Migräne und Blutdruck: Ein komplexer Zusammenhang

Migräne und Blutdruck, hängen sie zusammen? Wahrscheinlich schon. Zumindest deuten darauf einige wissenschaftliche Erkenntnisse hin. Auf diese Frage haben selbst Wissenschaftler keine eindeutige Antwort. Das liegt unter anderem daran, dass der Zusammenhang schwierig zu untersuchen ist. Beispielsweise gibt es viele Risikofaktoren wie beispielsweise Übergewicht, die Bluthochdruck zur Folge haben können. Außerdem definieren manche Studien Migräne und Bluthochdruck unterschiedlich.

Einführung

Kopfschmerzen zählen zu den Beschwerden, mit denen viele Menschen routiniert umgehen. Viele Menschen verbinden Kopfschmerzen mit Stress oder Verspannung. Doch ein erhöhter, unbemerkter Bluthochdruck kann das Gefäßsystem im Kopf belasten und einen dumpfen, drückenden Schmerz verursachen. Auch Menschen mit Migräne sollten aufmerksam sein, Studien zeigen, dass sie ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck und Gefäßerkrankungen aufweisen. Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Sie äußert sich durch starke, meist einseitige Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit, Übelkeit und kann in vier Phasen auftreten: Vorphase, Aura, Kopfschmerz- und Rückbildungsphase. Die Beschwerden variieren individuell und können sich in jeder Phase unterschiedlich stark äußern. Außerdem durchläuft nicht jeder Migräne-Anfall alle Phasen.

Der Einfluss des Blutdrucks auf Migräne

Hoher Blutdruck und reduziertes Kopfschmerzrisiko

Nach dem Ergebnis von zwei großen norwegischen Studien mit mehr als 51.000 Männern und Frauen gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Blutdruck und der Wahrscheinlichkeit von Migräne oder anderen Kopfschmerzen. Mit erhöhten systolischen Blutdruckwerten nahm das Risiko von Kopfschmerzen um bis zu 40 Prozent ab, berichten die Forscher. Ein hoher Pulsdruck, Kennzeichen für eine geringe Elastizität der Gefäße, war sogar mit einem bis zu 50 Prozent reduzierten Kopfschmerzrisiko verbunden, sowohl bei Männern als auch bei Frauen.

Die Schmerzforscher führen dies auf eine hypertonieassoziierte Hypalgesie zurück. Dass Hypertoniker häufig eine verminderte Schmerzempfindung haben, ist bereits in den 80er-Jahren beobachtet worden und durch tierexperimentelle Studien gut belegt. Diese hypertonie-assoziierte Hypalgesie soll über eine Stimulierung der Barorezeptoren im Karotissinus vermittelt werden. Dieser reguliert nicht nur den Blutdruck, sondern verfügt auch über Verbindungen zu Schmerzzentren im Gehirn, die offenbar die Schmerzempfindung dämpfen.

Die Rolle der Pulsamplitude

Die Wissenschaftler untersuchten die Blutdruckwerte von insgesamt 51.353 Männern und Frauen. Erfasst wurden der systolische und der diastolische Druck - der obere und der untere Wert, die bei Blutdruckmessungen angegeben werden -, sowie die sogenannte Pulsamplitude. Sie beziffert den Unterschied zwischen dem systolischen Druck, den das Herz während einer Kontraktion erzeugt, und dem diastolischen, der während der anschließenden erschlafften Phase herrscht. Höhere Pulsamplituden waren sowohl bei Männern als auch bei Frauen mit einem um bis zu 50 Prozent verringerten Auftreten von Kopfschmerzen und Migräne verbunden.

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Mögliche Mechanismen

Nach Ansicht der Forscher könnte der Zusammenhang zwischen Blutdruck und Kopfschmerzen auf einer Modulation von Barorezeptoren beruhen, die in der Aortenwand und im Karotissinus lokalisiert sind. Er vermutet, dass dafür der Einfluss des Blutdrucks auf Elastizität und Stabilität der Blutgefäße verantwortlich ist. Schon früher sei ein Zusammenhang zwischen höherem Blutdruck und starreren, festeren Blutgefäßwänden gezeigt worden, erläutert der Forscher. Diese Gewebeveränderung habe Auswirkungen auf den sogenannten Baroreflex, ein System, das für die Steuerung des Blutdrucks zuständig ist und dafür unter anderem Signale aus den Blutgefäßen im Nacken benötigt.

