Myasthenia gravis ist eine Autoimmunerkrankung, die durch Muskelschwäche und schnelle Ermüdung gekennzeichnet ist. Die Erkrankung betrifft schätzungsweise 10 von 100.000 Einwohnern und kann in allen Altersgruppen auftreten, wobei Frauen tendenziell früher und stärker betroffen sind als Männer. In den letzten Jahren hat die Forschung die potenziellen Vorteile von Hypnose als ergänzende Behandlung bei Autoimmunerkrankungen, einschließlich Myasthenia gravis, untersucht. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Myasthenia gravis und die Rolle von Heilhypnose bei der Behandlung dieser komplexen Erkrankung.
Was ist Myasthenia Gravis?
Der Begriff Myasthenia gravis pseudoparalytica bezeichnet per Definition eine krankhafte Muskelschwäche beziehungsweise Muskelermüdung (sog. Myasthenie), die durch eine autoimmune Störung der Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel (sog. neuromuskuläre Übertragung) entsteht. Autoimmun bedeutet, dass sich das Immunsystem gegen körpereigenes Gewebe richtet, weshalb die Myasthenia gravis pseudoparalytica zu den Autoimmunerkrankungen zählt.
Ursachen und Pathophysiologie
Einer Myasthenia gravis pseudoparalytica liegen als Ursachen Abwehrreaktionen des Immunsystems gegen körpereigene Strukturen zugrunde. Damit zählt die Myasthenia gravis pseudoparalytica zu den sogenannten Autoimmunerkrankungen.
Normalerweise geschieht diese neuromuskuläre Übertragung über den Botenstoff Acetylcholin: Hierzu bindet das aus der Nervenendigung freigesetzte Acetylcholin an einen eigenen Acetylcholin-Rezeptor auf der Muskelzelle. Bei den meisten Menschen mit Myasthenia gravis pseudoparalytica befinden sich im Blut jedoch Antikörper gegen den Acetylcholin-Rezeptor: Diese Antikörper binden sich anstelle des Botenstoffs Acetylcholin an den Acetylcholin-Rezeptor.
Als mögliche Auslöser für den Ausbruch der Myasthenia gravis pseudoparalytica gelten oft psychische Belastungen: In ungefähr 65 Prozent der Fälle tritt die Erkrankung nach einem seelisch belastenden Ereignis auf. Als Ursache hierfür kommen krankhafte Veränderungen des Thymus infrage: Bei mehr als 80 Prozent der Menschen mit Myasthenia gravis pseudoparalytica ist der Thymus krankhaft verändert. Ein Thymom ist ein vom Thymus ausgehender Tumor. Welche Rolle der Thymus bei der Entstehung der Myasthenia gravis pseudoparalytica spielt, ist jedoch noch nicht vollständig geklärt. Bei den meisten Betroffenen ist der Thymus vergrößert (Thymushyperplasie) oder entzündet (Thymitis).
Lesen Sie auch: Medikamentenliste für Myasthenia Gravis – Achtung!
Symptome
Grundsätzlich kann die Myasthenia gravis pseudoparalytica alle Muskeln des Körpers betreffen, die der Mensch bewusst steuern kann (also auch die Atemmuskulatur, aber z.B. nicht den Herzmuskel). Meistens zeigt sich die Muskelschwäche jedoch zuerst an den Muskeln des Auges. Sehstörungen haben (v.a. Doppelbilder) und hängende Augenlider (Ptosis) sind daher typische Erstsymptome der Myasthenia gravis pseudoparalytica. Wirkt sich die Myasthenia gravis pseudoparalytica auch auf die Gesichtsmuskulatur aus, ist das Gesicht ausdruckslos und schlaff: Dieses Symptom bezeichnet man als Facies myopathica.
Diagnose
Bei der Myasthenia gravis pseudoparalytica besteht der erste Schritt zur Diagnose in einer Untersuchung des Nervensystems (sog. neurologische Untersuchung), die sich an den jeweiligen Symptomen orientiert. Anschließend bieten sich verschiedene Tests mit Arzneimitteln (sog. pharmakologische Tests) an, um die Myasthenia gravis pseudoparalytica zu diagnostizieren. Zwei zur Myasthenia-gravis-Diagnostik gebräuchliche Tests sind unter den Bezeichnungen Tensilon-Test und Prostigmin-Test bekannt: Bei Ersterem bekommt man Edrophonium-Chlorid in die Vene und bei Letzterem Neostigmin in die Muskulatur gespritzt.
Eine Elektromyographie (EMG) kann bei einer Myasthenia gravis pseudoparalytica ebenfalls zur Diagnose beitragen. Die EMG erfasst die elektrische Aktivität eines Muskels und deckt so die für die Erkrankung typischen Veränderungen auf: Bei der Myasthenia gravis pseudoparalytica kommt es rasch zur Muskelermüdung, weil die Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel gestört ist. Darum nimmt der im Elektromyogramm sichtbare Ausschlag, der die Aktivität im entsprechenden Muskel anzeigt, bei anhaltender Muskelbelastung ab. Daneben ist bei der Diagnose der Myasthenia gravis pseudoparalytica eine Blutprobe hilfreich, um im Blut nach Antikörpern gegen den Acetylcholin-Rezeptor zu suchen.
