Ist es normal, wenn Frauen einen Nervenzusammenbruch haben? Ursachen, Symptome und Hilfsangebote

Ein Nervenzusammenbruch, umgangssprachlich oft verwendet, ist keine offizielle medizinische Diagnose, sondern beschreibt einen Zustand akuter psychischer Krise. In der Fachsprache wird er als akute Belastungsreaktion bezeichnet. Erfahren Sie mehr über Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten.

Einführung

In unserer modernen Gesellschaft, die von ständiger Erreichbarkeit, hohem Leistungsdruck und vielfältigen Belastungen geprägt ist, erleben viele Menschen Phasen intensiven Stresses. Wenn dieser Stress über einen längeren Zeitraum anhält und die inneren Ressourcen erschöpft sind, kann es zu einer akuten psychischen Krise kommen, die umgangssprachlich als Nervenzusammenbruch bezeichnet wird. Obwohl dieser Begriff in der Medizin nicht offiziell verwendet wird, beschreibt er treffend den Zustand einer akuten Belastungsreaktion, die meist Ausdruck von chronischem Stress oder einer seelischen Überforderung ist. Besonders Frauen sind aufgrund gesellschaftlicher Erwartungen und Rollenbilder häufiger von solchen Krisen betroffen.

Was ist ein Nervenzusammenbruch bzw. eine akute Belastungsreaktion?

Der Begriff "Nervenzusammenbruch" ist ein umgangssprachlicher Ausdruck für eine akute Belastungsreaktion. Diese Reaktion ist eine vorübergehende, aber extreme Antwort auf ein außergewöhnlich belastendes Ereignis. Sie tritt meist innerhalb weniger Minuten nach dem Auslöser auf und kann auch als psychischer oder seelischer Schock bezeichnet werden. Die akute Belastungsreaktion ist ein natürlicher Bewältigungsmechanismus des Körpers, der uns hilft, mit schockierenden Erlebnissen umzugehen.

Es wird zwischen akuten und längerfristigen Reaktionen unterschieden:

  • Akute Belastungsreaktion: Symptome treten kurz nach dem traumatischen Ereignis bis zu 48 Stunden danach auf.
  • Akute Belastungsstörung: Symptome dauern von 48 Stunden bis zu vier Wochen nach dem Erlebnis an.
  • Akute posttraumatische Belastungsstörung: Symptome treten bis zu drei Monate nach dem schockierenden Erlebnis auf.
  • Chronische posttraumatische Belastungsstörung: Symptome bestehen auch nach drei Monaten noch.

Zusätzlich gibt es den sogenannten stillen Zusammenbruch, der mit einer langsamen, schleichenden Verschlechterung des psychischen Zustands einhergeht und sich im Zuge eines kontinuierlichen Stresslevels oder anderer psychisch belastenden Situationen entwickelt.

Lesen Sie auch: Alzheimer vergessen: Ursachen verstehen

Ursachen einer akuten Belastungsreaktion

Die Auslöser für eine Belastungsreaktion können vielfältig sein. Jedes Ereignis, das ein Trauma verursachen kann, kann auch einen Nervenzusammenbruch zur Folge haben. Dazu gehören:

  • Schwere Unfälle
  • Körperverletzungen
  • Krieg oder kriegsähnliche Ereignisse (Terroranschläge)
  • Flucht und Vertreibung
  • Gewalt
  • Naturkatastrophen

Das Alter spielt dabei keine Rolle, jeder Mensch kann betroffen sein. Bestimmte Berufsgruppen, wie Polizei-, Feuerwehrkräfte, Mitarbeitende des Technischen Hilfswerks und der Notfallmedizin, sind aufgrund ihrer häufigen Konfrontation mit traumatischen Ereignissen stärker gefährdet. Auch Menschen mitVorerkrankungen wie Depressionen oder Erschöpfungszuständen haben ein erhöhtes Risiko.

