Die Borreliose, auch Lyme-Borreliose genannt, ist eine durch Zecken übertragene Infektionskrankheit, die durch Bakterien der Gattung Borrelia verursacht wird. In Europa ist die Lyme-Borreliose die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung. Die klinische Symptomatik ist sehr vielgestaltig und kann Beschwerden an Haut, Nervensystem, Gelenken und Herz umfassen. Die Diagnose und Behandlung der Borreliose erfordert ein umfassendes Verständnis der verschiedenen Stadien und Manifestationen der Erkrankung.
Borreliose: Eine Übersicht
Die Borreliose wird üblicherweise in drei Stadien eingeteilt, wobei jedes Stadium unterschiedliche Symptome und Manifestationen aufweisen kann.
- Früh lokalisiert (Stadium 1): Dieses Stadium ist durch ein Erythema migrans gekennzeichnet, eine umschriebene Hautrötung, die sich um die Bissstelle der Zecke entwickelt. Weitere Symptome können grippale Allgemeinsymptome oder ein Borrelien-Lymphozytom sein.
- Früh disseminiert (Stadium 2): In diesem Stadium können multiple Erythemata migrantia, grippeartige Symptome, Neuroborreliose (lymphozytäre Meningitis, Meningoradikulitis Bannwarth, Enzephalomyelitis), Ophthalmoborreliose, Myositis oder akute Karditis auftreten.
- Spätmanifestation (Stadium 3): Das dritte Stadium kann zu einer Lyme-Arthritis, Acrodermatitis chronica atrophicans (ACA), peripheren Neuropathie oder chronischen Enzephalomyelitis führen.
Es ist wichtig zu beachten, dass Patienten meist nur an einem oder wenigen Symptomen erkranken.
Die Rolle der Lumbalpunktion bei der Diagnose der Neuroborreliose
Die Neuroborreliose ist eine Manifestation der Borreliose, die das Nervensystem betrifft. Bei Verdacht auf eine Beteiligung des Nervensystems ist in der Regel eine Lumbalpunktion (auch „Nervenwasserpunktion“ genannt) erforderlich, um eine entzündliche Reaktion im Nervensystem nachzuweisen. Die Lumbalpunktion ist ein Verfahren, bei dem eine Nadel in den Wirbelsäulenkanal eingeführt wird, um eine Probe des Liquors (Nervenwasser) zu entnehmen. Die Liquoranalyse ermöglicht den Nachweis von Entzündungszeichen, wie z. B. eine erhöhte Anzahl von Zellen (Pleozytose) und ein erhöhter Proteingehalt.
Ein typischer Fall, der die Notwendigkeit einer Lumbalpunktion verdeutlicht, ist der eines 59-jährigen Mannes, der sich mit Müdigkeit, Nacken- und Schulterschmerzen, Parästhesien im Gesicht und rechten Arm sowie Atemnot vorstellte. Die klinische Untersuchung ergab eine Schwäche bei der Abduktion des rechten Oberarms, eine rechtsseitige periphere Gesichtslähmung und eine verminderte Inspiration auf der rechten Seite. Aufgrund des Verdachts auf eine Neuroborreliose wurde eine Lumbalpunktion durchgeführt. Die Liquoranalyse zeigte eine lymphozytäre Pleozytose, erhöhte Proteinwerte, Borrelia-burgdorferi-Antikörperspezifitäts-Indizes und Zytokin CXCL13. Nach Diagnose einer Neuroborreliose wurde eine leitliniengerechte Therapie eingeleitet.
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Wann ist eine Lumbalpunktion bei Borreliose erforderlich?
Eine Lumbalpunktion sollte bei Verdacht auf Neuroborreliose in folgenden Fällen in Betracht gezogen werden:
- Neurologische Symptome: Patienten mit neurologischen Symptomen wie Meningitis, Meningoradikulitis Bannwarth, Enzephalitis, Hirnnervenparesen (insbesondere Fazialisparese) oder Myelitis.
- Unklare Diagnose: Bei unklaren Fällen, in denen die Diagnose einer Borreliose nicht eindeutig ist, kann eine Lumbalpunktion helfen, die Diagnose zu bestätigen oder andere Ursachen der Symptome auszuschließen.
- Ausschluss anderer Erkrankungen: Die Liquoranalyse kann auch dazu beitragen, andere Erkrankungen auszuschließen, die ähnliche Symptome wie die Neuroborreliose verursachen können, wie z. B. virale oder bakterielle Meningitis,Multiple Sklerose oder andere neurologische Erkrankungen.
Durchführung und Interpretation der Lumbalpunktion
Die Lumbalpunktion wird in der Regel im Sitzen oder in Seitenlage durchgeführt. Nach Desinfektion der Punktionsstelle wird eine dünne Nadel zwischen den Lendenwirbeln in den Wirbelsäulenkanal eingeführt. Die Entnahme des Liquors erfolgt langsam, um das Risiko von Komplikationen zu minimieren.