Konventionelle Behandlungen
Bei der Myasthenia gravis pseudoparalytica stehen zur Therapie verschiedene Medikamente zur Verfügung. Da die Muskelschwäche (Myasthenie) durch eine Autoimmunreaktion bedingt ist, kommen in erster Linie Mittel zum Einsatz, die das Immunsystem unterdrücken (sog. Immunsuppressiva). Besonders bewährt haben sich hierbei Azathioprin und Kortikosteroide. Daneben können Cholinesterase-Hemmer bei der Myasthenia gravis pseudoparalytica zur Therapie beitragen: Durch diese Mittel können sich die Beschwerden der Myasthenia gravis pseudoparalytica schnell verbessern.
Verläuft die Myasthenia gravis pseudoparalytica so schwer, dass eine Schwächung der Atemmuskulatur droht, ist eine intensivmedizinische Therapie nötig: Neben Beatmungsmaßnahmen ist es hierbei besonders wichtig, die Antikörper aus dem Blut mithilfe einer sogenannten Plasmapherese zu entfernen. Alternativ besteht die Möglichkeit, hochdosiert Immunglobuline zu verabreichen, welche die körpereigene Autoimmunreaktion hemmen.
Lesen Sie auch: Alles über Myasthenia Gravis
Je nach Dauer und Ausprägung Ihrer Myasthenia gravis pseudoparalytica und abhängig von Ihrem Alter kann auch eine Operation sinnvoll sein, um den Thymus zu entfernen (sog. Thymektomie). Wenn Sie beispielsweise 15 bis 50 Jahre alt sind und bei Ihnen andere Muskelgruppen als die Augenmuskeln von der Myasthenie betroffen sind (sog. generalisierte Myasthenia gravis pseudoparalytica), sind die besten Therapie-Ergebnisse von einer Thymektomie zu erwarten, die spätestens 2 Jahre nach der Diagnose erfolgt. Ist der Thymus vergrößert beziehungsweise ein Tumor des Thymus (Thymom) vorhanden, ist unabhängig von Ihrem Alter und der Ausprägung der Myasthenia gravis pseudoparalytica zur Therapie immer eine Thymektomie ratsam: Dadurch gelingt es in drei Viertel der Fälle, die Beschwerden deutlich zu verbessern.
Wenn Sie neben der Myasthenia gravis pseudoparalytica andere Erkrankungen oder Beschwerden haben, ist bei deren Therapie einiges zu beachten: Für Menschen mit Myasthenia gravis pseudoparalytica sind viele Medikamente nicht geeignet, da sie die krankhafte Muskelschwäche verstärken beziehungsweise eine myasthene Krise auslösen können. Betablocker, einige Antibiotika (z.B. Aminoglykoside und Chinolone) sowie Muskelrelaxantien sind hier besonders kritisch.
Verschlimmert sich die Myasthenia gravis pseudoparalytica zu einer myasthenen Krise, gilt: sofort zur intensivmedizinischen Therapie und Überwachung in eine hierfür spezialisierte Klinik! Die erste Maßnahme gegen eine myasthene Krise besteht darin, den Cholinesterase-Hemmer Pyridostigmin über eine Vene (intravenös) zu verabreichen. Bessern sich die Beschwerden nicht, ist es ratsam, zu intubieren (d.h. einen Schlauch in die Luftröhre einzuführen), um die Atmung zu gewährleisten.
Verlauf und Prognose
Die Myasthenia gravis pseudoparalytica zeigt vorwiegend einen langsamen Verlauf. Angemessen behandelt ist ihre Prognose günstig: Die krankhafte Muskelschwäche (Myasthenie) wirkt sich nicht negativ auf die Lebenserwartung aus. Eine lebensbedrohliche Komplikation der Myasthenia gravis pseudoparalytica ist die myasthene Krise: Hierbei breitet sich die Muskelschwäche rasch aus und schließt auch die Atemmuskulatur ein. Die Folge kann der Tod durch Ersticken sein. Menschen in einer myasthenen Krise sind sofort intensiv-medizinisch zu versorgen, da häufig Maßnahmen zur Wiederbelebung (Reanimation) notwendig sind.
Eine weitere mögliche Komplikation der Myasthenia gravis pseudoparalytica kann durch eine Überdosierung des Cholinesterase-Hemmers entstehen: Diese kann eine cholinerge Krise hervorrufen, in deren Verlauf verengte Pupillen, vermehrter Tränen- und Speichelfluss, Herzrasen und Muskelkrämpfe bis hin zur Atemstörung auftreten. Allerdings können seelische Belastungen bei der Entstehung der Myasthenia gravis pseudoparalytica eine bedeutende Rolle spielen.