Symptome einer akuten Belastungsreaktion

Die Symptome einer Belastungsreaktion können vielfältig sein und sich von Mensch zu Mensch unterscheiden. Typische Anzeichen sind:

  • Sprachlosigkeit
  • Veränderte Wahrnehmung (Gefühl, sich selbst oder die Umgebung als fremd zu empfinden)
  • Einengung des Bewusstseins (Gedanken kreisen unaufhörlich um die auslösende Situation)
  • Nacherleben der Situation in Form von Alpträumen und Flashbacks
  • Lücken in der Erinnerung
  • Überreizung (Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Schreckhaftigkeit)
  • Stimmungsschwankungen (Aggression, Wut, Angst, Panik, Trauer, Weinen, Lachen)
  • Körperliche Reaktionen (Schweißausbrüche, Herzrasen, Blässe, Übelkeit)

Die körperlichen Reaktionen werden unter anderem durch das Stresshormon Cortisol ausgelöst, das den Körper auf eine gefährliche Situation vorbereitet. Andauernder Stress in Kombination mit Erschöpfung und Überforderung kann den Cortisolspiegel dauerhaft erhöhen und zu einem Nervenzusammenbruch in Verbindung mit einem Burnout-Syndrom führen.

Nervenzusammenbruch durch Stress - Auswirkungen auf den Körper

Ein Nervenzusammenbruch kann das Resultat von langanhaltendem psychischem Stress sein. Er äußert sich durch ein Gefühl von Ungleichgewicht zwischen den eigenen Leistungsmöglichkeiten, Zielen, Bedürfnissen und den äußeren Ansprüchen. Hält der Stress länger an, reagiert der Körper darauf mit Gegenwehr, was vor allem das Immunsystem betrifft. Langfristig führt dieser Zustand zur Erschöpfung verschiedener körperlicher Prozesse, was wiederum weitere körperliche und seelische Krankheiten wie Allergien, Burnout oder Stoffwechselerkrankungen zur Folge haben kann.

Lesen Sie auch: Ernste Anzeichen: Er ist genervt von dir

Häufige Stressauslöser sind:

  • Beruflicher Druck (hohe Arbeitsbelastung, Mobbing, fehlende Anerkennung)
  • Konflikte im privaten oder beruflichen Umfeld
  • Mehrfachbelastungen durch Familie und Beruf
  • Ständiger Termindruck und Erreichbarkeit
  • Kritische Lebensereignisse (Trennungen, Jobverlust, Krankheit)
  • Eigene Ansprüche, Sorgen und Ängste
  • Fehlende soziale Unterstützung (Einsamkeit)

Dauerhafter seelischer Stress kann sich auf vielfältige Weise äußern:

  • Körperlich: Zittern, Weinen, Schwitzen, Übelkeit, Herzklopfen, Kopfschmerzen, Schwindel, Muskelverspannungen, Atembeschwerden, Kloßgefühl im Hals
  • Emotional: Nervosität, innere Unruhe, Niedergeschlagenheit, Kraftlosigkeit
  • Mental: Konzentrations- und Gedächtnisstörungen

Geschlechtsspezifische Aspekte von Stress und Nervenzusammenbrüchen bei Frauen

Studien zeigen, dass Frauen häufiger gestresst sind als Männer. Dies liegt unter anderem daran, dass Frauen nach der Arbeit oft noch den Großteil des Haushalts, der Kinderbetreuung und der Organisation übernehmen (Mental Load). Auch hormonelle Einflüsse (Monatszyklus, Pille, Schwangerschaft, Wechseljahre) spielen eine Rolle. Gestresste Frauen aktivieren im Gehirn die Areale, welche die Emotionsregulation und Aufmerksamkeit betreffen, was sich in Niedergeschlagenheit, Angstzuständen, Verzweiflung, Selbstzweifeln und Grübeln äußern kann.

Burnout bei Frauen

Frauen zeigen 1,6-mal häufiger Symptome eines Burnouts als Männer. Dies liegt vor allem an der Doppelbelastung durch Beruf und Familie und dem erhöhten Mental Load durch Care-Arbeit. Die Burnout-Symptome der Frau können anders als bei Männern auftreten: Sie ignorieren meist ihre Körpersymptome, während Männer Körpersignale ernster nehmen und sich schneller in den sozialen Rückzug begeben.

Hilfe bei einer Belastungsreaktion

Traumatische Erlebnisse sind unvorhergesehen, daher ist schnelle, professionelle Unterstützung wichtig. Bei einem Unfall ist es wichtig, dass die Rettungskräfte vor Ort schnell reagieren und Betroffene versorgen. Je nach Situation kann der psychiatrische Notdienst gerufen werden, der etwa einer suizidgefährdeten Person helfen kann. Dieser erste Schritt ist sehr wichtig, wenn eine Situation mit einer unmittelbaren Gefahr für Betroffene und Anwesende einhergeht.