Migräne als Risikofaktor für Bluthochdruck

Erhöhtes Risiko für Hypertonie

Eine Migräne scheint insbesondere bei hohem diastolischen Blutdruck häufiger aufzutreten - wie auch bei Lisa, der jungen Verwaltungsangestellten. Andererseits erhöht eine Migräne bei Menschen mit normalem Blutdruck das Risiko für die Entwicklung eines Bluthochdrucks als Folge der Migräne. Dies trifft ganz besonders auf Frauen in den Wechseljahren zu.

Langzeitstudien bestätigen den Zusammenhang

DGP - Migräne wurde bereits in vorherigen Studien als Risikofaktor für Hypertonie erkannt. Auch bei Frauen in bzw. nach der Menopause schien das Migränerisiko anzusteigen. In einer Langzeitstudie wurde der Zusammenhang genauer untersucht. Frauen in bzw. nach der Menopause leiden tendenziell eher an Migräne und Hypertonie. Die Autoren dieser Studie untersuchten diesen Zusammenhang.

In der Studie, die ab 1993 in Frankreich lief, wurde das Auftreten von Migräne mit „vorhanden“ oder „nicht vorhanden“ bewertet. In einer zweiten Analyse ab 2011 wurde zusätzlich untersucht, ob Migräne mit, ohne Aura oder anderer Art vorlag. In aufsummiert 826 419 Lebensjahren kamen 12 501 Fälle von Hypertonie vor. Davon wurden 3 100 Fälle bei Frauen mit Migräne verzeichnet. Knapp 3-mal so viele, 9 401, kamen bei Frauen ohne Migräne vor. Dies ergab einen statistischen Zusammenhang zwischen Migräne und Bluthochdruck mit einem 1,29-fach höheren Risiko für Hypertonie. Die Autoren konnten somit über 4 Jahrzehnte feststellen, dass ein Zusammenhang zwischen Migräne und dem Risiko für Hypertonie besteht.

Weitere Risikofaktoren

Bekannt ist, dass Übergewicht und Diabetes mellitus häufig mit Bluthochdruck einhergehen. Kommt alles drei zusammen, spricht man vom sogenannten „metabolischen Syndrom“, das mit einem sehr hohen Risiko für gefährliche Herz- und Gefäßerkrankungen einhergeht. Das ist der Grund, warum bei Menschen mit Übergewicht oder mit Diabetes mellitus gezielt auf den Blutdruck geschaut wird.

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Diagnostik und Behandlung

Gemeinsame Betrachtung von Blutdruck und Migräne

Bei Menschen mit Migräne und Bluthochdruck sollten die blutdrucksenkende Therapie und die Migränebehandlung gemeinsam betrachtet werden. Denn wenn mit Blutdrucksenkern normale Blutdruckwerte erreicht werden, verringert sich häufig auch die Anzahl der Migräneanfälle. Andererseits können gerade zu Beginn einer blutdrucksenkenden Therapie Kopfschmerzen auftreten. Ursache dafür sind die in den Blutdrucksenkern enthaltenen gefäßerweiternden Wirkstoffe.

Wir bieten ein umfassendes Diagnosespektrum an, welches gezielt auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen abzielt. Neben Ruhe-EKG und Echokardiographie kommt eine Reihe weiterer Verfahren zum Einsatz, wie Stressechokardiographie, Langzeitblutdruckmessung und Messung des Herzfrequenzvariabilität. Je häufiger Ihr Kopf „Alarm schlägt“, desto dringender ist eine fachärztliche Abklärung.

