu haben. Menschen mit Demenz wollen sich aktiv an Entscheidungen über ihre Belange beteiligen, solange es ihnen möglich ist. Angehörige benötigen ebenfalls Unterstützung und Angebote, die zur persönlichen Situation und den eigenen Bedürfnissen passen.