Lesen Sie auch: Umfassende Informationen über Alzheimer

Selbsthilfemöglichkeiten

Wenn Sie sich selbst in einer psychischen Krise befinden oder eine Person kennen, bei der das der Fall ist, sollten Sie nicht zögern, professionelle Hilfe zu rufen. Anlaufstellen sind:

  • Psychiatrische Praxis oder Klinik
  • Bundesweiter Bereitschaftsdienst (116117)
  • Telefonseelsorge (0800-1110111 oder 0800-1110222)
  • Nummer gegen Kummer für Jugendliche und Kinder (116111)

Die akute Hilfe kann in eine längerfristige Therapie übergehen. Wenn die Auswirkungen des Nervenzusammenbruchs nach kurzer Zeit verschwinden und sich die Person stabil fühlt, kann der weitere Weg selbstständig und mit der Unterstützung vertrauter Menschen gegangen werden. Andernfalls ist weitere Hilfe sehr wichtig.

Längerfristige Behandlung

Je nach Art der Störung und Person kommen verschiedene psychologische Therapien infrage. Zu Beginn findet eine individuelle Beratung statt, um die passende Therapieform zu definieren. Bei Bedarf werden zusätzlich therapiebegleitende Medikamente verschrieben, die die Symptome einer Belastungsstörung lindern sollen.

Was tun, um den Mental Load zu minimieren?

  • Am Arbeitsplatz: Digitale Tools nutzen.
  • In der Familie:
    • "Nein" sagen und sich nicht erklären!
    • Für sich denken und nicht durch die Köpfe anderer.
    • Praktisch und pragmatisch handeln: Fahrgemeinschaften bilden, sich wechselseitig bei der Kinderbetreuung entlasten.
    • Verantwortung abgeben: Andere Personen handhaben Dinge anders, als Frau es selber täte.

Bei Symptomen einer Depression oder eines Burnouts sollte man sich nicht scheuen, eine Therapie zu machen. Frauen können so lernen zu wagen, ihr Familienleben und Arbeitsverhalten neu zu ordnen und Aufgaben gerechter zu verteilen.

Vorbeugung und langfristige Strategien

Begleitend zu einer Therapie können Sie mit eigenen Maßnahmen versuchen, Stress zu regulieren oder ihm vorzubeugen:

  • Kürzertreten: Sowohl beruflich als auch privat.
  • Warnzeichen ernst nehmen: Wer seinen Körper gut kennt, kann erste Anzeichen von Überforderung rechtzeitig wahrnehmen und ernst nehmen.
  • Gesunder Lebensstil: Regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf, ausgewogene Ernährung, bewusste Entspannungstechniken.
  • "Nein" sagen lernen: Nicht jede zusätzliche Aufgabe muss übernommen werden.
  • Austausch mit anderen: Das Pflegen von Freundschaften oder der Besuch einer Selbsthilfegruppe kann helfen, belastende Situationen besser zu bewältigen.
  • Selbstfürsorge: Regelmäßige Pausen und echte Erholungszeiten sind keine Schwäche, sondern Voraussetzung für Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden.

Spezifische Tipps für Frauen

  • Eigenes Wohlergehen hat Vorrang: Frauen neigen dazu, das Wohlergehen anderer über ihr eigenes zu stellen. Ihre seelische und körperliche Gesundheit ist jedoch mindestens genauso wichtig.
  • Stress zugeben: Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung.
  • Stressanalyse: Identifizieren Sie die verschiedenen Aufgaben, Personen oder sonstige Herausforderungen, die Ihnen Stress bereiten.
  • Weg mit den Stressoren: Überlegen Sie sich, welche realistischen Schritte dabei helfen können, den oder die Gründe für Ihren Stress zu entschärfen.
  • Entspannungstechniken: Progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training.

Ärztliche Hilfsangebote

Bei einigen der genannten Symptome sollte man ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, um zu klären, ob tatsächlich psychischer Dauerstress hinter den Beschwerden steckt oder möglicherweise eine organische Ursache vorliegt. Erste Anlaufstelle ist in der Regel der Hausarzt, der bei Bedarf eine Überweisung an einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie ausstellen kann.

Für Akutfälle gibt es die Terminservicestelle der KVSA, die innerhalb von fünf Wochen ein Erstgespräch bei einem zugelassenen Psychotherapeuten vermittelt, bei akuter psychischer Krise sogar innerhalb von drei Wochen.

tags: #ist #dass #normal #dass #frauen #einen