Neue Erkenntnisse und Empfehlungen

Verschiedene Studien der letzten Jahre haben gezeigt, dass es aber noch deutlich mehr Erkrankungen gibt, die häufig zusammen mit Bluthochdruck auftreten und die Prognose der Betroffenen verschlechtern. Die neue europäische Blutdruckleitlinie der ESH hat nun gleich zehn neue Begleiterkrankungen in den Katalog aufgenommen. Menschen, die diese aufweisen und gleichzeitig zu hohe Blutdruckwerte haben, sind stark gefährdet, sog. kardiovaskuläre Erkrankungen wie einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden.

Zu diesen neuen Komorbiditäten gehören:

  • Nicht alkoholbedingte Lebererkrankung (Fettleber)
  • Nicht-medikamentös einstellbarer Bluthochdruck
  • Schlafstörungen
  • Depression
  • Migräne
  • Erektile Dysfunktion
  • Chronische Infektionen (z. B. Long-COVID)

Menschen, die an diesen Erkrankungen leiden, sollten verstärkt auf ihre Blutdruckwerte achten. Denn viele ahnen nichts von diesem Zusammenhang und merken nicht, dass sie zusätzlich auch an Bluthochdruck leiden. Die rechtzeitige Diagnose ist umso wichtiger, da Bluthochdruck gut behandelbar ist. Wird er frühzeitig erkannt und behandelt, kann das kardiovaskuläre Risiko der Menschen mit diesen Erkrankungen dadurch auf den Normalwert gesenkt werden.

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Blutdruckmessung bei Migräne

Häufig ändert sich bei einem Migräne-Anfall auch der Blutdruck: Bei manchen Betroffenen steigt der Blutdruck, bei anderen sinkt er, bei wieder anderen kommt es zu Schwankungen. Zudem ist besonders Bluthochdruck eine häufige Nebenwirkung von Migräne-Medikamenten. Daher lohnt sich eine Blutdruckmessung bei den betroffenen Patientinnen und Patienten.

Symptome der Migräne

Zu den wichtigsten Symptomen bei Migräne zählen:

  • Starke, meist einseitige Kopfschmerzen, selten auch beidseitig
  • Lichtempfindlichkeit
  • Lärmscheu
  • Übelkeit
  • Aura (neurologische Ausfälle) begleitet oder kündigt die Migräne-Attacke an

Dass Lichtempfindlichkeit, Lärmscheu und Übelkeit auftreten, liegt an einer Reaktion des vegetativen Nervensystems auf den Schmerz. Neben den genannten Beschwerden kann das auch dazu führen, dass die Betroffenen frieren oder zittern. Zusätzlich ist bei Patienten und Patientinnen mit Migräne Schüttelfrost möglich.

Häufig ändert sich bei einem Migräne-Anfall auch der Blutdruck: Bei manchen Betroffenen steigt der Blutdruck, bei anderen sinkt er, bei wieder anderen kommt es zu Schwankungen. Zudem ist besonders Bluthochdruck eine häufige Nebenwirkung von Migräne-Medikamenten. Daher lohnt sich eine Blutdruckmessung bei den betroffenen Patientinnen und Patienten.

Migräne-Symptome in vier Phasen

Eine Migräne kann in vier verschiedene Stadien mit jeweils unterschiedlichen Symptomen eingeteilt werden. Die Beschwerden sind individuell und können sich in jeder Phase unterschiedlich stark äußern. Außerdem durchläuft nicht jeder Migräne-Anfall alle Phasen. Die vier Stadien sind:

  • Vorphase (Prodromalstadium)
  • Aura-Phase
  • Kopfschmerzphase
  • Rückbildungsphase

Symptome in der Migräne-Vorphase (Prodromalphase)

Manchmal zeigen sich Stunden bis zwei Tage vor einer Migräne Anzeichen, die einen Anfall ankündigen. Dazu gehören beispielsweise:

  • Stimmungsschwankungen, Stimmungsveränderungen
  • Heißhunger oder Appetitlosigkeit
  • Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben
  • vermehrtes Gähnen
  • gesteigertes Wasserlassen (Polyurie)
  • gesteigerter Durst (Polydipsie)