Lesen Sie auch: Myasthenie und Sauna: Infos
Die Rolle von Hypnose bei Autoimmunerkrankungen
Autoimmunerkrankungen entwickeln sich zunehmend zu einer globalen Gesundheitskrise. Bei Autoimmunerkrankungen stuft die Immunabwehr körpereigene Zellen fälschlicherweise als fremd und gefährlich ein. Je nachdem, welche Zellen fälschlicherweise als fremd und gefährlich eingestuft werden, entwickelt sich eine andere Krankheit.
Verschiedene Studien zeigen, dass Hypnose eine gute Ergänzung zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen sein kann. In Hypnose kommunizieren alle Teile des Gehirns besser miteinander, selbst die, die normalerweise nicht miteinander kommunizieren. Es werden außerdem innere, psychische Konflikte bearbeitet, was dazu führt, dass der Körper die Psyche nicht mehr “babysitten” muss. Darüber hinaus kann das Erlernen der Selbsthypnose zu einer sehr effektiven Entspannungsreaktion führen. Betroffene lernen quasi sich auf Knopfdruck zu entspannen.
Wie Hypnose bei Myasthenia Gravis helfen kann
Obwohl die Forschung zur Anwendung von Hypnose bei Myasthenia gravis begrenzt ist, gibt es Hinweise darauf, dass Hypnose bei der Bewältigung der Symptome und der Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Autoimmunerkrankungen hilfreich sein kann.
- Stressreduktion: Psychische Belastungen gelten oft als mögliche Auslöser für den Ausbruch der Myasthenia gravis pseudoparalytica. Hypnose kann helfen, Stress abzubauen und Entspannung zu fördern, was sich positiv auf den Verlauf der Erkrankung auswirken kann.
- Schmerzlinderung: Hypnose kann eingesetzt werden, um chronische Schmerzen zu lindern, die im Zusammenhang mit Autoimmunerkrankungen auftreten können.
- Immunmodulation: Einige Studien deuten darauf hin, dass Hypnose das Immunsystem beeinflussen kann, was bei Autoimmunerkrankungen von Vorteil sein könnte.
- Verbesserung der Lebensqualität: Durch die Reduktion von Symptomen und die Förderung des Wohlbefindens kann Hypnose die Lebensqualität von Menschen mit Myasthenia gravis verbessern.
Wissenschaftliche Evidenz für Hypnose
Zur Wirksamkeit einer Hypnose liegen vor allem anekdotische Berichte vor. Jetzt wurde das Verfahren in einer randomisierten kontrollierten Rater-verblindeten Studie bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer Depression mit einer kognitiven Verhaltenstherapie (CBT) als Goldstandard-Psychotherapie verglichen. Ziel dieser monozentrischen Studie war der Nachweis einer „Non-Inferiority“ der manualbasierten Hypnosetherapie (HT). Von 152 Patienten wurden 78 zu einer CBT und 75 zu einer HT randomisiert (ambulant jeweils 16 bis 20 Sitzungen über sechs Monate). Die Abbruchraten betrugen 10,7 % bzw. Der Unterschied in der durchschnittlichen prozentualen Symptomreduktion nach der Montgomery-Asberg-Rating Scale for Depression (MADRS) in der CBT- und HTGruppe war der primäre Endpunkt. Er betrug in der Intention-to-Treat (ITT)-Population (n = 152) 35,8 % vs. 39,8 % und in der Per-Protokol-Population (PPP) (n = 134) 36,3 % vs. 39,1 % zugunsten der HT. Bei der vorab definierten Non-Inferiority-Grenze von 16,4 Punkten bestätigen die Unterschiede von nur 2,8 MADRS-Punkten (95 %-KI: -9,85 bis 15,44) bzw. 4,0 MADRS-Punkten (95 %-KI: -9,27 bis 17,27) eindeutig die Nicht-Unterlegenheit der HT. Diese belegen auch die Follow-up-Befunde der Patienten sechs und zwölf Monate später (Δ -0,84 bzw. 4,01 MADRS-Punkte vs. CBT).
Weitere Therapieansätze
Neben konventionellen Behandlungen und Hypnose gibt es weitere Therapieansätze, die bei Myasthenia gravis in Betracht gezogen werden können:
- Neuraltherapie nach Huneke: Die Neuraltherapie nach Huneke ist eine Reiz-, Regulations- und Umstimmungstherapie mit Hilfe von Injektionen. Neben der direkten pharmakologischen Wirkung spielt vor allem die Wirkung auf lokale und übergeordnete Regelkreise, zur Diagnostik und Therapie eine entscheidende Rolle.
- Funktionelle Medizin: Im Sinne der funktionellen Medizin wird auch bei Autoimmunerkrankungen der Suche nach der wahren Ursache gewidmet. Diese liegt oftmals in Belastungen mit Schwermetallen, in einem schlechten Fettsäurestatus oder weiteren tieferliegenden Problematiken.
tags: #ist #heilhypnose #bei #myasthenia #gravis #einsetzbar