Die Liquoranalyse umfasst in der Regel folgende Untersuchungen:
- Zellzahl und Zelldifferenzierung: Bestimmung der Anzahl der Zellen im Liquor und Unterscheidung der verschiedenen Zelltypen (z. B. Lymphozyten, Granulozyten). Eine erhöhte Zellzahl (Pleozytose) deutet auf eine Entzündung hin.
- Proteingehalt: Messung der Gesamtproteinmenge im Liquor. Ein erhöhter Proteingehalt kann ebenfalls auf eine Entzündung oder eine Schädigung der Blut-Hirn-Schranke hinweisen.
- Glukosegehalt: Bestimmung des Glukosegehalts im Liquor. Ein erniedrigter Glukosegehalt kann auf eine bakterielle Meningitis hindeuten.
- Borrelia-Antikörper: Nachweis von Borrelia-spezifischen Antikörpern im Liquor. Ein positiver Antikörpernachweis in Verbindung mit entzündlichen Liquorveränderungen unterstützt die Diagnose einer Neuroborreliose.
- Borrelienspezifischer Antikörper-Index (AI): Der borrelienspezifische AI wird berechnet, um die intrathekale Antikörperproduktion zu bestimmen. Ein erhöhter AI deutet auf eine lokale Antikörperproduktion im ZNS hin und unterstützt die Diagnose einer Neuroborreliose.
- Chemokin CXCL13: CXCL13 ist ein Zytokin, das bei Neuroborreliose im Liquor deutlich erhöht sein kann. Die Bestimmung von CXCL13 kann insbesondere in frühen Stadien der Neuroborreliose hilfreich sein, wenn die Liquorzellzahl und/oder der borrelienspezifische AI noch unauffällig sind.
Interpretation der Ergebnisse
Die Interpretation der Ergebnisse der Lumbalpunktion sollte immer im Zusammenhang mit der klinischen Präsentation des Patienten und den Ergebnissen anderer diagnostischer Tests erfolgen. Ein positiver Antikörpernachweis im Serum allein ist nicht beweisend für eine aktive Borreliose, da Antikörper auch nach einer früheren Infektionpersistieren können.
Kontraindikationen und Risiken der Lumbalpunktion
Obwohl die Lumbalpunktion ein relativ sicheres Verfahren ist, gibt es bestimmte Kontraindikationen und Risiken, die berücksichtigt werden müssen:
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- Erhöhter Hirndruck: Bei Verdacht auf einen erhöhten Hirndruck (z. B. durch einen großen Hirntumor) sollte vor der Lumbalpunktion eine CT- oder MRT-Untersuchung des Gehirns durchgeführt werden.
- Blutungsneigung: Bei Patienten mit einer stark erhöhten Blutungsneigung sollte keine Lumbalpunktion durchgeführt werden.
- Kopfschmerzen nach Lumbalpunktion: Kopfschmerzen sind die häufigste Komplikation nach einer Lumbalpunktion. Sie treten typischerweise innerhalb der ersten zwei Tage nach der Punktion auf und verstärken sich beim Aufrichten. Die Kopfschmerzen klingen in der Regel nach einigen Tagen von selbst ab.
- Seltene Komplikationen: In seltenen Fällen können bei einer Lumbalpunktion schwerwiegendere Komplikationen auftreten, wie z. B. Blutungen oder Infektionen an der Punktionsstelle oder an den Hirnhäuten.
Alternative und ergänzende diagnostische Methoden
Neben der Lumbalpunktion gibt es auch andere diagnostische Methoden, die bei der Diagnose der Borreliose eingesetzt werden können:
- Serologische Tests: Serologische Tests werden verwendet, um Borrelia-spezifische Antikörper im Serum nachzuweisen. Die serologische Diagnostik sollte jedoch nur bei ausreichendem klinischem Verdacht angefordert werden.
- Direkter Erregernachweis: Der direkte Erregernachweis (z. B. durch PCR oder Kultivierung) kann in bestimmten Fällen hilfreich sein, insbesondere bei differenzialdiagnostisch unklaren Fällen.
- MRT des Gehirns und Rückenmarks: Eine MRT-Untersuchung kann bei Verdacht auf eine Beteiligung des Nervensystems durchgeführt werden, um Entzündungen oder andere Veränderungen im Gehirn und Rückenmark nachzuweisen.
Therapie der Neuroborreliose
Die Therapie der Neuroborreliose besteht in der Gabe von Antibiotika. Die gebräuchlichsten Antibiotika sind Doxycyclin und Ceftriaxon. Die Behandlungsdauer beträgt in der Regel 2 bis 3 Wochen.
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