Symptome in der Aura-Phase

Manchmal ist Migräne mit einer sogenannten Aura verbunden, die der Kopfschmerzphase vorausgeht oder zeitgleich auftritt. Expertinnen und Experten unterscheiden folgende Arten von Symptomen bei einer Migräne mit Aura:

  • Visuelle Symptome: Diese Sehstörungen kommen am häufigsten vor. Dazu zählen Flimmern und gezackte Formen, manchmal entsteht auch ein Gesichtsfeldausfall (Skotom).
  • Sensorische Symptome: Nadelstichartige Missempfindungen (Parästhesien) sind das zweithäufigste Aura-Symptom. Sie betreffen Teile einer Körperseite.
  • Motorische Symptome: Seltener kommt es zu Bewegungsstörungen, zum Beispiel Schwächen oder Lähmungen, etwa in einem Arm.
  • Hirnstammsymptome: Sie sind typisch für eine Migräne mit Hirnstammaura. Dazu zählen Ohrgeräusche (Tinnitus), Doppelbilder, Sprach- und Bewusstseinsstörungen.
  • Retinale Symptome: Bei der Netzhautmigräne geht die Aura mit Flimmern oder einem Gesichtsfeldausfall einher. Möglich ist auch eine vorübergehende Erblindung.

Symptome in der Kopfschmerzphase

Eine Migräne dauert unterschiedlich lang: Die Kopfschmerzen halten zwischen einigen Stunden und bis zu drei Tagen an. Der Zeitraum kann sich von Anfall zu Anfall immer wieder verändern.

  • Starker, einseitiger Kopfschmerz: Das Hauptsymptom von Migräne ist der anfallsartig auftretende, oft starke Kopfschmerz, der meist nur eine Kopfseite betrifft. Er äußert sich individuell in verschiedenen Kopfregionen, meist aber hinter der Stirn, an den Schläfen oder hinter den Augen. Betroffene beschreiben ihn oft als pulsierend, bohrend oder hämmernd. Typischerweise nimmt die Intensität der Kopfschmerzen im Laufe von Stunden langsam zu.
  • Übelkeit und Erbrechen: Häufige Begleitsymptome bei Migräne sind Übelkeit und Erbrechen. Wissenschaftler vermuten den Grund dafür im gestörten Serotoninhaushalt bei vielen Betroffenen. Serotonin ist ein Botenstoff (Transmitter) im Körper, der sowohl im Gehirn als auch im Magen-Darm-Trakt und in vielen anderen Bereichen des Körpers wirkt.
  • Überempfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen: Während eines akuten Migräne-Anfalls reagieren viele Betroffene sehr sensibel auf helles Licht und laute Geräusche. Der Grund dafür ist bislang nicht sicher geklärt. Jedenfalls ist es sinnvoll, sich während einer Kopfschmerz-Attacke möglichst in einen ruhigen und abgedunkelten Raum zurückzuziehen.
  • Verstärkung durch Aktivität: Die Symptome einer Migräne können durch körperliche Aktivität verstärkt werden, was etwa bei Spannungskopfschmerzen - der häufigsten Art von Kopfschmerzen - nicht der Fall ist. Selbst bei mäßiger Bewegung wie Treppensteigen oder dem Tragen von Einkaufstüten können sich bei Migräne die Kopfschmerzen und das Unwohlsein verschlimmern.

Symptome in der Rückbildungsphase

In der Rückbildungsphase klingen die Migräne-Symptome allmählich ab. Die Rückbildungsphase beschreibt, was nach einem Anfall passiert und mit welchen Nachwirkungen einer Migräne zu rechnen sind. Unmittelbare Symptome in der Rückbildungsphase sind zum Beispiel Müdigkeit, Erschöpfung und Reizbarkeit.

Konzentrationsstörungen, Schwäche und Appetitlosigkeit können noch Stunden nach einem Migräne-Anfall anhalten. In seltenen Fällen erleben Patienten danach eine Art Euphorie. Bis zur vollständigen Erholung können weitere zwölf bis 24 Stunden vergehen.

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